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Michael Wollny
Weltentraum Concert Edition

Product Information

line up

Michael Wollny /
piano & harpsichord on 14 (CD 1)
Tim Lefebvre / upright bass
Eric Schaefer / drums


Recording Information

CD 1:

Recorded by Adrian von Ripka, September 24 & 25, 2013 at Bauer Studios, Ludwigsburg
God Is A DJ recorded by Sound Studio n, March 21, 2013 live at Philharmonie Cologne
Mixed and mastered by Adrian von Ripka

*including an excerpt from ”Nun will die Sonn’ so hell aufgeh'n“ by gustav mahler
Theo Bleckmann appears courtesy of winter & winter

CD 2:

Recorded live by Florian Oestreicher at Jazzclub Unterfahrt, Munich, August 15th & 16th, 2013
Mixed and mastered by Johannes Wohlleben at Bauer Studios, Ludwigsburg

Produced by Siggi Loch with the artists


„jedem anfang wohnt ein zauber inne.“ dieses hermann-hesse-zitat dürfte michael wollny im moment bedingungslos unterschreiben. darf man doch behaupten, dass er binnen kurzem zwei mal vater geworden ist: gerade kam sein erstes kind zur welt, schon im vergangenensommer aber erblickte sein neues trio das licht der musikwelt – als quereffekt einer weiteren genese. denn nach der geburt ihres zweiten kindes hatte sich eva kruse, bassistin von michael wollnys stammtrio [em], zu einer babypause entschlossen. woraufhin wollny und schlagzeuger eric schaefer bei tim lefebvre anklopften, dem bassisten von rudder, jenerwilden us-truppe, mit der man drei jahre zuvor gemeinsam auf „jazz today“-tour war.

„wir wollten einen bassisten ausprobieren, der so weit wie möglich von unserer bisherigen spielweise entfernt war“, berichtet wollny. „tim hatte unseren konzerten seinerzeit aufmerksam zugehört und uns gesagt: ,ich habe keine ahnung, was ihr da macht, aber es fasziniert mich.‘ er kommt ja aus einer ecke, die mit der romantischen klaviermusik, mit der ich aufgewachsen bin, oder auch der zweiten wiener schule und serieller musik, die mich und eric faszinieren, erst einmal wenig anfangen kann. der aber interessanterweise mit manchen seiner formationen oder auch im trio mit wayne krantz zu ganz ähnlichen musikalischen standpunkten kommt. es gibt also, trotz mancher unterschiede, überraschende musikalischen schnittpunkte, und deshalb war er der ideale kandidat.“

die neue band wurde schnell flügge, im januar 2014 erschien das album „weltentraum“ des neuen michael wollny trios: bereits eine bestandene meisterprüfung, eine jazz-promotion gewissermaßen.

mit der „concert edition“ aber hat man jetzt die seltene gelegenheit, noch einmal bei der geburt dieses so rasch erwachsen gewordenen jazz-geschöpfes dabei zu sein. der livemitschnitt dokumentiert die ersten schritte, vor allem aber sozusagen die sprachentwicklung des michael wollny trios, festgehalten an zwei von fünf abenden einer „jazz summer week“ im münchner jazzclub unterfahrt.

erstmals begegneten wollny, schaefer und lefebvre sich da spielend, klopften ihre gemeinsamkeiten ab, ließen sich voneinander inspirieren, suchten bei aller individualität einen gemeinsamen weg.

war das studioalbum „weltentraum“ später zwei leitgedanken verpflichtet, - zum einen einer bestandsaufnahme der ganz persönlichen, stark von der europäischen klassik geprägten musikalischen inspirationsquellen wollnys, zum anderen der vision einer sehr zurückgenommenen, akustischen und liedhaften balladenplatte – so hört man auf „live at the unterfahrt“ noch, wie sich diese gedanken entwickeln. altes [em]-material wie eric schaefers sturm-und-drang-komposition „gorilla biscuit“ lotet die gemeinsame energie aus; bei minimalistischem wie „redux“ schärft man die sinne fürs aufeinander-hören und miteinandersingen; schillernde stil-mixturen wie ”whale“ und ”gravité“ dienen als experimentelle basis fürs gemeinsame improvisieren und vermitteln zwischen den amerikanischen und den europäischen klangwelten.

„tims groove war das frappante, dieses timing,“ erinnert sich wollny, „dazu noch diese intuition: da kommt immer so viel information auf jeder ebene, das ist wirklich krass. Ich glaube, dass innerhalb dieser kurzen zeit sein spiel etwas mit eric und mir gemacht hat. auch wenn wir nicht mit ihm spielen, habe ich das gefühl, dass wir anders spielen als vor ihm.“ was genau da passiert ist, lässt sich vielleicht am besten bei „engel“ sehen. Kann man doch hier nachvollziehen, wie sich intuition und konzept durchdringen. steht wollnys elegische komposition bei der studioproduktion als vollendeter monolith vor uns, so zeigt sie sich live noch als rauschhafte momentaufnahme. als ein festgehaltener augenblick der freiheit, der von wollnys immer wieder entwaffnenden und verblüffenden fähigkeit zeugt, vor publikum in jedem moment das überraschende zu tun, auf jeden einfall der anderen eingehen, jeden wechsel vorwegzunehmen. und so ist „live at the unterfahrt“ das dokument der geburt einer band und das faszinierende protokoll eines entstehungsprozesses, dem nicht nur ein zauber innewohnt, sondern der auch weitere sternstunden verspricht.