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Solveig Slettahjell
Trail of Souls (with Knut Reiersrud & In The Country)

Solveig Slettahjell © ACT / Jørn Sternersen
Solveig Slettahjell © ACT / Jørn Sternersen
Solveig Slettahjell © ACT / Jørn Sternersen
Solveig Slettahjell © ACT / Jørn Sternersen

Produktinformationen

Besetzung

Solveig Slettahjell / vocals
Knut Reiersrud / guitars & harmonica

In The Country :

Morten Qvenild / piano & synths
Roger Arntzen / bass
Pål Hausken drums & percussion


Aufnahmedetails

Produced by Siggi Loch with the artists
Recorded by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo, April 8 - 10, 2015
Mixed and mastered by Jan Erik Kongshaug
Solveig Slettahjell appears courtesy of Universal Music


“Conneting the unexpected” lautet das Motto der Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“, die Siggi Loch seit Dezember 2012 kuratiert und produziert. Jeder Abend soll besonders sein, dafür sorgen außergewöhnliche Programm- Ideen und ungewöhnliche, eigens zusammengestellte Besetzungen. Was nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Musikern begeistert angenommen wird. So erlebten Künstler und Zuschauer auch bei „Norwegian Woods“ im März 2014 eine Sternstunde. Loch brachte hier die Crème de la Crème des norwegischen Jazz zusammen und kombinierte diese unverhofft mit einem Gast aus einem anderen musikalischen Lager:

Mit Solveig Slettahjell kam es zu einem Wiedersehen, hatte doch ACT ihre frühen Alben außerhalb Norwegens weltweit bekannt gemacht. An ihrer Seite, In The Country, das Trio um ihren musikalischen Vertrauten, den Pianist und Soundtüftler Morten Qvenild, der seit Jahren fester Bestandteil in den Slow Motion Ensembles der Sängerin ist. Als Überraschung des Abends kam der Blues-Gitarrist Knut Reiersrud hinzu, den Loch schon lange auf dem Radar hatte und der in Berlin erstmals auf Slettahjell und Co traf – eine ideale Kombination: Der Abend zelebrierte all das, was den „nordischen Sound“ der vergangenen Jahrzehnte so attraktiv und erfolgreich gemacht hat: Die elegische, bluesige, vom Melos der eigenen Volksmusik inspirierte Seite, aber auch die experimentelle, rhythmisch gewagte, elektronische. Der als „Jazz at Berlin Philharmonic II: Norwegian Woods“ veröffentlichte CD-Mitschnitt dokumentiert dies eindrucksvoll.

Für die Beteiligten war danach klar, dass die Sache eine Fortsetzung erfahren muss. Vor allem die erdige, von vielen ethnischen Einflüssen gefärbte Bluesgitarre Reiersruds war eine neue Inspiration. Selbst Solveig Slettahjell, eigentlich Universal-Künstlerin, teilte den spontanen Wunsch, ein gemeinsames Studioalbum zu produzieren. Die passende Idee dafür hatte Loch bereits im Ohr und er schlug den Künstlern vor, die amerikanische Gospel- & Spiritual-Tradition mit der norwegischen Klangästhetik zu verlinken: „Trail Of Souls“.

Und nach gründlicher Vorbereitung sowie vielen Proben im privaten Studio von Morten Qvenild traf man sich schließlich im berühmten Osloer Rainbow Studio, um der Idee eine finale Form zu geben. Bis aufeinen von Reiersrud komponierten Song, sind alle elf Titel desAlbums im weitesten Sinne Blues- und Gospel-Klassiker.Darunter mit Bill Withers „Grandma‘s Hands“, Peter Gabriels „Mercy Street“ und Leonard Cohens „Come Healing“. drei von Stars der Soul- und Pop-Musik, die anderen freilich nur Insidern wie Reiersrud wirklich bekannt. „Wir haben die alten Worksongs und Spirituals zwar gemeinsam ausgewählt und dafür unsere Plattensammlungen durchforstet, aber Knut ist natürlich der größte Kenner von uns“, sagt Slettahjell. Was Reiersrud gerade erst auf dem ACT-Album „Tears Of The World“ zusammen mit dem famosen, Bluessänger Mighty Sam McClain (der am 16.6.2015, kurz vor der Album-Veröffentlichung, im Alter von 72 Jahren verstarb) bewiesen hat. So reiht sich in den „Trail Of Souls“ zum Beispiel das anrührende Traditional „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“ genauso ein wie das in den schwarzen Gottesdiensten allgegenwärtige „His Eye Is On The Sparrow“, und das einprägsame „Don’t Feel Noways Tired“ des „King of Gospel“ Reverend James Cleveland. Über Stücke von Blind Willie Johnson, James Anderson und Richard M. Jones (mit dem Evergreen „Trouble In Mind“) reicht die Auswahl bis zum noch nicht so alten „Is My Living In Vain“ der noch äußerst aktiven, mit zwei Grammys ausgezeichneten Gospel-Lady Elbernita „Twinkie“ Clark.

Alle Songs bekommen hier freilich durch eine konsequente, fast säkulare Entschleunigung eine völlig neue Gestalt. Solveig Slettahjells einzigartig ruhige,jedes Phrasierungsdetail auskostende Stimme verleiht ihnenzusammen mit Knut Reiersruds ebenso temperierten, mitungewöhnlichen, oft metallisch schillernden Voicings eineatemberaubende Spannung. Für überraschende rhythmischeAkzentuierungen und jede Menge verblüffender Sounds vonnach Holz und Ton klingender Perkussion über sphärischeFlächen bis zu harten Drum & Bass-Schlägen sorgen das Triovon Morten Qvenild. „Wir sind alle ein bisschen seltsam, aberer ist der seltsamste von uns“, sagt Slettahjell lachend überQvenild. So werden nun aus „Norwegian Wood“ betörende„Norwegian Roots“ und bezwingende „Norwegian Grooves“,die erneut die herausragende Fantasie und Kreativität der Musiker aus dem hohen Norden bezeugen.