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Richie Beirach
Round About Bartók

Round About Bartók
Round About Bartók

Produktinformationen

Besetzung

Richie Beirach - Piano
Gregor Hübner - Geige
George Mraz - Kontrabass


Aufnahmedetails

Recorded, mixed and mastered by Johannes Wohlleben at Bauer Studios, Ludwigsburg in December 1999
Produced by Siegfried Loch


Die Musik von Richie Beirach, Gregor Huebner und George Mraz ist einfach schön. Ein Anachronismus, wenn wir die Zerrissenheit der europäischen zeitgenössischen Musik nach 1945 und der Jazz-Avantgarde der 60er Jahre zum Maßstab nehmen.

 

Richie Beirach und George Mraz gehören schon lange zu den kreativsten Improvisatoren der New Yorker Szene. Der junge Geiger Gregor Huebner ging 1994 von Stuttgart nach New York und arbeitet seitdem regelmässig mit Richie Beirach. Die drei erzählen mit ihren Improvisationen von Liebe, Spannungen, Widerspruch, Übereinstimmung. Sensibel entwickelt jeder fort, was die anderen vorlegen: eine Utopie der Freundlichkeit. Die Harmonie und Eleganz, mit welcher die drei Melodien auskosten, wirkt wie ein Gegenentwurf zum weltweiten Chaos.

Wie die zitierten Klassiker der Moderne Alexander Scrijabin, Ciprian Porumbescu, Zoltan Kodály und Bela Bartók basieren die meisten Themen auf Volksliedern aus Russland und Rumanien. Manchmal fühle er sich "wie Bártoks Großneffe in New York", sagt der, und damit meint er seine innere Verwandtschaft mit dem harmonischen Empfinden des Ungarn und dessen Art, volkstümliche Melodien aufzugreifen und sie in seine ureigenste Musik umzuwandeln. Für dieses Herangehen "ist Bartók der ideale Komponist", ergänzt George Mraz. "Seine Musik bewegt sich nahe am Jazz."

Richie Beirach, 1947 in Brooklyn geboren, vereint seine Liebe zur europäischen Klassik mit der zum Jazz. Diese Offenheit prägte schon seine Soloplatten sowie seine Formationen mit dem Gitarristen John Abercrombie oder dem Saxophonisten Dave Liebman. Richie Beirach sieht in der europäischen Musik des 20. Jahrhunderts ebenso wichtige Wurzeln für zeitgenössische Improvisationen wie in den Standards des Broadway oder dem frühen, swingenden Jazz, der einst aus der Begegnung von afro-amerikanischer und europäischer Tradition entstand. "Mozart, Beethoven, Brahms, Liszt: Sie haben alle in ihren Konzerten improvisiert", sagt er, doch "in der klassischen Musik ging die Fähigkeit zur Improvisation verloren." Deshalb ist es klar und logisch, wenn sich das Trio mit Hübner und Mraz von Klassikern zu eigenen Improvisationen anregen lässt.

Gregor Huebner, 1967 in Stuttgart geboren, studierte an den Musikhochschulen von Wien und Stuttgart bei Florian Zweiauer, dem Konzertmeister der Wiener Symphoniker und Gerhard Voss, ehemaliges Mitglied des Melos Quartetts, klassische Violine sowie parallel dazu Jazzpiano und Komposition. Seine Studien konnte Gregor Hübner bei Harold Danko und Ludmilla Uhlela an der Manhattan School Of Music in New York noch vertiefen. Er ist Mitglied des Kammermusikensembles "Philharmonia Virtuosi" des New Yorker Metropolitan Museums und zahlreicher Jazzformationen. Auch ihn treibt die Verschmelzung von Klassik und Jazz an: Dies entspricht seinem eigenen Weg in die Musik.

George Mraz, 1944 im tschechischen Pisek geboren, schloss 1966 sein klassisches Kontrabass-Studium am Konservatorium von Prag ab. 1968 emigrierte er in die USA und wurde dort als Mitglied des Oscar Peterson Trio, des Thad Jones-Mel Lewis Orchestra und anderer Formationen eine wichtige Größe in der Jazzszene. Seit 1967 arbeitet er regelmäßig mit Richie Beirach zusammen: Sie bilden ein ausgefuchstes, erfahrenes Team.

Die drei setzen fort, was bereits das Hauptthema des "Third Stream" in den 50er Jahren war: Sie verschmelzen Elemente von Klassik und Jazz - allerdings mit einem stärkeren Gespür für die Rhythmik und den Fluss des Jazz. Ein Schlagzeuger, stimmen sie überein, hätte als Timekeeper den freien Fluss der Improvisationen und die kammermusikalische Intimität eingeschränkt."Wenn Sie ein Haus betreten, wollen Sie nicht vom Eingang durch das Badezimmer und die Küche ins Wohnzimmer gelangen", vergleicht Richie Beirach das gemeinsame Improvisationskonzept. Jedes Stück verfügt über Flur oder Empfangsraum, Nebenzimmer, Fundament und Dach, und die Improvisationen sind Ketten von Ideen mit einer eigenen Dramaturgie und ähnlich überlegten Strukturen wie niedergeschriebene Werke.