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Schäl Sick Brass Band
Maza Meze

Maza Meze
Maza Meze

Produktinformationen

Besetzung

Raimund Kroboth - git., waldzither
Iwanka Iwanowa - voc
Udo Moll - tp
Detlef Heidkamp - as,bs
Marcellus Seng - sax
Mitch Höhler - tb,s
Joachim Gellert - tuba
Tunji Beier - perc
Josef Kirschgen - dr, perc

Guest Unit:
EBASA - piccolo flute
Hennes Hehn - clar
Bernd Keul - banjo, b
Azita Mostowfi - santur
Afra Mussawisade , Feri Chegini , Thomas Suikinnek - percussion
Roxana , Carlos Robalo , Mohammes Mounir - Vocals
Victoria Riccio , Marcia Ramalho , Harald Müller - Choir Vocals


Aufnahmedetails

Recorded at Topaz Studio and Ginseng Studio, Cologne in November and December 1999
Mixed by Reinhard Kobialka, Marcellus Seng and Raimund Kroboth at Topaz Studio in January 2000
Mastered by Klaus Scheuermann
Produced by Raimund Kroboth and Marcellus Seng


"Deutschlands originellstes und bestes Kollektivgebläse"  produzierte nach "Majnoun"(1996) und "Tschupun" (1999), die beide den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielten, mit "Maza Meze" wieder ein farbenfrohes Album, mit dem sich die "musikalischen Weltenbummler" aus Köln weiter in der "ersten Liga der europäischen Worldmusic-Szene" emporspielen werden.

Musikalisches Welttheater und ein  "Karneval der Stile"  befand die SZ nach einem fulminanten Konzert der SSBB in München. Wo immer Raimund Kroboths Multi-Kulti-Truppe auftaucht, verbreitet sich gute Laune. Auch "Maza Meze" ist wieder "...eine umwerfend frische, offene, vielseitige, verzwickte Weltmusik..." (Stereoplay), "...die groovt wie Hölle!"(Gitarre & Bass). "..this is gloriously polycultural stuff." (Folkroots UK)

Auftritt: Die Schäl Sick Brass Band. "Als nächstes bringen wir das Lied ´Kalina Malina´. Da geht es um das Mädchen Kalina, das sich selbst zu viel lobt. Sie sehen also: einfache Texte, aber komplizierte Musik." Raimund Kroboth grinst und rückt seine schwarzrote Stoffkrone zurecht; womit der Exilbayer mit Wohnsitz Köln unschwer als Chef dieses Musikerhaufens auszumachen ist, der da auf der Bühne steht. Der Tubamann könnte mit seinem grauen Anzug und dem verbeulten Hütchen einer rumänischen Zigeunercombo entlaufen sein; der Schlagzeuger einem hippen Jazztrio den Rücken stärken. Ein Saxophonist schaut nach französischer Hinterhofkapelle aus, der Posaunist repräsentiert mit seinem uniformierten Outfit ein Tanzorchester der Sixties, während der Trompeter sich tropisch-arabisch-asiatisch gewandet. Ein weiterer Saxophonist verstärkt seine schlaksige Figur mit einer Weste aus Bulgarien. So weit also ist die Balkanisierung der Band durch die Sängerin Iwanka Iwanowa auch schon im Kostümbereich vorangekommen. Und Iwanka bezaubert in voller Folklore-Montur unnachahmlich overdressed mit Aufkleber auf dem linken Blusenärmel und dicken roten Schleifen in den schweren Zöpfen das Publikum.

In der Tat ist "Maza Meze", das dritte Album der Band von der rechtsrheinischen Seite der Metropole Köln, mit einer guten Portion Balkan durchsetzt. Die Schäl Sick Brass Band bastelt seit fünf Jahren ihren Sound aus den Schubladen der Weltmusik zusammen. Sie hat bisher mit ihren hochgelobten Alben Preise eingeheimst, ist von Köln über Ungarn und die Türkei bis nach Marokko gewandert und hat überall Begeisterungsstürme ausgelöst. So schrieb die Süddeutsche Zeitung etwa von "Deutschlands bestem Kollektivgebläse". Dabei ist der Maßstab der Band gar nicht die Nation, und die besten wollen sie auch nicht sein, sagt Direktor Kroboth. Aber das mit dem Kollektivgebläse geht in Ordnung. Bayrisch-böhmische Zwiefacher, griechische Traditionals, Fonk aus New Orleans, arabische Melodien, bulgarische und andere osteuropäische Weisen, Rap, Highlife-Musik aus Ghana, karibische und andere Elemente hat die SSBB im Menü, zusammengestellt aus den musikalischen Geschmäckern der Mitglieder des furiosen Klangkörpers und vieler Gäste. Nicht umsonst heißt das dritte Album "Maza Meze", denn laut Kroboth bedeutet das auf deutsch so viel wie "Gemischte Vorspeisenplatte".

Auf dem Vorgänger "Tschupun" (ACT 9264-2) trat Iwanka Iwanowa noch als Gast bei zwei Songs in Erscheinung; diesmal leiht sie sechs Stücken ihre reizvolle Stimme. Aber selbst wenn einige Lieder aus dem umfänglichen Repertoire der ländlich herausgeputzten Diva stammen, geben sie doch hörbar die Kunst der SSBB wieder, alte Folklore in völlig neue musikalische Landschaften zu stellen: Da darf dann auch mal der Bläsersatz zum Funk greifen, eine Gitarre setzt Schwermetall frei und Iwanka hat im Gegenzug zu ihren bulgarischen Glottisschlägen auch noch das Rappen gelernt. Das teilt sie sich mit dem Deutschnigerianer Ade Odukaye. Was zaubert die SSBB mit ihren Gästen noch?

In "Moderne Zeiten" aus Charlie Chaplins Film "Modern Times" mischt die SSBB den Sound der Roaring Twenties mit zappaeskem Charme neu auf, während auf "Bum" Timbalada à la Brasilien durch die Szenerie galoppiert, die natürlich ganz im Sinne der Band gestaltet ist: so schnell wie möglich! Mohammed Mounir, Pop-Sänger aus Kairo, interpretiert ein nubisches Lied, das - anfangs noch von derber Blaserei begleitet - sich immer mehr in wilde Trance steigert, weshalb es "Sufi-Song" heißt. Zickig macht sich ein ausgeflippter "Reigentanz" über Krieg und Frieden her, und dass eine bulgarische Polka mit Country-Attitüde flirtet und dazu auch noch jazzige Bläser einläd, passt ins Programm der Band: Alles für die eigene Küche sammeln und daraus Neues kreieren, mit Spaß an Musik und Raum für Improvisation. Die Gastsängerin aus Teheran/Dänemark namens Roxana singt ein kurdisches Lied zu stampfenden Rhythmen, aufgemotzt durch Mickey-Mouse-Töne und ausgelassene Bläser. Und wenn denn mal so richtig deutsche Klänge verbrochen werden, dann garantiert die SSBB für anarchischen Hintersinn. "Maza Meze", die gemischte Vorspeisenplatte, entpuppt sich als leckeres Menü in mehreren Gängen. Ganz ohne fade Sättigungsbeilagen.