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Wolfgang Haffner
Kind Of Spain

© Antje Wiech / ACT
© Antje Wiech / ACT
© Antje Wiech / ACT
© Antje Wiech / ACT

Produktinformationen

Besetzung

Wolfgang Haffner / drums
Jan Lundgren / piano
Sebastian Studnitzky / trumpet
Daniel Stelter / guitar
Christopher Dell / vibraphone
Lars Danielsson / bass


Aufnahmedetails

Produced by Lars Danielsson with Wolfgang Haffner
Executive Producer & Curator: Siggi Loch


Recorded by Arne Schumann at Hansa Studios Berlin, January 21 & 22, 2017
Mixed by Arne [email protected]&Bach
Mastered by Peter Heider at Purecuts


Cover art by Gert & Uwe Tobias, by permission of the artist


Der Sound Europas, gebannt auf CD und Vinyl. Seit nunmehr 25 Jahren ist die Förderung von Jazz mit kräftiger regionaler Einfärbung ein Markenzeichen von ACT – beste Beispiele sind Schweden und Frankreich. Die Verbindung nach Spanien wird vielleicht nicht jedem bewusst sein. Dabei war das allererste ACT-Album eine spanisch-deutsch-amerikanische Co-Produktion: im Juli 1992 brachte Labelgründer Siggi Loch in Köln die WDR Big Band mit einigen der besten Flamenco-Spielern der iberischen Halbinsel und US-Jazzcracks wie Al Di Meola zusammen. Das Resultat: „Jazzpaña“ (ACT 9212-2), ein mit zwei Grammy-Nominierungen gekürter Erfolg für die noch junge Plattenfirma, arrangiert von dem damals noch unbekannten Komponisten und Arrangeur Vince Mendoza und dem türkischstämmigen US-Starproduzenten Arif Mardin.

25 Jahre später verneigt sich nun ein preisgekrönter deutscher Schlagzeuger vor Mendoza und dem 2006 verstorbenen Mardin. Auf „Kind of Spain“ bringt Wolfgang Haffner mit einem akustischen Sextett die Musik der iberischen Halbinsel mit dem Jazz zusammen. Gleich der erste Titel ist ein Tribut an die beiden großen Arrangeure, mit denen der Drummer mehrfach arbeitete. „Während der Studiosessions spielte uns Siggi Loch eine „Jazzpaña“- Nummer mit diesen typischen Flamenco-Handclaps vor“, erinnert sich Haffner an die Aufnahme von „For Vince & Arif“. „Spontan haben wir die Claps gesamplet und dazu gejammt.“

„Kind of Spain“ ist, nach den 50s-Cool Jazz- und Bop-Exkursionen auf „Kind of Cool“, Wolfgang Haffners zweites ACT-Album mit einer akustischen Band. Traditionelle spanische Musik meets Jazz – ein über 500 Jahre altes Kulturgut des alten Kontinents trifft auf Blue Notes aus der Neuen Welt, Flamenco und Folklore auf brandneue Kompositionen des Bandleaders. Das Sextett erzeugt introvertierte, warme, atmosphärische Klanglandschaften, zu denen so mancher sich auf eine nächtliche Dachterrasse in Granada träumen mag.

„Ich wollte ursprünglich im Quintett aufnehmen“, sagt der 2010 mit einem ECHO Jazz ausgezeichnete Schlagzeuger, „die Band mit Bass, Gitarre, Klavier und Trompete stand schon. Ich wollte dann aber unbedingt Christopher Dell dabei haben, der seit Jahren eine tragende Rolle in meiner Live-Band spielt.“

Der Vibraphonist, genau wie Pianist Jan Lundgren schon auf „Kind of Cool“ vertreten, gibt diesem Werk eine ganz eigene Farbe. Von Anfang an als key player stand Lars Danielsson fest. Der Bassist und Cellist, der schon auf Haffners ACT-Debüt „Shapes“ (2006) mit von der Partie war und zu seinem akustischen Trio gehörte, ist seit vielen Jahren ein enger musikalisch Vertrauter. Sebastian Studnitzky, der seinen samtweichen Trompetenton einbringt, blickt ebenfalls auf eine lange gemeinsame Vergangenheit mit dem Drummer zurück – nicht zuletzt waren beide Mitglied in der Nils Landgren Funk Unit. Und dann ist da noch der Jüngste im Bunde: Gitarrist Daniel Stelter.

„Je sanfter du es spielst, desto stärker wird es“ sagte Miles Davis über Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez”, das er 1960 für sein Album „Sketches of Spain“ aufnahm. Nun spielt Daniel Stelter diese einprägsame Melodie – ganz im Sinne des großen Trompeters. Stelter, den Haffner während gemeinsamer Konzerte bei der letzten Tour von Al Jarreau traf, legt eine ungeheure Konzentration und Zärtlichkeit an den Tag. „Platz in der Musik ist für mich essentiell“, sagt Haffner. „Die Kombination von wenigen Noten und Balladentempo finde ich besonders reizvoll.“

Understatement ist Trumpf auf „Kind of Spain“. Hier spielt keiner einen Ton zu viel, sicher nicht der Bandleader, der so gar nichts von einem geltungssüchtigen Trommelderwisch hat. „Ich mag starke Melodien und schöne Harmonien“, unterstreicht Haffner. „Ich überlege mir stets als Letztes, wie ich die Stücke am Schlagzeug begleite.“ Auf „Tàpies“ und „Salinas”, komponiert in Haffners Wahlheimat Ibiza, zeigt sich diese elegante Zurückhaltung. Das traditionelle aus Andalusien stammende Stück „El Vito“ aus dem 16. Jahrhundert und Lars Danielssons spannungsreiches an den spanischen Volkstanz erinnerndes „Pasodoble“ sind dagegen rauschende Gassenhauer, in denen Dell und Lundgren mit feinen Soli brillieren.

Spanische Musik, gespielt von deutschen und schwedischen Jazzern – wer hätte so viel mediterrane Passion und Empfindsamkeit nördlich der Alpen erwartet? Antwort: jeder, der Wolfgang Haffner kennt.