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Kanakassi
Kanakassi

Produktinformationen

Besetzung

Soriba Kouyate - Kora
Paolo Fresu - Trumpet
Linley Marthe - Bass
Joël Allouche - Drums, Percussion
Gérard Pansanel - Acoustic Guitar
Jean-Charles Agou - Saxophones, Flute
François Quillet - Piano
Philippe Gaillot - Syntheziser, Electric Guitar, Vocals


Aufnahmedetails

Recorded at Recall Studio Pompignan, France in May 1998
Mixed at Recall Studio Pompignan, France in September 1998
Sound Engineer: Philippe Gailllot, Assistant Engineer: Renaud Van Welden
Mastered by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo
Produced for Recall by Joelle Merlier & Philippe Gaillot


"Wir sind die Gefäße der Sprache, Hüter jahrhundertealter Geheimnisse. Die Kunst der Rede steht uns zu Gebote. Ich lernte sie von meinem Vater, der sie wiederum von seinem Vater übernahm. Nichts hält uns die Geschichte verborgen. Jeder Name hat eine Bedeutung, einen versteckten Sinn. Denn die Welt ist alt, und die Zukunft wurzelt in der Vergangenheit. Meine Worte sind rein und wahrhaftig. Hör zu, der du nach Wissen dürstest."

(aus Sundiata; ein berühmtes Liedepos über das alte Mali von Djibril Tamsir Niane)

Der Kora-Virtuose Soriba Kouyaté entstammt einer Familie von Griots, auch Jalis genannt. Ein jeder Griot gehört jener weitverzweigten Musikerkaste in Westafrika an, die ihren Ursprung bis ins 13. Jahrhundert zurückführt, als der legendäre König Sundiata Keita über das Mandingo-Reich im heutigen Mali herrschte. Griots sind mehr als nur fahrende Musikanten. Sie sind die offiziellen Geschichtenerzähler und Chronisten, Preissänger und Ependichter des Mandingo-Volkes. Zu Sundiatas Zeiten waren sie wegen ihres umfangreichen Wissens auch als Berater des Königs begehrt. Nachdem das alte Mali-Reich 1468 untergegangen war, nahmen wohlhabende Mandingo-Familien die Dienste der Jalis in Anspruch. Sie sollten ihnen mit Rat zur Seite stehen und bei öffentlichen Anlässen feierliche Lobeshymnen singen. Auf Grund ihrer Wortgewandtheit waren Griots immer auch als Botschafter und Nachrichtenübermittler gefragt.

Die von Hand hergestellte Nora aus Westafrika verkörpert nicht nur die Mandingo-Musik, sie ist auch das Griot-Instrument par excellence. Die am meisten verbreitete Form dieser afrikanischen Harfenlaute hat 21 Saiten, elf für die linke, zehn für die rechte Hand. Ihr Tonumfang umfaßt etwa drei Oktaven. Als Ursprungsgebiet der Kora gilt die Gabu-Region im heutigen Guinea-Bissau. Im 13. Jahrhundert eroberte Mansa Wali, der Sohn Sundiata Keitas diesen Landstrich und brachte die Mandingo-Kultur mit. Heute hat die Kora ihr traditionelles Umfeld hinter sich gelassen. Brachte sie zunächst lediglich eine exotische Klangfarbe in die afrikanische Popmusik, so hat sich die Kora mittlerweile als das afrikanische Melodieinstrument schlechthin auch außerhalb des Schwarzen Kontinents etabliert Bereits in den 80er Jahren experimentierten Kora-Pioniere wie Foday Musa Suso aus Gambia, Toumani Diabate aus Mali und Mory Kante aus Guinea mit westlichen Stilrichtungen. Den bereits getätigten Fusionen mit Jazz, Funk, Flamenco und Rock-fügt nun auch Soriba Kouyaté ein neues Kapitel hinzu.

Soriba Kouyaté wurde am 23. Dezember 1963 in Dakar geboren, der vibrierenden Hauptstadt Senegals. Die musikalische Ausbildung seines fünfjährigen Sprößlings nahm der Vater Mamadou Kouyaté, selbst ein bekannter Kora-Meister, in die Hand. Schon mit 13 Jahren begleitete ihn Soriba auf Tourneen rund um den Globus. Auf diesen Reisen kam er mit einer Vielfalt an musikalischen Traditionen anderer Kulturen in Berührung. Das veranlaßte ihn, die Möglichkeiten seines Instrumentes zu erkunden und das Ausdrucksspektrum der Kora zu erweitern, indem er den profunden Reichtum der Griot-Tradition mit den verschiedenen Spielarten zeitgenössischer Musik konfrontierte. Im Unterschied zu den nach afrikanischen Skalen gestimmten Instrumenten besitzt Kouyatés Kora eine der Gitarre angepaßte Stimmung. Dadurch verwirklicht er sein Ideal, die Kora in die Lage zu versetzen, auch klassische Musik, Blues, Jazz, Funk, Reggae und arabische Musik zu intonieren. Kurz: sie sollte universal einsetzbar sein. Seinem Können und seiner Weltoffenheit verdankt es Soriba Kouyaté, bereits an der Seite einiger der bekanntesten Musiker musiziert zu haben, namentlich Peter Gabriel, Youssou N’Dour, Salif Keita, Hugh Masekela und Dizzy Gillespie.

Auf den französischen Gitarristen Philippe Gaillot traf Soriba Kouyaté erstmals 1994 beim African Jazz Festival in SaintLouis, Senegal, wo Gaillot als Toningenieur arbeitete. 1997 begegneten sich die beiden Musiker wieder beim Festival d’Avignon in Frankreich. Im Anschluß an dieses neuerliche Treffen nahmen sie die Arbeit an dem vorliegenden Album in Angriff. Der Titel "Kanakassi", ein Ausdruck aus dem Mandingo-Idiom, bedeutet soviel wie "Weine nicht". Kouyatés Adaption traditioneller Spielweisen und Melodien, zeitgemäß artikuliert, ergibt im Zusammenspiel mit europäischen Musikern eine subtile und spannungsvolle Fusion aus Tradition und Moderne, Jazz und Mandingo-Musik.