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Philip Catherine
Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last Call

Larry Coryell & Philip Catherine ©  ACT Music
Larry Coryell & Philip Catherine © ACT Music
Larry Coryell & Philip Catherine ©  ACT Music
Larry Coryell & Philip Catherine © ACT Music

Produktinformationen

Besetzung

Larry Coryell / guitar
Philip Catherine / guitar
Jan Lundgren / piano
Lars Danielsson / bass
Paolo Fresu / trumpet


Aufnahmedetails

In memory of Larry Coryell (1943-2017), his last concert

Recorded live in concert by Klaus Scheuermann
at the Philharmonie Berlin (KMS), January 24, 2017
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann

Curated and produced by Siggi Loch

Cover art based and inspired by a work of Alain Biltereyst (Original: ACT Art Collection)


Mit dem Album „The Last Call“ des Duos Larry Coryell und Philip Catherine schließt sich ein Kreis. Nach vier Jahrzehnten kehren die beiden Gitarristen im Rahmen der Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ an den Ort ihres allerersten großen Triumphs zurück: 1976 traten sie dort als Teil der Band „11th House“ im Rahmen der Berliner Jazztage auf. Den Moment des Abends, an dem die beiden Gitarren-Helden im Duo auftraten, nannte der Kritiker der „Zeit“ damals „möglicherweise den Höhepunkt des gesamten Festivals“. Es war der entscheidende Schritt zu einer lange andauernden und extrem erfolgreichen Zusammenarbeit.

In der Folge veröffentlichten Coryell und Catherine zwei herausragende Studioalben: "Twin House" (Atlantic, 1977), aufgenommen in London, und das passend betitelte "Splendid" (Elektra, 78), aufgenommen in Hamburg. Beiden Alben konnte der Zahn der Zeit definitiv nichts anhaben. Und beide haben denselben Produzenten gemein, auf dem Cover damals als "Siegfried E. Loch" aufgeführt. Er war es auch, der den beiden Musikern im November 2016 anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme von „Twin House“ schrieb: „Ich freue mich, dass wir diese Musik und ihr Jubiläum am 24. Januar 2017 in der Berliner Philharmonie feiern werden.“ „The Last Call” eröffnet mit vier Nummern von Coryell und Catherine im Duo, gefolgt von neuen, inspirierten Duo-Begegnungen mit dem Pianisten Jan Lundgren und dem Bassisten Lars Danielsson. Gekrönt wird das Programm mit einem gemeinsamen Jam in der„Green Dolphin Street“ mit allen vier Musikern und special guest Paolo Fresu an der Trompete.

Coryell und Catherine, zwei „brillante, perfekt aufeinander eingestimmte Musiker“, wie sie in der Liner Notes für „Twin House“ beschrieben werden, wurden zur Zeit des Zweiten Weltkriegs im Abstand von weniger als sechs Monaten geboren. Der in Texas geborene Coryell und der in London geborene Catherine schöpfen aus unterschiedlichen musikalischen Prägungen, aber ihre Seelenverwandtschaft zeigte sich jedes Mal, wenn sie zusammen spielten. Auch wenn Sie als Teil größerer Ensembles auf der Bühne standen, teilten sie die Bühne stets für mindestens 20 Minuten als Duo.

In den späten 1970er Jahren tourten sie ausgiebig durch Europa und Amerika. Sie spielten intensiv mit dem späten Charles Mingus und bildeten ein Quartett mit Stéphane Grappelli und Niels-Henning Orsted-Pedersen. Ein besonderes Highlight war ihr Auftritt beim Sao Paulo Jazz Festival im Sep-tember 1978, der vor 17 Millionen Fernsehzuschauern gesen-det wurde. Catherine lacht immer noch, wenn er sich an den Grund erinnert, aus dem er und Coryell in Brasilien schlagartig berühmt wurden: Das Duo hatte seinen TV-Slot unmittelbar vor der Ausstrahlung des Boxkampfes zwischen Muhammad Ali und Larry Spinks in Las Vegas…

Am Abend des 24. Januar 2017 waren beide Gitarristen in bester Form, wie direkt auf dem ersten Track zu hören ist. Mit Larry Coryell an der akustischen und Philip Catherine an der elektrischen Gitarre starten sie erneut in die arpeggierten Workouts von „Miss Julie“ - dem Eröffnungsstück von „Twin House“. Voller Begeisterung und Energie, ohne jede Spur von Altersmüdigkeit. Ein göttlicher Moment entsteht am Ende von „Manha de Carnaval“, in dem Coryell eine Reihe perfekt platzier-ter, gedämpfter Akkorde über die subtile Begleitung von Cathe-rine legt. Und später, in „Bags’ Groove“, Coryells Duo mit Lars Danielsson, fliegen die Zitate aus anderen Melodien freudig durch den Saal: von Denzil Bests „Move“ über „Birth of the Cool“ bis zum Auftakt von Strawinskys „Frühlingserwachen".

Und doch hat dieser spürbare Überschwang heute auch einen traurigen Nachhall: Es sollte Larry Coryells allerletzter Auftritt in einem Konzertsaal sein. Vier Wochen später starb er im Alter von 73 Jahren, nachdem er zwei Nächte im Iridium in New York auf der Bühne gestanden hatte. Was bleibt, ist die Erinnerung. Und das letzte Dokument einer, wie Siggi Loch es einst nannte: „ganz besonderen Beziehung zweier sehr großer Gitarristen, voller kreativer Kompatibilität, Begeisterung und tiefem gegenseitigen Verständnis“.