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Per "Ruskträsk" Johansson, Jan Robertson, Peter Forss, Daniel Karlsson, Goran Kajfes - ©ACT / Sanna Lindberg
Per "Ruskträsk" Johansson, Jan Robertson, Peter Forss, Daniel Karlsson, Goran Kajfes - ©ACT / Sanna Lindberg
Daniel Karlsson, Peter Forss, Per "Ruskträsk" Johansson, Jan Robertson, Goran Kajfes - ©ACT / Sanna Lindberg
Daniel Karlsson, Peter Forss, Per "Ruskträsk" Johansson, Jan Robertson, Goran Kajfes - ©ACT / Sanna Lindberg

Produktinformationen

Besetzung

Goran Kajfes - trumpet, cornet, glockenspiel
Per "Ruskträsk" Johansson - saxophones, flutes, clarinet
Daniel Karlsson - piano, organs, vibraphone
Peter Forss - bass, moog
Janne Robertson - drums, percussion, zither


Aufnahmedetails

Recorded and mixed by Janne Hansson at Atlantis, December 12-14 and 17-19, 2007 except tracks 1, 4, 8, 10 by Pontus Olsson at Almost Heaven Studio, February 10, 2008
Mastered by Hakan Akesson
Produced by Oddjob
Executive Producer: Siegfried Loch


Warum skandinavische Musiker eine so herausragende Rolle im aktuellen Jazz-Geschehen spielen, das veranschaulicht das Quintett Oddjob mustergültig: Es geht nicht um Technik und hohle Virtuosität, sondern nahezu bedingungslos um einen eigenen Klang, um Sounds und um die Wirkung von Melodien. Gehörbildung ist im hohen Norden daher wichtiger als anderswo, und zugleich geht sie mit konkurrenzloser Offenheit für Genres und Stile einher. Kein Wunder also, wenn sich auch die derzeit wieder vielerorts beliebte Beschäftigung mit dem Jazzrock der 70er Jahre bei Oddjob anders anhört als bei anderen.

Entstanden ist das Projekt eher zufällig: Als Tourband des dortigen Soul-Stars Eric Gadd fanden sich kurz nach der Jahrtausendwende vier der versiertesten schwedischen Studiomusiker und Jazz-Exponenten wieder: Der Trompeter Goran Kajfeš, der als Sideman von Pop-Stars wie Sting, Eagle-Eye Cherry, Janet Jackson oder den Cardigans ebenso Aufsehen erregt hatte wie in der Souljazz-Band Blacknuss und mit Soloprojekten, die afroamerikanischen Jazz mit Mystischem und Elektronik vermischen; der Saxophonist Per „Ruskträsk“ Johansson, der bei Jazz-Größen wie Roy Hargrove, Fred Wesley, Randy Brecker oder Nils Landgren arbeitete und gemeinsam mit Kajfes für The Flesh Quartet, Blacknuss und Sting; der unter anderem in Diensten von Sophie Zelmani und Rebecca Törnqvist stehende Bassist Peter Forss; und Drummer Janne Robertson, der ebenfalls schon für eine Vielzahl einheimischer Berühmtheiten arbeitete, unter anderem Mauro Scocco, Titiyo und Lisa Nilsson.

Bald philosophierte man über ein gemeinsames Projekt. „Wir haben nur geredet, nie etwas gespielt“, erzählt Per Johansson. Das aber sollte sich bald ändern, nachdem auch noch Pianist Daniel Karlsson dazustieß, unter anderem Begleiter von ACT-Star Viktoria Tolstoy: Oddjob war geboren, 2002 spielte man die erste, schlicht mit dem Bandnamen betitelte CD ein, die durch einen lockeren, humorvollen Umgang mit der Fusion-Tradition auffiel und prompt mit dem schwedischen Grammy ausgezeichnet wurde. Mit den Alben Koyo und Luma steigerte man seine Bekanntheit weiter, und so kommt jetzt mit dem ACT-Debüt Sumo (ACT 9472-2) der folgerichtige Schritt auf die internationale Bühne. Dafür haben die fünf ihre Sound-Suche nochmals erweitert – nicht zuletzt Rare-Groove- und Psychedelic-Fans werden hier auf ihre Kosten kommen.

Nach einem karibisch angehauchten Intro („Kingston“) geht es mit „The Big Hit“ gleich beispielhaft zur Sache. Zu federnden Rhythmen fächern Trompete, Klavier und Percussion ein Thema auf. Diesem Schema bleiben die fünf treu: Stets gibt ein zumeist „schwarzes“ Grundmotiv den Rahmen vor, mal von der grollenden Hammond Orgel initiiert („Painkiller“), mal von Forss’ gestrichenem Bass („The Day TV Stood Still“) oder auch vom OSCar Synthesizer des special guest Stoffe Wallman. Ob es nur eine fast fragmentarische Miniatur ist oder ein weit ausholendes, langes Stück, stets entrollt sich ein detailverliebtes, spannendes Zusammenspiel. „Wir haben natürlich vorher geprobt“, erzählen Johansson und Kajfes, „aber letzten Endes arbeiten wir sehr spontan. Vieles entwickelt sich erst im Studio.“ Das reicht bis hin zu ungewöhnlichen Instrumenten wie Glockenspiel und Weingläsern (auf dem impressionistischen, nach der Heimat der schwedischen Glasbläserei benannten „Småland“) und der Klang-Patina, mit der man vor allem Karlssons Tasteninstrumente auf einigen Tracks überzogen hat.

Dabei spielt der enorme Erfahrungsschatz der Musiker eine große Rolle: „Wir waren nach unseren vielen Stationen alle mal an dem Punkt, wo wir unser eigenes Ding suchten und fanden. Jetzt macht es Spaß, beides zu kombinieren, den eigenen Sound und die Einflüsse der Stars, mit denen wir aufgewachsen sind oder sogar gespielt haben“, sagt Johansson. Typisch dafür sind die zwei Hommagen auf Sumo: „Like Josef“ ist auf Joe Zawinul gemünzt und arbeitet daher mit dem typischen Weather-Report-Stil; „Golden Silver“ wiederum ist natürlich eine Hommage an Horace Silver, seinen unvergleichlich leichten Groove und seinen Humor.

Humor und Spaß bilden denn auch den anderen gemeinsamen Nenner, der Sumo durchzieht. Das äußert sich in Klatsch- und Pfeif-Einlagen in dem traditionellen Folk-Song „Where Did You Sleep Last Night“, der bereits von vielen Musikern – wie Bob Dylan, Grateful Dead oder Nirvana – im Laufe der Rock- und Popgeschichte interpretiert wurde, aber auch bei manch kuriosem Trompeten-Riff oder bei einigen Titelnamen: ausgerechnet die schnellste Nummer firmiert als Blues („Sewerside Blues“) und die ausgesprochen fröhliche Schlussnummer trägt gar den Namen des Apokalypse-Propheten Nostradamus – bei Oddjob sind Überraschungen garantiert.