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Rigmor Gustafsson
Calling You

Rigmor Gustafsson & radio.string.quartet.vienna - ©ACT/ Nancy Horwitz
Rigmor Gustafsson & radio.string.quartet.vienna - ©ACT/ Nancy Horwitz
Rigmor Gustafsson - ©ACT / Fredrik Jonsson
Rigmor Gustafsson - ©ACT / Fredrik Jonsson

Produktinformationen

Besetzung

Rigmor Gustafsson / vocals

radio.string.quartet.vienna :
Bernie Mallinger / violin
Johannes Dickbauer / violin
Cynthia Liao / viola
Asja Valcic / cello


Aufnahmedetails

Produced by Rigmor Gustafsson with radio.string.quartet.vienna and Christoph Burgstaller
Executive Producer: Siegfried Loch

Recorded and mixed at "Clipwerk", Vienna, by Christoph Burgstaller, June 7 - 10 and October 25 - 30, 2009
Mastered by Klaus Scheuermann


Oft waren in der Musikgeschichte jene Kombinationen wegweisend, an die auf Anhieb niemand gedacht hatte. Auch Calling You dürfte für die meisten überraschend sein: Die schwedische Sängerin Rigmor Gustafsson trifft auf das radio.string.quartet.vienna. Auf Überraschungen freilich sind beide Parteien abboniert: Mit ihren stilistisch so unterschiedlichen Interpretationen von Dionne Warwick/Burt Bacharach bis zu Michel Legrand sorgte Gustafsson für Aufsehen, dem r.s.q.v. gelang der „Überraschungscoup des Jahres“ (tz) 2006 mit Celebrating the Mahavishnu Orchestra (ACT 9462-2).
Rigmor Gustafsson hat sich längst als prima inter pares unter den schwedischen Jazzsängerinnen etabliert. In beiden Regionen ausgebildet, vereint sie die Vorzüge der amerikanischen wie der skandinavischen Jazzschule in sich. Ob bei ihren eigenwilligen Interpretationen oder zuletzt ihren eigenen Kompositionen auf Alone With You (ACT 9717-2), stets wird die Natürlichkeit, der Zauber und die Tiefe ihres Gesangs hervorgehoben. „Sie hat ihre Seele in ihrer Stimme“, brachte es ihr Freund und Förderer Nils Landgren auf den Punkt. Der bedeutende, unlängst verstorbene Kritiker Werner Burkhardt ergänzte: „Ihre Seele spricht zu anderen Seelen.“
Auch das radio.string.quartet.vienna nimmt unstrittig eine Ausnahmestellung ein. Mit Bernie Mallingers und Johannes Dickbauers alle Klangspektren abdeckenden Geigen, Asja Valcics furiosen Cello sowie Cynthia Liaos lasziver Bratsche kann das Quartett für sich beanspruchen, das Genre Streichquartett neu definiert zu haben. Die Balance zwischen klassisch stringenter Klangarchitektur und improvisatorischer Fantasie, die unvergleichlich schillernde Ausdruckskraft von zartesten Pizzicati bis zu von Streichern bislang ungehörten, überwältigenden Rhythmusstampeden, macht ihnen kein anderes Ensemble nach. „Einfach einzigartig“ befand niemand Geringeres als John McLaughlin.
Für die Beteiligten war die Zusammenarbeit verblüffenderweise völlig logisch. „Als ich das r.s.q.v. 2008 in Essen das erste Mal hörte, war ich sofort in die Vier verliebt. Ich fühlte eine besondere Verbindung durch ihre Hommage an das Mahavishnu Orchestra. Denn als Mädchen spielte ich Gitarre, und mein absoluter Held war John McLaughlin - was im Nachhinein betrachtet sicher ungewöhnlich ist für ein Mädchen von einem schwedischen Bauernhof ohne irgendeine musikalische Tradition in der Familie“, berichtet Gustafsson. Schon bald danach fragte sie bei den Wienern an, ob man nicht etwas zusammen machen könnte. Was Bernie Mallinger, Violinist des r.s.q.v., für einen „lustigen Zufall“ hielt: „Für jeden von uns waren die Beatles die erste Droge. Und so hatten wir schon lange damit geliebäugelt, etwas mit Gesang zu machen.“ Trotzdem habe man sich dieses Vorhaben genau überlegt, wie Mallinger erklärt. Denn natürlich galt es, das Konzept und die besondere Qualität des Quartetts zu erhalten und nicht, wie auf so viele Streicherbegleitungen, als untermalender „Keyboardersatz“ zu enden. Eine Gefahr, die Gustafssons in grenzenlosem Vertrauen schnell ausschloss: „Ihr arrangiert, und ich singe!“
Ein Vertrauensverhältnis, das in der unkomplizierten und harmonischen Studioarbeit eine Fortsetzung erfuhr. Jeder Musiker durfte Songs beisteuern, die ihm selbst am Herzen lagen und die er für das Projekt passend hielt. So reicht die Palette von Popsongs wie Paul Simons „Still Crazy After All These Years“ und Stevie Wonders „If It’s Magic“, über Burt Bacharach-Klassiker („Close To You“), Jazzstandards („Makin’ Whoopie“) und vertrackte Raritäten wie Joni Mitchells „Drycleaner From Desmoines“ oder Richard Bonas „Please Don’t Stop“ bis hin zum schwedischen Volkslied „Ack Värmeland Du Sköna“. Diese musikalische Vielfalt wird inszeniert in der unverwechselbaren, mal die Wärme, mal die Dynamik der Vorlage auskostenden Art des r.s.q.v. und getragen von Gustafssons individuell berührender Stimme.
Den weitesten Bogen schlagen sinnigerweise die zwei vom Streichquartett stammenden Eigenkompositionen: Asja Valcics „Fancy Nancy“ ist ein wahnwitziger Galopp, Johannes Dickbauers „Wherever We Go“ eine herzzerreißende Pop-Elegie. Zuletzt schaffte es der Titeltrack auf die Platte, wie Mallinger erzählt: „Einen Tag vor der Studiosession sah ich durch Zufall den Film „Out of Rosenheim“. Der unglaublich schöne Titeltrack „Calling you“ schien mir vom ersten Moment an wie gemacht für eine Version mit Streichquartett. Wir haben den Song praktisch im Studio erarbeitet und sind sehr glücklich mit dem Ergebnis.“
Das fertige Album überraschend zu nennen, ist wohl eher untertrieben. Es dürfte keine Gesangsplatte geben, die Stimmbänder und Saiten zu einem ähnlich strukturierten Gefühlgemälde vereint. Die Kombination r.s.q.v. und Rigmor Gustafsson klingt wie füreinander geschaffen: Eins plus Eins macht hier Eins