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Vijay Iyer - ©ACT / Jimmy Katz
Vijay Iyer - ©ACT / Jimmy Katz

„Mittlerweile kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass der Pianist und Komponist Vijay lyer zu den kreativsten und innovativsten Jazzkünstlern der Generation unter 40 zählt,” schrieb Howard Reich in der Chicago Tribune. The New Yorker würdigte ihn als einen der „wichtigsten Pianisten der Gegenwart”, The Village Voice als den „eindrucksvollsten Pianisten und Komponisten, der in den vergangenen Jahren bekannt geworden ist.“ Diese Zitate zeigen: In Amerika zählt Vijay Iyer schon seit Jahren zu den meistbeachteten Jazzmusikern. Spätestens mit seinem ACT Debüt Historicity im Jahr 2009 gelang ihm auch international der große Durchbruch. Besonders beeindruckend ist dabei die Bandbereite an Iyers musikalischem Können und die vielfältigen Einflüsse, die er in den unterschiedlichsten Konstellationen verarbeitet.

Bereits seit einigen Jahren ist Iyer Seriensieger der Kritikerumfragen - so wurde er bereits zweimal zum „Rising Star Jazz Artist“ und „Rising Star Composer“ des renommierten Downbeat Magazine International Critics' Poll gewählt. Ebenso wurde er bei den Annual Jazz Awards zum „Up & Coming Musiker“ des Jahres gekürt. Unter seinen Ehrungen finden sich unter anderem der prestigeträchtige „CalArts Alpert Award“ (2003) und ein Stipendium für Musikkomposition von der New York Foundation for the Arts. Zuletzt wurde er mit dem „Greenfield Prize“ (2012) ausgezeichnet. Iyer zierte den Titel zahlreicher führender Fachzeitschriften: Downbeat in den USA, Jazzthetik und Jazzpodium in Deutschland, Jazzwise in England, Concerto in Österreich, sowie Musica Jazz in Italien. Im Mai 2010 erhielt das Vijay Iyer Trio den wichtigsten deutschen Musikpreis, den ECHO Jazz für das „beste Ensemble international“. Kurz danach wurde Iyer mit dem amerikanischen Jazz Journalists Association Jazz Award als bester Musiker 2010 ausgezeichnet.

Historicity (ACT 9489-2), Iyers US-Grammy nominiertes ACT Debüt von 2009 mit Bassist Stephan Crump und Schlagzeuger Marcus Gilmore, ist eine spektakuläre Neudefinition des klassischen Klaviertrios, „spannungsgeladen und immer wieder überraschend (Die ZEIT). Das Album wurde das „Jazz Album des Jahres“ in den wichtigsten amerikanischen Tageszeitungen, in der New York Times, der Los Angeles Times, der Detroit Metro Times und der Chicago Tribune, aber auch die Nummer Eins des National Public Radios oder von PopMatters.com. Der All Music Guide schrieb in Bezug auf Historicity von einer „unglaublichen CD“. Im Zentrum des Albums steht Iyers Auseinandersetzung mit dem Begriff der Historizität. Es gehe darum, wie man sich selbst im Strom der Musikgeschichte positioniert, wie man als musikalischer Erzähler mit fremder Tradition umgeht. Das Album schlägt daher einen weiten Bogen von sehr frühen eigenen Stücken („Trident“ und „Sentiment“) bis zu Coverversionen wie Bernsteins „Somewhere”, Stevie Wonders „Big Brother“ oder M.I.A.s „Galang”.

Mit Solo (ACT 9497-2) erschien Ende August 2010 Vijay Iyers erstes Solo-Piano Album. Hier ist sein Spiel einerseits tief durchdrungen von der Jazztradition – von Technik, Haltung oder Farben – wie sie Thelonious Monk, Andrew Hill, Randy Weston, Cecil Taylor oder Sun Ra jenseits der Noten vorgaben. Und doch sind diese sorgsam beobachteten Einflüsse andererseits nur die Palette, aus der Iyer seine neuen, ganz eigenen Farben zusammen mischt. Auf faszinierende Weise gelingt es ihm hier so unterschiedliche und kontrastreiche Vorlagen wie „Human Nature“ von Michael Jackson, mit Adaptionen von Duke Ellington-Klassikern und Eigenkompositionen zu einem stimmigen Gesamtbild zu vermischen.

Auf Tirtha (ACT 9503-2) wendet sich Iyer mit seinem indischen Trio – mit dem Gitarristen Prasanna und dem Tabla-Spieler Nitin Mitta – ganz anderer persönlicher Einflüsse zu. Das Projekt verbindet scheinbar mühelos indische Musiktradition mit zeitgenössischem Jazz in einem innovativen Trio-Format. „Ein Album, das hilft, Klangwelten zu entdecken“ lobte Jazzthing nach Erscheinen im März 2011.

Accelerando (9528-2), erschienen im März 2012, ist Iyers neuestes und insgesamt viertes ACT-Album. Es bringt nach Solo und Tirtha wieder sein angestammtes Trio mit Stephan Crump und Marcus Gilmore zusammen. Ganz dem Namen nach, ist Accelerando ein sehr physisches Album, geprägt vom intensiven rhythmischen Zusammenspiel des Trios. Die New York Times zeigt sich von den überraschenden Interpretationen sowohl traditioneller Jazz- als auch taufrischer Pop- und Funkstücke sowie den pulsierenden Eigenkompositionen derart begeistert, dass sie sich trotz des noch jungen Jahres 2012 bereits festlegt, einen ganz heißen Kandidaten für das ”Jazzalbum des Jahres” gehört zu haben.

Die enorm breite Palette seines musikalischen Ausdrucks und die absolute Eigenständigkeit seiner Kompositionen und seines Spiels spiegeln Vijay Iyers ungewöhnliche Entwicklung als Musiker wieder: Der in Amerika geborene Sohn indischer Einwanderer ist Autodidakt mit Wurzeln im amerikanischen Jazz und der populären Musik. Er schöpft aus einer großen Bandbreite westlicher und nicht-westlicher Traditionen. Der Umfang und die Tiefe von Iyers Schaffen entziehen sich jedweder einfachen Beschreibung. Seine Musik hat so weite Felder abgedeckt, dass man beinahe vergessen könnte, dass dies alles zu derselben Person gehört: Über das letzte Jahrzehnt hinweg durchforstete und erweiterte sein gefeiertes Quartett „das magische Grenzgebiet, in dem die Musik der indo-asiatischen Diaspora auf die westliche Jazz-Tradition trifft.“ (All Music Guide). Dieser „mitunter frischeste, unwiderstehlichste Jazz von heute“ (National Public Radio) ist auf vier von den Kritikern bejubelten Scheiben dokumentiert: Panoptic Modes (2001), Blood Sutra (2003), Reimagining (2005) und Tragicomic (2008). Neben diesen Werken stehen mehrere vollkommen unterschiedliche, gleichermaßen bedeutsame und bahnbrechende Werke, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden. Hervorzuheben ist hierbei die Zusammenarbeit mit dem Dichter und Performer Mike Ladd: In What Language? (2004) und Still Life With Commentator (2007) sind politisch beißende Arbeiten und groß angelegte stilistische Allesfresser „unfehlbar phantasievoll und bedeutsam“ (JazzTimes). Am anderen Ende seines Klangspektrums widmet sich Iyer mit Your Life Flashes (2002), Simulated Progress (2005) und Door (2008) „phänomenal, (…) unglaublich, anspruchsvoll und vorwärts denkend“ (All Music Guide) der kollektiven experimentellen Feldforschung.

Nicht zuletzt ist Raw Materials (2006) zu nennen, „ein vollkommener Triumph, vom Anfang bis zum Ende“ (All About Jazz). Das Duo von Iyer mit dem Saxophonisten Rudresh Mahanthappa ist „eine der großen Partnerschaften im Jazz“ (Chicago Tribune). Alle diese Alben, ob solo oder im Ensemble, erschienen weltweit auf Jahresbestenlisten in zahlreichen Medien - von JazzTimes, Jazzwise, Jazzman, Downbeat und The Wire über ArtForum, National Public Radio, The New Yorker, bis hin zu The Village Voice.

So bedeutend seine Aufnahmen in der Jazzwelt sind, Vijay Iyers vielschichtige Leistungen gehen weit darüber hinaus: Iyer steuerte einen Remix für die 10-Jahres-Jubiläums-Neuauflage des Albums OK von Talvin Singh, dem Pionier der britisch-asiatischen elektronischen Musik, bei, dessen Album 1999 den Mercury Preis gewonnen hatte. Seine Quintett-Suite, eine Auftragkomposition für das Chicago Jazz Festival 2008 wurde vor 30.000 Menschen uraufgeführt und von der Chicago Tribune als „Musikgeschichte schreibend“ gepriesen, sowie als „ein potentielles Meisterwerk, eine umwerfende, epische Komposition, eindringlich, originell und dramatisch aufgeladen“ gefeiert. Iyers orchestrales Werk Interventions wurde im März 2007 vom American Composers Orchestra in Auftrag gegeben und unter dem Taktstock von Dennis Russell Davies erstaufgeführt. Die New York Times lobte es als „klangvoll” und Philadelphia City Paper für seine „kraftvolle und dramatische Vision und einen mutigen Sinn für Klanglandschaften”. Weitere erwähnenswerte Werke sind Mutations I-X (2005), in Auftrag gegeben und erstaufgeführt vom Streichquartett Ethel, Three Episodes For Wind Quintet (1999), geschrieben für Imani Winds; eine bestechende Partitur für das originelle Tanztheater-Werk Betrothed (2007), sowie das preisgekrönte Score zum Film Teza (2008) des legendären Regisseurs Haile Gerima.

Über all diesem verschiedenartigen Schaffen bleibt Iyers künstlerische Vision unverkennbar. Seine beeindruckende Musik ist fest verankert in Groove und Takt, doch ebenso rhythmisch komplex und höchst interaktiv, fließend improvisiert und gewitzt orchestriert, sowie emotional fesselnd und gleichermaßen innovativ in Struktur, Stil und Form. Unter ihren vielen Bezugspunkten sind die Einflüsse von Jazzpiano-Titanen wie Monk, Ellington, McCoy Tyner, Alice Coltrane, Andrew Hill und Randy Weston unüberhörbar. Ebenso finden sich Reminiszenzen an Komponisten der klassischen Musik wie Reich, Ligeti, Debussy und Bartok. Klänge aus Rock, Soul, Funk, Hip-Hop, Dub und elektronischer Musik fließen darüber hinaus in Iyers Musik ebenso ein wie die vertrackten Polyphonien afrikanischer Trommelkunst und die vitale, hypnotische Musik aus Iyers indischem Erbe.

Iyer hat mit vielen zeitgenössischen Künstlern zusammengearbeitet, darunter Steve Coleman, Roscoe Mitchell, Amiri Baraka, Wadada Leo Smith, Dead Prez, Amina Claudine Myers, Butch Morris, George Lewis, Miya Masaoka, Matana Roberts, Trichy Sankaran, Samir Chatterjee, Pamela Z, Imani Uzuri, Will Power, Suphala, Dafnis Prieto, Burnt Sugar, Karsh Kale, Shujaat Khan, DJ Spooky, John Zorn, Bill Morrison und viele anderen.

Zu Iyers bedeutenden Wirkungsstätten als Komponist, Performer und Bandleader zählen neben den renommiertesten Jazzclubs und Musikfestivals rund um die Welt, das Next Wave Festival an der Brooklyn Academy of Music, das Lincoln Center Festival in New York City, die Library of Congress, die Smithsonian Institution, das Kennedy Center in Washington D.C., das Roy and Edna Disney CalArts Theater (REDCAT) in Los Angeles, die Memorial Hall am UNC Chapel Hill; das McCarter Theater an der Princeton University, das Max M. Fisher Music Center in Detroit und viele mehr.

Als Universalgelehrter, dessen Werk sich über Naturwissenschaften, Künste und Geisteswissenschaften hin erstreckt, hat Iyer einen Bachelor in Mathematik und Physik am Yale College absolviert, sowie einen Master in Physik und einen interdisziplinären Doktortitel in Technologie und Geisteswissenschaften an der University of California in Berkeley. Er wurde im Wissenschaftsmagazin Seed zu einem von neun “revolutionären Geistern” gewählt, und seine Forschungsarbeit in Musikkognition wurde in den Radioprogrammen This Week in Science und Studio 360 ausgestrahlt. Als Hochschullehrer der New York University und der New School University hielt er Lehrgänge und Vorlesungen über Komposition, Improvisation, Erkenntnistheorie, Jazz und Perfomance-Studies unter anderem auch an der Harvard University am California Institute of the Arts, an der Columbia University, Manhattan School of Music und der School for Improvisational Music. Seine wissenschaftlichen Arbeiten erscheinen in renommierten Fachmagazinen wie Music Perception, Current Musicology, Journal of Consciousness Studies, Critical Studies in Improvisation, Journal for the Society of American Music, und den redigierten Anthologien Uptown Conversation: The New Jazz Studies (Columbia University Press), Sound Unbound (MIT Press), und Arcana (Hips Road). Vijay Iyer ist ein Steinway Künstler.

Weitere Informationen auf www.vijay-iyer.com

Vijay Iyer bei ACT:

- 2012: Accelerando (ACT 9528-2)

- 2011: Tirtha (ACT 9503-2)

- 2010: Solo (ACT 9497-2)

- 2009: Historicity (ACT 9489-2)