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Rigmor Gustafsson
Alone With You

Rigmor Gustafsson - ©ACT / Andreas Lundberg
Rigmor Gustafsson - ©ACT / Andreas Lundberg
Rigmor Gustafsson - ©ACT / Andreas Lundberg
Rigmor Gustafsson - ©ACT / Andreas Lundberg

Produktinformationen

Besetzung

Rigmor Gustafsson – vocals
Jonas Östholm – piano, organ
Max Schultz – guitar
Lars Danielsson – acoustic bass
Eric Harland – drums, percussion


Aufnahmedetails

Recorded and mixed by Janne Hansson at Atlantis Studio, Stockholm on April 15 - 17, 2007
Mastered by Klaus Scheuermann
Produced by Lars Danielsson with the artist


Ich muss ein Geständnis ablegen.
Ich habe immer geglaubt, dass Musik einfach Musik ist und es keine Rolle spielt, wer die Songs, die ich singe, komponiert hat, solange ich mich in ihnen wiederfinden kann.
Seit meiner Kindheit habe ich das Bedürfnis verspürt, meine eigene musikalische Welt zu schaffen, sei es von Grund auf, sei es auf der Basis der Kompositionen anderer, und es machte für mich keinen großen Unterschied, ob ich meine eigenen oder fremde Songs sang.
Doch dieses Mal ist es anders.
Ich glaube weiterhin, dass Musik eine Art Eigenleben führt und dass wir als Komponisten nur das aufnehmen, was um uns herum in der Luft liegt. Außerdem ist für mich das Wichtigste, in einem Song vollkommen aufzugehen und präsent zu sein. Aber diese Songs hier sind alle meine eigenen Schöpfungen und ich fühle mich mehr als je zuvor exponiert und verwundbar.
Jedes noch so kleine Element dieser Songs hat direkt mit mir zu tun. Ich kann nicht beurteilen, ob dies gut oder schlecht ist, es ist einfach so, und es fühlt sich anders an.
Eigene Songs zu schreiben und zu singen, ist etwas sehr Intimes, man fühlt sich verletzlich - aber ich musste es einfach tun. Und ich bin froh zu wissen, dass du, der du diese Musik hörst, sie auf deine persönliche, individuelle Art wahrnehmen und erleben wirst. Selbst wenn du mit anderen Menschen zusammen bist, immer wirst du deine ganze eigene Erfahrung mit mir und meiner Musik machen.
Ich bin allein mit dir. Und das fühlt sich gut an.

Rigmor

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Intime Briefe des Jazz
Charmant-virtuose Bekenntnisse ans Publikum: Sängerin Rigmor Gustafsson erstmals mit einer CD voller eigener Songs

Ein Rollenwechsel. Ist es einer? Als Interpretin kennt man die schwedische Jazz-Sängerin Rigmor Gustafsson. Also als Musikerin, die ihre Stimme den Songs anderer Komponisten und Texter leiht. Und von nun an: auch als Songkomponistin. Eine CD ausschließlich mit eigenen Liedern liegt hier vor. Alle Kompositionen stammen von Rigmor Gustafsson selbst; die meisten Texte auch. Das ist in der Reihe ihrer ACT-Veröffentlichungen etwas völlig Neues. Es ist eine zusätzliche Facette dieser Sängerin, die für ihre Vorgänger-Alben regelmäßig in Deutschland und Schweden mit Gold ausgezeichnet wurde und mit diesen CDs in die Pop-Charts kam. Die Kritik feierte sie: nicht zuletzt 2004 die Süddeutsche Zeitung als „beste Interpretin des Jahres“, andere als Stimme, die „zu Herzen“ geht (KulturSpiegel) oder mit „Reichtum an Farben“ sowie „Natürlichkeit und Wärme“ besticht (Frankfurter Rundschau). Wer nun das neue Album hört, merkt schnell: Rigmor Gustafssons große Einfühlungsgabe für fremde Songs trägt besondere Früchte in den eigenen. Als Sängerin mit großem musikalischen Vokabular und dem Sinn für viele unterschiedliche Farbnuancen ist sie auch eine Komponistin mit genau diesen Eigenschaften. Das Liederschreiben erscheint hier als ganz logische Fortsetzung des Interpretierens. Und eine eigene, vielfältige, feine Songwelt blättert sich auf.

„Alone With You“ zeigt schon im Titel, dass es sich hier um eine Steigerung handelt. Oder gar: um einen Gipfelpunkt nach einem raffiniert vorbereitenden Weg. „I Will Wait For You“ (ACT 9418-2), „Close To You“ (ACT 9703-2) und „On My Way To You“ (ACT 9710-2) hießen die vielbeachteten bisherigen ACT-CDs, etwa mit Interpretationen von Stücken aus dem Repertoire der Soul-Diva Dionne Warwick und von Kompositionen des Filmmusik-Komponisten Michel Legrand. Nach Phasen des Wartens und der allmählichen Annäherung ist die Sängerin nun also beim „You“ angekommen. Wobei „You“ der Hörer ist. Allein mit dem Hörer ist die Interpretin hier durch ihre eigenen Songs – das hebt sie so in ihren Liner Notes hervor. Intime Nähe durch ganz persönliche Botschaften. „In My World“: Der Titel dieses Stücks, des Eingangsstücks der CD, gibt denn auch genau das Motto vor.

Die eigene Welt der Rigmor Gustafsson ist eine, in der sich der Hörer auf Anhieb heimisch fühlen kann. Denn die Stücke haben allesamt die Eleganz von Klassikern – so unterschiedlich sie in der Klangsprache auch sein mögen. Sie sind frisch und neu und dabei eingängig. Sie sind vertraut im Ton, aber nicht vorausberechenbar. Vom kernigen Soulblues-Touch („Voodoo Skills“) bis zu Reminiszenzen an die kompositorische Virtuosität der reiferen Joni Mitchell („Special Effects“) gibt es manche Überraschung; subtile Anlehnungen etwa an die Klangwelt von Burt Bacharach und Michel Legrand sind aber auch zu finden (so gleich im Titelsong „Alone With You“). Schon das sind sehr verschiedene Farben. Ergreifende Balladen und finessenreich groovende Stücke gibt es überdies. Und nicht zuletzt einen ungemein zarten Song in Rigmor Gustafssons Muttersprache („Medan du väntar“): einen, der das swingende Jazz-Idiom mit Anleihen an folkloristische Melodik auf ganz organische und subtile Art verbindet.

Der Clou: Rigmor Gustafsson hat (als Interpretin) die passende Stimme für so viele Stimmungen – und so kann sie diese Stimmungen auch hier (als Komponistin UND Interpretin) realisieren. Die unterschiedlichen Stilmittel sind hier alle aus einem Guss. Und wie souverän sich Rigmor Gustafssons feines, klares, hochflexibles und in der gelassenen Sicherheit der Intonation immer wieder verblüffendes Gesangsorgan in die melodischen Linien schmiegt, dürfte ein gefundenes Fressen nicht nur für sinnliche Genießer, sondern auch für detailfreudige Beobachter sein.

Rigmor Gustafssons intime Briefe an den Hörer gehen um so näher, als die Sängerin hier ein Quartett höchster Güte im Rücken hat: neben dem begehrten amerikanischen Schlagzeuger Eric Harland, einem Meister der raffiniert vorwärtstreibenden Detonationen, hört man den bei großem Ton hocheleganten Bassisten Lars Danielsson, der auch Produzent der CD ist, den mit Blues-, Jazz- und Soul-Wassern tüchtig gewaschenen Gitarristen Max Schultz und den immer mit neuen Zwischentönen überraschenden Pianisten Jonas Östholm. Mit solch einem Team und solch einer Chefin ist man als Hörer gern allein.