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Eric Schaefer

Der deutsche Jazzschlagzeuger und Komponist ist für seine Vielseitigkeit und kreative Experimentierfreude bekannt. Er wurde vor allem als Schlagzeuger des Michael Wollny Trios berühmt, mit dem er zahlreiche preisgekrönte Alben veröffentlichte und international Anerkennung erlangte. Schaefer arbeitet in verschiedenen musikalischen Projekten und vereint in seinem Spiel Einflüsse aus Jazz, Klassik, elektronischer Musik und Weltmusik. Er verbindet komplexe Rhythmen mit melodischer Sensibilität und gilt als einer der prägenden Figuren des modernen europäischen Jazz, die durch ihre innovativen Ansätze immer wieder musikalische Wege eröffnet.

Veröffentlichungen

Magic Moments 17 "In The Spirit Of Jazz"
Die beliebte Zusammenstellung "Magic Moments", kuratiert von Siggi LochTrackliste: 01 Elevation of Love // Album: e.s.t. 30 Magnus Öström, Dan Berglund, Magnus Lindgren, Joel Lyssarides, Verneri Pohjola, Ulf Wakenius 02 Second Nature // Album: Life Rhythm Wolfgang Haffner03 Raw // Album: raw Nils Landgren Funk Unit 04 The Answer // Album: The Answer Jakob Manz 05 Shots // Album: Bloom Bill Laurance 06 Das Handtuch // Album: Tough Stuff Iiro Rantala 07 She’ll Arrive Between 10 & 11 // Album: Guitar PoetryMikael Máni 08 Terrible Seeds // Album: While You Wait Little North 09 Se Telefonando // Album: Ennio Grégoire Maret, Romain Collin 10 Wonderland // Album: Wonderland Daniel García Trio 11 Fresu // Album: Inner Spirits Jan Lundgren, Yamandu Costa 12 Hands Off // Album: Stealing Moments Viktoria Tolstoy 13 Hidden Prelude // Album: What the Fugue Florian Willeitner 14 Pralin // Album: Let Them Cook Emile Parisien 15 My Brother Rolf // Album: Komeda Joachim Kühn 16 Passacaglia // Album: Passacaglia Adam Bałdych, Leszek Możdżer 17 Linden Tree Rag // Album: Rag Bag Bernd Lhotzky 18 Zafeirious Solo // Album: Arcs & Rivers Joel Lyssarides, Georgios Prokopiou

Ab 9,90 €*
Komeda - Jazz at Berlin Philharmonic XIV
Joachim Kühn - Komeda - Jazz at Berlin Philharmonic XIV CD / digital Joachim Kühn piano Chris Jennings bass Eric Schaefer drums Atom String Quartet Dawid Lubowicz violin Mateusz Smoczyński violin, baritone violin Michał Zaborski viola Krzysztof Lenczowski cello Krzysztof Komeda - eine Legende des polnischen und Wegweiser des europäischen Jazz. Als Filmkomponist für zahlreiche Roman Polanski Filme wie „Tanz der Vampire“ und „Rosemaries Baby“ wurde er weltberühmt. Früh verstarb diese große Künstlerpersönlichkeit 1969 mit nur 37 Jahren, hinterließ aber in der kurzen Spanne seines Lebens ein einflussreiches Werk. Joachim Kühn, heute selbst eine Ikone des Jazzpianos, ist ein großer Bewunderer von Komeda, den er 1965 in Warschau persönlich kennengelernt hat. Bei Jazz at Berlin Philharmonic, kuratiert von Siggi Loch, widmete er ihm am 14. Oktober 2022 eine Hommage – solo, mit seinem New Trio sowie mit dem polnischen Atom String Quartet. Mag Krzysztof Komeda hierzulande vielen kein Begriff sein, in seiner Heimat hat er einen Rang wie sonst nur Frederik Chopin. Mit ihm verbindet sich der Aufstieg des polnischen Jazz von einer Untergrund-Bewegung zu einem Kultur-Leuchtturm, ja fast zu einer neuen Art Nationalmusik. Mit Strahlkraft über seine Heimat hinaus, denn er avancierte zu einer Schlüsselfigur der Emanzipation des europäischen vom amerikanischen Jazz: Zeitgleich mit Lars Gullin und Jan Johansson in Schweden und auch im Ansatz vergleichbar, verschmolz Komeda die eigene Volksmusik und ihre typischen Melismen mit den Charakteristika des Jazz. Er wurde so einem der großen Lyriker des Klangs. Sein früher Unfalltod machte ihn in seiner Heimat früh zur Kultfigur. In seinen letzten Jahren hatte sich Komeda vor allem auf Filmmusik konzentriert, Roman Polanski holte ihn 1967 nach Hollywood. Ein Höhepunkt seines Jazz-Schaffens war zweifellos das Album „Astigmatic“, dass 1965 unter anderem mit dem Trompeter Tomasz Stanko in einer einzigen nächtlichen Session entstand. Bis heute wird es in Polen jährlich zur wichtigsten Jazzaufnahme gewählt, das britische Magazin Jazzwise führt es als eines der „Jazzalben, die die Welt erschütterten.“ Schon deswegen könnte es für eine musikalische Verbeugung vor Komeda keinen besseren Gastgeber und Interpreten geben als Joachim Kühn. War er doch 1965 bei der Aufnahme von „Astigmatic“ als Zuhörer im Studio, nachdem beide Bands vorher auf der „Jazz Jamboree“ in der Nationalphilharmonie Warschau gespielt hatten. „Für mich war Komeda schon damals einer der großen Visionäre des europäischen Jazz,“ erinnert sich Kühn. Komedas Kompositionen gehören deshalb seitdem zum Repertoire des nicht minder visionären Joachim Kühn, der die kleine Schar der deutschen Jazzer mit internationaler Geltung anführt – und das seit bald 60 Jahren. Mit den drei Stücken des legendären Albums „Astigmatic“, „Kattorna“ und „Svantetic“ beginnt das Jazz at Berlin Philharmonic Konzert auch. Kühn demonstriert sich als als primus inter pares unter den phänomenalen Begleitern des Abends: Seinem „New Trio“ mit Eric Schaefer am Schlagzeug und Chris Jennings am Bass, sowie dem Atom String Quartet, „ein Weltklasse-Quartett mit einer kraftvollen Mischung aus Klassik und Jazz-Improvisation“ (Jazzwise), mit Dawid Lubowicz und Mateusz Smoczyński an den Violinen, Michał Zaborski an der Viola und Krzysztof Lenczowski am Cello. Es ist eine rauschhafte halbe Stunde, die diese sieben Ausnahmemusiker gemeinsam aus diesem Opus magnum erstehen lassen: Spannende freie Improvisationen und Soli wechseln ab mit den wuchtigen Themen des immer bildhaft denkenden Komeda; größtmögliche Individualität mit einem unfassbar antizipierenden Interplay. Mitreißend, modern und von zeitloser Schönheit. Nicht minder bezwingend und dramaturgisch perfekt schließen dann Einzelbearbeitungen aus Komedas Werk an: Kühns fast romantisches, wundervoll weiches Solo über „After the Catastrophe“; sein bewegendes Duo mit Mateusz Smoczyński bei der 1961 entstandenen „Moja Ballada“; die Atom String Quartet-Fassung von „Crazy Girl“ aus Komedas Soundtrack zu Polanskis „Messer im Wasser“; schließlich die schillernde Trio-Bearbeitung des berühmten Wiegenliedes „Sleep Safe and Warm“ aus „Rosemaries Baby“, bevor sich alle noch einmal gemeinsam zum furiosen Finale mit „Roman II“ zusammenfinden. Viele Bögen, musikalische wie historische, runden sich hier. Was Komeda mit Kühn außerdem verbindet und hier nahezu greifbar ist: Für beide war Jazz das Fenster in die Freiheit. So versteckte Krzysztof Trzciński, wie er bürgerlich hieß, seine Musikerexistenz lange hinter seinem Beruf als Hals-Nasen-Ohren-Arzt und dem Pseudonym Komeda, bis seine Popularität vom Staat nicht mehr zu unterdrücken war. Und Joachim Kühn entzog sich der Bevormundung durch das DDR-Regime als 22-Jähriger durch die Flucht in den Westen. Mithilfe seines Bruders Rolf, der ihm auch Starthilfe gab für seine Weltkarriere, die ihn als Kosmopoliten in die USA, nach Frankreich und Spanien, vor allem aber in die künstlerische Freiheit führte. Auch dieser Kreis schließt sich am Ende bei Jazz at „Berlin Philharmonic: Komeda“. Als Zugabe spielt Joachim Kühn zur Erinnerung an den kurz zuvor verstorbenen Bruder das bewegende „My Brother Rolf“. Alleine das rechtfertigt den kürzlich im April an beide verliehenen Ehrenpreis des Deutschen Jazzpreises.Credits: Recorded live in concert by Thomas Schöttl at Jazz at Berlin Philharmonic, Kammermusiksaal, October 14, 2022 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Produced by Joachim Kühn Curated by Siggi Loch Cover art by Shoshu

17,50 €*
Ghosts
Michael Wollny Trio - GhostsCD / Vinyl / digital Michael Wollny piano Tim Lefebvre bass Eric Schaefer drums “All the songs are living ghosts and long for a living voice“ Brendan Kennelly „Als Improvisator spielt man oft nicht die Kompositionen, sondern vielmehr seine eigenen Erinnerungen an diese. Und diese Erinnerungen kommen im Moment des Spielens wieder zu einem zurück und setzen so ihre Existenz im Hier und Jetzt fort“, sagt Pianist und Komponist Michael Wollny. Man könnte auch sagen: Songs sind wie Geister. Das Album „Ghosts“ ist eine Zusammenkunft einiger dieser Geister, die Wollny regelmäßig heimsuchen. Und wie immer bei Wollny reicht deren Spanne von Klassikern wie Franz Schuberts „Erlkönig“ über Jazz-Standards, Filmmusik, brüchige Lieder eines Nick Cave oder der Band Timber Timbre bis zu dunkel schillernden Eigenkompositionen. Neben seinem Faible fürs Schaurige und Fantastische spielt für Wollny dabei auch der Begriff der „Hauntology“ eine übergeordnete Rolle. Ein Begriff, der seit geraumer Zeit in der Debatte um jene Popmusik herumspukt, die mit geisterhaften Klängen Erinnerungen an längst Vergangenes, Vergessenes und Gespenstisches weckt. Wollny: „Diese Perspektive, diese Klänge und nicht zuletzt der Begriff an sich haben mich in den letzten Monaten enorm interessiert - bis hin zu der Idee, ein Klaviertrio-Album zu produzieren, das sich mit dem Thema beschäftigt.“ Ein Geister-Album also, das sich in die Tiefen von bewussten und unbewussten Erinnerungen wagt und in Geschichten stöbert, die in der Vergangenheit entstanden und Schatten auf die Gegenwart werfen. Und von freundlichen Geistern erzählt, die uns umgeben, aber auch von bösen Gespenstern, von denen wir meinten, sie würden nie wieder zurückkehren. Die Besetzung von „Ghosts“ knüpft an die des Albums „Weltentraum“ an, welches man heute als einen Klassiker in Wollnys Diskographie bezeichnen kann und das seinen Ruf als einen Künstler festigte, „der aus jeder nur erdenklichen Musik, ein Erlebnis macht, das einem den Atem nimmt“ (Die Zeit). Mit dem US-amerikanischen Bassist Tim Lefebvre, der schon der Musik von David Bowie, Wayne Krantz oder Elvis Costello seinen ganz speziellen Sound und Vibe verlieh, begab sich Wollny zuletzt auf das Abenteuer des international vielbeachteten Projektes „XXXX“. Wollny sagt: „Wenn man mit Tim arbeitet, arbeitet man nicht nur mit einem der weltbesten Bassisten - Tim steht immer mit einem Fuß in der Welt des Soundprocessing und erweitert fortwährend sein elektronisches Instrumentarium. Darüber hinaus schafft er eine große musikalische und klangliche Klarheit und diese hat einen unglaublich ordnenden Effekt auf die gesamte Musik, ohne dass sie einen jemals einschränken würde.“ Mit Schlagzeuger Eric Schaefer spielt Wollny seit fast 20 Jahren zusammen. Wie Lefebvre ist auch dieser ein Original, ein Musiker mit einem ganz eigenen, fast schon orchestralen Ansatz, unverkennbaren Groove und beeindruckender Individualität. „Diese spezielle Konstellation macht einfach etwas mit uns dreien und hat einen gewichtigen Effekt“, so Wollny. „Nicht zuletzt verbindet uns eine lange gemeinsame Zeit und ein spezifischer Sound im Trio, den wir jetzt in eine ganz neue Richtung weiterentwickeln.“ Das Trio erzeugt auf „Ghosts“ ein Klangbild, der besonders in der Tradition der Welt des „Southern Gothic“ steht: Tief, erdig, voller schwingender, rasselnd tief gestimmter Saiten und Felle, in Reminiszenz an halbkaputte Gitarren-Amps, verzerrte Lautsprecher-Membranen, an Schwüle, Staub, Schwere. Vor den eigentlichen Aufnahmen zu „Ghosts“ stand noch ein weiteres Trio, bestehend aus Michael Wollny und den beiden Co-Produzenten Andreas Brandis und Guy Sternberg. Brandis, auch schon stark in das Konzept von „XXXX“ involviert, brachte die Idee eines Song-Albums und den passenden personellen Rahmen auf den Tisch. Und Sternberg, mit dem Wollny u.a. schon für sein stark von Sound und Studioarbeit geprägtes Album „Wunderkammer“ zusammenarbeitete, schuf als Toningenieur den Klang, der den Ausgangspunkt bilden sollte. Wollny: „Noch bevor die Setlist für das Album feststand, hatte ich einen ganz klaren Sound im Kopf, den wir vorab ausgiebig mit Guy und Andreas diskutiert haben.“ Die Hall-Fahnen, ätherischen Synthesizer-Sounds, lange klingenden Becken, Trommeln und Saiten bilden dabei den stimmungsvollen musikalischen Bühnenraum für das Trio im neuen Gewand. Manchmal stehen nur noch die akustischen und elektronischen Echos und überhängenden Sounds im Raum und entwickeln ihr eigenes, geisterhaftes Leben, vom ursprünglichen Klangimpuls entkoppelt - manchmal spuken sie kaum hörbar unter der Oberfläche.  Eines haben alle Tracks des Albums gemeinsam: Sie sind Momentaufnahmen im Leben der einzelnen Songs. Wollny: „Gerade im Jazz gibt es nicht die eine, definitive Version eines Stückes. Speziell Standards suchen einen im besten Sinne des Wortes immer wieder heim, sind nie fertig und tauchen immer wieder auf.“ Und so beziehen sich Wollny, Lefebvre und Schaefer bei den Klassikern „I Loves You Porgy“ und „In a Sentimental Mood“ nicht primär auf die ursprünglichen Kompositionen, sondern vor allem auf den Nachhall der Versionen von Nina Simone und John Coltrane/ Duke Ellington. Noch älter als in Jazzstandards sind die Geister, die Folk Songs bevölkern und immer wieder erscheinen, wenn diese Songs gesungen werden. Wie im traditionellen, irischen Volkslied „She Moved Through the Fair“, das beinahe prototypisch zeigt, dass alle Ghost Stories zu einem großen Teil auch immer Love Stories sind. Ganz ähnlich wie der „Willow’s Song“ - ein verführerisches und gefährliches Liebeslied aus dem legendären Soundtrack für den Kino-Thriller „Wicker Man“, einem so merkwürdigen wie erschreckenden Klassiker des nordischen Grusel-Genres. Ebenfalls Folk-Horror und naturbezogen: Ein aufwühlendes Arrangement von Franz Schuberts „Erlkönig“. Dazu, in Referenz zum schwülen „Southern Gothic“: „Hand of God“ von Nick Cave &Warren Ellis, hörbar gewidmet Wollnys großem Vorbild und der „Hand Gottes“, Joachim Kühn. Dazu „Beat the Drum Slowly“ der Band Timber Timbre, einem Dauer-Favoriten Wollnys und „Ghosts“ von der Band Japan - einer klingenden Verkörperung genau der Themen, die das Album „Ghosts“ prägen: Melodien und Klänge als Heimsuchungen verdrängter Erinnerungen, verführerisch, anrührend, geheimnisvoll und tiefgründig. Zwei Original-Kompositionen reihen sich mühelos in die so heterogene wie schlüssige Playlist ein: Wollnys gleichnamiger Beitrag zur „Hauntology“, für ihn „ein Lied ohne Worte aus einer anderen, vergangenen oder seltsamen, parallelen Pop-Welt“ und „Monsters Never Breathe“ mit seiner sich ins Unendliche ziehenden Melodie, die sich nur singen ließe, ohne Luft zu holen.  “All the songs are living ghosts and long for a living voice“ schreibt Brendan Kennelly in einem seiner bekanntesten Gedichte – für Michael Wollny eine hintersinnige und abgründige Einsicht, die seine Faszination für die Magie der Lieder um eine schaurig-schöne Pointe ergänzt und deshalb wie als Motto über dieser Einspielung steht. Sprechen wir über Geister, dann schauen wir in das scheinbar Vergangene und rufen die Erinnerungen zurück in unser Leben. „Ghosts“ macht die Geister des Michael Wollny Trios hörbar. Credits: Recorded by Guy Sternberg at Clouds Hill Studio Hamburg, June 17 & 18, 2022 Assistant: Sebastian Muxfeldt Mixed and sound design by Guy Sternberg Additional sound processing & synths by Tim Lefebvre Mastered by Darius van Helfteren Produced by Michael Wollny Co-producers: Guy Sternberg and Andreas Brandis

Ab 18,90 €*
Love & Peace
Joachim Kühn - Love & PeaceCD / digital Joachim Kühn piano Chris Jennings bass Eric Schaefer drums „Altersweisheit trifft Sturm und Drang“ (Spiegel Online). Dies ist nicht nur die treffende Beschreibung für das generationsübergreifende Zusammentreffen von Joachim Kühn mit den über 30 Jahre jüngeren Chris Jennings und Eric Schaefer. Mehr noch, beides vereint der heute 73 jährige Jazzpionier auch in seinem Spiel: Seinen Blick stets nach vorne gerichtet, die Jazzgeschichte im Rücken, kennt Kühn keine Konventionen. Freiheitsliebend und voller Fantasie ist das Pianogenie davon getrieben, immer wieder Neues zu entdecken. Das Joachim Kühn New Trio ist sein jüngstes Abenteuer, „Love & Peace“ das zweite Kapitel daraus:„Ich habe ein neues Traum-Team gefunden, das mich auf ganz neue Art inspiriert“, sagt Joachim Kühn über seine 2015 gegründete Formation, welche zugleich auch seine Rückkehr zum klassischen Klaviertrio-Format bedeutete, das er dreißig Jahre lang mit Jean-Francois Jenny-Clark und Daniel Humair gepflegt hatte: „Ein neues Trio, ein neuer Joachim Kühn“ jubelte der NDR angesichts des im März 2016 erschienen Debüts „Beauty & Truth“. Die Zeitschrift Jazzthing befand, Kühn habe damit „als der nach wie vor innovativste und freieste Klavierspieler der Republik seiner Bio- und Diskografie ein weiteres spannendes und vor allem unerwartetes Kapitel hinzugefügt.“ Schließlich wurde das Joachim Kühn New Trio auch zum besten Ensemble national mit dem ECHO Jazz 2017 ausgezeichnet. „In meinem Alter muss man noch mehr spielen als früher, um nicht einzurosten“, sagt Joachim Kühn. Es ist auch dieser Ehrgeiz, der ihn zu Deutschlands bedeutendstem und international erfolgreichstem Jazzpianisten seiner Generation gemacht hat. Auf „Love & Peace“ zeigt sich der Altmeister abermals in Topform: Wieder geht es um „starke Melodien, die man gestalten kann“, wie Kühn sagt, doch mit einem für den Free- und Fusion-Großmeister radikalen Ansatz: „Ich wollte die melodische Einfachheit, ein Album mit kurzen prägnanten Stücken.“ Naheliegend, dass sich die Songs um das Einfachste und doch so Schwere ranken, das unsere Welt derzeit am dringendsten braucht: Liebe und Frieden. „Ich habe das Repertoire nicht auf die Schnelle ausgesucht, sondern sehr bedacht. Dann aber auch mal dem Zufall Raum gelassen.“ So entstand die kurze, fast schwärmerische Melodie von „Barcelona – Wien“ auf dem Flug zwischen den beiden Städten. Und beim sprunghaften, und doch so eleganten Thema von „Mustang“ musste er spontan an die so agile Pferdeart denken. Erneut greift Kühn mit „The Crystal Ship“ einen Titel der Doors auf, jener Band, die wie kaum eine andere für seine, die 68er-Generation und den Kampf um Frieden in jener vom Vietnam-Krieg geprägten Zeit steht. Auch die Klassik ist mit einer schwelgerischen und groovenden Version von Modest Mussorgskis „Le Vieux Chateau“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ vertreten. Ein Stück („Night Plans“) aus der einmaligen und prägenden Zusammenarbeit mit Ornette Coleman erlebt ebenso eine, fast zärtliche, Neubetrachtung im Trio wie der turbulente Kühn-Klassiker „Phrasen“.Schließlich bat Kühn auch seine beiden Partner eine Komposition beizusteuern: Chris Jennings sein swingendes, fast volksliedartiges „Casbah Radio“ und Eric Schaefer sein elegisches „Lied ohne Worte No. 2“, das vielleicht sogar am stärksten an den „alten“ Joachim Kühn erinnert. Nicht nur deswegen erweist sich Schaefer mit seiner Dynamik, seiner Spontaneität und seiner Spiritualität als idealer Kühn-Begleiter. „Ich hatte ihn seinerzeit zu mir nach Ibiza eingeladen. Wir spielten drei Tage lang zusammen. Ich wusste aber schon nach zehn Minuten, dass ich mit ihm arbeiten will“, erinnert sich Kühn. „Ähnlich erging es mir mit Chris Jennings, ein fantastischer Bassist mit großem Einfühlungsvermögen.“„Nur wer frei lebt, kann auch wirklich frei improvisieren“, sagt Kühn, der sich auf seiner Finca in Ibiza seit vielen Jahren alles zu seiner persönlichen und kreativen Freiheit eingerichtet hat. Mit „Love & Peace“ ist seinem New Trio erneut Wegweisendes gelungen, durch Schöpfungswillen, unbändiger Liebe zur Musik und mit inneren Frieden.Credits: Produced by Joachim Kühn Recorded by Gérard de Haro at Studios La Buissonne, France. May 15 & 16, 2017 Assisted by Anaëlle Marsollier & Bastien Raute Mixed by Gérard de Haro. Mastered by Klaus Scheuermann Steinway D tuned and prepared by Alain Massonneau Arrangements by Joachim Kühn Cover art by Mary Heilmann, Mojave Mirage, 2012 by courtesy of the artist, 303 Gallery, New York, Hauser

17,50 €*
The Jubilee Concerts
Various Artists - The Jubilee ConcertsCD / digitalVarious ArtistsWenn 34 Künstler in den verschiedensten und teilweise noch nicht dagewesenen Konstellationen zusammenkommen, um miteinander zu musizieren, dann braucht es dafür eine verbindende Gesinnung, die die Musik im Innersten zusammenhält: Grenzen nicht zu akzeptieren, offen und neugierig sein für den Anderen, Mut zum Risiko und sich auf das Unerwartete einlassen sowie die Lust, Neues entdecken zu wollen. All dies zeichnet die ACT-Musikerfamilie aus, die aus allen Teilen Europas zu den Jubilee Concerts in Berlin zusammenkam, um ihrem Label zum 25. Geburtstag einen selbstgestalteten Konzerttag zu schenken und damit Danke zu sagen. Ganz nebenbei machten die Jubilee Concerts hautnah erlebbar, wofür ACT seit 1992 steht: Als führendes Entdeckerlabel auf der Suche nach bisher ungehörter Musik „in the Spirit of Jazz“ sind es die Vielfalt und die ungeahnten Verbindungen, mit denen das Label immer wieder überrascht und daraus neue Inspirationen zieht – connecting the unexpected. Wer das Glück hatte, noch Karten für die große Geburtstagsfeier im Konzerthaus Berlin zu ergattern, der wird den Abend nicht vergessen. Denn es ging ihm vermutlich nicht anders als den zahlreich anwesenden Medienvertretern, die zum Jubiläum vor Ort waren: „Was für ein ACT!“ titelte zum Beispiel „Spiegel Online“ und befand, es seien „Konstellationen zustande gekommen, bei denen jedem, dem Jazz am Herzen liegt, nicht mehr bange um die Zukunft des Genres sein muss.“ „Le Figaro“ schrieb: „Kurz: Es war Jazz in all seinen Formen“, das britische Jazzwise Magazin meinte: „Alles deutete auf ein Label in seinem Zenit, das Neues umarmt, während es das Alte achtet, beides nährt und so Stars aufbaut; ACT wird erwachsen – mit einem Lächeln im Gesicht und einer stolzen Pose.“ Und die FAZ schließlich stellte fest: „Die ACT Family Band war ein Allstar-Ensemble, wie es so bald kein zweites in der Jazzgeschichte geben wird.“ Wer dieses Familientreffen der besonderen Art live verpasst hat, kann es jetzt immerhin auf CD nachhören. Er kann in einem für den „Spirit of Jazz“ der ACT-Künstler typischen Aus-und Querschnitt nachvollziehen, wie ACT mit bislang gut 500 Alben ein Viertel der Jazzgeschichte begleitet und in Teilen mitgeprägt hat: Ist doch jeder der hier beteiligten Musiker ein Ausnahmetalent mit herausragenden solistischen Qualitäten und eigenen Projekten, zugleich aber aufgeschlossen für die Inspiration, die sich aus der Begegnung mit seinen Kollegen ergibt. Auf dieses Netzwerk der ACT-Künstlerfamilie legte Labelchef Siggi Loch von Anfang an großen Wert, und welchen Gewinn das einbringt, zeigt „The Jubilee Concerts“: Alles, was Nils Landgren, als integrales Zentralgestirn der europäischen Jazzszene, so etwas wie der ACT-Mannschaftskapitän, als Moderator präsentierte, war außergewöhnlich, angefangen mit seinem humorvoll-melancholischen Entree „Send In The Clowns“ zusammen mit Michael Wollny. Ob nun Jung und Alt auf verblüffende Weise miteinander kommunizierten wie der große deutsche Pianist Joachim Kühn mit dem französischen Shootingstar am Sopransaxofon Emile Parisien (der Name des Kühn-Titels, den das Duo darbot, „Missing A Page“, trifft sehr schön den von Noten unbelasteten, von musikalischer Freiheit durchdrungenen Ansatz der beiden); ob die Bassisten Dieter Ilg und Lars Danielsson im Duo miteinander spielten und jede Emotion freilegten, die man mit ihrem Instrument erregen kann; ob ein in wechselnden Kombinationen bestens eingespieltes Ensemble wie das Quintett mit Landgren, Wollny, Danielsson, dem Gitarristen Ulf Wakenius und Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit „Walk Tall“ gospeligen Groove zelebrierte; oder ob mit Wollny, Parisien, dem Akkordeonisten Vincent Peirani und dem Stimmakrobaten Andreas Schaerer vier der herausragenden „jungen Wilden“ Europas die überkommenen Stil- und Genregrenzen über den Haufen warfen. Berührender Höhepunkt ist „Dodge The Dodo“, einer jener Standards des „Great European Songbooks“, die der unvergessene, viel zu früh gestorbene Esbjörn Svensson geschrieben hat: Brillieren bei dieser Hommage doch unter anderem nicht nur Iiro Rantala am Flügel, der polnische Geiger Adam Bałdych und der jüngste ACT-Zuwachs Magnus Lindgren an der Flöte, sondern auch die beiden Söhne Svenssons, Noa am Schlagzeug und Ruben an der Gitarre. Ein Symbol für die nächste Jazzgeneration und eine nicht zu übertreffende Einleitung für das große Finale, bei dem alle mitsangen und -spielten: Denn da stimmte Ida Sand mit ihrer grandiosen Soul-Stimme jenen Nile Rodgers-Titel an, der den Kern des Abends wie der 25 Jahre, die es zu feiern galt, perfekt einfing: „We Are Family“. Oder wie es Nils Landgren formuliert: „Wir sind eine Familie. Nicht einfach irgendeine Familie. Wir sind die ACT-Familie!“Credits: Live at Konzerthaus Berlin, April 2, 2017 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated by Siggi Loch An ACT Music concert production in cooperation with Konzerthaus Berlin

12,90 €*
Kyoto mon Amour
Eric Schaefer - Kyoto mon AmourCD / Vinyl / digital Kazutoki Umezu clarinet & bass clarinet Naoko Kikuchi koto John Eckhardt bass Eric Schaefer drums Das „heimliche Zentralgestirn in der […] deutschen Jazzszene“ (Die Zeit), Eric Schaefer „hebt die Jazzwelt [abermals] aus so manchen Angeln“ (Süddeutsche Zeitung): Mit „Kyoto mon Amour“ wagt der Schlagzeuger und Komponist den Brückenschlag zwischen westlicher und japanischer Musik. „Es hat mich immer wieder nach Asien gezogen und dieser Kontakt hat mein Leben geprägt“, erzählt Schaefer. Innerhalb der letzten 14 Jahre besuchte er dreimal Korea und weilte sechsmal in Japan. Er praktiziert Zen, diesen „weglosen Weg“, in der Meditation die (eigene) Natur zu schauen. „Die Zen-Praxis hat mein ganzes Leben verändert. Mein Umgang mit den Menschen und der Natur und so auch das Erleben von Musik sind bewusster und feiner geworden.“ Davon zeugt auch „Kyoto mon Amour“. Der Grundstein zu diesem Projekt wurde 2012 bei einem dreimonatigen Studienaufenthalt Schaefers in der alten Kaiserstadt Kyoto gelegt. Intensiv studierte er Kabuki- und No-Theater, hörte die alte höfische Gagaku-Musik, machte sich mit traditionellen Instrumenten wie Shakuhachi-Flöte, Shamisen- oder Biwa-Laute vertraut, besuchte Tempel und wanderte in die umliegenden Berge wie den Hiei-zan mit ihrem samtenen Moos und roten Ahornkronen. Eindrücke, die sich in Klangideen und Kompositionen niederschlugen. Weitere Reisen vertieften die Erfahrungen mit neuen Begegnungen wie dem Shodo-Künstler Shoshu, dessen Kalligraphien jetzt das Album passend schmücken. „Mich hat das Thema nicht mehr losgelassen“, berichtet Schaefer. Was schließlich noch fehlte, waren die richtigen Begleiter… Wie Schaefer sie fand, kann er am besten selbst beschreiben: „Als ich Kazutoki Umezu in einer Radiosendung mit seiner Klarinette hörte, wusste ich, dass dies der Klang war, den ich suchte: weich, biegsam wie Bambus und dennoch durchdringend klar. Unbedingt wollte ich Naoko Kikuchi dabei haben, denn sie ist zum einen tief verwurzelt in der japanischen Koto-Tradition, zum anderen zog sie vor acht Jahren nach Deutschland, um beim Ensemble Modern zeitgenössische europäische Kunstmusik zu spielen. Auch John Eckhardt ist in der Neuen Musik zu Hause, mit dem ich schon seit Jahren zusammen in meiner Band The Shredz spiele. Durch sein erdverbundenes und farbenreiches Spiel verschmelzen die Elemente aus Kammermusik, traditioneller Musik und Jazz. Die musikalische Offenheit und das Interesse an der jeweils anderen Kultur ist das Spannende an dieser Band.“ So erklingt auf „Kyoto mon Amour“ Musik, die von japanischen wie europäischen Blickwinkeln aus improvisiert wird, und doch etwas ganz Neues ergibt: Etwa, wenn bei „Shoshu-san“ wie in der Kalligraphie alles auf das Wesentliche reduziert wird, sich alle Farben und Rhythmen der Schönheit der Melodie unterordnen. Oder beim 400 Jahre alten „Rokudan“ von Yatsuhashi Kengyo. Der Fluss der Koto wird hier von einer Klarinettenmelodie kontrapunktiert und schließlich langsam von Schaefer und Eckhardt mit Dynamik und Swing aufgeladen. Eine Art Schlüsselstück ist der ruhig dahinschreitende, sich aber auf alle möglichen Seitenpfade einlassende „Santoka’s Walk“, der Schaefers künstlerisches Leitmotiv, das von einem Sinnspruch des Zen-Mönchs Santoka Taneda inspiriert ist, mit Leben füllt: „Auf Reisen dies und jenes berühren, die wandelnden Eindrücke des Geistes aufzeichnen“ Doch nicht nur ruhige, lyrische Stücke finden sich auf diesem west-fernöstlichen Diwan. Auf „Ticket To Osaka“ etwa fängt Schaefer das pulsierende Getriebe der Großstädte ein. Bei „Kansai Two-Face“ trifft eine nostalgische Koto-Melodie auf die sprudelnd vorwärtsstürmenden, von der Rhythmusgruppe angetriebenen Improvisationen der Klarinette – ein Spiegelbild der auf engstem Raum versammelten Gegensätze der japanischen Gegenwart zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Schlichtheit und Reichtum. Nur auf den ersten Blick überraschend endet „Kyoto Mon Amour“ mit Ravels „Pavane de la Belle au bois dormant“: „Gerade bei den Impressionisten, in der bildenden Kunst wie in der Musik, herrschte um 1900 eine Art Japan-Begeisterung.“ Eine Offenheit, die schon damals unvergängliche Musik entstehen ließ. Auf faszinierende, moderne Weise schließen Eric Schaefer und sein Quartett daran an.Credits: Produced by Siggi Loch with the artist Recorded by Klaus Scheuermann at Hansa Studios, Berlin, Nov 30 - Dec 1, 2016 Assistant engineer: Nanni Johansson Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Cover art by Shoshu, calligraphy (2016)

Ab 17,50 €*
Fahrt ins Blaue
Various Artists - Fahrt ins BlaueCD / digitalOn Fahrt ins Blaue, atmospheric soundscapes pass by: organic, dynamic, virtuosic, and smooth. The compilation floats effortlessly between electronic textures and acoustic jazz. The journey begins. Time seems to stand still at first: A breeze from Sardinia drifts through a mysterious Asian world (“Lacrima Christi”). The sound cosmos of trumpeter Paolo Fresu and guitarist Nguyên Lê is hypnotic and directionless. A groove sets in — a simple piano melody floats on the surface (“Ironside”): chill-out jazz with blue notes by the master of atmosphere, Lars Danielsson. The Fahrt ins Blaue continues with “Germany’s coolest drummer” (ARD ttt), Wolfgang Haffner, and his drum & bass-inspired ambient jazz (“Shapes”). Pianist and sound tinkerer Bugge Wesseltoft offers insight into his “New Conception of Jazz” (“Existence”). Things become weightless with Jacob Karlzon’s electro-acoustic piano trio jazz (“Bubbles”). The Esbjörn Svensson Trio takes us on a summery, joyful joyride with their virtuoso fun-hit “Spam-Boo-Limbo.” Things take a quirky turn when Clint Eastwood rides across the soundscape in “Ecstasy of Gold”, from the Western classic The Good, the Bad and the Ugly, in a jazzed-up version by Swedish jazz cowboys Oddjob. That feeling of cool summer rain on your skin is evoked by Ida Sand with her haunting cover of the Eurythmics’ “Here Comes The Rain Again.” And Nils Landgren’s Funk Unit meets us with a funked-out, laid-back take on an ABBA classic (“Gimme! Gimme! Gimme!”). We make a relaxed stop with Annette Humpe’s McJazz. With charm and a wink, she serves up “Coffee & Tea.” Nu jazz, minimal electro, and lounge pop intertwine in a unique blend crafted by keyboardist and multi-instrumentalist Roberto Di Gioia. On “Yelloworange,” he’s joined by saxophonist Johannes Enders. In a moving and elegiac homage, Dan Berglund’s Tonbruket remembers the late Esbjörn Svensson — the shining star of European jazz who passed away in 2008 — with “Song For E,” before the Fahrt ins Blaue ends with the Michael Wollny Trio: “Questions In A World Of Blue.”Credits: Compilation produced by Marco Ostrowski Mastered by Klaus Scheuermann  

12,90 €*
Bliss
Eric Schaefer & The Shredz - BlissCD / digital Eric Schaefer drums, modular synthesizer (08) John-Dennis Renken trumpet Volker Meitz keyboards John Eckhardt bass Mit seinem neuen Album „Bliss“ rührt Schlagzeuger Eric Schaefer den Fusion-Jazz der Sechziger, den Jazz-Dub der Neunziger und die Clubmusik von heute zu einem explosiven Gebräu an. Das ist kein Voodoo, obwohl es streckenweise so klingt, sondern konsequente Fortführung dessen, was Schaefers Spiel von Beginn an einzigartig machte: Stil und Geschmack, Skills und Wissen, komplexe Kompositionen und improvisatorische Spielwut. Verwurzelt im Hardcore und gereift am Jazz, bespielt Schaefer ein Klangspektrum, das weit über jedes akademische Kolloquium hinausreicht. Nachdem er vor allem als Mitglied von Michael Wollnys Trio an zahlreichen ACT-Alben beteiligt war, veröffentlichte der 1976 geborene Schlagzeuger im Wagnerjahr 2013 sein ACT-Debüt als Bandleader. Mit „Who‘s Afraid of Richard W.?“ zeigte er, dass er keine Angst hatte, Wagners Musik bis auf das Skelett abzunagen und die Knochen in neue Spielzusammenhänge zu schmeißen. Zwei Jahre und zahlreiche Auftritte später rief er die bewährten Musiker, nur der Trompeter hat gewechselt, zusammen, um gemeinsam die nächste Evolutionsstufe zu erklimmen. Und so fand die nun schon seit geraumer Zeit inoffiziell so genannte „Wagner-Band“ nicht nur zu ihrem eigenen Studio-Sound, sondern endlich auch einen richtigen Namen: The Shredz. Der Name ist Programm, denn schon in den ersten Takten der Eröffnungsnummer „Abstract Dub“ wird deutlich: Shredz fetzt. Der texturreiche Sound von „Bliss“ mitsamt seinen Delay-Schleifen, Synthesizer-Modulationen und prozessiertem Schlagzeug-Sound entstand bereits beim Einspielen und wurde in der Postproduktion nur behutsam um einige Effekte erweitert. Mit John-Dennis Renkens fliegenden Trompetentönen und Volker Meitz‘ gurgelnden Orgeln beschwören The Shredz den Geist der elektrischen Miles-Davis-Sessions herauf. Schaefer und Bassist John Eckhardt schalten zwischen fiebrigem Bitches Brew-Groove, laswellesken Dub-Fusionen und pulsierenden Club-Zuständen hin und her. „Wir wollten auf eine gemeinsame Reise gehen, eine Art Trance-Zustand erreichen“, sagt Schaefer zum Aufnahmeprozess. „Dazu gehören nun einmal Faktoren wie Repetition und Groove.“ Weil sich auf dieser Reise oft die ungeplanten Momente als Höhepunkte entpuppten, machten in der finalen Auswahl einige Eigenkompositionen Platz für die Nummern, die aus gemeinsamen Jams heraus entstanden. Dabei kam auch immer wieder die (digitale) Schere zum Einsatz. Der 30-minütige „LongJam“ wurde auf die essentiellen neun Minuten gekürzt. So teilen sich bei gut der Hälfte der Stücke auf „Bliss“ alle Bandmitglieder die Komponisten-Credits. Trotzdem kommen auch Freunde von Schaefers Kompositionen auf ihre Kosten: In „Barber“ etwa, wenn eine von Streichern unterfütterte Trompeten-Elegie durch verschiedene Groove-Zustände stolpert, um schließlich auf einer Art live-gespieltem Roots Manuva-Riddim auf eine sphärische Schlussstrecke einzuschwenken. Oder im cinematografischen „No Bottom No Top“, das Kenner des Schaeferschen Gesamtwerks als Echo seiner „Star Wars“-Kompositionen deuten werden. In den Credits ist die Genese der Stücke deutlich kenntlich gemacht, doch unter uns: Ihre volle Wirkung entfaltet die Platte, wenn man sich den Spaß gönnt und diese Differenz ignoriert. „Wir haben das Album einfach aufgenommen. Ein Thema hatten wir nicht.“ The Shredz treten damit das Erbe früherer Schaefer-Bands wie „Demontage“ und „Henosis“ an: als Komplizen-Gang, Partners in Crime und Brüder im Geiste, denen im Sinne eines persönlichen Bandsound das kollektive Weben wichtiger ist als der individuelle Ausdruck im Solo. Als Schlagzeuger im neuen Joachim Kühn Trio (neues Album: „Beauty & Truth“) setzt der mehrfache ECHO-Jazz-Preisträger im Jahre 2016 ein weiteres Ausrufezeichen. Daneben spielt er natürlich altbewährt weiter an der Seite von Michael Wollny. Und er ist entschlossen, in der kommenden Live-Saison mit The Shredz die Fetzen fliegen zu lassen… Credits: Produced by Eric Schaefer Recorded and mixed by Volker Meitz at Nordkreuz-Studio, Berlin, Dec. 3 - 4, 2014 Mastered by Uwe Haas

17,50 €*
Beauty & Truth
Joachim Kühn Trio - Beauty & TruthCD / digital Joachim Kühn piano Chris Jennings bass Eric Schaefer drums Alter Meister, junge Wilde und ein neues Trio: Joachim Kühn, Pianist von Weltrang und Solitär des europäischen Jazz, gönnt sich keine Pause. Unstillbar ist sein musikalischer Schaffensdrang, auch mit Anfang 70 noch. Stillstand ist für ihn Rückschritt, seine musikalische Neugier ungebrochen. Auch heute noch sitzt Kühn täglich Stunden an seinem Flügel in seiner abgeschiedenen Finca an Ibizas Meeresküste oder hört in seiner Musikbibliothek, die über 1500 Tonträger beheimatet, alte und aktuelle CD-Erscheinungen. Für „Beauty & Truth“ hat er nun gemeinsam mit Produzent Siggi Loch alte, bekannte und ungewöhnliche Stücke ausgesucht und im neuen Trio eingespielt: „Starke Melodien, die man gestalten kann“, erzählt Kühn. Wie zum Beispiel Gil Evans‘ „Blues For Pablo“. „Das Geheimnis des Stückes liegt in nur fünf Tönen, die aber einen musikalischen Kosmos eröffnen.“ Und Stücke, die ihm etwas bedeuten, wie die Krzysztof Komeda Komposition „Kattorna“: „Bei der Aufnahmesession 1965 für das Album „Astigmatic“ war ich selbst mit dabei. Nun kam mir dieses Stück wieder in den Kopf. Wir trafen uns damals in Warschau und spielten dort mit unseren Bands auf der berühmten „Jazz Jamboree“ in der Nationalphilharmonie. Er erzählte mir von seinen Aufnahmeplänen am nächsten Tag. Ich war neugierig und er erlaubte mir, zuzuhören. Für mich war Komeda schon damals einer der großen Visionäre des europäischen Jazz.“ Kühns Eigenkompositionen auf „Beauty & Truth“ bestechen durch prägnante Melodien mit Ohrwurmqualität, die ihm als Sprungbrett für seine improvisatorischen Abenteuer dienen: Da ist das mittlerweile zum Kühn-Hit avancierte „Because Of Mouloud“, das offen angelegte, trancehaft schwebende „Transmitting“ und ganz neu im Repertoire, „Machineria“, eine zupackende, fugenhafte Up-Tempo Etüde, bei der sich linke und rechte Hand virtuos ineinander verzahnen. Erstmals hört man Kühn auch als Interpreten von The Doors. Eine Reggae-Dub-Nummer von Stand High Patrol, die Eric Schaefer ins Studio mitgebracht hat, ist ebenfalls im Repertoire. Aber Kühn wäre nicht Kühn, wenn er den Vorlagen nichts hinzufügen würde. Indem er reharmonisiert oder rhythmisch umdefiniert erschafft er mit bewährter Kühnheit sein eigenes Original: Wie zum Beispiel „Sleep Safe And Warm“, das die bekannte Melodie aus Roman Polanskis „Rosemary's Baby“ zuerst im Original vorträgt, um dann in ganz neuen Harmonien zu erklingen. Natürlich darf eine Reminiszenz an den im Juni 2015 verstorbenen Ornette Coleman nicht fehlen, der zwischen 1996 bis 2000 ausschließlich mit Kühn zusammenspielte. Das Titelstück „Beauty And Truth“, gespielt als Pianosolo-Miniatur, gibt als Prolog die Idee des Albums vor: zur Essenz der Komposition vorzudringen, ihre innere Wahrheit zu entdecken und wahre Schönheit herauszukehren. Das neue Trio beflügelt ihn hörbar: Stoisch und selbstsicher gibt der voluminöse Bass von Chris Jenkins der Musik halt und Ortung. Und Eric Schaefer stellt einmal mehr unter Beweis, was ihn im Michael Wollny Trio seit Jahren auszeichnet: Stil und Geschmack, Power und Variantenreichtum sowie eine feine Balance zwischen komplexer Raffinesse und „down-to the earth“ Drumming. „Die letzten 10 Jahre habe ich mit Majid Bekkas und Ramon López einen afrikanisch geprägten Trio-Sound gesucht. Jetzt kehre ich nach vielen Jahren zum klassischen Pianotrio zurück. Das Trio mit Jean-François Jenny-Clark und Daniel Humair, das über 30 Jahre existierte, war das Trio meines Lebens. Diese Tiefe und Intensität war unglaublich. Mit Eric und Chris habe ich nun ein neues Traum-Team gefunden. Auf eine ganz neue Art ist es sehr inspirierend, mit ihnen zu spielen.“ Auf den 12 Stücken von „Beauty & Truth“ hört man einen anderen Joachim Kühn: Kraftvoll, klar und auf den Punkt. Immer fest verankert im Groove. Voll ungebremster Spielfreunde und mit jeder Menge Soul. Nicht altersweise, sondern aktuell wie eh und je. Credits: Recorded by Adrian von Ripka at Bauer Studios, Ludwigsburg, July 7 & 8, 2015 Mixed and mastered by Adrian von Ripka Produced by Joachim Kühn Executive Producer: Siggi Loch

17,50 €*
Nachtfahrten
Michael Wollny - NachtfahrtenCD / Vinyl / digital Michael Wollny piano Christian Weber bass Eric Schaefer drums Am Anfang war ein Buch, „Nachtmeerfahrten“. Thema war die Schwarze Romantik, jene Seite der Romantik, die im Nachtschatten gedeiht und im wohligen Gruseln der Fantasy nachhallt. Eine Streichung weiter stand schon ein Titel fest: „Nachtfahrten“. Michael Wollny ist ein Freund der Nacht. In der Nacht sind Katzen grau, nachts verschwimmen die Kontraste und die Affekte treten über die Ufer der Vernunft: Angst und Freude, Wut und Trauer, Leidenschaft und Wahnsinn – verheißungsvoll und beängstigend. Seit fast zehn Jahren hat „der derzeit aufregendste deutsche Jazzpianist“ (Die WELT) mit dem Schlagzeuger Eric Schaefer die Kunst des kommunikativen Spiels von Aktion und Reaktion im Trio in viele Richtungen gedreht, bevor ihm im Jahr 2015 ein großer Publikumserfolg gelang. Mit „Weltentraum“ hatte er sich – ohne jeden Abstrich bei der Raffinesse und der stilistischen Breite seines Spiels, das sich seine Anregungen ebenso selbstverständlich bei Coldplay holt wie bei Schubert oder Messiaen, von Monk oder Evans ganz zu schweigen - vor der Jazztradition, ihrer Vorliebe für Songstrukturen, vor gesanglichen Melodien sowie mitreißenden Grooves verbeugt und zum ersten Mal ein größeres Publikum erreicht. Zahlreiche Auszeichnungen und gleich drei ECHO Jazz folgten. Aber Michael Wollny ist keiner, der sich auf Erfolgen ausruht. Mit dem Federstrich war ihm, noch ohne, dass ihm das bewusst gewesen wäre, die Methode zugeflogen, mit der er mit dem geplanten Album musikalisches Neuland erkunden konnte: Reduktion. "Irritation", so erläutert er heute, "wird erzeugt, indem man etwas wegnimmt". Und damit war ein Schlüssel ins Schloss gefallen: die Assoziationsmaschine war in Gang. Mit Eric Schaefer sichtete Wollny Skizzen, Ideen und Motive seiner Klangwerkstatt, kombinierte Altes mit Neuem, Fremdes mit Eigenem und Stück für Stück fügten sich in Zusammenarbeit mit Produzent Siggi Loch die Teile ineinander: Filme, Literatur, Malerei, Philosophisches, Ästhetisches, Privates – für alles gab es eine zwangsläufige, musikalische Entsprechung. Es ist kein Zufall, dass der Album-Opener von Fragen spricht. „Questions in a World of Blue“, eine Adaption von Angelo Badalamentis Twin-Peaks-Musik, macht von Anfang an klar, dass sich hinter den Türen, die dieses Album öffnet, Räume befinden, die keine routinierten Antworten erkennen lassen. Mit einigen „vergifteten Dur-Akkorden“, die etwas Ungewisses durchscheinen lassen, umreißt Wollny die Szenerie, während Schaefer seinem Drumset nur einige zart geräuschhafte Besenbewegungen entlockt und der Bassist Christian Weber mit geschmeidigen Ton die Kanten schärft. Es ist eine Spielhaltung, wie man sie von Wollny bisher nicht kennt, eine Musik des Zustands, nicht der Entwicklung, ein Schweben der Klänge, die sich in weiten Wellen im Raum verbreiten. Die Improvisation, wie man sie aus der Jazztradition kennt, die Logik der Solo-Entwicklung, harmonische, melodische Raffinesse, Kommunikation, das vertraute Aushandeln im Trio - ist hier außer Kraft gesetzt, um die Klänge sich Schicht für Schicht entwickeln zu lassen. Von "Neon Nocturnes" spricht Wollny, von in der Dunkelheit leuchtenden Stillleben, eigenwilligen Klangbildern, in denen sich die Resonanz der Töne entfalten kann. Fragen, die offen bleiben und neue Fragen erzeugen. Merkwürdige, erkennbar künstliche Orte nimmt Wollny zum jeweiligen Anlass für eine „Nachtfahrt“: Twin Peaks, das Bates-Hotel aus Psycho, das Tal der Schlösser in E.A. Poes Erzählung „Metzengerstein“. In der Künstlichkeit sind schon die zukünftigen Brüche zu ahnen. Offenbar ist diese komplexe Vieldeutigkeit zwischen vordergründig einfachen Bewegungen eine Herzenssache, die Wollny mit diesem Album für sich entdeckt hat. Möglicherweise haben sie einen Ursprung in einer Musik von Chris Beier, bei dem Michael Wollny an der Musikhochschule in Würzburg studierte. Beier erkrankte damals an fokaler Dystonie, einer Krankheit, die es ihm unmöglich machte, die eintrainierten Bewegungen abzurufen. So hat Beier seine Musik taktweise ausgeschrieben und eingespielt, spürbar stockend und gebrochen, doch dabei klar, reduziert und von unglaublicher Intensität. „Der Geist dieser Musik hat mich umgehauen“ erzählt Michael Wollny. Es ist dieser Geist der kraftvollen Reduktion, der auch „Nachtfahrten“ vom ersten bis zum letzten Ton innewohnt. Credits: Produced by Siggi Loch Recorded, mixed and mastered by Adrian von Ripka at Bauer Studios, Ludwigsburg, Germany, August 18 - 21, 2015 Cover Photo by Jörg Steinmetz Artwork and “elmau at moonlight” by Siggi Loch

Ab 17,50 €*
Weltentraum live
Michael Wollny - Weltentraum liveCD / digital Michael Wollny piano Tim Lefebvre upright bass Eric Schaefer drums „Michael Wollny überwältigt die Zuhörer in der Muffathalle. […] Das verblüffende daran ist, dass dies mit purem Jazz funktioniert. […] Mag sein, dass diese Jazznights Tour wirklich die Geburt eines Stars bringt. es würde keinen Falschen treffen. Sondern einen, der sich aus den Ziegelsteinen der Musikgeschichte ein neues, eigenes Haus baut - weniger in der Tradition von Jazzern oder Klassikinterpreten, eher in der von schöpferischen Genies wie Mozart, Ellington, Lennon.“ (Süddeutsche Zeitung, Oliver Hochkeppel) „Wollny ist ein hochsensibler, tiefendenkender, leichthändig improvisierender Musiker, an dessen Ideen, die so plötzlich aus seinem Hirn hervorsprudeln, man schwer zu kauen hat. Woher nimmt der Mann nur seine Einfälle? […] Wollny ist ein Genie, ein sympathisches obendrein.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dr. Wolfgang Sandner) Das sind nur zwei Beispiele aus der überwältigenden Resonanz der „Jazznights“-Tour, die im Frühjahr 2014 durch zwölf Städte führte. Für Michael Wollny ist das Album „Weltentraum“ und die damit verbundene Tournee der bisherige Höhepunkt einer einzigartigen Karriere. Begonnen hat alles 2004, als mir jemand auf der „Jazz Baltica“ in Salzau eine gebrannte CD zusteckte, die ich erst einige Zeit später hören konnte und meine Entdeckernase sofort anschwellen ließ. Aber ich wusste zunächst nicht, wer sich hinter der mysteriösen Aufschrift auf der CD verbarg: [em]. Obwohl ACT damals schon inzwischen mit Esbjörn Svensson und weiteren großartigen Tastenlöwen wie Joachim Kühn und Richie Beirach reich beschenkt war, ließ mir diese Musik keine Ruhe. Es dauerte einige Monate, dann hatte ich Kontakt zu denen, die sie spielten, und der 26-jährige Michael Wollny und seine Mitstreiter Eva Kruse und Eric Schaefer wurden ACT-Künstler. 2005 erschien die CD „call it [em]“ als Auftakt der Serie „Young German Jazz“. Für das Trio mit seinem Reichtum an Klangfantasien und dem untrüglichen Sinn für Dynamik und Rhythmus gab es aus dem stand sehr gute Rezensionen. Zwischen Kritikergunst und Publikumsgunst liegt jedoch ein steiniger Weg, und ohne umfassende Konzertaktivitäten verkauft sich auch die beste CD-Produktion nicht gut. Mangels Interesse von professionellen Veranstaltern führten wir die erste [em]-Tour in eigener Regie durch. Von herausragender Bedeutung für die weitere Entwicklung sollte sich die Zusammenarbeit von Michael Wollny mit dem Saxophonisten Heinz Sauer erweisen. Sie hatten sich bereits 2001 beim Jazzensemble des HR kennengelernt. Mich reizte der Gedanke, den Youngster und den Altmeister - 46 Lebensjahre trennen sie - gemeinsam aufzunehmen. Im Studio stellte sich die erhoffte Magie sofort ein. Der nie vergehende Zauber dieser Musik liegt darin, dass sie ein Geheimnis in sich bewahrt. Michel Wollny sagte zu Heinz Sauer den schönen Satz: „Je weniger die Ewigkeit gesucht wird, desto mehr entsteht sie.“ Dem Album „Melancholia“ und der Zusammenarbeit mit dem großen Saxophonisten sollte eine Schlüsselrolle im Leben des jungen Pianisten zukommen. Michael Wollny erwies sich sehr bald als Glücksfall nicht nur für ACT, sondern für den deutschen Jazz insgesamt. In unterschiedlichen Konstellationen zeigte sich seine elektrisierende Vitalität, intellektuelle Neugier, technische Brillanz und totale Hingabe, die einzigartig ist. Als die musikalisch komplexe und sehr anspruchsvolle Idee der „Wunderkammer“ aufkam (mit der klassischen Cembalistin Tamar Halperin), haben wir das nicht zerredet, sondern einfach gemacht. Was mich antrieb, war die Überzeugung, mit Michael Wollny den wichtigsten deutschen Jazzmusiker seit Albert Mangelsdorff und Klaus Doldinger entdeckt zu haben. Und besonders nach dem tragischen Tod von Esbjörn Svensson 2008 war es Michael Wollny, der mir die Kraft und Leidenschaft zurückgab, meine Mission mit dem Label ACT weiterzuführen. Inzwischen sind seit unserem ersten Zusammentreffen zehn Jahre vergangen. Michael Wollny wurde mit so ziemlich jedem Musikpreis ausgezeichnet, den unser Land an Kulturschaffende zu vergeben hat. Neben seinen zwölf Alben (inklusive der [em]-Alben und der vier Alben mit Heinz Sauer) war er an bislang acht weiteren ACT-Produktionen beteiligt. Er wurde zu einer kreativen Säule der ACT-Familie und ist mir auch persönlich ans Herz gewachsen. Und jüngst brachte das Album „weltentraum“ nicht nur weitere Anerkennung der nationalen und internationalen Kritik (u.a. vier Sterne im legendären US-Magazin „Downbeat“), sondern auch den kommerziellen Durchbruch. Kein Jazzalbum eines deutschen Pianisten hatte es vorher je in die Top 50 der Popcharts geschafft. Der Jazz Award wurde in nur zwei Monaten erreicht. Karsten Jahnkes grandiose „Jazznights“-Tour tat ihr übriges. Vor großem Publikum hob das Trio seine Musik nochmals in neue Sphären und nach einem unfassbaren Konzert in München entschied ich mich spontan für einen Mitschnitt in der besonderen Atmosphäre des Kammermusiksaals der Philharmonie Berlin. Es sollte kein Fehler gewesen sein, denn auch in diesem Konzert setzte der Wuschelkopf am Klavier das Publikum mit seinen kongenialen Partnern Tim Lefebvre am Bass und Eric Schaefer am Schlagzeug in hoch-explosive Stimmung. „weltentraum - live“ liefert den nachhaltigen Beweis. Siggi Loch, Berlin, 6. August 2014Credits: Produced by Siggi Loch & Michael Wollny Recorded on March 24, 2014 at Kammermusiksaal, Berlin Philharmonie Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann

17,50 €*
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Weltentraum
Michael Wollny - WeltentraumCD / Vinyl / digital Michael Wollny piano & harpsichord on 14 Tim Lefebvre upright bass Eric Schaefer drums Man könnte die Sache ganz einfach erzählen: Wie sich Michael Wollny und Eric Schaefer auf die Suche nach einem Bassisten machen, weil Eva Kruse eine Babypause einlegt. Wie sie auf Tim Lefebvre kommen, den Kollegen der US-Formation Rudder, mit dem man schon gemeinsam auf JazzToday-Tour war, der auch bereits an der Seite von Wayne Krantz und Bill Frisell spielte und gerade weil er in seinem Naturell, seinem Klang sowie auf Groove geeichten Spiel so ziemlich das Gegenteil von Kruse darstellt. Wie man sich auf einer kleinen Tour einspielt, um das Album vorzubereiten, das jetzt als „weltentraum“ vorliegt. Ähnlich schlicht könnte man das Album selbst beschreiben, schon weil die Grundstimmung elegischer, ruhiger ist und Melodien und Themen mehr im Vordergrund stehen als bei den Vorgängern. Wenn man weiß, dass einmal „My Standards“ als Titel im Gespräch war, könnte man außerdem schnell Wollnys außergewöhnliche Materialauswahl ansprechen: Die Stücke alter wie moderner Klassiker von Guillaume de Machaut aus dem 14. Jahrhundert über Alban Berg, Edgar Varèse und Paul Hindemith bis hin zu dem Zeitgenossen Wolfgang Rihm, mit denen Wollny wieder einmal auf die europäische Musiktradition verweist, in der er so stark verwurzelt ist. Aber auch die Interpretationen von amerikanischer Filmmusik und Kompositionen der Flaming Lips bis zu Pink, die seine Aufgeschlossenheit und seinen starken Gestaltungswillen zeigen. Das wäre alles völlig richtig. Und doch zugleich unangemessen vereinfacht. Unterschlagen würde zum Beispiel, wie wichtig der meist im Hintergrund werkelnde Tieftöner Lefebvre für den Charakter des Albums ist. Es mag sich nach Klischee anhören, aber mit dem US-amerikanischen Hünen von der Westcoast klingt das neue Trio nach [em] schlicht „männlicher“. Zugleich hört man verzückt, wie sich die mehr Harmonie-orientierte junge europäische Schule und die mehr Rhythmus-orientierte junge amerikanische Schule begegnen und sich gegenseitig anregen. Keinesfalls unter den Tisch fallen sollte außerdem die Tatsache, dass Eric Schaefers Schlagzeug, unterlegt von Lefebvres mächtigen, teilweise im Schlagbass-Stil anrollenden Clustern so wuchtig wie noch nie klingt – obwohl die CD dezenter ist. Und aufs Neue wird klar, dass Wenige die Kombination von klassischem, hartem Groove mit perkussiver Soundgestaltung so gut beherrschen wie er. Hätte nicht gerade bei den Drummern diese unglaubliche Leistungsexplosion der vergangenen Jahre stattgefunden, Schaefer würde wohl noch viel klarer als Sensation dastehen. Vor allem aber würde die schlichte Variante einer Erklärung von „weltentraum“ Michael Wollny nicht gerecht. Dass der von Chris Beier entdeckte und geformte Pianist mit nun 35 Jahren nahezu alle wichtigen Preise abgeräumt hat; dass er von der Süddeutschen Zeitung als „Jahrhunderttalent“ bezeichnet wird und - wie es Siggi Loch schon bei der ersten Begegnung fühlte – von der Kritik einhellig als international bedeutendster deutscher Jazzer nach Klaus Doldinger, Albert Mangelsdorff und Joachim Kühn angesehen wird; vor allem aber, dass er bei jedem Auftritt unausweichlich sein Publikum überrascht, verzaubert und verblüfft; all das liegt nicht zuletzt daran, dass Wollny mehr als andere in seine Musik investiert – bis an die psychischen wie physischen Grenzen. Und wer sich mit Wollny über Musik unterhält, wird schnell herausfinden, dass es nur wenige Musiker gibt, die sich so intensiv und so philosophisch mit ihrer Kunst beschäftigen. „Be Free, A Way“, im Original von den Flaming Lips, demonstriert idealtypisch, welche genialen Ergebnisse das zeitigen kann. Es erreicht nahezu den Zustand der reinen Musik, wie Wollny und sein Trio hier auf der Basis eines archaischen Grundrhythmus‘ eine Melodie freilegen, dynamisch steigern und geradezu atemberaubend einfach zurückführen. Nicht minder beeindruckend ist, wie Wollny bei „In Heaven“, einer David-Lynch-Filmmusik, einen vom erdigen Bass Lefebvres initiierten schweren, prototypisch afroamerikanischen Blues erst scheinbar irrlichternd, dann immer konkreter mit europäischer Tradition auflädt. Während er andersherum das Volkslied „Mühlrad“ radikal dekonstruiert oder Edgard Varèses „Un grand sommeil noir“ fast lyrisch begradigt. Ob bei Paul Hindemiths ebenfalls gar nicht mehr so sperrigen „Rufe in der horchenden Nacht“ (der Nachtmensch Wollny hat auch von Alban Berg „Nacht“ ausgesucht) bis zur elegischen eigenen Komposition „Engel“ - Wollny hat einen über technische oder stilistische Fragen derart erhabenen Grad erreicht, dass er jeden Moment nach seiner Empfindung neu und überraschend gestalten kann. Und entsprechend auf seine Begleiter eingehen, sie zur Geltung kommen lassen kann, wie man beim überwältigenden Finale sieht: Der wunderbare Theo Bleckmann verwandelt da Pinks Riot-Girl-Hymne „God Is A DJ“ erst in ein zartes Kunstlied, bevor er mit Wollny, Lefebvre und Schaefer einen Klangvesuv auftürmt. Es gibt indes kein Stück von „weltentraum“, in dem man nicht eine Fülle von Entdeckungen macht, wenn man genau hinhört. Wahrscheinlich hört es nie auf, dass diese Musik Neues preisgibt. Mehr kann man von einem Album nicht verlangen. Selten genug bekommt man es. Weil es alles andere als so einfach ist, wie es am Ende scheint.Credits:Produced by Siggi Loch with the artists Recorded by Adrian von Ripka, September 24 & 25, 2013 at Bauer Studios, Ludwigsburg God Is A DJ recorded by Sound Studio, March 21, 2013 live at Philharmonie Cologne Mixed and mastered by Adrian von Ripka *including an excerpt from ”Nun will die Sonn’ so hell aufgeh'n“ by gustav mahler Theo Bleckmann appears courtesy of winter & winter

Ab 17,50 €*
Who Is Afraid Of Richard W.?
Runter vom Hügel rein in den Club: Mit Infusionen vom Progrock und New Wave bis zu Ambient und Dub wird der alte Meister, Richard Wagner, neu belebt.

17,50 €*
Wasted & Wanted
Das Album von "Deutschlands stärkster (Jazz-) Musikerpersönlichkeit seit Albert Mangelssdorff" (Hamburger Abendblatt): In all den Ritzen, in denen die Konvention sie nicht haben will, forscht Michael Wollny’s [em] nach neuer Musik. Ein Abenteuer voller Einfallsreichtum, Power und Virtuosität.

Ab 17,50 €*
[em] Live
„Die krachend vitale, interaktive Musik dieser Gruppe ist in der Weltspitze der im Moment übervölkertsten Jazz-Besetzung angekommen." (U. Olshausen, FAZ) "... wohl das beste Jazzalbum der letzten 25 Jahre." (Stuart Nicholson, Jazzwise UK)

17,50 €*
[em] 3
„Ein Glücksfall des modernen Jazz“ SÜDWESTPRESSECD des Monats: PIANO NEWS und CHOC JAZZMAN (FR)

17,50 €*
ACT 1992-2007: 15 Magic Years
Die ultimative Compilation "zelebriert Highlights aus 15 Jahren hochkarätiger Labelgeschichte von ACT". AUDIOPHILES HIGHLIGHT - STEREO

4,90 €*
[em] II
"Temporeich und originell, manifestiert sich hier ein neuer europäischer Jazz, der weder auf heimische noch US-Traditionen allzu viel gibt, was ihn verdammt spannend macht." (STEREOPLAY)

17,50 €*
Visions Of Jazz
Der neue ACT-Sampler „Visions of Jazz“: 15 klingende Argumente, mit dem Jazz mehr als „nur“ Töne zu verbinden.

7,90 €*
Great German Songbook
"Ein vielleicht wegweisendes Projekt"- (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)

17,50 €*
Call It [em]
Michael Wollny, Eva Kruse und Eric Schaefer definieren den deutschen Jazz mit Spannung, Humor und außergewöhnlicher Kunst neu.

17,50 €*

Konzerte