Philipp Schiepek
Der in Bad Aibling geborene Jazzgitarrist hat sich schnell als eine herausragende Stimme in der jungen Jazzszene etabliert. Seine Musik zeichnet sich durch technische Virtuosität, lyrische Tiefe und eine facettenreiche Mischung aus Jazz- Klassik- und Improvisationsanteilen aus. Schiepek hat bereits mit renommmierten Künstlern wie Jakob Manz und Fiona Grond zusammengearbeitet und wurde für seine Solo- und Ensemblearbeiten mehrfach ausgezeichnet. Besonders sein Debütalbum "Cathedral", ein Duo-Projekt mit dem Pianisten Walter Lang erhielt große Anerkennung. Philipp Schiepek wird als einer der innovativsten Gitarristen seiner Generation betrachtet.
Veröffentlichungen
Poesias
Ab
14,40 €*
Fiona Grond - PoesiasCD / Vinyl / digital
Fiona Grond vocals Moritz Stahl tenor saxophone Philipp Schiepek guitar
„Mir war es immer wichtig, nicht einfach nur die Sängerin zu sein, die das Thema singt und den Rest der Musik machen dann die Anderen“, sagt Fiona Grond. Und so fungiert die Stimme der Schweizerin auf dem ACT Debüt „Poesias“ gleichberechtigt als eines von drei Instrumenten - in engster Verzahnung mit dem Tenorsaxofon von Moritz Stahl und der Gitarre von Philipp Schiepek. Gefunden hat sich das Trio in Fiona Gronds Wahlheimat München und es ist eine weitere Entdeckung der dortigen Szene, die seit ein paar Jahren kontinuierlich an Profil und Sichtbarkeit gewinnt.Fiona Gronds Musik zieht ihre Faszination aus den leisen Tönen, den Räumen zwischen den Noten, aber auch aus den Kontrasten und Reibungen, dem Bruch von Erwartungen und Konventionen. Und so erschließt sich ihr Reiz erst wirklich, wenn man sich auf sie einlässt, genau hinhört und, am besten: hin-fühlt. Man sagt, die Menschen an der Küste schauten in die Ferne, die Menschen in Wald und Bergen eher nach innen. Insofern scheint Fiona Gronds Schweizer Heimat prägend für die Erzählperspektive: „Poesias“, rätoromanisch für „Gedichte“, ist eine innere Suche nach Gedanken und Gefühlen, mal mit und mal ohne Worte. „Wenn mich etwas beschäftigt und ich die passenden Zeilen dazu finde, dann schreibe ich sie auf. Aber wenn die Musik keinen Text will, dann braucht es auch keinen“, so Fiona Grond. Und: „Ich versuche, besonders am Anfang des Kompositionsprozesses, mich treiben zu lassen und nicht zu bewerten, sondern die Musik einfach zuzulassen.“Dieser Prozess des in die Musik hinein Hörens und Reflektierens setzt sich im Zusammenspiel mit Moritz Stahl und Philipp Schiepek eindringlich fort. Man hört, dass hier drei Menschen zusammenspielen, die einander künstlerisch und persönlich sehr nah sind: Gitarrist Philipp Schiepek zeigt sich einmal mehr als vielseitiger und hochmusikalischer Charakter. Und Saxofonist Moritz Stahl, sonst mit „Ark Noir“ oder der „Jazzrausch Bigband“ oft elektro-akustisch und kraftvoll zu hören, beeindruckt mit subtilen klanglichen Schattierungen und einem feinen Gefühl für Farben und Texturen.
Grond, Stahl und Schiepek bilden ein organisch interagierendes Trio, wie es in dieser Tiefe und erst recht dieser ungewöhnlichen Instrumentierung außergewöhnlich ist. Gemeinsam erkunden sie ein weites musikalisches Feld - von Fiona Gronds Eigenkompositionen über ein Stück des für sie prägenden Duos Sidsel Endresen & Bugge Wesseltoft, bis zu Bearbeitungen Graubündner Folklore und Johann Sebastian Bachs „Sarabande“ aus der h-Moll Partita. Es ist ein besonderes Erlebnis, den kreativen Prozess dieses Trios auf der Bühne zu erleben. Die Essenz dieses Erlebnis zu destillieren und zu konzentrieren, war das Ziel der Aufnahmen für „Poesias“ zusammen mit Produzent Andreas Brandis im renommierten Artesuono Studio in Udine. Obwohl das Trio die Stücke des Albums durch viele Konzerte in- und auswendig kannte, gab es praktisch kein Stück, das im Produktionsprozess nicht noch einmal neu bewertet und auf seinen Kern fokussiert wurde. Fiona Grond erinnert sich: „Andreas und ich haben im Vorfeld sehr viel geredet und immer wieder Demos ausgetauscht. Und auch während der Aufnahme-Session haben wir alles noch einmal angefasst und vor allem an den Arrangements erneut viel geändert. Am Ende waren wir oft weit von den ursprünglichen Versionen entfernt, aber all diese Veränderungen fühlten sich organisch und logisch an und so sind die meisten Stücke des Albums First Takes der neuen Fassungen.“
Entstanden ist eine Aufnahme, die besonders durch ihren Klang voller Tiefe, Wärme und Transparenz berührt. Und eine fast schon spirituelle Musik, die, wenn man sich auf sie einlässt, Räume öffnet, die man immer wieder aufs Neue erkunden möchte. Credits:
Produced by Andreas Brandis
Magic Moments 14 "In The Spirit Of Jazz"
4,90 €*
Various Artists - Magic Moments 14 "In The Spirit Of Jazz"CD / digital„Mehr als jede andere Kunstform berührt Musik die Menschen unmittelbar,“ lautet das Credo von ACT-Gründer Siggi Loch. Seit fast 30 Jahren hat es sich das Label deshalb zur Aufgabe gemacht, die Künstler zu finden und zu fördern, die Geist, Herz und Seele besonders nachhaltig erreichen. Und vielleicht war dies nie wichtiger als jetzt, in Zeiten der Pandemie, des Verstummens der Kultur, der emotionalen Isolation und der virtuellen Realitäten.
„Magic Moments 14“ bündelt mit 16 Interpreten und Titeln aus dem aktuellen ACT-Programm die ganze Kraft der „Music in the Spirit of Jazz“, dieser universellen, für jeden verständlichen Weltsprache jenseits der Worte, die Menschen zusammenbringen, bewegen und begeistern kann. Und macht die Schwerpunkte des erklärten Entdeckerlabels ACT deutlich:
Schon immer lag der Fokus von ACT auf dem europäischen Jazz, der sich auf die eigenen Musiktraditionen besonnen, diese mit den amerikanischen Wurzeln verknüpft und damit neue Wege eröffnet hat. So beginnt „Magic Moments 14“ auch mit einem „Cancon des fuego fatuo“ des jungen spani-schen Pianisten Daniel Garcia, einer faszinierenden neuen Stimme des spanischen Jazz, der die Musik seiner Heimat neu aufgreift. Und mit dem umwerfenden Debüt der bekannten österreichischen Schauspielerin Birgit Minichmayr, die sich mit einem Shakespeare-Sonnet zusammen mit den Weltmusikern von Quadro Nuevo und dem Early-Jazz-Spezialisten Bernd Lhotzky als grandiose, moderne Jazz-Diseuse vorstellt. Weitere Beispiel für neue strahlende Sterne am europäischen Musikhimmel sind die französisch-algerische Cellistin und Sängerin Nesrine oder das neue Trio des österreichischen Pianisten David Helbock.
Nicht fehlen dürfen die, mit denen es angefangen hat und die ACT zum führenden Label für schwedischen Jazz gemacht haben: Posaunist Nils Landgren steuert einen neuen Streich seiner Funk Unit bei, mit der er dem schwarzen Soul-Jazz seit vielen Jahren ein europäisches Gesicht gegeben hat. Bassist Lars Danielsson zelebriert mit „Cloudland“ von seinem neuen Liberetto-Album wieder die Verbindung von Klassik, Jazz und Nordic Sound. Ida Sand knüpft an die Tradi-tion skandinavischer Sängerinnen an, die das Songbook der Welt mit ihrem Soul „in the Spirit of Jazz“ bereichern. Und zum Album-Abschluss untermauern Pianist Jan Lundgren und Lars Danielsson zusammen mit dem französischen Neu-definierer des Sopransaxofons Emile Parisien den Anspruch einer europäischer Kunstmusik mit schwedischem Akzent. Nicht zuletzt hat ACT als eines der ersten wichtigen Labels auch den aktuellen deutschen Jazz gefördert. Von der enormen Entwicklung zeugen auf „Magic Moments 14“ so viele Künstler wie nie: Der Passauer Violinist Florian Willeit-ner; der in der süddeutschen Szene kometenhaft aufgestiegene Gitarrist Philipp Schiepek; die alle Grenzen sprengende Band KUU! der – wie Minichmayr vor allem als Schauspiele-rin bekannten - Sängerin Jelena Kuljic; natürlich die Jazzrausch Bigband, die mit ihrem TechnoJazz weltweit aufhor-chen lassen, oder die neuen preisgekrönten Shootingstars am Klavier Johanna Summer und Vincent Meissner.
Summer und Meissner stehen, wie Garcia, Lundgren und Helbock, gleichzeitig für das besondere Augenmerk, das ACT immer auf die besten Pianisten Europas gelegt hat. Und so runden zwei andere die „Magic Moments 14“ ab, die zu-gleich die wohl international bedeutendsten sind: der 77-jährige, immer noch vor Tatendrang strotzende Joachim Kühn und sein legitimer Erbe Michael Wollny, hier in seinem neuen All-Star-Quartett XXXX mit Emile Parisien, Tim Lefebv-re und Christian Lillinger (soeben mit mehreren Deutschen Jazzpreisen dekoriert, darunter einer für KUU!) zu erleben. So ergibt „Magic Moments 14“ eine Quintessenz dessen, was genreüberschreitender, innovativer Jazz aktuell zu bieten hat. Ein mitreißendes, berührendes, Begegnung und Ge-spräch suchendes Heilmittel gegen die Geißeln unserer Zeit. Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Cathedral
17,50 €*
Philipp Schiepek & Walter Lang - CathedralCD / digital
Philipp Schiepek Nylon String Guitar Walter Lang Grand Piano
„Er hat seinen eigenen, immer ‚schönen‘ und spannenden Ton gefunden“, schrieb die Süddeutsche Zeitung 2019 beim Debütal-bum des damals 25-jährigen Gitarristen Philipp Schiepek. Anfang 2020 wurde er dann mit dem BMW Welt Young Artist Jazz Award ausgezeichnet. Dass Schiepek, der mit Klavier und Akkordeon groß geworden und mit zwölf zur Gitarre gekommen war, über das wichtigste Gut eines Musikers verfügt, seine eigene Handschrift, hatte sich da bereits herumgesprochen. Und so war Schiepek schon während seines Studiums an den Musikhochschulen Würzburg und München die erste Wahl, wenn in Süddeutschland ein versierter, vielseitiger, technisch makelloser Gitarrist gesucht wurde. Von 2016 an spielte er im BundesJazzorchester (BuJazzo) wie als Solist in klassischen Orchestern, in diversen heimischen Bands etwa von Mulo Francel sowie an der Seite von internationalen Größen wie Richie Beirach und Klaus Doldinger. Und fand überdies noch Zeit für sein erstes eigenes Projekt „Golem Dance“, für das er sogar den kanadischen Star-Saxofonisten Seamus Blake gewinnen konnte.
Eine Blitzkarriere, die sich auch seinem gleichberechtigten Interesse für Klassik und Jazz verdankt. Schiepek empfindet den Wechsel zwischen den Welten als gegenseitige Bereicherung und ist wie nur ganz wenige bis heute beidem treu geblieben: der klassischen Akustikgitarre und der elektrische Jazzgitarre, die doch eigentlich zwei völlig verschiedene Instrumente sind, von der Spieltechnik über das Timing bis zum Zusammenspiel. Eine Ausnahmestellung, die jetzt auch zu seinem ACT-Debüt „Cathedral“ führte, einem intimen, aber überwältigendem Duo mit dem Pianisten Walter Lang.
Der 59-jährige Lang ist ein großer Romantiker unter den deutschen Jazz-Pianisten. Was damit zusammenhängen könnte, dass der gebürtige Schwabe mit Klassik, Volksmusik und den Beatles aufwuchs und eher zufällig am Berklee College of Music in Boston und damit beim Jazz landete. Die Liebe zur emotionsgeladenen Melodie und zum Rubato, zu melismatischen Harmonieführungen und einer sparsamen Verwendung von dafür umso stärker betonten Noten ist ihm geblieben. Kein Wunder, dass er so viele Vokalisten begleitet hat wie wenige andere. Und auch seine Mitgliedschaft im Trio Elf, das sehr früh und erfolgreich elektronischen Dancefloor-Sound für den Jazz adaptierte, ist kein Widerspruch, ist er doch auch dort für den melodisch-lyrischen Part zuständig. Außerdem ist er stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen: „Die Kombination von Klavier mit der üblichen Jazzgitarre ist oft problematisch“, erzählt Lang zur Entstehungsgeschichte von „Cathedral“: „Deshalb habe ich seit drei Jahren über ein Duo mit akustischer Gitarre mit Nylonsaiten nachgedacht. Und während der Corona-Zeit auch dafür ungeheuer viel komponiert. Philipp ist mir schon länger aufgefallen, und so habe ich ihn einfach mal gefragt.“
Man kam zu einer Session zusammen: „Wir spielten vier Stunden am Stück und merkten, dass es perfekt funktioniert. Wir mussten gar nicht groß über die Musik reden,“ berichtet Schiepek. Die Kraft einfacher Melodien führt bei „Cathedral“ ihr Spiel zusammen, unisono, abwechselnd oder auch als Frage-und-Antwort-Spiel (oder alles zusammen in „Estrela Cadente“, übersetzt Sternschnuppe). Beide ergänzen sich ideal, Langs weicher Anschlag und seine typischen Wechsel zwischen Single-Note- und Akkord-Spiel werden von Schiepeks ebenso filigraner Technik mit vielen, oft an klassische spanische Gitarre erinnernden Verzierungen umarmt.
Vor allem macht „Cathedral“ seinem Namen alle Ehre: Das Album ist ein Hochamt des großen Klangs. Ein berührender, verzaubernder Dialog zwischen Klavier und Gitarre, Jung und Alt, Klassik und Jazz, Form und Freiheit. Ein musikalisches Gespräch, das in seiner Tiefe und Intimität perfekt zu und in diese Zeit passt. Getragen und ruhig, fast asiatisch meditativ wie im Opener „Sumniran“ oder im dahinfließenden „Kamo“, entstanden am gleichnamigen, durch das japanische Kyoto strömenden Fluss. Hymnisch wie im Titelstück oder im einzigen von Schiepek beigesteuerten Stück „Pilgrimage“, das seine Sehnsucht nach einer langen Wanderschaft in Töne gießt. Melancholisch wie in „The World Is Upside Down“, fast ein Stück Trauerarbeit zur Pandemie. Aber auch tröstlich wie beim finalen „The Encourager“. So macht „Cathedral“ eben auch Hoffnung. Auf das Wiederer-wachen der Musik, auf die weitere Umarmung der Tradition durch die universelle, an die Zukunft gewandte Sprache des Jazz – und nicht zuletzt auf die faszinierenden Beiträge, die der junge Philipp Schiepek dabei noch liefern wird. Credits:
Recorded and mixed by Uli Fiedler at Flip Top Studio, Wertingen, 13.11.2020 Mastered by Klaus Scheuermann Piano tuner: Helmut Troendle Produced by Philipp Schiepek and Walter Lang Cover art by Peter Krüll