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Ramón Valle
Danza Negra - Ramón Valle Plays Ernesto Lecuona

Danza Negra  - Ramón Valle Plays Ernesto Lecuona
Danza Negra - Ramón Valle Plays Ernesto Lecuona

Produktinformationen

Besetzung

Ramón Valle - piano
Perico Sambeat - alto & soprano saxophone
Carlos Puig - trumpet
Omar Rodriguez - double bass
Horacio ‘El Negro’ Hernandez - drums


Aufnahmedetails

Recorded by Johannes Wohlleben at Bauer Studios, Ludwigsburg, Germany on September 1- 3, 2001
Mixed and mastered by Johannes Wohlleben
Produced by Timothy Kotowich


Wer sich in der kubanischen Musikwelt auf Entdeckungsreise begibt - möglichwerweise angeregt durch den Erfolg des "Buena Vista Social Club" - wird früher oder später auf den Namen Ernesto Lecuono stoßen. Unweigerlich, denn der 1895 in einem Vorort von Havanna geborene Klaviervirtuose und Komponist war für das Kuba der Ära vor Castro das, was Duke Ellington für die amerikanische Kultur und Antonio Carlos Jobim für Brasilien bedeuten - ein Komponist und Musiker, dem es auf einzigartige Weise gelang, dem Geist und der Seele Kubas, mit seinerkomplexen multi-kulturellen Gesellschaft und seinem reichen musikalischen Erbe, Ausdruck zu verleihen.

Ernesto Lecuono, ein musikalisches Wunderkind, erhielt bereits mit drei Jahren Klavierunterricht. Mit 14 Jahren begann er am Konservatorium zu studieren, das er drei Jahre später mit der höchsten Auszeichnung als Konzertpianist verließ. Nach seinem internationalen Debüt 1916 in New York ging Lecuono mehre Jahre lang auf Tournee bis er sich Mitte der 20-er Jahre verstärkt dem Komponieren widmete.  Als einer der wichtigsten Persönlichkeiten der kubanischen Musik und Kultur war Lecuono Mitbegründer mehrerer wichtiger Orchester (u. a. des "Orquesta de La Habana") und Kulturattaché Kubas in den USA. Bei seinem Tod 1963 hinterließ er ein umfangreiches kompositorisches Werk: 176 Soloklavierstücke, 406 Lieder und 37 Orchesterwerke, von Zarzuelas - der traditionellen spanischen Oper - über Operetten und Revuen bis hin zu Ballettkompositionen und Filmmusiken, von denen eine (die Musik zu "Always In My Heart") 1942 sogar für einen Oscar nominiert wurde. Vier seiner Kompositionen zählen bis heute zu den einprägsamsten Melodien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: "Malagueña", "Andalucia", "Siboney" und "Siempre En Mi Corazon".

Für eine moderne, zeitgenössisch jazzige Ausdeutung von zehn Kompositionen Ernesto Lecuonos - darunter vier aus dessen berühmter andalusischer Suite - bringt Ramón Valle (geb. 1964) die besten Voraussetzungen mit. Wie Lecuono ist Valle klassisch ausgebildeter Pianist. Und wie viele seiner kubanischen Kollegen, die in den letzten Jahren für Aufsehen sorgten - etwa Gonzalo Rubalcaba - verfügt Valle über eine atemberaubende Technik, einen hochdifferenzierten Anschlag und einen unverkennbar individuellen Stil, mit dem der seit 1998 in Europa lebende Kubaner seine frühen Jazz-Einflüsse - von amerikanischen Pianisten über kubanische Künstler wie Chucho Valdes, den bekanntesten Jazz-Pianisten Kubas - bereits weit hinter sich gelassen hat.

"Danza Negra" - das ist zunächst einmal Ramón Valle’s respektvolle, kenntnisreiche Annäherung an die Musik Ernesto Lecuonos. Aber Valle wäre kein Jazzmusiker, wenn er sich bei dieser Einspielung darauf beschränkt hätte, sich mit reinen Cover-Versionen vor Lecuono - und damit vor der musikalischen Essenz Kubas - zu verbeugen. Valle legt mit "Danza Negra" eine nahtlose Verknüpfung kubanischen Musikerbes mit zeitgenössischen Jazz-Klängen vor. Sein Blick auf Ernesto Lecuono ist jazzig ausdeutend und zugleich ein Blick in die Vergangenheit wie die Zukunft. 

Valle’s exzellente Arrangements wahren eindrucksvoll die Balance zwischen den Themen und Melodien Ernesto Leuonos, einem Ensemblespiel, in dem Valles Quintett immer wieder wie eine kleine, kompakte Big-Band klingt, und inspirierten Soli, mit denen die Musiker aus der strengen Form ausbrechen, um zu Momenten größter Jazz-Intensität zu finden - bevor sie sich abschließend wieder in Lecuonos melodiöse und exotisch farbenreiche Kompositionen einfinden. 

Rhythmisch ist "Danza Negra" ein Fest der Metamorphosen, bei dem sich kubanische Rhythmen unmerklich oder auch ganz plötzlich in offene, moderne Jazz-Rhythmen verwandeln und umgekehrt. Dass dies scheinbar ganz mühelos klappt, hat auch mit dem Mann am Schlagzeug zu tun: Horacio "El Negro" Hernández, einer der besten kubanischen Schlagzeuger, verbindet in seinem Spiel kubanische Rhythmen und Jazz so perfekt wie Ramón Valle dies in seinen Arrangements und seinem Klavierstil gelingt. 

"Danza Negra" wird gleichermaßen die Aficionados kubanischer Musik und des Jazz ansprechen und hoffentlich auch das Interesse an Ernesto Lecuono, einem der ganz Großen der kubanischen Musik, wachrütteln.