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Wolfgang Haffner
Acoustic Shapes

Hubert Nuss, Wolfgang Haffner, Lars Danielsson - ©Kristina Köhn / ACT
Hubert Nuss, Wolfgang Haffner, Lars Danielsson - ©Kristina Köhn / ACT

Produktinformationen

Besetzung

Wolfgang Haffner – drums
Hubert Nuss - piano
Lars Danielsson - bass
Nils Landgren – trombone (track 8)


Aufnahmedetails

Recorded live by Magnum Coltrane Price at Philharmonie Berlin, October 29, 2007
(tracks 3, 5 & 6 recorded live at Festspielhaus Baden Baden, October 25, 2007)
Mastered by Peter Heider at Purecuts, Nuremberg
Produced by Wolfgang Haffner
Executive Producer: Siegfried Loch


So manchen herausragenden Moment verdankt die Jazzgeschichte dem puren Zufall. So auch Wolfgang Haffners neues Projekt „Acoustic Shapes“, zu dem er „wie die Jungfrau zum Kind gekommen ist“, wie er selbst sagt. Ida Sand war eigentlich als Opener der Nils-Landgren-Funk-Unit-Tour der „Deutsche Börse JazzNights 2007“ vorgesehen. Weil sie aber – wegen eines freudigen Anlasses – passen musste, fragte Landgren seinen langjährigen Drummer: Wolfgang Haffner. Der musste sich nun etwas ausdenken, und wer die Biographie Haffners kennt, dem ist klar, dass der wichtigste deutsche Schlagzeuger jüngerer Generation keinen Augenblick daran dachte, sich zu wiederholen.

Seit Haffner mit 18 Jahren von Deutschlands berühmtesten Jazzer Albert Mangelsdorff entdeckt und in dessen Band geholt wurde, hat er stets neue Herausforderungen gesucht. Als Schlagzeuger von Klaus Doldingers „Passport“ (von 1989 bis 2000), der Allstar-Truppe „Old Friends“ oder in den Bands von Till Brönner und Nils Landgren repräsentiert er die nationale Spitze, und das nicht nur im Jazz-Bereich: Auch Konstantin Wecker, Xavier Naidoo, die „Fantastischen Vier“, Manfred Krug, Tom Gäbel, Max Mutzke, oder die „No Angels“ vertrauten auf das herausragend Präzision und Dynamik verbindende, stilübergreifende Können Haffners. An der Seite unzähliger Weltstars von Chaka Khan, Pat Metheny, Cassandra Wilson, Lalo Schifrin, Bill Evans oder Mike Stern bis zu den Formationen der Brecker Brothers oder Chuck Loebs Fusionband „Metro“ ist er überdies einer der wenigen Deutschen, denen international der Durchbruch gelang. Auch auf etlichen ACT-Alben ist er dementsprechend vertreten, vor allem im Dunstkreis von Nils Landgren, so zum Beispiel bei Rigmor Gustafsson und Viktoria Tolstoy.

Ein konkurrenzloser Katalog also für einen erst 42-Jährigen. Und fast unglaublich, dass Haffner bei all dem auch noch regelmäßig Zeit für wegweisende eigene Projekte als Schlagzeuger, Komponist und Produzent fand. Ein Dutzend CDs unter eigenem Namen steht da ebenso auf der Haben-Seite wie die Mastermind-Rolle für die isländische Superband „Mezzoforte“ oder der gemeinsam mit Roberto Di Gioia formierte NuJazz-Vorreiter „Zappelbude“. Ein weiterer Meilenstein dieser Aktivitäten in eigener Sache war die im Mai 2006 für ACT eingespielte CD Shapes (ACT 9603-2), von der Kritik als „süchtig machend“, „höchst raffiniert“ und „Legierung aus griffigen Melodien, cleverer Elektronik, altem Rock, neuem Jazz und kühler Klangästhetik“ gefeiert. Eine berauschende, inzwischen als DVD festgehaltene Tournee folgte, bei der unter anderem auch die NDR-Bigband und das Jazz Baltica Ensemble mit eingebunden wurden.

Nils Landgren war bei Shapes als Posaunist wie als Co-Produzent mit von der Partie, und so war es nur konsequent, dass Haffner auf dieses Projekt zurückgriff, als es nun für und mit Landgren auf Tour gehen sollte. Allerdings ging er zurück zu den Wurzeln: „Ich habe Shapes ursprünglich für Klaviertrio geschrieben, bin dann aber dem Ruf der Zeit nach Elektronik gefolgt. Jetzt wollte ich zurück zum Ausgangspunkt.“ Aus Shapes wurden also Acoustic Shapes, was allerdings weit mehr bedeutet als eine reine Reduktion. „Es ist eben nicht Shapes minus Trompete minus Elektronik. Ich habe sechs Wochen lang alles komplett umarrangiert. Teilweise ist dabei völlig Neues entstanden. Aus dem Club-Track ,New Life’ wurde zum Beispiel ein Jazz-Waltz im Dreivierteltakt“, berichtet Haffner. Auch die Funktion des Schlagzeugs ist über weite Strecken neu definiert, indem es - bis hin zur Verwendung eines kleinen Jazz Drum Sets – dem reinen Jazz-Schema viel näher kommt.

Als das theoretische Gerüst fertig war, überlegte Haffner, wer es neben ihm spielen könnte. Bassist und ACT-Künstler Lars Danielsson konnte als bevorzugter Begleiter der vergangenen Jahre rasch als besetzt gelten. Am Klavier aber wartete er mit einer Überraschung auf: Mit Hubert Nuss berief er einen alten Weggefährten, dem zuletzt im eigenen Trio mit John Goldsby und John Riley „strukturelle Meisterschaft“ und ein besonderes Gespür für feinste Nuancen bescheinigt wurde.

Das Ergebnis übertraf wohl selbst die eigenen Erwartungen: Noch klarer tritt der großartige Melodiker Wolfgang Haffner hervor, noch präsenter ist sein Swing, noch pointierter und konzentrierter kontrastieren verhalten lyrische Nummern und Uptempo-Reißer. Wie begeistert dieses neue Konzept vom Publikum aufgenommen wurde, auch das dokumentiert der hier vorliegende Mitschnitt aus der Berliner Philharmonie. „Acoustic Shapes repräsentiert einen Teil von mir, der zuletzt etwas ins Hintertreffen geraten war. Das war sehr befreiend“, resümiert Haffner. Es gibt nur einen Wolfgang Haffner. Bei ACT kann man jetzt aber mindestens zwei seiner künstlerischen Seiten entdecken.