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Simon Nabatov
Piano Works V: Around Brazil

Piano Works V: Around Brazil
Piano Works V: Around Brazil

Produktinformationen

Besetzung

Simon Nabatov – piano


Aufnahmedetails

Recorded, mixed and mastered by Jan-Erik Kongshaug, Rainbow Studio, Oslo, Norway, in September 2005
Except "Partita de Março" recorded in Cologne, Germany
Produced by Siegfried Loch 


Around Brazil: Simon Nabatov’s Solo-Album bei ACT ist eine Verbeugung vor der Schönheit.

Verführerisch wäre es für einen wie ihn gewesen, hier einfach nur zu zaubern und zu brillieren, dass die Wände wackeln. Denn Simon Nabatov gehört spieltechnisch zu den Klavier-Sensationen der letzten beiden Jazz-Jahrzehnte: einer, dem keine Grenzen gesetzt scheinen. Umfassend ist das stilistische Repertoire des am Moskauer Konservatorium und an der New Yorker Juilliard School ausgebildeten und in Deutschland lebenden Musikers – vom Stride Piano bis zum Free Jazz verfügt er mühelos über alles, was die Jazzklavier-Welt hervorgebracht hat. Und Barock, Klassik und Romantik zieht er sowieso auch noch gleich mit aus der Westentasche. Dass er all das kann, merkt man natürlich auch an diesen Aufnahmen. Aber Nabatov hat sich hier noch auf etwas anderes besonnen: das Solo-Spiel als große Chance, ein gewissermaßen intimes musikalisches Bekenntnis abzulegen. Und das tut er, indem er seiner Liebe zur brasilianischen Musik frönt.

Höchst vital, rhythmisch bewegend, aber auch tieftraurig, hauchfein und ungemein zärtlich kann die populäre brasilianische Musik sein. Und immer ist sie umweht von saudade, also Sehnsucht, bittersüßem Verlangen, traurigfrohem Schwelgen. Facetten dieser Stimmung fängt Nabatov mit einigen Klassikern des brasilianischen Repertoires ein – aus der Position eines musikalischen Kosmopoliten. Oft ist seine saudade vielfältig gespiegelt und sublimiert. Ein populäres Stück von Bossa-Nova-Komponist Antonio Carlos Jobim kombiniert er mit einem Tanzsatz von Johann Sebastian Bach, und zugleich ist darin die eruptive, freie Jazz-Stilistik des späten zwanzigsten Jahrhunderts ebenfalls nicht weit. Mal verfremdet Nabatov ein Stück durch sirrende Töne auf dem präparierten Klavier, mal rahmt er die feingliedrige Melancholie eines Originals mit spieluhr-artigem Kreisen in schrillen Diskant-Lagen ein. Und im letzteren Fall geht es immerhin um ein Stück wie "Na Baixa do Sapateiro" von Ary Barroso, einem der populärsten brasilianischen Tanzmusikkomponisten in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Subtile Verfremdung hier, purer Genuss eines ungemein reichhaltigen Repertoires dort: Nicht von ungefähr hat Simon Nabatov auch auf Stücke der großen brasilianischen Sänger und Komponisten Caetano Veloso und Gilberto Gil (dem derzeitigen Kulturminister des südamerikanischen Landes) zurückgegriffen. Gils "Eu vim da Bahia" spielt Nabatov als empfindsam-lyrisches Glanzstück mit ganz feiner Anschlags-Differenzierung. "Nenê", ein Stück des Tango- und Choro-Komponisten Ernesto Nazareth, behält genau den Gestus des Originals bei. Und den hinreißenden Abschluss der CD bildet "Você é linda", ein sanfter Klassiker des großen Songpoeten und hocheleganten Sängers Caetano Veloso: Das ist eine ganz leise Perle aus Nabatovs Meer der Klänge. Und wie dieses Stück, ist dieses ganze Album eine musikalische Verbeugung vor der Schönheit. Genau das, womit ein Tasten-Virtuose vom Zuschnitt eines Simon Nabatov in seinem Solo-Album besonders überrascht. Ein russisch-amerikanischer Gigant auf sensiblen Pfaden nach Brasilien.