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Produktinformationen

Für die Worte Vielseitigkeit und Neugier gibt es ein Synonym: Nils Landgren. Virtuos schwingt sich „Mr. Red Horn“ von Perspektive zu Perspektive, auch, weil er den ständigen Wechsel braucht. Gleich zwei Seelen wohnen in seiner Brust: Wenn ihn das Publikum mit seiner „Funk Unit“ erlebt, zeigt sich der Schwede von seiner männlich-markanten, unablässig groovenden Seite und gibt den Jazz-Action-Held. Aber es gibt eben auch einen ganz zarten, melancholischen, hoch sentimentalen Nils Landgren. Der zeigt sich etwa in der Adventszeit, wenn der Instrumentalist und Sänger „Christmas With My Friends“ feiert, oder bei seinen Balladen-Projekten, da intoniert er auf der Posaune mit vergleichsloser Geschmeidigkeit und seine so eigentümlich belegte, fragile Stimme berührt mit ihrer Empfindsamkeit das Herz und die Seele.

Duo-Art – es ist die reduzierteste Form des miteinander Musizierens. Nicht minder reichhaltig und wenn's gelingt, die kleinste ›Bigband‹ der Welt – zwei auf sich allein gestellt, spontan und intensiv. Ein musikalischer Seiltanz ohne Netz und doppelten Boden. Mit „Kristallen“ stellen sich nun die beiden Schweden Nils Landgren und Jan Lundgren dieser Herausforderung.

Klang – eine Momentaufnahme, die in vielen Farben schwelgt. Funkelt und glänzt, trotz Ecken und Kanten. Entfaltungsraum der Vorstellungskraft. Wundervoll dann, wenn er am zerbrechlichsten ist. Nils Landgren und Jan Lundgren halten ihn fest und gestalten daraus lyrische Tongemälde: „Kristallen“ ist ruhig und gelassen dahinfließender Kammerjazz, der nicht nach Aufmerksamkeit schreit, sondern demjenigen seine wahre Schönheit offenbart, der genau hinhört.

Schon der Opener „Blekinge“ setzt den Ton des Albums, eine Reminiszenz an die beschauliche Provinz, aus der Jan Lundgren stammt. Zwischen erhabener Leichtigkeit und melancholischem Sinnieren entsteht eine subtile Klanglandschaft, die sich aus schwedischer Volksmusik und Blue Notes speist. „Byssan Lull“ schließt nahtlos daran an. Die andächtig vorgetragene Melodie wird in einem beschwingten Blues fortgeführt. Im Wechselspiel von Posaune und Klavier ertönt „Hornlåtar”, das verschiedene kurze Hornsignale, wie sie traditionell in Schweden gespielt werden, kunstvoll verarbeitet. Erinnerungen an Nils Landgrens Duoeinspielung „Swedish Folk Modern“ von 1997 mit Esbjörn Svensson werden wach. Zwei weitere Stücke haben eine tiefe persönliche Bedeutung für Landgren: „Olu“ findet sich bereits auf dem Album „Gotland“ (1996) wieder, aufgenommen mit dem 2018 verstorbenen polnischen Trompeter Tomasz Stańko. Und „Värmlandsvisan“ schließlich ist eine Hommage an Landgrens Heimat.

Neben seinen Eigenkompositionen hat sich Jan Lundgren bei der Titelauswahl bei zwei für ihn einflussreichen Pianisten bedient: „Country“ stammt aus der Feder von Keith Jarrett und „The Wedding“ von Abdullah Ibrahim. Stücke aus dem Great American Songbook und Musik der Beatles komplettieren das Repertoire.

Schon auf Nils Landgrens Leonard Bernstein-Hommage „Some Other Time“ konnte man das Zusammenspiel mit Jan Lundgren bestaunen. Nun gibt es die beiden in Reinform. Hier haben zwei zueinander gefunden, die in denselben musikalischen Kategorien denken und fühlen. Genüsslich schwelgen sie in den Melodien der Fremd- und Eigenkompositionen: Nordisches Gemüt, tiefe romantische Empfindung, impressionistische Färbung und das Bekenntnis zur amerikanischen Jazztradition machen den Zauber von „Kristallen“ aus – ein musikalischer, in vielen Farben leuchtender Diamant, behutsam geschliffen in vertrauter Zweisamkeit.