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Tobias Christl © ACT / Britta Leuermann
Tobias Christl © ACT / Britta Leuermann
Tobias Christl 1 © ACT / Britta Leuermann
Tobias Christl 1 © ACT / Britta Leuermann

Produktinformationen

Besetzung

Tobias Christl / vocals, effects
Peter Ehwald / tenor saxophone, clarinet
Sebastian Müller / guitar, effects
Matthias Akeo Nowak / bass
Etienne Nillesen / drums

Guest: Simin Tander / vocals (on 08)


Aufnahmedetails

Produced by Tobias Christl

All music recorded at Deutschlandfunk, Studio Köln
Producer for Deutschlandfunk: Harald Rehmann
Tracks 1, 2, 4, 5 & 8 recorded on June 8 & 9, 2013
Stefan Deistler (Tonmeister), Ernst Hartmann (audio engineer),Christoph Schumacher (audio technician).
Mixed by Stefan Deistler
Tracks 3, 6, 7, 9, 10, 11 & 12 recorded on May 9 & 10, 2014
Oliver Bergner (Tonmeister), Eva Pöpplein (audio engineer), Christoph Schumacher (audio technician).
Mixed by Klaus Scheuermann
Mastering: Klaus Scheuermann

Cover: street art from Stari Grad, artist unknown, photo by Siggi Loch


Tobias Christl, Jahrgang `78, ist eine Rarität, ein Sänger, den es so im deutschen Jazz noch nicht gab. Weder Crooner, noch scattender Lautmaler. Und schon gar nicht als Jazzer getarnter Popmusiker. Eher schon kunstvoll-wandelbarer Geschichtenerzähler, irgendwo zwischen Indie und Improvisation. Der Wahlberliner ist Stimmkünstler, Songwriter, Improvisator, Sprecher, Komponist, DJ und Mitinitiator des Kölner KLAENG Kollektivs, spielt Klavier, Keyboards, Klarinette und Gitarre, studierte u.a. bei Theo Bleckmann in New York.

„Wildern“ heißt sein ACT young german jazz Debüt. Warum? „Am liebsten jagen wir gute Songs.“ sagt Christl. „Wildern“ ist ein Streifzug durch das dichte Unterholz von vier Jahrzehnten Popmusik, durch Songs von Größen wie Leonard Cohen, The Smiths, Björk, A-HA, Joy Division, Lana Del Rey, Paul Simon, Tom Waits oder Rio Reiser. Mit hörbarer Freude am Dekonstruieren, Abreißen und Umbauen entsteht hier im Jazz-Quintett-Setting wirklich neue Musik, reich an Ecken und Kanten, Kontrasten, Brüchen und unerwarteten Wendungen. Zugleich bleibt die Seele der Songs erhalten, je nach Betrachtungsweise könnte man sagen: sie wird freigelegt. Wer die ersten, Gänsehaut-erzeugenden zehn Sekunden des Openers „Sound Of Silence“ hört, weiß, was gemeint ist.

Die Songs auf „Wildern“ sind mehr als bloße Bearbeitungen. Christl: „Jede Version ist eine Hommage, die versucht, das Original in ein anderes Licht zu rücken. Bewegt man den Spot ein bisschen aus dem Zentrum eines Liedes heraus, entsteht ein völlig neuer Kontext. Gelingt es dann, diesen vom Original zu trennen und ihn frei und wachsen zulassen, entsteht eine neue, emanzipierte Version – ganz so, als hätte der Muttersong ein wild pubertierendes Kind zur Welt gebracht, das gar nicht daran denkt, den Rhythmus zu halten.

Für Tobias Christl und überhaupt für die young german jazz Generation hat es die reine Lehre des Jazz nie gegeben. Ihr Jazzbegriff definiert sich ganz selbstverständlich aus der Summe aller persönlichen Einflüsse und Eindrücke, egal aus welcher Richtung. Und der Lust, aus diesen etwas Eigenes zu erschaffen, das sonst in keine Schublade passt und auch nicht passen soll. Und so ist auch „Wildern“ nicht Crossover oder Fusion – sondern ganz einfach Jazz. Punkt.