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Various Artists
Monteverdi in the Spirit of Jazz

Produktinformationen

Besetzung

Paolo Fresu , Richard Galliano & Jan Lundgren
Richie Beirach , Gregor Huebner & George Mraz
Michael Riessler , Vincent Courtois & Singer Pur
Jan Lundgren , Lars Danielsson & The Gustaf Sjökvist Chamber Choir
Danilo Rea & Flavio Boltro
Michael Wollny Trio


Aufnahmedetails

Music composed by Claudio Monteverdi

Curated by Siggi Loch

Mastered by Johannes Wohlleben at Bauer Studios, Ludwigsburg

Package design by Siggi Loch
Artwork © Uwe Kowski, Selber, 2015 / ACT Art Collection,
courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin


„Ich habe mich mein ganzes Leben lang mit Musik befasst, aber diese kannte ich viel zu wenig”, sagt der Pianist Richie Beirach, als er sich 2002 seinem “Round About Monteverdi” Projekt widmete. Eine sicherlich auch allgemeingültige Aussage, denn Claudio Monteverdi ist ein stiller Held der Musikgeschichte, ein “Hidden Champion”, einer auf Augenhöhe von Bach, Beethoven und Mozart, aber leider oft vergessen und vielen unbekannt. Im Mai 2017 wäre der 1567 im italienischen Cremona geborene Komponist, Gambist und Sänger 450 Jahre alt geworden.

Monteverdi wirkte in der ausgehenden Renaissance vor allem in Venedig, wo er auch 1643 starb. Er gilt als Erneuerer der Vokalmusik an der Stilgrenze zum Barock. Die Oper hat er vielleicht nicht erfunden, aber doch zu ihrem ersten Höhepunkt gebracht. Definitiv erfunden, und zwar in der Oper “L’Orfeo”, hat er den ostinaten Bass, also den in Viertelnoten regelmäßig schreitenden “Walking Bass”, ohne den weite Teile der Musikgeschichte bis hin zur modernen Popmusik kaum vorstellbar wären.

Monteverdi war ein Visionär seiner Zeit, der nach seinem Tod lange Zeit vergessen wurde. Erst um Mitte des 20. Jahrhunderts wurde er wiederentdeckt und geriet zurecht in den Fokus der Forscher und Musikschaffenden… und eben auch der Jazzer: „Ich ahnte überhaupt nicht, wie bewegend diese Epoche ist. Ich dachte immer, mit Johann Sebastian Bach habe etwas Neues begonnen; jetzt ist mir klar, dass Bach der Schlusspunkt dessen ist, was vorher schon bei Monteverdi angelegt war“, staunte Beirach damals über die Genialität, Aktualität und die Tiefe der Musik. Fünf Stücke aus seinem heute vergriffenen Album “Round About Monteverdi” mit dem Geiger Gregor Hübner und dem Bassisten George Mraz bilden nun das Rückgrat dieses Geburtstagsgrußes “in the Spirit of Jazz” an Monteverdi.

Was Beirach seinerzeit entdeckte, kann als Motto für das gesamte Projekt dienen:

Die behutsame Übersetzung der zeitlosen Themen Monteverdis in die Form eines improvisierenden Modern-Jazz-Trios ist aber nur eine Möglichkeit. Das Spektrum von “Monteverdi in the Spirit of Jazz” beginnt mit neu auf die Stimmen verteilten, sonst ganz klassischem Chorgesang des Chores Singer Pur, den Bassklarinettist Michael Riessler zusammen mit dem Cellisten Vincent Courtois für seine zwei Monteverdi-Versionen auf “Ahi Vita” einsetzte.

Und könnte ein Opern-Album italienischer Jazzer ohne Monteverdi auskommen? Pianist Danilo Rea und Trompeter Flavio Boltro lassen also bei der Toccata aus “Orfeo” und beim “Lasciatemi morire” ihre Instrumente nach Herzenslust singen. Mit nur leicht modern erweitertem, sonst klassisch strahlendem Zauber spielte der schwedische Pianist Jan Lundgren mit Lars Danielsson am Bass und dem Gustaf Sjökvist Chamber Choir auf seinem Album “Magnum Mysterium” eine diesem Titel wahrhaft entsprechende Version von Monteverdis “Se nel partir da voi” ein. Und im Mare Nostrum-Trio mit dem Trompeter Paolo Fresu und dem Akkordeonisten Richard Galliano überführt er Monteverdis “Si dolce è il tormento” in einen von den europäischen Volksmusiken verdichteten Klangkosmos.

Am Ende der Skala findet sich schließlich das Michael Wollny Trio, das bei den Sessions zu seinem Erfolgsalbum “Weltentraum” auch “Lamento D’Arianna” bearbeitete und zu einem wuchtigen und flirrenden Paradebeispiel für den aktuellen europäischen Jazz machte.

Claudio Monteverdi hat uns also noch heute viel zu geben.