Knapp elf Jahre war Ulf Wakenius Gitarrist im Quartett des legendären Oscar Peterson, bis zu dessen Tod im Jahr 2007, ebenso spielte er jahrelang mit Bassist Niels Henning Orsted Pedersen.
Eine wichtige musikalische Partnerin ist die koreanische Sängerin Youn Sun Nah, mit der er, zumeist im Duo, innerhalb der letzten Jahre hunderte umjubelte Konzerte rund um den Globus spielte.
Auf seinen Aufnahmen als Leader zeigt sich der hochvirtuose Gitarrist oft von seiner ruhigen, melodischen Seite, zumeist an der Akustikgitarre – mit Bearbeitungen der Musik von Esbjörn Svensson oder Keith Jarrett ebenso, wie bei seinen stimmungsvollen, oft weltmusikalisch gefärbten Eigenkompositionen.
Magnus Öström - e.s.t. 30CD / Vinyl / digital
Magnus Öström drums
Dan Berglund double bass
Magnus Lindgren tenor saxophone, flute
Joel Lyssarides piano
Verneri Pohjola trumpet
Ulf Wakenius electric guitar
Was bleibt, ist Liebe… Im Jahr 1993 gründeten die drei Schweden Esbjörn Svensson, Dan Berglund und Magnus Öström die Band e.s.t.. Svensson und Öström kannten einander seit der Kindheit und ihren ersten gemeinsamen musikalischen Gehversuchen. Und keiner der Drei ahnte, dass e.s.t. zur einflussreichsten europäischen Jazzband der Nullerjahre werden sollte. Vermutlich wussten sie zum Zeitpunkt ihrer Gründung noch nicht einmal, dass sie eine „Jazz“-Band waren. Alles was sie wollten, war Musik zu spielen, die Ihre Leidenschaften vereinte: Rock, Pop, Klassik, Folk, Improvisation. In den folgenden 15 Jahren spielten e.s.t. tausende Konzerte auf der ganzen Welt, veröffentlichten zehn Studioalben und mehrere Liveaufnahmen, gewannen Auszeichnungen und goldene Schallplatten. Wir alle wissen, wie diese Geschichte endet.Oder hat sie jemals geendet? Wird sie jemals enden? Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums von e.s.t. kamen Magnus Öström und Dan Berglund mit ihren engen musikalischen Freunden Joel Lyssarides, Magnus Lindgren, Verneri Pohjola und Ulf Wakenius für zwei große Konzerte in der Kölner Philharmonie und der Stockholmer Filadelfia Kirche zusammen, um einige der schönsten Stücke des zeitlosen e.s.t. Repertoires zu spielen. Und so wie hier hat man diese noch nicht gehört: Die sechs Musiker, allesamt international vielbeachtete Solokünstler, widmen sich den Kompositionen behutsam und zärtlich, bewahren ihre ikonischen Melodien und Rhythmen, öffnen aber auch immer wieder ganz neue, von Wärme und Licht durchflutete Räume. Füreinander und für das Publikum, welches mit entrücktem Schweigen und frenetischem Schlussapplaus reagiert.Magnus Öström spricht darüber, wie es sich anfühlt, diese Musik heute zu spielen: „Die Emotionen sind vielschichtig, sie haben das Spektrum eines ganzen Lebens. Zunächst fühlt es sich an wie nach Hause zu kommen. Dabei schwingen Freude, Dankbarkeit, aber natürlich auch Traurigkeit mit. Es fühlt sich fast schon surreal an und gleichzeitig wie das Natürlichste auf der Welt. Und irgendwie kann man gar nicht aufhören, darüber zu staunen, wie großartig diese Musik ist. Esbjörns Kompositionen und unsere gemeinsamen Arrangements im Trio fühlen sich einfach zeitlos an.“ Und er betont: „Unterm Strich wird immer wieder klar, dass diese Musik gespielt werden und nicht in einer Schublade verschwinden sollte."e.s.t. 30 gelingt der Zoom aus der maximalen Entfernung hin zur größtmöglichen Nähe. Von der totalen Stille und Schwerelosigkeit des Alls im Opener „From Gagarins Point Of View“ bis zum tiefsten Inneren der menschlichen Seele im Stück „Believe, Beleft, Below“, oder wie es in der späteren Vokalfassung heisst: „Love is Real“. If we meet again, I’d tell you how I feel, I’d tell you from the start, I’d tell you love is real.
Was bleibt, ist Liebe.
Various Artists - Fahrt ins Blaue III - dreamin in the spirit of jazzCD / digital
Esbjörn Svensson E.S.T. Symphony Youn Sun Nah, Ulf Wakenius & Lars Danielsson Wolfgang Haffner Quartet feat. Dusko Goykovich Nils Landgren Quartet Paolo Fresu, Richard Galliano &Jan Lundgren Julian & Roman Wasserfuhr, Tim Lefebvre & Nate Wood Viktoria Tolstoy Cæcilie Norby & Lars Danielsson Matthieu Saglio &Vincent Peirani Ulf Wakenius Norah Jones, Joel Harrison & David Binney Jan Lundgren Quartet Michael Wollny & Vincent Peirani Natalia Mateo Jens Thomas & Christof Lauer
Tagträume und Gutenachtgeschichten in the Spirit of Jazz
„There's a place for us, somewhere a place for us. Peace and quiet and open air wait for us. Somewhere…“, Worte aus Leonard Bernsteins West Side Story-Klassiker dienen der „Fahrt ins Blaue III - dreamin’ in the spirit of jazz“ als Leitmo-tiv: Erhebende Musik als Zufluchtsort für Geist und Seele, Alltagsintermezzo und Kraftquelle. Abschalten heißt ein-schalten: Ruhig, intim, manchmal fast meditativ fließen die 16 Stücke der Zusammenstellung dahin und lassen den Hörer in ganz unterschiedliche musikalische Traumwelten ent-schwinden… Die Zeit scheint still zu stehen, wenn Esbjörn Svenssons erste Klaviernoten erklingen. „Ajar“ und das anschließende „e.s.t. Prelude“ bereiten den Nährboden für den sich über 67 Minuten eröffnenden Klangkosmos. Behutsam erwächst daraus Youn Sun Nahs bittersüßes „Lento“, das auf der Musik des russischen Komponisten Alexander Skrjabin basiert. Nahtlos gefolgt vom melancholischen Jazz-Standard „Autumn Leaves“ in der Interpretation von Wolfgang Haffners „Kind of Cool“-Ensemble. Dann gibt sich Sänger und Posaunist Nils Landgren die Ehre mit dem sanft vorgetragenem und schwerelos im Raum zirkulierenden „Somewhere“. Voller Poesie und Originalität zeigen sich auch Paolo Fresu, Richard Galliano und Jan Lundgren im Mare Nostrum-Trio. Der schwedische Pianist Lundgren steuert mit seinem eigenen Quartett und „No. 9“ eine weitere ohrwurmverdächtige Ballade bei, die den finnischen Saxofonisten Jukka Perko featured. Auf der „Fahrt ins Blaue III“ treffen sich Michael Wollny und Vincent Peirani zum deutsch-französischen Rendezvous. Bei „The Kiss“ bilden die zwei Feingeister ein musikalisches Tan-dem par excellence. Mit dem Cellisten Matthieu Saglio geht Akkordeonist Peirani eine weitere Liaison ein: Auf „Bolero triste“ wird mediterrane Folklore in die Freiheit des Jazz entlassen. Mit ihrer entspannt groovenden Jazz-Ballade „Carlo“ versetzen uns die Gebrüder Wasserfuhr gedanklich an die Brooklyn Bridge New Yorks mit schweifendem Blick auf die schimmernde Skyline von Manhattan in der Abenddämmerung. Ruhe und Inspiration: Ein Mann und seiner Gitarre, Ulf Wakenius spielt Keith Jarretts „My Song“ und das Duo Caecilie Norby und Lars Danielsson präsentiert eine intime, ganz auf den Kern des Songs reduzierte Version von Leonard Cohens Hallelujah. Zwei andere Sängerinnen entführen uns in die Welt des Kinos: In ihrer polnischen Muttersprache interpre-tiert Natalia Mateo das aus Roman Polańskis gleichnamigen Film weltbekannte Wiegenlied „Rosemary’s Baby“. Und Vik-toria Tolstoy bedient sich mit ihrer Version von „Why Should I Care“ einer Songperle aus dem Clint Eastwood Film „True Crime“ .
Auch die unnachahmliche Norah Jones ist zu hören, an der Seite von Gitarrist Joel Harrison und Saxofonist David Binney. Den Country-Song-Klassiker „Tennessee Waltz“ nahm sie als Gast für ACT auf, der auf dem Album „Free Country“ zeit-gleich zu ihrem Welterfolg „Come Away With Me“ erschien. Mit melodischem Sentiment entlassen Jens Thomas und Christof Lauer an Klavier und Saxofon den Hörer schließlich wieder in die Stille. Der Epilog zeigt wie unter einem Brenn-glas die ästhetische Ausrichtung der „Fahrt ins Blaue III“: Traumhafte Musik von beeindruckender Intensität und Dichte.Credits:Mastered by Klaus Scheuermann
Ulf Wakenius - Taste of HoneyCD / Vinyl / digital
Ulf Wakenius guitars Lars Danielsson bass & cello Magnus Öström drums
Noch ein Beatles-Album? Als der schwedische Gitarrist Ulf Wakenius mit dem Vorschlag kam, eine Hommage an Paul McCartney einzuspielen, war Produzent Siggi Loch zunächst skeptisch. Gibt es doch bereits allzu viele Interpretationen der unsterblichen Beatles-Melodien. Doch die Leidenschaft, mit der Wakenius für eine Hommage an eines seiner Idole brannte, vor allem aber das Dreamteam und Allstar-Trio, das er mit Lars Danielsson und Magnus Öström dafür an den Start brachte, überzeugten Loch schließlich. Aber bei der Titelauswahl sollten Facetten McCartneys gezeigt werden, die nicht allzu bekannt sind. Und so erinnerte sich Loch an die Anfänge der Beatles, die er selbst hautnah miterlebt hatte. 1962 sah er mehrere Auftritte der Beatles im Hamburger Star-Club, wo ihre Weltkarriere bekanntlich begann. Der Höhepunkt ihrer Konzerte dort war stets Bobby Scotts Broadway-Song „A Taste of Honey“, gesungen von McCartney. So durfte diese Nummer bei einem „Tribute to Paul McCartney“ nicht fehlen, am Ende wurde sie sogar titelgebend. Ebenso klar war, dass auch weniger bekannte Stücke aus der „Wings“-Periode dabei sein mussten. Die zwölf sorgsam ausgewählten Titel decken nun chronologisch wie stilistisch ein breites Spektrum des Schaffens von McCartney ab. Natürlich auf eine einzigartige, nie gehörte Weise, sind die drei, die hier ihrem Vorbild ein Denkmal errichten, doch jeder für sich selbst unverwechselbare Stilisten.
Bei Ulf Wakenius ist es die Quersumme seiner reichen Erfahrungen, angefangen mit früher Rock-Leidenschaft über den klassischen Modern Jazz in der Zusammenarbeit mit dem Bassisten Nils-Henning Ǿrsted Pedersen wie in den zehn Jahren als Mitglied des Oscar Petersen Quartet bis zur Begleitung herausragender Pop-Jazz-Sängerinnen wie Youn Sun Nah und den eigenen, die üblichen Spielweisen und Ausdrucksformen der Gitarre sprengenden Projekten. Seine besondere Einfühlungs- und Gestaltungskraft hat er auch bereits bei Hommagen an Keith Jarrett und Esbjörn Svensson bewiesen. Nils-Henning Ǿrsted Pedersen ist das Bindeglied zwischen Wakenius und Lars Danielsson, die als zwei der führenden europäischen Jazzer mittlerweile oft zusammengearbeitet haben. Auch Danielsson hat in seiner 40-jährigen Karriere seine Bandbreite stetig erweitert, ob als Begleiter zahlloser Größen von Trilok Gurtu bis zu Charles Lloyd wie mit sei-nem eigenen Allstar-Quartett oder den gemeinsamen Projekten mit dem polnischen Pianisten Leszek Moźdźer oder Cæcilie Norby.
Magnus Öström wiederum hat inzwischen hinlänglich bewiesen, dass er nicht nur auf ewig der Drummer der Jahrhundertband e.s.t. bleiben wird, sondern mit seinen eigenen Projekten auch die Brücke zum Progressive Rock oder völlig eigenwilligen Bands wie Gentle Giant schlagen kann. Nicht zuletzt durch seine Meisterschaft an den Besen und seinen ganz eigenen Sinn für Pausen.
So höre man auf „A Taste of Honey“ nur einmal den federnden Groove, den Öström „Maybe I’m Amazed“ mitgibt. Ein Power-Stück, das die große Bandbreite der Interpretationen und die ernsthafte Vertiefung in die Vorlagen veranschaulicht. Bei „Blackbird“ etwa, einem der liedhaftesten Songs der Beatles überhaupt, stellt Wakenius‘ „singende“ Gitarre so manche Vokal-Version in den Schatten, und die feine Rhythmusarbeit seiner Begleiter kitzelt einen bislang unerhörten Swing aus dem Stück. Aus „My Funny Valentine“ streichen die drei das „funny“ und verleihen ihm stattdessen eine sehnsuchtsvolle Tiefe – unter anderem mit einem ergreifenden Bass-Solo von Danielsson. Ebenso wunderbar reduziert und zur melancholischen Ballade umgeformt erklingen „You Never Give Me Money“ und das zwischen der herzzerreißend romantischen Melodie und den angerissenen Licks und abgedämmten Bässen changierende „Besame Mucho“. Mit dem Latin-Klassiker von Consuelo Velasquez beschloss Paul McCartney einst die Auftritte der Beatles im Liver-pooler Cavern Club, wie Loch seinerzeit mitbekam. So gehörte auch dieses Stück für ihn unbedingt zu einer McCartney-Hommage. Im Finale furioso schließlich verwandelt Wakenius „Eleanor Rigby“, das vielleicht am häufigsten von Jazzer adaptierte Beatlesstück, in eines seiner so extrem druckvollen und bis in jede Note mit Spannung aufgeladenen Zauberstückchen a la „Momento Magico“. Wie also schon Paul McCartney, ob mit den Beatles oder den Wings, einst die Lieblingssongs seiner Vorbilder zu seinen eigenen machte, so ziehen nun Wakenius, Danielsson und Öström dessen unsterbliche Stücke in ihre musikalische Vorstellungswelt. Laden sie mit ihren Gedanken und Gefühlen auf und verschaffen dieser wunderbaren schwedische Hommage an den britischen Sir Paul McCartney so ein zeitloses Eigenleben. Credits:
Produced by Siggi Loch Recorded by Lars Nilsson at Nilento Studio, Gothenburg, September 12 & 13, 2019 Assistant engineer: Michael Dahlvid Mixed and mastered by Lars Nilsson Cover art by Jerry Zeniuk
Various Artists - Magic Moments 13CD / digitalBestes Jazzinfotainment: 16 Tracks, 75 Minuten Musik in the Spirit of Jazz, u.a. mit Nils Landgren & Jan Lundgren, Wolfgang Haffner,Ulf Wakenius, Solveig Slettahjell, Grégoire Maret, Vincent Peirani & Emile Parisien, Kadri Voorand, Viktoria Tolstoy, Jazzrausch Bigband.Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Wolfgang Haffner - Kind of TangoCD / Vinyl / digital
Wolfgang Haffner / drums Lars Danielsson bass & cello Christopher Dell vibraphone Simon Oslender piano Vincent Peirani accordion Ulf Wakenius guitar Alma Naidu vocals Sebastian Studnitzky trumpet Bill Evans saxophone (07 & 09) Lars Nilsson flugelhorn (03) „Kind of Tango ist KEIN Tangoalbum.“ betont Schlagzeuger und Komponist Wolfgang Haffner. „Es geht mir nicht um das ‚Eins zu Eins‘, nicht um das Nachspielen, sondern um eine Übersetzung des Tango-Lebensgefühls in meine musikalische Welt. Während ich Einflüsse aufnehme, verarbeite und weiterschreibe, folge ich meinem eigenen Weg, der mir erlaubt, ich selbst zu sein. Entscheidend ist die Transposition: aus der Bezugnahme entsteht etwas Neues, Zeitgemäßes.“ Auch der jüngste Spross der „Kind of…“ Trilogie ist vor allem eins: 100% Haffner. Nach den Cool-Jazz-Abenteuern auf „Kind of Cool“ und der musikalischen Spurensuche in Haffners temporärer Wahlheimat Spanien auf „Kind of Spain“ geht es nun auf eine Exkursion nach Buenos Aires. Haffner erinnert sich: „Als mir Siggi Loch den Tango als dritte Inspirationsquelle vorschlug, war ich sofort überzeugt. Er ist stark vom Rhythmus geprägt, speist sich aus prägnanten Melodien, die man entwickeln kann und birgt so viele Emotionen in sich. Mich beschäftigt diese Musik schon ziemlich lange. Ein besonders prägendes Erlebnis war ein Konzert, das ich im Jahr 2004 zusammen mit den German Allstars im weltberühmten „Teatro Colon“ in Buenos Aires gab. Nach uns trat das Ensemble von Astor Piazzolla auf und am Ende des Abends spielten beide Besetzungen zusammen.“ Spätestens seitdem war Haffners Interesse am Tango in all seinen Schattierungen, von der klassischen Form bis zu seinen aktuellen, elektronisch angereicherten Formen geweckt.
Für das Album hat sich Haffner neben den bewährten Mitstreitern Christopher Dell und Lars Danielsson zwei Gäste an Bord geholt, die ebenfalls mit den gängigen Tango-Klischees brechen: Der Gitarrist Ulf Wakenius wurde vor allem in der Band von Oscar Peterson geschult und lässt in seinem Spiel immer wieder seine schwedische Heimat anklingen. Vincent Peirani ist einer der führenden Modernisierer des Akkordeons und überführt das doch im Tango tragende Instrument in einen neuen Kontext. Erstmals ist auch der junge Simon Oslender am Klavier dabei.
Neben den Eigenkompositionen Haffners und seiner Bandmitglieder stehen Stücke des berühmten argentinischen Bandoneon-Spielers und Komponisten Astor Piazzolla im Zentrum des Albums. Ein Erneuer des Tangos, der diesen ab Mitte der 1950er Jahre in die Welt des Jazz transportiert hat. Für Haffner ein „perfect match“, denn Tango ist heute mehr denn je keine festgezurrte Stilistik mehr, sondern vor allem auch eine Spielhaltung und ein Lebensgefühl. „Dieses Gefühl im Tango, diese urbane Melancholie und die Kraft, die oft aus der Ruhe und Konzentration der Musik entsteht, sind Dinge, die sich auch durch meine eigene Musik ziehen.“ Man könnte auch sagen: so wie der Blues und Jazz in Amerika „Kind of Cool“ inspirierten und so wie der Flamenco, für viele der „Blues Europas“ das Album „Kind of Spain“ bereicherten, ist es nun, mit dem Tango, der Blues Lateinamerikas der sich durch „Kind of Tango“ zieht. „Kind of Tango“ ist ein Wechselbad der Gefühle. Dramatisch und treibend, aber auch melancholisch und sehnsuchtsvoll drückt sich Haffners Blick auf den Tango aus, bis hin zu frenetischen Ausbrüchen. All das eint sein unnachahmlicher Groove und eine Atmosphäre, die die Presse als „traumhaft“, „magisch“ und „absolut tiefenentspannt“ charakterisiert. Und die Musik des Albums ist, wie auch die der Vorgänger auch ganz besonders: Ein Gegen- und Ruhe-Pol im Kontrast zur Beschleunigung in unserer Welt. Für Haffner selbst und für seine zahlreichen Hörer. Credits:
Cover art (detail) by Gert & Uwe Tobias
Iiro Rantala - Good StuffCD / Vinyl / digital
iiro rantala piano ulf wakenius guitarWien, Rom, Seoul… Iiro Rantala und Ulf Wakenius sind Weltreisende in Sachen Musik. Mit ihren eigenen Projekten sind sie unentwegt auf Tour. Ein Glücksfall also, dass die beiden überhaupt als Duo zusammenfanden. Die Fügung ereignete sich im Oktober 2015 als Rantala und Wakenius einen Zwischenstopp in der Berliner Philharmonie machten. Kurator Siggi Loch hatte sie für das „Tears for Esbjörn“-Konzert im Rahmen von „Jazz at Berlin Philharmonic“ gemeinsam auf die Bühne gebracht: „Dort waren wir Teil eines größeren Ensembles, aber uns war sofort klar, dass wir künftig im Duo spielen wollten“, erzählt Rantala rückblickend. Eine gute Entscheidung, denn, abgesehen von Brad Mehldau mit Pat Metheny, sind Klavier-Gitarren-Duos im Jazz rar.
Immer wenn die beiden eine Lücke in ihren prall gefüllten Terminkalendern fanden, vereinbarten die beiden, sich für Konzerte zu treffen. „Jeder von uns brachte Stücke mit. Aber da wir im Vorfeld immer wenig Zeit hatten, haben wir quasi live auf der Bühne geprobt“, sagt Wakenius schmunzelnd. Es ist genau diese Spontaneität, sich unvoreingenommen und mit großer Neugier auf die Musik einzulassen, die dem Duo seine wundervolle Energie verleiht. Und nicht verlorengegangen ist: Die Stücke des Albums sind fast alle first takes.
Nach dem umjubelten Konzert auf der Jazz Baltica im Sommer 2016 war endgültig klar, dass diese Musik aufgenommen werden musste. Siggi Loch lud die beiden in seine Galerie ein, wo der berühmt gewordene Alfred Brendel-Steinway-D-Flügel auf Rantala wartete: Jedes Stück fängt die Stimmung einer Stadt ein. Es sind Orte, die die Musiker immer wieder besuchen, wo sie oft spielen und zu denen sie eine besondere Beziehung haben: „Vienna“ klingt als hätte es Mozart schreiben können, wäre er heute Jazzmusiker. „Seoul“ verbindet traditionelle koreanische Musik mit der heutigen Urbanität der Metropole. „Helsinki ist heute ein entspannter, groovender Ort“, erzählt Rantala über seine Heimatstadt. Hier wirkt übrigens auch der finnische Bildhauer des CD-Artworks, Jiri Geller: Wesentlichkeit und Verspieltheit, Ernsthaftigkeit und Humor, Tiefgang und Effekt sind bei ihm ebenso keine Widersprüche wie in der Musik des Duos.
Giacomo Puccinis Arie „Nessun Dorma“ verweist auf Mailand, als wichtige Wirkungsstätte der italienischen Oper. Und „Carmen“ von Georges Bizet spielt in Sevilla: Das Duett der Opern-Protagonisten Micaëla und Don José hat Rantala als sanft wiegende Jazz-Ballade arrangiert. Hier singen Klavier und Gitarre. Ulf Wakenius versetzt „Berlin“ in einen Schwebezustand. Die Stadt, die niemals schläft, wird angetrieben von einem stetigen Gitarren-Puls, über den sich eine eingängige wie unkonkret bleibende Melodie legt. In John Coltranes „Giant Steps“ zeigen dann beide, welch begnadete Virtuosen sie sind. Das durch Louis Armstrong berühmt gewordene „What A Wonderful World“ ist die Summe dieser musikalischen Städtetour. Rantala: „Jeder Ort wird von Musik getragen und ist dadurch einzigartig. Diesen Klängen haben wir nachgespürt.“
Stevie Wonders „Sir Duke“ spielen Rantala und Wakenius stets als umjubelte Zugabe ihrer Konzerte. Das Stück musste genauso auf das Album wie das abschließende „Love The Stuff/Ain‘t No Mountain High Enough“ der legendären Jazz-Funk Band der 70er und 80er Jahre „Stuff“ mit Richard Tee, Cornell Dupree und Steve Gadd, die beide sehr verehren. Jene Band inspirierte dann auch zum Albumtitel „Good Stuff“: „Die Stücke bringen Einflüsse und Komponisten zusammen, die für uns sehr prägend waren“, erklärt Wakenius.
Wahrlich gute Sachen, die Rantala und Wakenius hier zusammengetragen haben, aber was sie selbst aus diesen Inspirationen und Vorlagen machen, das ist richtig gutes Zeug. Credits:
Produced by Siggi Loch Recorded by Nanni Johansson at the ACT Art Collection Berlin, May 30 & 31, 2017 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Iiro Rantala played on the “Alfred Brendel” Steinway D-524780, tuned by Thomas Hübsch
Various Artists - Magic Moments 10 "In The Spirit of Jazz"CD / digitalDer Jubiläums-Sampler Magic Moments 10 gibt einen Einblick über die aktuellen Albumveröffentlichungen aus dem ACT Katalog. 14 Titel, über 1 Stunde bestes Jazz-Infotainment „in the spirit of Jazz“.Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Various Artists - The Jubilee ConcertsCD / digitalVarious ArtistsWenn 34 Künstler in den verschiedensten und teilweise noch nicht dagewesenen Konstellationen zusammenkommen, um miteinander zu musizieren, dann braucht es dafür eine verbindende Gesinnung, die die Musik im Innersten zusammenhält: Grenzen nicht zu akzeptieren, offen und neugierig sein für den Anderen, Mut zum Risiko und sich auf das Unerwartete einlassen sowie die Lust, Neues entdecken zu wollen. All dies zeichnet die ACT-Musikerfamilie aus, die aus allen Teilen Europas zu den Jubilee Concerts in Berlin zusammenkam, um ihrem Label zum 25. Geburtstag einen selbstgestalteten Konzerttag zu schenken und damit Danke zu sagen. Ganz nebenbei machten die Jubilee Concerts hautnah erlebbar, wofür ACT seit 1992 steht: Als führendes Entdeckerlabel auf der Suche nach bisher ungehörter Musik „in the Spirit of Jazz“ sind es die Vielfalt und die ungeahnten Verbindungen, mit denen das Label immer wieder überrascht und daraus neue Inspirationen zieht – connecting the unexpected.
Wer das Glück hatte, noch Karten für die große Geburtstagsfeier im Konzerthaus Berlin zu ergattern, der wird den Abend nicht vergessen. Denn es ging ihm vermutlich nicht anders als den zahlreich anwesenden Medienvertretern, die zum Jubiläum vor Ort waren: „Was für ein ACT!“ titelte zum Beispiel „Spiegel Online“ und befand, es seien „Konstellationen zustande gekommen, bei denen jedem, dem Jazz am Herzen liegt, nicht mehr bange um die Zukunft des Genres sein muss.“ „Le Figaro“ schrieb: „Kurz: Es war Jazz in all seinen Formen“, das britische Jazzwise Magazin meinte: „Alles deutete auf ein Label in seinem Zenit, das Neues umarmt, während es das Alte achtet, beides nährt und so Stars aufbaut; ACT wird erwachsen – mit einem Lächeln im Gesicht und einer stolzen Pose.“ Und die FAZ schließlich stellte fest: „Die ACT Family Band war ein Allstar-Ensemble, wie es so bald kein zweites in der Jazzgeschichte geben wird.“
Wer dieses Familientreffen der besonderen Art live verpasst hat, kann es jetzt immerhin auf CD nachhören. Er kann in einem für den „Spirit of Jazz“ der ACT-Künstler typischen Aus-und Querschnitt nachvollziehen, wie ACT mit bislang gut 500 Alben ein Viertel der Jazzgeschichte begleitet und in Teilen mitgeprägt hat: Ist doch jeder der hier beteiligten Musiker ein Ausnahmetalent mit herausragenden solistischen Qualitäten und eigenen Projekten, zugleich aber aufgeschlossen für die Inspiration, die sich aus der Begegnung mit seinen Kollegen ergibt.
Auf dieses Netzwerk der ACT-Künstlerfamilie legte Labelchef Siggi Loch von Anfang an großen Wert, und welchen Gewinn das einbringt, zeigt „The Jubilee Concerts“: Alles, was Nils Landgren, als integrales Zentralgestirn der europäischen Jazzszene, so etwas wie der ACT-Mannschaftskapitän, als Moderator präsentierte, war außergewöhnlich, angefangen mit seinem humorvoll-melancholischen Entree „Send In The Clowns“ zusammen mit Michael Wollny. Ob nun Jung und Alt auf verblüffende Weise miteinander kommunizierten wie der große deutsche Pianist Joachim Kühn mit dem französischen Shootingstar am Sopransaxofon Emile Parisien (der Name des Kühn-Titels, den das Duo darbot, „Missing A Page“, trifft sehr schön den von Noten unbelasteten, von musikalischer Freiheit durchdrungenen Ansatz der beiden); ob die Bassisten Dieter Ilg und Lars Danielsson im Duo miteinander spielten und jede Emotion freilegten, die man mit ihrem Instrument erregen kann; ob ein in wechselnden Kombinationen bestens eingespieltes Ensemble wie das Quintett mit Landgren, Wollny, Danielsson, dem Gitarristen Ulf Wakenius und Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit „Walk Tall“ gospeligen Groove zelebrierte; oder ob mit Wollny, Parisien, dem Akkordeonisten Vincent Peirani und dem Stimmakrobaten Andreas Schaerer vier der herausragenden „jungen Wilden“ Europas die überkommenen Stil- und Genregrenzen über den Haufen warfen.
Berührender Höhepunkt ist „Dodge The Dodo“, einer jener Standards des „Great European Songbooks“, die der unvergessene, viel zu früh gestorbene Esbjörn Svensson geschrieben hat: Brillieren bei dieser Hommage doch unter anderem nicht nur Iiro Rantala am Flügel, der polnische Geiger Adam Bałdych und der jüngste ACT-Zuwachs Magnus Lindgren an der Flöte, sondern auch die beiden Söhne Svenssons, Noa am Schlagzeug und Ruben an der Gitarre. Ein Symbol für die nächste Jazzgeneration und eine nicht zu übertreffende Einleitung für das große Finale, bei dem alle mitsangen und -spielten: Denn da stimmte Ida Sand mit ihrer grandiosen Soul-Stimme jenen Nile Rodgers-Titel an, der den Kern des Abends wie der 25 Jahre, die es zu feiern galt, perfekt einfing: „We Are Family“. Oder wie es Nils Landgren formuliert: „Wir sind eine Familie. Nicht einfach irgendeine Familie. Wir sind die ACT-Familie!“Credits:
Live at Konzerthaus Berlin, April 2, 2017 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated by Siggi Loch An ACT Music concert production in cooperation with Konzerthaus Berlin
Ulf Wakenius - Father And SonCD / digitalUlf Wakenius acoustic guitar Eric Wakenius acoustic guitar & vocalsWenn der Vater mit dem Sohne
„Er spielt Gitarre, als wenn er mit ihr geboren wurde.“ Mit diesen Worten adelte John McLaughlin einst Ulf Wakenius. Die Gitarre scheint Vater Ulf auch seinem Sohn Eric in die Wiege gelegt zu haben…
„Eric ist wirklich ein Segen“, sagt Ulf Wakenius selbst, „wir haben schon so viele Konzerte in aller Welt miteinander geteilt, und es war immer die reine Freude.“ Höchste Zeit, diese Familiengeschichte nun zu dokumentieren: „Father And Son“ ist ein hochvirtuoser musikalischer Dialog aktueller Jazzgitarrenkunst. Ob swingend oder fast rockig, ob lyrisch oder perkussiv-extrovertiert, ob balladesk oder im gestreckten Galopp, ob von fremden Ländern erzählend oder vom heimischen Schweden – mit ihrem Gespür für Atmosphäre und Klangräume erschaffen die beiden so stimmungsvolle wie ergreifende Gitarrenmusik, der man die Nähe und persönliche Verbundenheit anhört.
Dabei ist der musikalische Hintergrund von Vater und Sohn Wakenius äußerst unterschiedlich: 10 Jahre Mitglied im Oscar Peterson Quartet, Sideman der beiden Basslegenden Ray Brown und Niels-Henning Ørsted Pedersen sowie Kollaborationen mit Größen wie Pat Metheny, Michael Brecker, Michel Legrand und natürlich der Sängerin Youn Sun Nah - Ulf Wakenius ist nicht nur einer der umtriebigsten, sondern auch der virtuosesten und kreativsten Jazzgitarristen unserer Zeit. Sein Sohn Eric dagegen wurde 1988 geboren und wuchs als Teenager mit der Rock- und Popmusik der Neunzigerjahre auf. Später verbrachte er viel Zeit in Los Angeles, in dessen musikalischem Schmelztiegel er viele verschiedene stilistische Richtungen aufgriff. „Da spielte er noch elektrische Gitarre, bevor er sich, wie ich, in die akustische Gitarre und ihre vielen Möglichkeiten verliebte“, erzählt Ulf Wakenius.
Diese vielen Möglichkeiten erkunden die beiden auf „Father And Son“ nun ausführlich: „Irish Vagabond“ verbindet volltönenden irischen Folk mit arabischen Elementen.
Mit dem hart rhythmisierten, fast rockigen und mitunter an den frühen Al Di Meola erinnernden Stück „Mistral“ hat Ulf Wakenius ein Konzerterlebnis mit Youn Sun Nah vertont. Das Stück spielt auf den starken südfranzösischen Fallwind während ihres Open-Air Auftritts beim Avignon Festival an, dem die beiden auf der Bühne ausgesetzt waren. Das überraschend zupackende und fast nach Streichquartett klingende „Eleanor Rigby“ ist eine Verbeugung vor den Beatles. „Paco‘s Delight“ zollt Tribut an den unvergessenen Paco de Lucía. Zur spanischen Flamenco-Technik gesellt sich hier der Swing des Hot Jazz à la Django Reinhardt. Mit ihrer Adaption des Jazzfusion-Klassikers „Birdland“ erinnern Ulf und Eric Wakenius an einen weiteren ebenso unvergänglichen Meister: Joe Zawinul. Schließlich überrascht Eric Wakenius beim von Cat Stevens entliehenen Titelstück auch als einnehmender Sänger. Nicht nur wegen der – „anders als im Song bei uns weniger problematischen“ (so Ulf Wakenius) – Vater-Sohn-Beziehung passt dieses Stück perfekt ins Repertoire, sondern auch, weil Stevens eine schwedische Mutter und deshalb eine enge Bindung zum Heimatland von Ulf und Eric Wakenius hat.
Wenn es wie hier um die Familie geht, kommt man an der Heimat nicht vorbei. Ihr zollen Ulf und Eric Wakenius nicht nur mit „Meine schöne Heimat / Vem kan segla förutan vind“ den typisch nordisch-melancholischen Respekt, sie erinnern auch an den so früh gestorbenen wichtigsten schwedischen Jazzer der jüngeren Zeit, an Esbjörn Svensson. Hat Ulf Wakenius als erster Musiker bereits 2008, noch zu Lebzeiten des genialen Pianisten, mit einem Svensson-Tribute-Album („Love Is Real“) überrascht und die Eignung der e.s.t. Kompositionen für die Gitarre eindrucksvoll nachgewiesen, so gelingt ihm das hier im Duett mit seinem Sohn beim Medley aus „Dodge The Dodo“ und „When God Created The Coffee Break“ mindestens ebenso großartig. Was leichter klingt als es ist, wie Ulf Wakenius treffend feststellt: „Eine Akustikgitarre zu meistern ist wie eine Bestie zu zähmen. Aber wenn es dir gelingt, ist die Belohnung enorm!“ In diesem Fall wird sie nicht nur den beiden Gitarristen zuteil, sondern auch ihren Zuhörern. Credits:Produced by Ulf Wakenius Recorded by Lars Nilsson at Nilento Studios, Kållered (Gothenburg), September 3, 2016 Mixed and mastered by Lars Nilsson Cover art by Daniel Richter, Living the dream (detail), 2010, with the kind permission of the artist
Various Artists - Twenty Five Magic Years - The Jubilee AlbumCD / Vinyl / digitalEs ist nun exakt 25 Jahre her, dass Siggi Loch ernst damit machte, „nützlich statt wichtig zu sein“, wie er in seiner Autobiographie schrieb: Nach einer beispiellosen Karriere als Manager und Produzent im internationalen Musikbusiness gründete er sein eigenes, unabhängiges Jazz-Label: ACT. Von Anfang an ging es ihm um eine Plattform für Musiker, die ihr Publikum unmittelbar berühren, begeistern und erobern können, die die ausgetretenen Pfade verlassen, Risiken eingehen und so ihre eigene Musik „in the Spirit of Jazz“ machen. 25 Jahre und über 500 Veröffentlichungen später darf dieser Anspruch als erfüllt gelten: ACT hat als „the discovery label“ Jazzgeschichte mitgeschrieben, seine Musikerfamilie besteht aus führenden Persönlichkeiten des Jazz.
Auch für das „Jubilee Album“ zur Feier dieses stolzen Jubiläums begnügt sich ACT nicht mit dem Erwartbaren. Bis auf drei Stücke, die gewissermaßen als „Signature Songs“ der ACT-Philosophie gelten können, sind alle Tracks bislang unveröffentlicht, einige davon wurden extra für diesen Anlass in wechselnder „Allstar-Besetzung“ in den Berliner Hansa-Studios eingespielt. So ergibt sich eine neu formulierte Quersumme der Herz, Seele und Geist gleichermaßen bewegenden Musik, für die ACT steht: ein Kaleidoskop magisch-musikalischer Momente seiner für alle Genres und Stile offenen Künstler.
Nicht zufällig geht es mit dem Beatles-Stück „Come Together“ los, interpretiert von Nils Landgren, Ulf Wakenius und Lars Danielsson. Folgt es doch der Tradition des Jazz, sich Vorlagen aus anderen Gefilden improvisierend anzueignen, die ganze ungeahnte Vielfalt der Musik zu nutzen – getreu dem ACT-Motto: „Connecting the unexpected“. Das Trio, dass dies hier umsetzt, steht auch für eine andere Spezialität: Ist ACT doch der wichtigste Exporteur des schwedischen Jazz in die Welt. Landgren, seit 1995 exklusiver ACT-Artist und mittlerweile der erfolgreichste Label-Künstler, zeigt sich auf dem „Jubilee Album“ mit Nat Adderleys „Walk Tall“ auch von seiner funkigen Seite. Und Wakenius‘ Hommage „Paco’s Delight“ an die Flamenco-Ikone Paco de Lucía wird im Duo mit seinem Sohn Eric zur Familiensache. Über die fruchtbare Schweden-Connection fand auch Viktoria Tolstoy den Weg zu ACT, die auf dem Jubiläumsalbum unverwechselbar bittersüß „Monologue“ ihres früheren Begleiters Esbjörn Svensson singt.
Natürlich ist es auch kein Zufall, dass das Album mit Svenssons „Prelude in D Minor“ endet, war er mit seinem Trio e.s.t. doch bis zu seinem tragischen Unfalltod 2008 der wohl wichtigste Neuerer des europäischen Jazz. Das Solopianostück ist das einzige Vermächtnis eines geplanten, aber leider unvollendeten Soloalbums. Auch der e.s.t.-Klassiker „Dodge The Dodo“ unterstreicht die große Strahlkraft des verstorbenen schwedischen Masterminds, den hier ein Quartett mit dem polnischen Geiger Adam Bałdych, dem finnischen Pianisten Iiro Rantala und dem Flötisten Magnus Lindgren mit Wucht und Finesse zu Gehör bringt.
Neben Svensson, Bałdych und Rantala ist auch der norwegische Saxofonist Marius Neset mit „Prag Ballet“ ein herausragendes Beispiel für den „Sound of Europe“, dem ACT ebenfalls von Anfang an ein Dach gegeben hat. Und dieses Engagement mit wachsendem Erfolg fortsetzt, wie „B&H“ beweist, eine Live-Aufnahme der brandneuen Kombination der neuen französischen Jazzstars Vincent Peirani und Emile Parisien mit dem einmaligen Schweizer Vokalartisten Andreas Schaerer sowie dem „vollkommenen Klaviermeister“ (FAZ), Michael Wollny.
Als einer der wenigen deutschen Jazzer hat das Jahrhunderttalent Wollny den Sprung ins internationale Rampenlicht geschafft. Auf dem „Jubilee Album“ ist er in zwei weiteren Konstellationen vertreten: Im explosiven Duo „Swing, Swing, Swing“ mit Deutschlands bedeutendstem Schlagzeuger Wolfgang Haffner, repräsentiert Wollny die ACT-Politik, nie die heimischen Talente zu vergessen. Das live in der Berliner Philharmonie aufgenommene Duo mit Iiro Rantala („White Moon“), steht zugleich für die ACT-Mission, der Welt aufstrebende Jazzpianisten vorzustellen. Schließlich darf auch die „ganz große Kunst eines wahren Stimmwunders“ (Vogue) auf der Geburtstagszusammenstellung nicht fehlen: Youn Sun Nahs „Bitter Ballad“.
Das „Jubilee-Album“ ist Rückschau und Ausblick in einem. Es zeigt anhand von herausragenden Kompositionen und Künstlern, dass ACT ein verlässlicher Kompass für neue, aufregende Musik „in the Spirit of Jazz“ war, ist und bleiben wird.Credits:Curated by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann Cover art by Jiri Geller, SMILE!, 2016 @ ACT Art Collection
Various Artists - Magic Moments 9 "In The Spirit of Jazz"CD / digitalDie neunte Ausgabe der beliebten Magic Moments-Compilations liefert wieder neuen musikalischen Nährstoff für offene Ohren: Eine illustre Leistungsschau und bestes Jazz-Infotainment durch das aktuelle ACT-Programm. Für Jazzkenner wie für Neueinsteiger bietet die handverlesene Zusammenstellung 65 Minuten hochkarätigen Hörgenuss. Musik ohne Grenzen „in the spirit of Jazz“: Musik fernab eines festgelegten Stils mit etablierten Jazzstars, Newcomern und Geheimtipps.
„Jazz ist die Freiheit, viele Formen zu haben.“ Dieses Credo Duke Ellingtons prägt auch das Selbstverständnis von ACT. So liegt der Fokus in dieser Ausgabe insbesondere auf Projekten, die nach den Grenzen zu anderen Genres und Stilen tasten, diese überschreiten und Neues schaffen. Eine sinfonische Interpretation des e.s.t.-Stücks „From Gagarin’s Point Of View“ eröffnet mit einer eindrucksvollen Hommage an den verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson. Mit seinem Projekt „Some other time“ blickt Nils Landgren über den großen Teich und setzt mithilfe der Bochumer Symphoniker dem großen Leonard Bernstein ein Denkmal: „Das hätte dem Großmeister bestimmt gefallen“ (Stern). Jan Lundgren ehrt mit klassischem Streichquartett und „Lycklig resa“ einen der Vorreiter des schwedischen Jazz, Jan Johansson.
„ACT ist auf einer Mission, der Welt Europas aufstrebende Pianisten vorzustellen“, stellte der englische Guardian vor einigen Jahren fest. Diesem Bestreben geht ACT auch in diesem Jahr nach: Einen Einblick in das neue Album von Michael Wollny im Duo mit dem Akkordeonisten Vincent Peirani gibt „The Kiss“. Außerdem werden zwei pianistische Neuzugänge bei ACT präsentiert: David Helbock aus Österreich mit „The Soul“ und der aus Martinique stammende Grégory Privat mit „La Maga“.
Doch auch zwei renommierte Pianisten sind vertreten: Altmeister Joachim Kühn interpretiert im Trio mit den „jungen Wilden“ Eric Schaefer (dr) und Chris Jennings (b) auf erfrischende Weise „Sleep on it“, eine Reggae-Dub-Nummer von „Stand High Patrol“. Iiro Rantala überzeugt im „Super-Trio“ mit Lars Danielsson und Peter Erskine mit finnischer Leichtigkeit durch Kenny Barrons „Voyage“.
„Hier wird Jazzgeschichte geschrieben”, schrieb der Berliner Tagesspiegel über die Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“. Zwei weitere denkwürdige Konzertabende im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie wurden auf CD verewigt und sind auf Magic Moments 9 vertreten: „Tears For Esbjörn“, ein gemeinsames Erinnern an Esbjörn Svensson in ACT-Starbesetzung und „Celtic Roots“, eine folkloristische Spurensuche nach den keltischen Einflüssen im Jazz.
Besonders die Abbildung des Klangs Europas ist die Aufgabe von ACT. So wurde zum Beispiel nach sieben Jahren die zweite Ausgabe des Erfolgsprojekts „Mare Nostrum“ eingespielt: Bei „Kristallen den fina“ verschmelzen Jan Lundgren und Paolo Fresu die Musikkolorite Schwedens und Italiens auf bezaubernde Weise. Das außergewöhnliche Aufeinandertreffen der beiden Gitarristen Gerardo Núñez aus Spanien und Ulf Wakenius aus Schweden zeigt mit „Mirlo“ zu was interkultureller musikalischer Austausch im Stande ist. Das spontane Zusammenspiel der Skandinavier Lars Danielsson (b), Marius Neset (sax) und Morten Lund (dr) als „akustisches Trio mit explodierender Spielfreude“ (Spiegel Online) offenbart sich in „Folksong“. Auch der finnische Jukka Perko und die neue Stimme aus Frankreich Lou Tavano tragen zum europäischen Sound-Profil von ACT bei.
Berauschend und berührend, unterhaltend und anregend sind die Magic Moments 9 eine Momentaufnahme des europäischen zeitgenössischen Jazz und ein Blick darüber hinaus.
Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Gerardo Núñez & Ulf WakeniusCD / digital
Gerardo Núñez flamenco guitar Ulf Wakenius acoustic nylon string guitar Cepillo percussion Cancun flamenco singing Carmen Cortés & Isabel Núñez palmas & jaleos
Connect the unexpected:Ungewöhnliche Begegnungen führen oft zu außergewöhnlichen Ergebnissen. Wie bei „Jazz at Berlin Philharmonic“ im Oktober 2014, als Kurator Siggi Loch überraschend den Schweden Ulf Wakenius als zweiten Gitarristen neben dem Flamenco-Nuevo-Meister Gerardo Núñez präsentierte, um sein genre-überschreitendes Jazzpaña-Projekt auf eine neue Entdeckungsreise zu schicken. „Eine gewaltige Fiesta“ (Der Tagesspiegel) war das Ergebnis.
Die erste Begegnung der beiden schlug musikalische Funken und hinterließ Spuren. Ein gemeinsames Album, ganz auf ihr Zusammenspiel fokussiert, war die logische Konsequenz. Und so lud Núñez seinen schwedischen Kollegen zur Fortsetzung nach Madrid ein…
Zwei absolute Meister ihres Instruments treffen aufeinander, getrieben von der Neugier auf des anderen Musik. Beide sind sie begnadete Virtuosen:
Der aus Jerez de la Frontera stammende Gerardo Núñez gilt als Kronprinz der Flamenco-Gitarre und legitimer Nachfolger des 2014 verstorbenen Paco de Lucía. Er hat der jahrhundertealten traditionellen spanischen Kunstform eine moderne Richtung gegeben und sie weiter geöffnet in Richtung Jazz, Pop und Klassik. Ungewöhnliche Kooperationen auf der Suche nach neuen Inspirationen sind Núñez Markenzeichen. Er arbeitete mit Placido Domingo, dem Pop-Idol Julio Iglesias oder dem Jazz-Star John Patitucci.
Mit Ulf Wakenius hat er den idealen Partner gefunden, ist er doch ebenso ein Musiker ohne Berührungsängste und Scheuklappen: Seit jeher ist das Spiel des Schweden neben dem amerikanischen Jazz auch von der Weltmusik inspiriert und durchdrungen. Wakenius ist ein Stil- und Weltreisender, der nahezu alles spielen kann, auf seine ureigenste Weise. Seine Offenheit und Vielseitigkeit ist der rote Faden einer beeindruckenden Karriere:
Er spielte mit den beiden Bass-Ikonen Niels-Henning Ørsted Pedersen und Ray Brown, war langjähriges Mitglied des legendären Oscar Peterson Quartet, ist als Begleiter von Sängerinnen wie Youn Sun Nah und Viktoria Tolstoy hochgeschätzt oder präsentiert sich als musikalischer Vagabund im Duo mit dem französischen Shooting Star am Akkordeon, Vincent Peirani.
„Der Begriff Logos, zurückgehend auf den griechischen Ausdruck λóγος, beschreibt für mich das Geheimnis unseres Zusammentreffens“, beschreibt Núñez die Idee zum Albumtitel. Bedeutungsreich und sinnhaft, aber nicht wirklich auf einen Nenner zu bringen, sagt „Logos“ doch so viel aus, was dem Zwiegespräch der beiden Gitarristen innewohnt: Aus musikalischen Wörtern entsteht Rede, Dialog, Erzählung, Diskussion, Definition und damit Sinn. Aber auch Rücksicht, Wertschätzung, Verhältnis und Vernunft steckt in der Bedeutung von „Logos“ und wird damit quasi zur Syntax intensiven miteinander Musizierens.
Völlig unabhängig davon ist „Logos“ einfach ein beeindruckendes Zusammentreffen zweier Gitarrenkoryphäen. Eine vitale Begegnung unterschiedlicher Charaktere, die sich symbiotisch ergänzen. Oder einfach ein multikulturelles Statement der besonderen Art. Unerwartet, aber letztendlich völlig logisch.Credits:Produced by Gerardo Núñez Executive Producer: Siggi Loch Cover art by Gert & Uwe Tobias
Jazz at Berlin Philharmonic V - Lost Hero - Tears for EsbjörnCD / digital
Iiro Rantala piano Viktoria Tolstoy vocals Ulf Wakenius guitar Lars Danielsson bass Morten Lund drums Der 2008 bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommene Schwede Esbjörn Svensson hat mit seiner Musik den europäischen Jazz der letzten 15 Jahre entscheidend geprägt. Der Form des Klaviertrios, der klassischsten aller Jazz-Besetzungen, hat er neues Leben eingehaucht, indem er es wie eine Rockband betrachtete: Vom Erscheinungsbild, über den Zusammenhalt als feste, ganz auf ihr Projekt konzentrierte Gruppe bis zur musikalischen Formel: genial einfachen Melodien durch schleifenförmige dynamische Varianz eine sogartige Wirkung zu verleihen. Konsequenterweise ist Svensson so zum Popstar des Jazz geworden. Zahllose Bands haben die Grundmuster von e.s.t., des Esbjörn Svensson Trios, übernommen, und von Svenssons stilübergreifenden Ansatz sind heute zahlreiche zeitgenössische europäische Jazzpianisten beeinflusst.
Auch der finnische Pianist Iiro Rantala zählt Svensson zu seinen Inspirationen, hat aber freilich technisch wie kompositorisch seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Dazu gehört eine ausgeprägte Kunst der musikalischen Heldenverehrung, Diese beweist er aktuell mit der John Lennon-Jazz-Hommage „My Working Class Hero“. Begonnen aber hat diese Vorliebe bereits 2011, mit seinem ACT Debüt „Lost Heroes“. Auf diesem unter anderem mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik und dem ECHO Jazz ausgezeichneten Solopiano-Album zollt er seinen persönlichen musikalischen Vorbildern von Jean Sibelius über Bill Evans und Michel Petrucciani bis hin zu Luciano Pavarotti Tribut. Und eben auch seinem schwedischen Kollegen Esbjörn Svensson mit der ergreifenden Komposition „Tears For Esbjörn“.
Aus einem Stück hat sich nun ein ganzer Konzertabend entwickelt und Iiro Rantala hat prominente Musiker-Unterstützung bekommen: Am 1. Oktober erinnerte „Jazz at Berlin Philharmonic“ in einem umjubelten aber auch sentimentalen Konzert an den „verlorenen Held“, Esbjörn Svensson. Alle Musiker dieses Konzertabends stehen in Svenssons Fußstapfen, was die Überwindung der Genregrenzen angeht.
Sogar eine Weggefährtin war die Sängerin Viktoria Tolstoy, die man mit einigem Recht Esbjörn Svenssons Stimme nennen könnte. Neben Nils Landgren war sie die einzige, für die Svensson das Diktum brach, sich ganz auf e.s.t. zu konzentrieren.
Schon 1997 nahm er die damals 22-Jährige für ihr Debüt „White Russian“ unter seine Fittiche, schrieb mit ihr die melodiösen Pop-Jazz-Songs und produzierte das Album; e.s.t. wurde Tolstoys Begleittrio und ging mit ihr auch auf ihre erste große Tour durch Deutschland. Und noch für ihr ACT-Debüt „Shining On You“ 2004 schrieb und arrangierte Svensson alle Stücke und übernahm für die Aufnahme (unter dem Pseudonym Bror Falk) den Klavierpart.
Auch der Gitarrist Ulf Wakenius hat eine besondere Beziehung zu Svensson: Als großer Bewunderer seines Landsmanns hat er schon 2008 als erster ein komplettes Hommage-Album mit dessen Musik eingespielt. Die letzten zwei der All-Star-Besetzung des Abends wiederum waren bereits Rantalas Begleiter auf „My History of Jazz“ und sind auch mit allen anderen Beteiligten über Kreuz verbandelt. Einmal Lars Danielsson, die ragende Gestalt unter den europäischen Jazz-Bassisten und -Cellisten; und schließlich der dänische Schlagzeuger Morten Lund, der schon bei gut 60 Alben zahlreicher internationaler Stars oder auch Mitgliedern der ACT-Musikerfamilie von Cæcilie Norby bis zu Adam Bałdych oder eben Rantala beteiligt war.
In wechselnden Besetzungen, Stimmungen und Interpretationsansätzen widmen sich Rantala und seine Mitstreiter hier nun einigen der bekanntesten e.s.t.-Stücken, die inzwischen Eingang in das Great European Songbook gefunden haben: Vom ersten e.s.t. Hit, dem „nordisch“ verhangenen „From Gagarins Point Of View“ über das dramatische, als modernes Improvisationsstück und reines Gitarrentrio angelegte „Seven Days Of Falling“ bis hin zum alles mitreißenden „Dodge The Dodo“, das seinerzeit eine Art Erkennungsmelodie der e.s.t.-Konzerte war. Quasi als Prolog ist mit „Tears For Esbjörn“ Rantalas titelgebende Komposition, hier im Trio mit Danielsson und Wakenius interpretiert, vorangestellt. Und als Epilog erklingt „Imagine“ von John Lennon, dessen optimistische Utopie man hier auch auf die verbindende Kraft von Esbjörn Svenssons Werk beziehen darf.
Und dann ist da natürlich noch „Love Is Real“, Svenssons wohl emotionalstes, bereits zum Jazz-Standard gewordenes Stück. Von Tolstoy berührend gesungen, darf sich der Albumtitel „Tears for Esbjörn“ hier beim Publikum erfüllen. Niemand braucht sich da zu schämen, Tränen der Trauer über den unersetzlichen Verlust Svenssons zu vergießen. Und Tränen der Freude über die Musik, die er uns hinterlassen hat.Credits:
Curated, produced by Siggi Loch Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie, (KMS), October 1, 2015 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker
Gerardo Núñez - Jazzpaña LiveCD / digital
Gerardo Núñez flamenco guitar Ulf Wakenius jazz guitar Chano Domínguez piano Ramón Valle piano Omar Rodriguez Calvo bass Liber Torriente drums Christof Lauer saxophone Cepillo percussion
1992: „Musik für Menschen mit offenen Ohren und offener Denkweise. Fernab eines festgelegten Stils. Ohne Berührungsängste zwischen den Genres“, mit diesem Jazzverständnis stürzte sich Produzent Siggi Loch damals in das Abenteuer ACT. Gleich die erste, für zwei Grammys nominierte Einspielung wurde ein Meilenstein und zum Synonym der Label-Philosophie: Jazzpaña.
Die Stars des “Nuevo Flamenco” aus Spanien trafen auf US-amerikanische Jazz-Größen wie Michael Brecker, Peter Erskine und Al Di Meola, eingebunden in des Sound der WDR Big Band. Die Arrangements kamen vom damals noch wenig und heute weltweit bekannten Vince Mendoza. Der 12-malige Grammy-Gewinner und Starproduzent Arif Mardin, der im Laufe seines Lebens unter anderem Aretha Franklin, Whitney Houston und Norah Jones zum Erfolg verhalf, steuerte eine Suite bei.
Connecting the unexpected: Jazzpaña – Flamenco meets Jazz - ein multikulturelles Statement der besonderen Art. Diese aufregende Verbindung wurde im Millennium-Jahr in kleinerer Besetzung fortgeführt. Nicht minder prominent: Angeführt von Gerardo Núñez und Chano Dominguez und gespickt mit Solisten wie Jorge Pardo, Perico Sambeat und abermals Michael Brecker avancierte auch Jazzpaña II zu großem Erfolg: „Grandiose Musik" titelte Der Spiegel.
2015 - 15 Jahre später: Jazzpaña, jetzt live.
Das aus den unterschiedlichsten Musikerpersönlichkeiten bestehende Ensemble traf erst kurz vor dem Berlin Konzert aufeinander. Besonders die erste Begegnung zwischen Gerardo Núñez, der als der legitime Nachfolger des großen Paco de Lucia gilt, und dem schwedischen Gitarren-Virtuosen Ulf Wakenius schlägt musikalische Funken, die diese Aufnahmen zu einem historischen Ereignis werden lassen.
Und eine dritte Welt ist dazugekommen: Flamenco, Jazz und Kuba. Chano Domínguez beweist der ganzen Welt bereits seit Jazzpaña II, dass er der führende Flamenco-Jazz Pianist unserer Zeit ist. Die Brücke über den Atlantik nach Kuba schlägt Ramón Valle mit seinem Trio und macht die enge Verwandtschaft der Musik Hispanoamerikas mit der Musik Andalusiens hörbar. Besonders beeindruckend in „Siboney“, einer Hommage an den größten kubanischen Komponisten, Ernesto Lecuona.Credits:
Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie (KMS), October 21, 2014 Recorded and mixed by Klaus Scheuermann And at the WDR 3 Jazzfest 2015, Domicil Dortmund, January 31, 2015 WDR 3 Jazzfest concert producer: Dr. Bernd Hoffmann Sound engineer: Rolf Lingenberg Audio technician: Reiner Kühl Mastered by Christian Schmitt Recording producer: Christoph Terbuyken Album mastering by Klaus Scheuermann
Various Artists - Magic Moments 7 - Sound of SurpriseCD / digitalMagic Moments: 16 Titel, über 50 Mitwirkende, 70 Minuten bestes Jazz-Infotainment durch das aktuelle ACT-Angebot. Kontinuität. Vertrauen und Visionen. Nachhaltigkeit und Zusammenhalt. Talente entdecken und reifen lassen. Den Nachwuchs fördern. Erfolgskomponenten und zentrale Bestandteile der ACT-Philosophie, die unsere Arbeit seit nunmehr 22 Jahren leiten: Wir feiern in diesem Jahr die seit 20 Jahren andauernde erfolgreiche Partnerschaft mit Nils Landgren. Wir gratulieren aufstrebenden Künstlern wie Vincent Peirani und Emile Parisien, die mit dem „Victoire du Jazz“ jeweils zum Künstler des Jahres in Frankreich gewählt wurden. Wir freuen uns über die großartige Entwicklung von Michael Wollny zum deutschen Jazzmusiker der Stunde, der der Young German Jazz-Reihe entstammt und die auch weiterhin Talentschmiede für verheißungsvolle Künstlerpersönlichkeiten, wie aktuell der Sänger Tobias Christl, sein soll. Dass nun auch etablierte Jazzgrößen wie Manu Katché, den wir als Neuzugang herzlich in unserer ACT-Family begrüßen, auf unsere Arbeit aufmerksam werden, ehrt uns. Trotzdem bleiben wir uns treu, vor allem die Stars von morgen zu finden.
Ulf Wakenius - Momento MagicoCD / digital
Ulf Wakenius steel string, nylon string & bass guitar (all acoustic)
Die fortwährende Suche und die Sucht nach den magischen Momenten in der Musik ist das, was Jazzmusiker antreibt: „Ich war gesegnet, solche Momente bei meiner Arbeit mit wundervollen Künstlern wie Oscar Peterson, Herbie Hancock, Pat Metheny, Youn Sun Nah und anderen zu erleben“, erzählt der Gitarrist Ulf Wakenius. Darum, um die außergewöhnlichen Momente jenseits von Zeit und Raum, die einen das ganze musikalische Leben lang verfolgen, geht es auf dem neuen Album „Momento Magico“.
In den letzten Jahren hat sich Wakenius vor allem an der Seite der Sängerin Youn Sun Nah hervorgetan. Nicht viele Star-Gitarristen würden sich wohl so klaglos in die unvermeidliche Begleiterrolle bei der „heimlichen Königin des Jazz“ (Süddeutsche Zeitung) fügen, die nicht mehr nur in ihrer französischen Wahlheimat ein Star ist: Ihr und den gemeinsamen magischen Momenten hat Wakenius den Titeltrack gewidmet, der das oft von den beiden gespielte „Frevo“ mit Klängen von Wolfgang Amadeus Mozart kombiniert. Und mindestens zwei weitere Stücke wären wohl ohne diese Zusammenarbeit nicht auf „Momento Magico“ gelandet: Zum einen die in ein sanftes Bossa-Kleid gehüllte „Gnossienne“ des von Wakenius seit jeher verehrten Erik Satie, das dem gemeinsamen Frankreich-Manager Axel Matignon gewidmet ist. Und der abschließende Chanson-Klassiker „La Mer“ von Charles Trenet, das Wakenius zur minimalistischen, höchst delikaten Ode an die Schönheit Frankreichs macht.
Bescheidenheit durchzieht das ganze Album des Schweden, der sich sonst vor allem live durchaus auf die Rolle des Showman versteht: Berühmt sind seine perkussiven Einlagen auf den Saiten oder die vielen Schlenker beim Ending von „Blues For Oscar“, seiner Hommage an Oscar Peterson, in dessen Quartett er ja zehn Jahre lang saß. Hier nun konzentriert sich Wakenius ganz auf die akustische Gitarre, auf die Erforschung ihres natürlichen Klangs, der in seiner Vielfältigkeit wie geschaffen dafür ist, verschiedenste magische Momente wieder aufleben zu lassen.
Und wie die bereits genannten Stücke hat Wakenius jeden Song des Albums einem Weggefährten, Freund oder einem prägenden Einfluss gewidmet. Was bei einem schwedischen Jazzer der mittleren Generation unweigerlich mit Esbjörn Svensson beginnt.
Die bewegende „Ballad For E.“ von Svenssons lebenslangem Freund und Schlagzeug-Begleiter Magnus Öström, ohnehin von schlichter Schönheit, verdichtet sich unter Wakenius' Fingern zur puren Essenz. Genau wie „Liberetto“ die Schönheit der Kompositionen des Bassisten Lars Danielsson ehrt, mit Wakenius' unverwechselbarem, mehrstimmigem Balladenstil mit körperlosen Bassnoten und filigranen Läufen.
Seit jeher ist Wakenius' Spiel neben dem amerikanischen Jazz auch von der Weltmusik inspiriert und durchdrungen. Auch den für ihn wichtigsten Volksmusiken sind deshalb auf „Momento Magico“ Stücke gewidmet, diese allesamt selbst komponiert: „Hindustan Blues“ zieht mit der für Wakenius typischen synkopischen Rhythmisierung Raga-ähnliche Linien und lehnt sich klanglich an die indische Gitarre an; „Mali On My Mind“ erinnert an die Wiege des Blues in Westafrika. „The Dragon“ versucht, den Ton des chinesischen Instruments Pipa auf die Gitarre zu übertragen und tut dies mit großer Wucht. „Esperanto“ schließlich verarbeitet Einflüsse aus Griechenland, Russland und dem Mittleren Osten.
Würde das bisher Erwähnte anderen Musikern bereits als Basis für mehrere Album reichen, genügt es Wakenius noch lange nicht. In dem berührenden „Requiem For A Lost Son“ erinnert er an den früh, mit 26 Jahren verstorbenen Sohn des großen Kollegen John Scofield. Ein flinkes „Preludio“ ist Keith Jarrett zugedacht, die jazzigen „Notes For OP And Wes“ ehren Wes Montgomery, das laut Wakenius „ultimative Genie der Jazzgitarre“ und erwecken die Erfahrungen mit dem legendären Oscar Peterson Quartet zu neuem Leben, „die mein Leben verändert haben“. „Sugar Man“ ist inspiriert vom Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ des schwedischen Dokumentarfilmers Malik Bendjelloul über das Leben des lange verschollenen, zwischen Amerika, Afrika und Australien pendelnden Singer/Songwriters Sixto Rodriguez. Gerade zwei Minuten dauert dieser mehrstimmige, schwebende, mit bluesiger Leadstimme durchzogene Folksong, und zeigt doch das ganze Spektrum von Wakenius' ganz auf den Dienst an der Musik konzentrierten Virtuosität.
Was Wakenius hier aus der Erinnerung an viele magische Momente geschaffen hat, ist in jedem Fall dazu geeignet, nun dem Hörer den einen oder anderen solchen zu verschaffen.Credits:
Produced by Ulf Wakenius & Lars Nilsson Recorded, mixed and mastered by Lars Nilsson at Nilento Studio, Gothenburg Cover Art by Daniel Richter, Hoffnung II, 2010, by permission of the artist
Various Artists - Duo Art: Creating MagicCD / digitalDuo Art - es ist die reduzierteste Form des miteinander Musizierens. Nicht minder reichhaltig, wenn‘s gelingt, die kleinste „Bigband“ der Welt. Zwei auf sich alleine gestellt, in Harmonie und Wettbewerb. Sich ergänzend, hinterfragend und gegenseitig die Meinung sagend - ein faszinierender Dialog Ohr an Ohr. Spontan und intensiv, Call and Response – Jazz in seiner Reinform. Ein musikalischer Seiltanz ohne Netz und doppelten Boden. Im Idealfall entsteht große Kunst. Wie ein roter Faden zieht sich das Duett durch die Geschichte des Jazz. Im Œuvre eines jeden großen Jazzmusikers darf die Duo-Aufnahme nicht fehlen.
Auch für ACT übt das Duo seit Anbeginn eine große Faszination aus: „Wie werden zwei Musiker aufeinander reagieren, werden sie zusammen finden und wachsen sie dabei miteinander über sich hinaus?“ Auf diese Fragestellung sucht ACT bis heute nach neuen Antworten und wagt dieses Experiment in den verschiedensten Musiker-Konstellationen. „Creating Magic“ ist eine Werkschau über 20 Jahre ACT Duo Art und der musikalische Trailer für die neue ACT Duo Art-Serie, mit dem Anliegen, magische Dialoge zu dokumentieren.
Bereits im Startprogramm von ACT im Jahre 1992 tauschten sich Jasper van‘t Hof, Bob Malach und Wayne Krantz in verschiedenen Duos miteinander aus. Der schwedische Pianist Jan Johansson gilt als Wegbereiter des skandinavischen Jazz. Mit „Jazz på svenska“ (Jazz auf Schwedisch) hat er dem Jazz einen Weg in die Volksmusik gewiesen, bezeichnenderweise im Duett, mit Georg Riedel am Bass. Siggi Loch hat die beiden Musiker 1964 in Hamburg beim NDR Jazzworkshop erlebt und die Geschichte des „Swedish Folk – Modern“ 30 Jahre später mit Nils Landgren und Esbjörn Svensson fortgeschrieben. Auch auf „Pasodoble“ erreicht der schwedische Meisterbassist Lars Danielsson mit dem polnischen Piano-Überflieger Leszek Możdżer eine harmonische Symbiose, wie sie äußert selten ist. Gemeinsam erreichen sie ein unerhörtes Level an Interaktion und Spielwitz. Eine musikalische Sternstunde gelang Iiro Rantala und Michael Wollny im Dialog an zwei Flügeln bei „Jazz at the Berlin Philharmonic“ im Dezember 2012: „Tears For Esbjörn“ ist eine ergreifende Hommage an den 2008 verstorbenen Piano-Visionär, Esbjörn Svensson.
Wollny ist mit einem weiteren Duett auf „Creating Magic“ zu hören: Das bisher unveröffentlichte „Polygon“, aufgenommen auf Schloss Elmau, mit dem norwegischen Saxofon-Shootingstar Marius Neset, ist das allererste Zusammentreffen der vielleicht wichtigsten beiden jungen europäischen Jazzmusiker unserer Zeit und verspricht glänzende Aussichten für die Zukunft. Der Sampler endet mit einem Stück, das auf tragische Weise einen festen Platz in der Jazzgeschichte eingenommen hat: „You Stole My Heart“ ist die letzte Aufnahme von Eddie Harris kurz vor seinem Tod. Nach den Konzert-Aufnahmen mit der WDR Big Band, die ebenso auf „The Last Concert“ dokumentiert sind, bat er den Pianisten Gil Goldstein noch in der Nacht zu einer zusätzlichen Session. Ein letztes Mal legte er seine ganze Seele in den Song, den er seiner Frau gewidmet hatte. Zurück in Los Angeles wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb am 5. November 1996.
„To make a dream come true, just take two“ heißt es in Marvin Gayes Hit „It Takes Two“. Manchmal ist weniger eben mehr, um magische Momente entstehen zu lassen – wie „Duo Art Creating Magic“ beweist. Credits:
Compilation produced by Siggi Loch and mastered by Klaus Scheuermann The Art in Music: Cover art (Detail) by Philip Taaffe / ACT Art Collection
Zum 20. Geburtstag von ACT Music präsentiert das Jubilee Album 20 Highlights aus der bewegenden Geschichte des Münchener Labels. Für Kenner, Entdecker, Forscher und Neugierige sowie für alle, die den Spirit of Jazz suchen, ein wahrer Genuss.
Auf Vagabond zeigt der Weltreisende Wakenius von welcher Neugier auf jede Art von guter Musik er getrieben ist und wie vielseitig er seine Gitarre einzusetzen weiß: Von dem französischen „Bretagne“ und dem nordisch verhangenen „Psalmen“ über die indianischen Klänge von „Witchi-Tai-To“ bis hin zum asiatisch anmutenden „Song For Japan“ - aus aller Herren Länder bringt Wakenius musikalische Postkarten mit.
Zwei wunderbare Live-Aufnahmen des großen, legendären Niels-Henning Ørsted Pedersen mit seinem bevorzugten Trio der letzten Jahre, die auch Gitarrist Ulf Wakenius in Höchstform zeigen. Ein gebührender Tribut an einen unvergesslichen Künstler.
"Sensationelles Album - traumhaft und unvergesslich."- STEREOPLAY