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Youn Sun Nah & Elisabeth Laurin
Youn Sun Nah & Elisabeth Laurin
Youn Sun Nah - ©ACT / Nah Inu
Youn Sun Nah - ©ACT / Nah Inu

Produktinformationen

Besetzung

Youn Sun Nah – vocals
Ulf Wakenius – guitar
Lars Danielsson – acoustic bass, cello, melodica
Xavier Desandre-Navarre – percussion
Mathias Eick – trumpet


Aufnahmedetails

Recorded, mixed and mastered by Lars Nilsson, digital 24 bit supermapping, at Nilento Studios, Gothenburg, Sweden, June 2 - 4, 2008
Produced by Lars Danielsson
Executive Producer: Jae Jin In (HUB MUSIC.Inc.)


Noch darf eine koreanische Jazzsängerin als exotisch gelten. Wer aber um die enormen Anstrengungen vieler asiatischer Länder bei Ausbildung und Förderung und um die wachsende Gemeinde von Jazzbegeisterten dort weiß, der wird sich eher wundern, warum nicht schon mehr Künstler aus Korea oder Japan in aller Munde sind. Mit Youn Sun Nah hat ACT nun die erste koreanische Künstlerin exklusiv unter Vertrag genommen, und wer ihr ACT-Debüt Voyage (ACT 9019-2) hört, begreift schnell warum.

Die 1969 in Seoul geborene Youn Sun Nah entstammt einer Musikerfamilie. Ihr Vater ist Dirigent, ihre Mutter klassische Sängerin, sie selbst debütiert mit 23 im Musical-Fach. Erst mit 26 aber entscheidet sie sich, die Musik zum Beruf zu machen. Und leitet eine stilistische Wende ein: „Ich hatte französische Literatur studiert und liebte das französische Chanson. Also beschloss ich, nach Frankreich zu gehen. Nach und nach aber bekam ich den Eindruck, dass man Franzose sein muss, um Chansons zu singen, und so konzentrierte ich mich auf den Jazz.“

Schon während des Studiums an der Pariser CIM, der ältesten Jazz-Schule Europas, und am Boulanger Konservatorium gründet Sun Nah mit Kommilitonen ein international besetztes eigenes Quintett. Das macht sich schnell einen Namen, wird auf Festivals in ganz Frankreich eingeladen, spielt in sechs Jahren fünf hoch gelobte Alben ein und beschert Youn Sun Nah parallel dazu auch eine steile Karriere in ihrem Heimatland. Beim ersten Wettbewerb um die „Korean Music Awards“ wird sie 2004 zum „Best Artist“ im Bereich Crossover gewählt, ein Jahr später zum besten Nachwuchskünstler Koreas. Im selben Jahr gewinnt sie in Frankreich den renommierten Grand Prix beim Jazz à Juan Concours.

Ein richtungsweisender Schritt folgt 2007, als Youn Sun Nah in Korea das Pop-Album „Memory Lane“ einspielt. Nicht nur, weil die CD in ihrer Heimat ein Bestseller wird, sondern auch, weil sie den dänischen Pianisten Niels Lan Doky als Koproduzenten gewinnt. Er bringt sie zu Festivals in Dänemark, wo sie den schwedischen Star-Gitarristen und ACT-Künstler Ulf Wakenius trifft. Sie harmonieren so gut, dass beide gemeinsam in Korea auftreten und eine CD planen: „Es sollte eigentlich eine Duo-CD werden. Aber Ulf war so beschäftigt, dass wir einen Produzenten brauchten. Ulf schlug Lars Danielsson vor, den ich schon lange sehr bewunderte“, berichtet Sun Nah. So kam eins zum anderen: Danielsson produzierte nicht nur, sondern übernahm auch den Bass und brachte den norwegischen Trompeter Mathias Eick an Bord. Aus Lan Dokys Band stieß schließlich noch der französische Perkussionist Xavier Desandre-Navarre dazu.

Dieses erlesene Quartett sorgt auf Voyage nicht nur für ein unverkennbar nordisches Element, es war für Youn Sun Nah eine besondere Inspiration, wie sie berichtet: „Mit meiner Band in Paris ging es immer irgendwie ums Experiment. Wir waren ja alle sehr jung im Geschäft, als wir anfingen. Bei der Zusammenarbeit mit Ulf, Lars, Mathias und Xavier aber fühlte ich mich sofort entspannt und geborgen. Ihnen muss man nichts beweisen und wagt gerade deswegen umso mehr.“ Ein Lob, das ihre Begleiter sogleich zurückgeben: „Ihre wundervolle Stimme ist voller Gefühl und Emotionen“, findet Mathias Eick, Lars Danielsson lobt „ihr herausragendes Timing, das man selten bei Sängern findet“ und Xavier Desandre-Navarre fasst zusammen: „Ihre Tonlage ist fantastisch, ganz tight und präzise. Ihre Stimme ist weiträumig und kristallklar. Sie ist ein Sonnenschein.“ Alles andere als eine typische Jazzstimme also, aber umso interessanter, ob sie nun eigenwillig hoch scattet, klassisch ruhig singt oder rhythmischen Sprechgesang anschlägt. Damit verbindet Youn Sun Nah in ihren Songs auf bezwingende Weise die Mystik und Artistik des koreanischen Gesangs mit der Fantasie und Klarheit des französischen Chansons und der Energie und Freiheit des Jazz.

Und wie Youn Sun Nahs Gesang die verschiedensten Elemente vereint, so bündelt auch das Repertoire des Albums diverse Vorlieben. Neben sechs von melancholischen Balladen bis zu vertrackten Uptempo-Nummern reichenden Eigenkompositionen findet sich zum Beispiel auch Egberto Gismontis „Frevo“ als Paradestück für Wakenius oder Nat King Coles „Calypso Blues“, der ihr von einem französischen Freund ans Herz gelegt worden war. Schon seit langem ist Youn Sun Nah ein großer Tom Waits-Fan. „Ich wusste immer, dass ich irgendwann einmal ,Jockey Full Of Bourbon’ singe. Jetzt war es Zeit dafür.“ Und welch wunderbaren Kontrast zum rauchigen Bass des Originals ergibt Youn Sun Nahs ätherische Version. Ganz persönliche Erinnerungen verbindet Youn Sun Nah mit dem amerikanischen Traditional „Shenandoah“: „Das ist ein Song meiner Kindheit. Mein Vater hatte ihn als Leiter des Korean National Choir für vier Stimmen im Repertoire und so begleitete er mich viele Jahre.“

Voyage ist also zugleich eine Reise in die Vergangenheit wie ein Versprechen für die Zukunft. Und eine eindrucksvolle Visitenkarte einer der ungewöhnlichsten Sängerinnen der Gegenwart.