Der deutsche Vibraphonist, Komponist und Musikpädagoge ist für seine innovative und genreübergreifende Herangehensweise an Jazz und zeitgenössische Musik bekannt. Er studierte an der Hochschule für Musik in Hamburg und hat sich seitdem in der internationalen Jazzszene etabliert, indem er sowohl als Solist als auch in verschiedenen Ensembles auftrat. Dell ist bekannt für seine einzigartigen Kompositionen und Improvisationen, die Elemente aus Jazz, Elektronik und Weltmusik miteinander verbinden.
Danielsson - Dell - Landgren - Salzau Music On The WaterCD / Vinyl / digital
Lars Danielsson bass
Christopher Dell vibraphone, speech
Nils Landgren trombone
Es ist die Essenz der Musik, die das Installationskunstwerk „Music on the Water“ von Ilya Kabakov & Vladimir Tarasov auf dem Salzauer Schlossteich so einzigartig macht. Vor genau 10 Jahren haben beide die Idee eines „visuellen Klangfeldes“ in Salzau realisiert und seitdem geht von diesem Steg auf dem Wasser, der so unfertig und kunstfern wirkt, eine seltsame, eine magische Anziehungskraft aus. Kabakov selbst hat in dem Buch zu „Music on the Water“ davon gesprochen, dass für ihn Töne ein „energiegeladenes Feld, ein besonderes Ambiente“ erzeugen – Musik wird erlebt als Geschehen im Raum. „Die Töne verteilen sich innerhalb dieses Ambientes, und jedermann nimmt wandernd Platz auf dessen Energiekarte ein.“Was erwartet den Besucher? Das Bauwerk – ein Steg gleich einer Landungsbrücke – erscheint unfertig, die Zeit scheint stehen geblieben. Ein fachwerkartiges Gerüst ist errichtet, die Wände fehlen, ein Steinwurf würde keine Fenster treffen. Innen und Außen sind aufgehoben, Schutz bietet dieser Ort wohl kaum. Stahldrähte durchspannen das Dachgerüst und an ihnen hängen Gerätschaften des Alltages wie Messer und Gabel nebst metallischen Klangstäben. Der Wind durchzieht den Steg und lässt die aufeinander schlagenden Gegenstände leise erklingen. In allen Jahren habe ich kaum einen Festivalsommer erlebt, in dem dieser Ort nicht Tag für Tag Besucher anlockte und zum Verweilen einlud. Eine melancholische Stimmung geht von ihm aus, er entzieht uns der „Unentrinnbarkeit aus den Zwängen des alltäglichen Stresses“ (Thomas Deecke in „Music on the Water“).Doch es dauerte bis zum Festivaljahr 2005, dass JazzBaltica-Künstler den Ort für ihre Musik entdeckten. Angestoßen hat dies Siggi Loch, der schon seit längerem ein steter Besucher der Installation gewesen war. Und er wusste um die magische Stimmung der frühmorgendlichen Stunden von „Music on the Water“. Es war exakt Montagmorgen 5 Uhr am 4. Juli 2005, da zogen zum Ende des Festivals und seiner nächtlichen Session im Schloss Lars Danielsson, Christopher Dell und Nils Landgren durch den leeren Schlossgarten hin zum Steg – vorbei an verschlossenen Camper-Zelten – und bauten in der soeben aufgehenden Morgensonne ihre Instrumente auf. Versammelt waren anfangs wenige Gäste, als die ersten zögerlichen Töne erklangen – fast ehrfurchtsvoll und verhalten wirkend – gleich der Zartheit des Morgentaus. Hinzu gesellten sich Vogelgezwitscher, der Protest der Schwäne auf dem Teich und der Sound des Morgenwindes im Geflecht von Messer und Gabel über den drei Musikern.
Wohl selten hat Musik so zur Quelle ihrer Herkunft zurückgefunden – es war ein unwiederbringlicher Moment „klingender Stille“. Kabakov und Tarasov hätten sicher ihre Freude an diesem klangerfüllten Raum als der von ihnen gewollten „Hauptperson“ der Installation.
JazzBaltica selbst hat nie einen schöneren Ausklang gefunden als an diesem frühen Morgen im Salzauer Schlosspark.Credits:
Recorded live and open air at the JazzBaltica Festival at 5:00 a.m. on July 4, 2005 by Cees Snellink Mastered by Klaus Scheuermann Produced by Siegfried Loch
Wolfgang Haffner - Dream Band live in ConcertCD / Vinyl / digital
Wolfgang Haffner drums, table tubes & log drum
Randy Brecker trumpet
Nils Landgren trombone & vocals (Get Here)
Bill Evans saxohone, vocals & piano (Bones from the Ground)
Christopher Dell vibraphone
Simon Oslender keyboards & piano
Thomas Stieger bass
Stars, Drive und Herz: Brecker, Landgren, Evans und mehr - Die „Dream Band“ des Schlagzeugers Wolfgang Haffner auf einem Live-Doppelalbum.Credits:
Recorded during the Karsten Jahnke JazzNights Tour in Germany, November 2021
Mixed and produced by Wolfgang Haffner Recording engineer: Jochen Etzel
Mastering: Peter Heider at Purecuts
Cover art by Peter Krüll
Wolfgang Haffner - Kind of TangoCD / Vinyl / digital
Wolfgang Haffner / drums Lars Danielsson bass & cello Christopher Dell vibraphone Simon Oslender piano Vincent Peirani accordion Ulf Wakenius guitar Alma Naidu vocals Sebastian Studnitzky trumpet Bill Evans saxophone (07 & 09) Lars Nilsson flugelhorn (03) „Kind of Tango ist KEIN Tangoalbum.“ betont Schlagzeuger und Komponist Wolfgang Haffner. „Es geht mir nicht um das ‚Eins zu Eins‘, nicht um das Nachspielen, sondern um eine Übersetzung des Tango-Lebensgefühls in meine musikalische Welt. Während ich Einflüsse aufnehme, verarbeite und weiterschreibe, folge ich meinem eigenen Weg, der mir erlaubt, ich selbst zu sein. Entscheidend ist die Transposition: aus der Bezugnahme entsteht etwas Neues, Zeitgemäßes.“ Auch der jüngste Spross der „Kind of…“ Trilogie ist vor allem eins: 100% Haffner. Nach den Cool-Jazz-Abenteuern auf „Kind of Cool“ und der musikalischen Spurensuche in Haffners temporärer Wahlheimat Spanien auf „Kind of Spain“ geht es nun auf eine Exkursion nach Buenos Aires. Haffner erinnert sich: „Als mir Siggi Loch den Tango als dritte Inspirationsquelle vorschlug, war ich sofort überzeugt. Er ist stark vom Rhythmus geprägt, speist sich aus prägnanten Melodien, die man entwickeln kann und birgt so viele Emotionen in sich. Mich beschäftigt diese Musik schon ziemlich lange. Ein besonders prägendes Erlebnis war ein Konzert, das ich im Jahr 2004 zusammen mit den German Allstars im weltberühmten „Teatro Colon“ in Buenos Aires gab. Nach uns trat das Ensemble von Astor Piazzolla auf und am Ende des Abends spielten beide Besetzungen zusammen.“ Spätestens seitdem war Haffners Interesse am Tango in all seinen Schattierungen, von der klassischen Form bis zu seinen aktuellen, elektronisch angereicherten Formen geweckt.
Für das Album hat sich Haffner neben den bewährten Mitstreitern Christopher Dell und Lars Danielsson zwei Gäste an Bord geholt, die ebenfalls mit den gängigen Tango-Klischees brechen: Der Gitarrist Ulf Wakenius wurde vor allem in der Band von Oscar Peterson geschult und lässt in seinem Spiel immer wieder seine schwedische Heimat anklingen. Vincent Peirani ist einer der führenden Modernisierer des Akkordeons und überführt das doch im Tango tragende Instrument in einen neuen Kontext. Erstmals ist auch der junge Simon Oslender am Klavier dabei.
Neben den Eigenkompositionen Haffners und seiner Bandmitglieder stehen Stücke des berühmten argentinischen Bandoneon-Spielers und Komponisten Astor Piazzolla im Zentrum des Albums. Ein Erneuer des Tangos, der diesen ab Mitte der 1950er Jahre in die Welt des Jazz transportiert hat. Für Haffner ein „perfect match“, denn Tango ist heute mehr denn je keine festgezurrte Stilistik mehr, sondern vor allem auch eine Spielhaltung und ein Lebensgefühl. „Dieses Gefühl im Tango, diese urbane Melancholie und die Kraft, die oft aus der Ruhe und Konzentration der Musik entsteht, sind Dinge, die sich auch durch meine eigene Musik ziehen.“ Man könnte auch sagen: so wie der Blues und Jazz in Amerika „Kind of Cool“ inspirierten und so wie der Flamenco, für viele der „Blues Europas“ das Album „Kind of Spain“ bereicherten, ist es nun, mit dem Tango, der Blues Lateinamerikas der sich durch „Kind of Tango“ zieht. „Kind of Tango“ ist ein Wechselbad der Gefühle. Dramatisch und treibend, aber auch melancholisch und sehnsuchtsvoll drückt sich Haffners Blick auf den Tango aus, bis hin zu frenetischen Ausbrüchen. All das eint sein unnachahmlicher Groove und eine Atmosphäre, die die Presse als „traumhaft“, „magisch“ und „absolut tiefenentspannt“ charakterisiert. Und die Musik des Albums ist, wie auch die der Vorgänger auch ganz besonders: Ein Gegen- und Ruhe-Pol im Kontrast zur Beschleunigung in unserer Welt. Für Haffner selbst und für seine zahlreichen Hörer. Credits:
Cover art (detail) by Gert & Uwe Tobias
Wolfgang Haffner - Kind Of SpainCD / Vinyl / digital
Wolfgang Haffner drums Jan Lundgren piano Sebastian Studnitzky trumpet Daniel Stelter guitar Christopher Dell vibraphone Lars Danielsson bass Der Sound Europas, gebannt auf CD und Vinyl. Seit nunmehr 25 Jahren ist die Förderung von Jazz mit kräftiger regionaler Einfärbung ein Markenzeichen von ACT – beste Beispiele sind Schweden und Frankreich. Die Verbindung nach Spanien wird vielleicht nicht jedem bewusst sein. Dabei war das allererste ACT-Album eine spanisch-deutsch-amerikanische Co-Produktion: im Juli 1992 brachte Labelgründer Siggi Loch in Köln die WDR Big Band mit einigen der besten Flamenco-Spielern der iberischen Halbinsel und US-Jazzcracks wie Al Di Meola zusammen. Das Resultat: „Jazzpaña“ (ACT 9212-2), ein mit zwei Grammy-Nominierungen gekürter Erfolg für die noch junge Plattenfirma, arrangiert von dem damals noch unbekannten Komponisten und Arrangeur Vince Mendoza und dem türkischstämmigen US-Starproduzenten Arif Mardin.
25 Jahre später verneigt sich nun ein preisgekrönter deutscher Schlagzeuger vor Mendoza und dem 2006 verstorbenen Mardin. Auf „Kind of Spain“ bringt Wolfgang Haffner mit einem akustischen Sextett die Musik der iberischen Halbinsel mit dem Jazz zusammen. Gleich der erste Titel ist ein Tribut an die beiden großen Arrangeure, mit denen der Drummer mehrfach arbeitete. „Während der Studiosessions spielte uns Siggi Loch eine „Jazzpaña“- Nummer mit diesen typischen Flamenco-Handclaps vor“, erinnert sich Haffner an die Aufnahme von „For Vince & Arif“. „Spontan haben wir die Claps gesamplet und dazu gejammt.“
„Kind of Spain“ ist, nach den 50s-Cool Jazz- und Bop-Exkursionen auf „Kind of Cool“, Wolfgang Haffners zweites ACT-Album mit einer akustischen Band. Traditionelle spanische Musik meets Jazz – ein über 500 Jahre altes Kulturgut des alten Kontinents trifft auf Blue Notes aus der Neuen Welt, Flamenco und Folklore auf brandneue Kompositionen des Bandleaders. Das Sextett erzeugt introvertierte, warme, atmosphärische Klanglandschaften, zu denen so mancher sich auf eine nächtliche Dachterrasse in Granada träumen mag.
„Ich wollte ursprünglich im Quintett aufnehmen“, sagt der 2010 mit einem ECHO Jazz ausgezeichnete Schlagzeuger, „die Band mit Bass, Gitarre, Klavier und Trompete stand schon. Ich wollte dann aber unbedingt Christopher Dell dabei haben, der seit Jahren eine tragende Rolle in meiner Live-Band spielt.“
Der Vibraphonist, genau wie Pianist Jan Lundgren schon auf „Kind of Cool“ vertreten, gibt diesem Werk eine ganz eigene Farbe. Von Anfang an als key player stand Lars Danielsson fest. Der Bassist und Cellist, der schon auf Haffners ACT-Debüt „Shapes“ (2006) mit von der Partie war und zu seinem akustischen Trio gehörte, ist seit vielen Jahren ein enger musikalisch Vertrauter. Sebastian Studnitzky, der seinen samtweichen Trompetenton einbringt, blickt ebenfalls auf eine lange gemeinsame Vergangenheit mit dem Drummer zurück – nicht zuletzt waren beide Mitglied in der Nils Landgren Funk Unit. Und dann ist da noch der Jüngste im Bunde: Gitarrist Daniel Stelter.
„Je sanfter du es spielst, desto stärker wird es“ sagte Miles Davis über Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez”, das er 1960 für sein Album „Sketches of Spain“ aufnahm. Nun spielt Daniel Stelter diese einprägsame Melodie – ganz im Sinne des großen Trompeters. Stelter, den Haffner während gemeinsamer Konzerte bei der letzten Tour von Al Jarreau traf, legt eine ungeheure Konzentration und Zärtlichkeit an den Tag. „Platz in der Musik ist für mich essentiell“, sagt Haffner. „Die Kombination von wenigen Noten und Balladentempo finde ich besonders reizvoll.“
Understatement ist Trumpf auf „Kind of Spain“. Hier spielt keiner einen Ton zu viel, sicher nicht der Bandleader, der so gar nichts von einem geltungssüchtigen Trommelderwisch hat. „Ich mag starke Melodien und schöne Harmonien“, unterstreicht Haffner. „Ich überlege mir stets als Letztes, wie ich die Stücke am Schlagzeug begleite.“ Auf „Tàpies“ und „Salinas”, komponiert in Haffners Wahlheimat Ibiza, zeigt sich diese elegante Zurückhaltung. Das traditionelle aus Andalusien stammende Stück „El Vito“ aus dem 16. Jahrhundert und Lars Danielssons spannungsreiches an den spanischen Volkstanz erinnerndes „Pasodoble“ sind dagegen rauschende Gassenhauer, in denen Dell und Lundgren mit feinen Soli brillieren.
Spanische Musik, gespielt von deutschen und schwedischen Jazzern – wer hätte so viel mediterrane Passion und Empfindsamkeit nördlich der Alpen erwartet? Antwort: jeder, der Wolfgang Haffner kennt. Credits:
Produced by Lars Danielsson with Wolfgang Haffner Executive Producer & Curator: Siggi Loch Recorded by Arne Schumann at Hansa Studios Berlin, January 21 & 22, 2017 Mixed by Arne Schumann@Schumann&Bach Mastered by Peter Heider at Purecuts
Wolfgang Haffner - Kind of CoolCD / Vinyl / digital
Wolfgang Haffner drums Christopher Dell vibraphone Jan Lundgren piano Dan Berglund bass Dusko Goykovich trumpet Jukka Perko alto saxophone Guests: Max Mutzke vocals Frank Chastenier piano Christian von Kaphengst bass Nils Landgren trombone
James Dean und Marlon Brando waren die schillernden Leinwandhelden der 50er Jahre. Charakterdarsteller, Sexsymbole, lässige Exzentriker mit Hang zur Extravaganz. Vorbilder für die aufbegehrende Jugend: Der Inbegriff des Coolen. Ein neues Lebensgefühl machte sich in den im Wandel begriffenen USA breit. The Birth of the Cool passierte parallel auch im Jazz und wurde damit zum Soundtrack einer Generation. Miles Davis, John Lewis und das Modern Jazz Quartet, Dave Brubeck und auch Chet Baker (der „James Dean des Jazz“) gaben dem Jazz eine neue Richtung vor: Die Suche nach einer speziellen „coolen“ Atmosphäre, nach (Klang-)Farben und Raum im Jazz, basierend auf substanziellen Melodien, mit einer relaxten auf das Kollektiv abzielende Spielhaltung prägte die Musik. „Kühl“ aber war diese Musik nie, eher mit „kühlem Kopf“ erdacht und gespielt.
Und genau dieses Feeling und Musikverständnis spricht auch Wolfgang Haffner aus dem Herzen und treibt seine Musik an. Produzent Siggi Loch lief also bei ihm offene Türen ein, als er ihm vorschlug, mit „Kind of Cool“ eine alte Lesart neu zu interpretieren und damit an die Ursprünge der Coolness im Jazz zu erinnern: „Meine erste Jazzplatte war ein Geschenk und zwar ‚Dave Brubeck live in Carnegie Hall‘. Ich habe mir dann gleich auch die Jazz Messengers und das Modern Jazz Quartet gekauft. Damit fing die Beschäftigung mit dem Jazz bei mir überhaupt erst an“, erinnert sich Haffner. Auch wenn der mit dem ECHO Jazz ausgezeichnete Schlagzeuger und mittlerweile einer von Deutschlands erfolgreichsten Jazz-Bandleadern seither mit der Crème de la Crème der internationalen Musikszene in nahezu allen Stilen bis hin zu Rock und Pop gespielt hat und an gut 400 Alben beteiligt war, so sind doch die Helden des Modern Jazz zwischen 1950 und 1960 sein Urgrund. „Ich würde mich selbst nicht als Cool-, oder Swing- oder Bebop-Drummer bezeichnen“, sagt Haffner. „Ich versuche, das jeweils Wesentliche zu finden. Aber die Time, die Melodik und die kompositorischen Konstruktionen des Cool, das ist meiner Musik wesensverwandt. Der Sound im Mittelpunkt, worum es mir auch immer geht.“
Drei Eckpfeiler bestimmen „Kind of Cool“: Erstens mussten Stücke vorkommen, die den Sound des Cool Jazz transportieren: „So What“ zum Beispiel, der Opener von “Kind of Blue”. Und „Django“, die vielleicht bekannteste Komposition von John Lewis, gleich für das erste Album seines Modern Jazz Quartet. Als zweites wurden stilübergreifende Standards ausgewählt, die sich für eine „coole“ Interpretation anboten. Die logischste Wahl war „Autumn Leaves“, das durch die Versionen von Cannonball Adderley mit Miles Davis 1958 und von Bill Evans von 1959 im Jazz berühmt wurde.
Auch die Broadway-Ballade „My Funny Valentine“ aus dem Jahr 1937 wurde durch die Einspielungen von Chet Baker und Miles Davis zu einem Standard des Modern Jazz. Und als eine der „coolsten“ Nummern des Kansas-City Sounds von Count Basie kann Billy Eckstines „Piano Man“ gelten, den die beiden 1959 einspielten. Als drittes schließlich steuerte Wolfgang Haffner drei eigene Kompositionen bei, die dieses Programm abrunden.
„Wenn man das wie damals nachzuspielen versucht, kann man nur verlieren“, erläutert Haffner. „Keiner braucht ein zweites ‚Kind of Blue‘. Der Clou von „Kind of Cool“ ist, die für ihren „coolen“ Ausdruck berühmt berüchtigten Koryphäen mit ihrer jeweils anderen Charakteristik zu konfrontieren und auf einen modernen Nenner zu bringen: Davis‘ „So What“ etwa wird durch das Vibrafon in die Klangfärbung des Modern Jazz Quartet getaucht, umgekehrt erhält das strenge Quartettstück „Django“ hier nun die Dynamik und den ätherischen Glanz der Bläser. Die meist opulent mit Dynamik und verschiedenen Sounds und Rhythmen arbeitenden Kompositionen des großen Melodikers Haffner erscheinen hier nun in einem nüchternen, klassischen Licht. „Kind of Cool“ ist vom typischen Haffner-Feel durchdrungen, das die Musik organisch und natürlich fließen lässt.
Eine veritable All-Star-Band steht Haffner für „Kind of Cool“ zur Seite. Kaum ein anderer hätte das Anforderungsprofil besser erfüllen können als Dusko Goykovich. Der mittlerweile 83-jährige und mit dem ECHO Jazz für sein Lebenswerk ausgezeichnete Trompeter hat mit den Vätern des Cool und Modern Jazz wie Miles Davis, Art Blakey oder Chet Baker noch selbst gespielt. Als ideal für das Unternehmen darf man auch den Pianisten Jan Lundgren bezeichnen, dank seiner profunden Kenntnisse des Great American Songbook wie der Klassik; aber auch dank seines klaren Anschlags, seinen intelligenten Phrasierungen und seines außergewöhnlichen Timings. Eine besondere Rolle kommt bei „Kind of Cool“ dem Vibrafon zu, war es doch unter den Mallets von Milt Jackson eine prägende Farbe des Modern Jazz Quartet. Christopher Dell, der virtuose, avantgardistische Alleskönner unter den Vibrafonisten meistert die Aufgabe mit Bravour. Sozusagen in die Rolle von Paul Desmond schlüpft der finnische Saxofonist Jukka Perko. e.s.t.-Bassist Dan Berglund sorgt neben Haffner für den entspannten Groove.
Den für „Piano Man“ erwünschten Gesangspart übernimmt mit Max Mutzke ein wahrer Soulman: „Er hat das Stück überhaupt nicht gekannt, aber am Ende nahmen wir den ersten Take, der war aus dem Stand perfekt“, erzählt Haffner.
Jazz ist „cool“ damals wie heute.Credits:Recorded by Arne Schumann on August 14 & 15, 2014 at Hansa Studio, Berlin. Recording Assistant: Jonas Zadow “Piano Man“ recorded by Philip Krause on July 15, 2014 at Emil-Berliner-Studio, Berlin Mixed by Arne Schumann @ Schumann & Bach Mastered by Peter Heider at Purecuts Cover art (detail) by Gert & Uwe Tobias, by permission of the artists
"Eine wunderbare, maßvolle und doch Neues eröffnende Verbeugung vor einem der großen Komponisten des vergangen Jahrhunderts durch einen der großen Vibraphonisten unserer Tage. Leicht und doch von hohem Anspruch. Einfach großartig." (JAZZPODIUM)