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Wolfgang Haffner
Round Silence

ECHO Jazz 2010: Wolfgang Haffner - ©BVMI/Markus Nass
ECHO Jazz 2010: Wolfgang Haffner - ©BVMI/Markus Nass
Wolfgang Haffner - ©ACT / Steven Haberland
Wolfgang Haffner - ©ACT / Steven Haberland

Produktinformationen

Besetzung

Wolfgang Haffner - drums, log drum, table tubes
Hubert Nuss – piano
Lars Danielsson - double bass, cello
Sebastian Studnitzky - trumpet, piano, Fender Rhodes
Christian Diener - electric bass
Ernst Ströer - percussion
Julian Haffner - add. percussion programming (#2)
Fiete Felsch - alto flute
Lutz Büchner - clarinet
Dan Gottschall - trombone

Special Guests:
Dominic Miller – guitar (#1)
Chuck Loeb – guitar (#6)
Kim Sanders – vocals (#3)
Nils Landgren – trombone (#8)


Aufnahmedetails

Recorded by Florian Oestreicher at Realistic Sound, Munich, Jan. 22 & 23, 2009
Additional recording at Bohus Sound (Gothenburg) by Åke Linton, A-Trane Studio (Berlin) by Holger Schwark, Les Cypres (France) by Dominic Miller
Mastered by Peter Heider at Purecuts (Nuremberg)

Produced by Wolfgang Haffner
Executive Producer: Siegfried Loch


Längst hat sich Wolfgang Haffner weltweit in die erste Liga der Schlagzeuger gespielt. Die Liste seiner Einsätze hinter den Trommeln in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten ist lang und vielseitig. Mit Namen wie Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger’s Passport, Till Brönner oder Nils Landgren liest sie sich wie ein „Who is Who“ des aktuellen Jazz. Seine Diskographie als Sideman umfasst weit über 400 Aufnahmen. Aber auch als Bandleader und Komponist ist Haffner kein Geheimtipp mehr. Mit seinem 2008 erschienenen Album Acoustic Shapes (ACT 9468-2) stieß er in die „Weltelite der Klaviertrios“ (Jazzpodium) vor.

Es ist nicht verwunderlich, dass Haffner auch auf Round Silence in bester Gesellschaft ist. Zu seinem bewährten Trio mit dem schwedischen Bassisten Lars Danielsson und dem Kölner Pianisten Hubert Nuss gesellen sich illustre Stargäste, die das Album mit ihrer spezifischen Handschrift veredeln: Sting-Gitarrist Dominic Miller, der US-amerikanische Jazzgitarrist Chuck Loeb, Sängerin Kim Sanders und der schwedische Posaunist Nils Landgren umkreisen als Solisten Round Silence. In seiner Rolle als Bandleader geht der charismatische Haffner hinter den Trommeln hörbar auf: „Mir gefällt es einfach, die Band in eine bestimmte Richtung zu leiten und mit ihr ein gutes Programm zu formen.“
So feinfühlig Haffner die Sticks im Takt bewegt, so gekonnt führt er auch die Feder als Komponist. Alle elf Stücke des Albums hat er selbst geschrieben. Dabei beweist er einen erfrischenden Mut zur Einfachheit. Er verzichtet auf verkünstelte Melodiephrasen und punktet durch eine schlichte Sprache der Töne. Die von Haffner und seiner Band fein kreierten Klanggewebe sind in weiten Strecken schwebend. Die Musiker lassen teils märchenhafte, in vielen Farben schimmernde fliegende Klangteppiche entstehen. Mal erhellen Bläser, mal die Gitarre oder die menschliche Stimme diese in sich ruhende Grundstimmung und setzen einzelne Farbakzente. In einem Moment leuchten sie bunt auf und in der nächsten Sekunde sind sie diffus im Hintergrund zu erahnen.
Auch wenn das Album das Werk eines Schlagzeugers ist, so spielt sich der Protagonist zu keiner Zeit solistisch in den Vordergrund: „Teamwork ist in meiner Band das A und O“, stellt Haffner fest. Auch als Bandleader bleibt er sich seiner Maxime treu, sich ganz in den Dienst der Sache zu stellen. Haffner verzichtet auf jegliches schlagzeugerisches Muskelspiel und virtuose Effekthascherei. Stattdessen brilliert er durch punktgenaues, abwechslungsreiches und dezentes Spiel. Seiner Rolle im Bandgefüge ist er sich dabei stets bewusst: „Der Schlagzeuger hat einen extrem wichtigen Part. Er steuert die Richtung der Musik grundlegend. Das ganze Rhythmusfundament und auch die Dynamik der Band habe ich zu verantworten.“
Mit Round Silence knüpft Haffner an die intime Klangsprache seiner beiden Vorgänger Acoustic Shapes (ACT 9468-2) und Shapes (ACT 9603-2), das gerade den Jazz Award für über 10.000 in Deutschland verkaufte Tonträger erhielt, an. Aber er geht noch einen Schritt weiter, indem er sich mit einem Phänomen auseinandersetzt, das vordergründig wie der Todfeind eines jeden Musikers scheint: die Stille. Haffner nimmt diese nicht wörtlich, sondern interpretiert sie als eine ruhig gespielte Musik, frei von Hektik und Nervosität. Was aber wiederum nicht bedeutet, dass dem Album keine Spannung, Reibung und Leidenschaft innewohnt.
Round Silence ist ein Kreisen um die Stille, das nicht lautlos an einem vorüber geht und keinesfalls überhört werden sollte