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Verneri Pohjola - ©Jori Grönroos
Verneri Pohjola - ©Jori Grönroos
Verneri Pohjola - ©Jori Grönroos
Verneri Pohjola - ©Jori Grönroos

Produktinformationen

Besetzung

Verneri Pohjola / trumpet
Juhani Aaltonen & Pepa Päivinen / reeds
Ilmari Pohjola / trombone
Aki Rissanen / piano
Antti Lötjönen & Pekka Pohjola / bass
Joonas Riippa / drums
Meta4 string quartet
and others


Aufnahmedetails

Produced by Verneri Pohjola
Recorded at Finnvox by Mikko Raita
Mixed by Mikko Raita at Studio Kekkonen
Mastered by Svante Forsbläck at Chartmakers


Pohjola – ein Name mit Symbolkraft für Finnland. Es ist der Hauptort in dem berühmten Nationalepos „Kalevala“ und der Nachname einer der bekanntesten Jazzmusikerfamilien des Landes. Mit Aurora sorgt der Trompeter Verneri Pohjola jetzt auch außerhalb seiner Heimat für Aufmerksamkeit. In Finnland erhielt sein Debüt als Leader den EMMA Award, den bedeutendsten finnischen Musikpreis, als „bestes Jazzalbum des Jahres 2009“.

Eine Musikerkarriere wurde dem Trompeter in die Wiege gelegt. 1977 als Sohn der nationalen Jazzlegende Pekka Pohjola geboren, studierte er ab 1999 Jazzmusik an der Sibelius-Akademie, eine der führenden europäischen Ausbildungsstätten. 2004 wurde er vom Pori Jazz Festival zum „Young Artist of the Year“ ernannt. Die finnischen Jazzkritiker wählten ihn im selben Jahr zum besten Trompeter und Musiker des Jahres.

Auch wenn Aurora Pohjolas erstes Werk unter eigenem Namen ist, ist er kein Newcomer mehr. Der Finne gab seiner Musik bewusst Zeit zum Reifen, um einen eigenen künstlerischen Ausdruck zu finden. Als ACT-Star Nils Landgren Pohjolas Debütalbum hörte, war er sofort begeistert. Umgehend lud er den Trompeter zum Jazzfest Berlin 2010 ein und schwärmte seinem Labelboss Siggi Loch von diesem Talent vor. Schweden und Norwegen sind als Fundgruben für erstklassigen Jazz längst kein Geheimnis mehr, aber das beschauliche von Wald, Seen, Rentieren und 5 Millionen Menschen besiedelte Nachbarland war bis dato weitgehend unentdeckt. Und so kam es, dass Verneri Pohjola erster finnischer Exklusivkünstler von ACT wurde. Ein weiterer Landsmann wird im Frühjahr 2011 folgen, der Pianist Iiro Rantala, bekannt geworden durch sein Trio Töykeät.

Aurora ist die römische Göttin der Morgenröte. Ebenso verheißungsvoll, schattierungsreich wie faszinierend ist auch die Musik. Es ist ein mystisches Werk mit überwiegend düsterer Atmosphäre. Pochjola bevorzugt die tieferen Töne und einen meditativen, luftigen Sound. Hymnische Klangpassagen, brodelnde Expressivität und emotionales „high note playing“ brechen aber immer wieder effektvoll durch. Freie Improvisationen sind streng Komponiertem gegenübergestellt. Soloparts verdichten sich im Ensembleklang. Zwar ist Aurora experimentell, doch einprägsame Themen und eine tiefe Verwurzelung im Groove geben der Musik den nötigen Halt.

Pohjola ist ein raffinierter Klänge-Kombinierer. Auf Aurora sind insgesamt 15 Musiker am Werk, die in wechselnden Besetzungen farbenreiche Stimmungsbilder entstehen lassen. Und so ist jedes Stück ein Individuum und Aurora ein Sammelband von musikalischen Kurzgeschichten: Das fast 12-minütige „For Three“ lässt trotz kompositorischem Gerüst (immer wieder kommt das Stück zu seinem einprägsamen von den Streichern akzentuierten Thema zurück) ausreichend Raum für Improvisationen. Pohjola selbst zeigt sich hier als virtuoser und ideenreicher Trompeter. Bei „Askisto“ bildet das romantisch spielende Meta4 Streichquartett einen spannungsreichen Kontrast zu Klangexperimenten von Celesta, Klavier und Bass. Das entspannt groovende „Boxer Diesel“ mündet in einem expressiven Klangausbruch. Dagegen ist „Spirit of S“ eine Meditation mit sich kaum entwickelnder Harmonik, bei der Flöte und Trompete abwechselnd solistisch phantasieren.

Aurora versammelt die aufstrebende junge Garde des finnischen Jazz wie Pianist Aki Rissanen und Bassist Antti Lötjönen. Auch Pohjolas zwei Jahre jüngerer Bruder, der Posaunist Ilmari, ist mit von der Partie. Und sein berühmter Vater Pekka, der kurz nach den Aufnahmen im November 2008 verstarb, unterstützt ihn bei zwei Stücken am elektrischen Bass. Alle Stücke wurden von Pohjola selbst komponiert. Bis auf ein Arrangement des berühmten „Concierto De Aranjuez“ von Joaquín Rodrigo, das vor allem durch Miles Davis Sketches of Spain bekannt wurde.

Appropos Miles Davis: Dieser ist erklärtes Vorbild Pohjolas und wenn man Aurora hört, lassen sich Parallelen zu seinem Meisterwerk von 1957, „Birth of the cool“, ziehen: Beiden wohnt eine ganz eigene von der abendländischen Kunstmusik inspirierte Klangästhetik inne, Instrumente sind bewusst nach Klangfarben zusammengestellt und komponierte Passagen wechseln mit Improvisationen. Damals hat Miles Davis den Jazz mit einer bis dahin ungehörten Klangsprache bereichert. Auch Aurora ist ein visionäres, wegweisendes Album von großer Klangkraft und Verneri Pohjola als Trompeter und Komponist eine Bereicherung für den europäischen Jazz. Spätestens jetzt sollte man sich seinen Namen auch außerhalb Finnlands merken