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Nils Landgren - © ACT / Steven Haberland
Nils Landgren - © ACT / Steven Haberland

Für die Worte Vielseitigkeit, Neugier und Arbeitseifer gibt es ein Synonym: Nils Landgren. Einst galt James Brown als „hardest working man in showbusiness“, den Titel scheint er nun dem Mann mit der knallroten Posaune vererbt zu haben. Mit seiner „Funk Unit“, seinen Jazz-Balladenprojekten und immer wieder neuen Konstellationen unter eigenem Namen ist er im Schnitt 200 Tage im Jahr unterwegs. Er zählt zu den erfolgreichsten europäischen Jazzmusikern überhaupt und zu den ganz wenigen, die mit Jazz ein breites Publikum, weit über die Szene hinaus erreichen, ohne sich dabei künstlerisch oder persönlich zu verbiegen. Mit seinen eigenen Produktionen erreicht er regelmäßig den German Jazz Award, in Schweden erhielt er 2013 den GRAMMY für sein Lebenswerk und 2012 den Sir George Martin Music Award aus den Händen des legendären Beatles-Produzenten. Er stand mit ABBA im Studio und ist Mitglied der aktuellen CRUSADERS Besetzung.
Daneben ist Landgren als Produzent und Talentscout gefragt. Er vermittelt sein Knowhow an Studenten in Hamburg und Shanghai, berät die NDR Big Band, steht der vielseitigen schwedischen Bohuslän Big Band vor. Außerdem ist er gefragter Festivalleiter, bis 2011 beim JazzFest Berlin und seit 2012 beim JazzBaltica Festival. Mit seinem Projekt „Funk for Life“ setzt er sich, zusammen mit Ärzte ohne Grenzen, für die musikalische Ausbildung afrikanischer Kinder und Jugendlicher ein.
Kurz: Nils Landgren ist ein Rastloser, ein Getriebener und dabei zugleich immer unerschütterlich positiv, tiefenentspannt und gut gelaunt. Er sagt: „Selbst wenn ich mich nicht langweile, ist es gut für mich, mehrere Dinge anzugehen – damit ich verschiedene Blickwinkel einnehmen kann. Denn die bewirken, dass sich die Art meines Singens und Posaune-Spielens ändert. Und davon profitiert auch mein Publikum.“
Für die, die ihm musikalisch seit Jahren die Treue halten, wird es nie langweilig. Sie bekommen es bei Nils Landgren mit einem Mann zu tun, der sich der reichen Folklore-Tradition seines Landes genauso verpflichtet fühlt wie dem bisher Ungehörten. Sie lauschen einem Idealisten, der die Grenzen zwischen den Genres ignoriert, der auf eigenen Werken mit Musikern wie Maceo Parker, Colin Towns, den Brecker Brothers, Airto Moreira, Till Brönner, Roy Hargrove, Fred Wesley, Steve Gadd, Richard Galliano, Michael Wollny, Joao Bosco, Benny Anderson (von ABBA), Viktoria Tolstoy, Joe Sample, Ray Parker Jr., Eddie Harris oder Esbjörn Svensson gemeinsame Sache machte und so seinen Horizont ständig erweiterte.

Gleich zwei Seelen wohnen, in seiner Brust: Wenn ihn das Publikum mit seiner „Funk Unit“ erlebt, zeigt sich der Schwede von seiner männlich-markanten, unablässig groovenden Seite und gibt den Jazz-Action-Held. Aber es gibt eben auch einen ganz zarten, melancholischen, hoch sentimentalen Nils Landgren. Der zeigt sich etwa in der Adventszeit, wenn der Instrumentalist und Sänger, mittlerweile dokumentiert auf drei Erfolgsalben, „Christmas With My Friends“ feiert oder auf Balladenalben wie aktuell „Eternal Beauty“ (ACT 9562-2) oder auch auf früheren Produktionen wie „The Moon, The Stars and You“ (ACT 9505-2) oder „Ballads“ (9268-2). Hier intoniert er auf der Posaune mit vergleichsloser Geschmeidigkeit und seine so eigentümlich belegte, fragile Stimme berührt mit ihrer Empfindsamkeit das Herz und die Seele.
 
Früh ist er zur Musik gekommen. Als Sechsjähriger, Alptraum aller Eltern, begann er Schlagzeug zu spielen. Mit 13 fand der 1956 in Degerfors, Värmland, im Sternzeichen Wassermann geborene Nils Landgren dann seine Bestimmung: Er wechselte an die Posaune. Zwischen 1972 und 1978 erarbeitete sich an verschiedenen Lehranstalten eine gesunde klassische Basis. Die erworbenen technischen Fertigkeiten am Zug-Instrument setzte er bald schon in ganz anderen musikalischen Gefilden ein: Begegnungen mit dem Folk-Jazz Pionier Bengt-Arne Wallin und dem Posaunisten Eje Thelin beschleunigten seinen musikalischen Richtungswechsel. Auch ein Ortswechsel stand an: Nils Landgren zog nach Stockholm und wurde dort binnen kurzer Zeit zum Mann für alle Fälle, zum Unikum, das sich in fast jedem stilistischen Umfeld hervortat, zum Studiocrack. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, als er 1981 als Lead-Posaunist für das „Ball of Fire“-Projekt des legendären Thad Jones engagiert wurde. „Nach dem ersten Abend wollte ich nur noch nach Hause“, lacht Landgren. Doch Herausforderungen wie die mit Jones haben aus ihm einen vollkommenen Musiker gemacht, einen, der heute keine Angst vor neuen Aufgaben zeigt. Nur her damit. 

Fast dreißig Jahre währt die Solo-Karriere des Mannes nun schon, der musikalisch wie konditionell stets an seine Grenzen geht – und darüber hinaus. Nils Landgrens Debüt „Planet Rock“ von 1983 markiert den Anfangspunkt einer stolzen Diskografie - angefüllt mit Projekten, die unterschiedlicher kaum ausfallen könnten: Man nehme nur die Duo-Einspielungen „Layers of Light“ (ACT 9281-2) und „Swedish Folk Modern“ (ACT 9428-2) mit dem tragisch früh verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson: Da, oder auch auf dem Album „Gotland“ (ACT 9226-2), offenbart sich ein heimatverbundener Nils Landgren, der sich durch die mystischen Klangwelten Skandinaviens bewegt, ins Ätherische wegdriftet, ins Unfassbare . In „Salzau Music On The Water“ (ACT 9445-2) traf er sich mit dem Vibrafonisten Christopher Dell und dem Bassisten Lars Danielsson auf einem Steg, abseits von Schloss Salzau und spielte entrückte Klänge in die Zeit hinein, in der die Nacht sich schlafen legt und der junge Morgen noch gähnt. Ganz eins mit der Natur waren die drei Musiker bei der Aufnahme.

Derselbe Nils Landgren kommt aber auch schnell wieder auf den Boden, down to earth, um den weltbekannten Landsleuten von ABBA etwa mit „Funky ABBA“ (ACT 9430-2) eine Referenz zu erweisen oder Cannonball Adderley zu ehren – so geschehen mit dem Album „Paint it Blue“ (ACT 9243-2) seiner vielfach prämierten Gruppe „Funk Unit“, die bei ihrer Gründung noch schlicht „Unit“ hieß. Anlässlich des JazzBaltica Festivals, das für Nils Landgren 1994 wohl zum internationalen Durchbruch führte, taufte er sie zum heute bekannten Namen um. Diese Band tut übrigens nicht nur musikalisch Gutes – das Album „Funk For Life“ (9500-2) unterstützte in Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen“ ein Projekt zur musikalischen Förderung von Kindern und Jugendlichen in „Kibera“, einem der größten Slums in Kenias Hauptstadt Nairobi. Ein Euro pro verkaufter CD wurde für den wohltätigen Zweck abgezweigt. Welchen Status die „Funk Unit“ mittlerweile erreicht hat, zeigt sich auf dem im April 2013 erschienenen Album „Teamwork“ (ACT 9552-2). Denn neben einer siebenköpfigen Europaauswahl sind auch die beiden „Crusaders“-Legenden Joe Sample (Piano) und Wilton Felder (Saxophon) zu hören.

Auf "Eternal Beauty", seinem neuen Album (VÖ 31.1.2014) glänzt Landgren abermals, neben den einzigartigen Fähigkeiten an der Posaune, mit seiner sanft berührenden Stimme. Dabei vetraut er seinem bewährten Team um Lars Danielsson und Michael Wollny: „Wenn wir anfangen zu spielen, dann beginnt die Magie!“ Musikdiamanten von George Harrisons „Isn't It A Pity“ über Mr. Misters „Broken Wings“ bis zum durch Tina Turner bekannt gewordenen Hit „We Don't Need Another Hero“ erklingen in zeitlos jazziger Schönheit. Im März 2014 geht Nils Landgren im Quartett zusammen mit dem Michael Wollny Trio auf Karsten Jahnke JazzNights Doppeltournee.
 
Nils Landgren Funk Unit bei ACT

First Unit (ACT 9292-2) 1992
Re-release im Jahre 2001 von "Red Horn", der ersten Aufnahme mit Landgrens "Unit" 1992, die damals schon vom Quincy Jones / Michael Jackson-Soundmeister Bruce Swedien abgemischt wurde.

Live in Stockholm (ACT 9223-2) 1994

Das erste Funk Unit – Album mit Stargast Maceo Parker entstand 1994 und wurde der Grundstein für die Zusammenarbeit mit Siegfried Loch und seinem jungen Label ACT.

Paint It Blue (ACT 9243-2) 1996

"Paint It Blue" ist eine Hommage an den von Nils tief verehrten Cannonball Adderley. Gäste waren diesmal neben Bernard Purdie, die Brecker Brothers, Till Brönner und Airto Moreira. Das Album war eine der erfolgreichsten Jazz-CD’s des Jahres 1997, landete auf Platz 2 der Jazz Charts und erhielt in Deutschland den Jazz Award.

Live in Montreux (ACT 9265-2) 1998

Ein Höhepunkt in der Karriere von Nils Landgren war der Auftritt mit seiner Funk Unit im Rahmen der ACT Night beim Montreux Jazz Festival 1998. Die allgemeine Begeisterung über das Konzert führte zur Veröffentlichung der CD "Live in Montreux".

5000 Miles (ACT 9271-2) 1998 und 1999

Zwischen Mai 1998 und Juli 1999 entstanden die Aufnahmen zur Funk Unit-CD "5000 Miles" in Stockholm, New York, Tutzing und Montreux. Seine Funk Unit spielte mit einigen der "hippest players" der internationalen Jazz-Szene: Tim Hagans, Roy Hargrove, Till Brönner, Esbjörn Svensson, Viktoria Tolstoy, Don Alias und Fred Wesley. Das Album wurde mit dem German Jazz Award ausgezeichnet und erhielt eine Echo-Nominierung.

Fonk da World (ACT 9299-2) 2001

Pünktlich zum zehnten Jubiläum der Funk Unit erschien 2001 das von Esbjörn Svensson produzierte Album "Fonk da World", das mit dem German Jazz Award ausgezeichnet wurde.

Funky ABBA (ACT 9430-2) 2004

"Funky ABBA" entstand im legendären Polar Studio A in Stockholm, in dem einst alle ABBA-Songs aufgenommen worden waren und in dem Nils bereits vor 25 Jahren für den originalen ABBA-Titel "Voulez-Vous" vor dem Mikrofon stand. Die Funk Unit wurde hier von ‚Special Guests’ wie Till Brönner und Viktoria Tolstoy und als ‚Very Special Guest’ auch von Benny Andersson himself unterstützt. Das Album erhielt einen German Jazz Award in Gold und Platin.

Licence To Funk (ACT 9455-2) 2007

Für sein achtes Funk Unit Album hat Landgren eine groovende Truppe, allen voran mit Ray Parker Jr., seiner schwedischen Neuentdeckung Ida Sand, dem Saxophonisten Magnus Lindgren und den bewährten Mitstreitern Magnum Coltrane Price und Wolfgang Haffner zusammengestellt.

Funk For Life (ACT 9500-2) 2010

Funk für einen guten Zweck: In Kooperation mit „Ärzte Ohne Grenzen“ unterstützt Nils Landgren mit einem Euro pro verkaufter CD ein wohltätiges Projekt in Kibera Nairobi.

Teamwork (ACT 9552-2) 2013

Der zehnte Streich: Die vielleicht beste Funk Unit aller Zeiten wird unterstützt von dem deutschen Jazz-Star Till Brönner sowie den Crusaders-Legenden Joe Sample und Wilton Felder.

Nils Landgren bei ACT:

Gotland (ACT 9226-2) 1996

1995 begab sich Nils Landgren auf die Spuren seines Großvaters, der als Pastor auf der Insel Gotland gelebt hat. "Gotland" besteht aus Eigenkompositionen von Nils, aufgenommen in zwei Kirchen in Stockholm und Hamburg gemeinsam mit dem polnischen Trompeter Tomasz Stanko und den Organisten Anders Eljas und Claus Bantzer.

Ballads (ACT 9268-2) 1993 und 1998

Bereits 1993 spielte er die CD "Ballads" mit Bobo Stenson, Palle Danielsson u.a. ein, die, erweitert durch Aufnahmen mit e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio), 1999 in Deutschland erschien und zu einem großen Erfolg wurde. Das Magazin Jazzthetik befand, er könne "Balladen so gefühlvoll interpretieren, dass die Gänsehaut fast unvermeidlich ist".

Layers of Light (ACT 9281-2) 1999

Zu Beginn des Jahres 2001 veröffentlichte Landgren seine zweite Duo-CD mit dem Pianisten Esbjörn Svensson - eine noch leisere Fortsetzung von "Swedish Folk Modern". Das Album schnellte auf Platz 5 der Jazzcharts und erhielt euphorische Kritiken - nicht zuletzt von Michael Naura in der Wochenzeitung ‚Die Zeit’: "Ich habe selten eine so transzendente Musik gehört. Eine Musik, die in so stiller Größe daherkommt. Das ist Balsam für die Seele", schwärmte Naura unter der Titelzeile "Auf Seelenharfen".

Sentimental Journey (ACT 9409-2) 2002

Mit der Einspielung  einer Reihe seiner Lieblingssongs erfüllte sich Nils 2002 einen langgehegten Herzenswunsch und stieß dabei gleichzeitig wieder einmal in neue musikalische Gefilde vor: So brachte er das schwedische "FleshQuartet" mit Musikern wie Anders Widmark am Piano, Lars Danielsson am Kontrabass und Wolfgang Haffner am Schlagzeug zusammen und bat Gäste wie Esbjörn Svensson, Viktoria Tolstoy oder Rigmor Gustafsson ins Studio.

Re-release: Swedish Folk Modern (ACT 9428-2) 2004

Angeregt durch seinen Mentor Bengt-Arne Wallin entstand 1997 der Ausflug in nicht-funkige Gefilde: Nils’ erste Duo-Platte mit dem Pianisten Esbjörn Svensson ist eine Neubearbeitung traditionellen schwedischen Liedguts. Dieses Album wurde im Februar 2004 samt einem Bonustrack, der im Jahr 2001 live in Prag entstand, wieder veröffentlicht.

Nils Landgren & Joe Sample: Creole Love Call (ACT 9707-2) 2005

Gemeinsam mit Joe Sample hat sich Nils auf eine musikalische Reise in die Südstaaten der USA begeben und im Mai 2005 in New Orleans ein neues Vocal Jazz Album eingespielt. Unterstützt wurde er dabei von einer Reihe handverlesener Musiker aus New Orleans sowie dem Soul-Star Ray Parker Jr. Das Album wurde in Deutschland mit Platin ausgezeichnet.

Danielsson / Dell / Langren: Salzau Music on The Water (ACT 9445-2) 2006

"Vögel zwitschern, Metallgegenstände klappern und dazwischen improvisieren die drei dermaßen balladesk, balancieren virtuos zwischen Nacht und Tag, Müdigkeit und Lebenslust, dass es einem wie ein Traum vorkommt." (Jazzthing)

Christmas with My Friends (ACT 9454-2) & Christmas Concert With My Friends (ACTDVD 9901-2) 2006

Live-Einspielung der glanzvollsten Weihnachtslieder vom Mittelalter bis zur Gegenwart mit einigen der herausragendsten Musiker der skandinavischen Musikszene – Bugge Wesseltoft, Viktoria Tolstoy, Lars Danielsson, Ulf Wakenius und Johan Norberg sowie den hierzulande noch weniger bekannten Stimmen der schwedischen Sängerinnen Sharon Dyall, Jeannette Köhn und Ida Sandlund.

Christmas with My Friends II (ACT 9476-2) 2008

Der Nachfolger des erfolgreichen ersten Weihnachtsalbums von Nils Landgren: Kitschfreie musikalische Weihnachten mit einer gefühlvollen Mischung aus schwedischen Weisen, nordischen Versionen europäischer Weihnachtslieder, klassischer Kirchenmusik, Eigenkompositionen und amerikanischen Jazz-Standards

Don’t Fence Me In – The music of Cole Porter (ACT 9028-2) 2011

Nils Landgren & Bohuslän Big Band, arranged & directed by Colin Towns
Cole Porter’s zeitlose Klassiker, arrangiert von Colin Towns und gespielt mit grenzenlosem Spaß, ungezähmter Leidenschaft und freigelassener Virtuosität,

The Moon, the Stars and You (ACT 9505-2) 2011

Zusammen mit Pianist Michael Wollny, Bassist Lars Danielsson und hochkarätigen Gästen wie Richard Galliano, Steve Gadd, Joe Sample, Joao Bosco, Cæcilie Norby, dem Stockholm Philharmonic Orchestra und der NDR Big Band interpretiert Nils Landgren Jazzstandards, Folk und Pop und natürlich auch zahlreiche Eigenkompositionen - nachdenklich gestimmt, sehnsuchtsvoll, vereinzelt funky und aufbrausend, doch stets inspiriert und swingend.

Christmas with My Friends III (ACT 9527-2) 2012

Bei dem Live-Mitschnitt eines Konzertes in Stockholm 2011 sind neben Landgren die Sängerinnen Sharon Dyall, Jeanette Köhn, Jessica Pilnäs und Ida Sand zu hören. Ein unvergesslicher Abend mit engen musikalischen Freunden.

Eternal Beauty (ACT 9562-2) 2014

Auf "Eternal Beauty" glänzt Landgren abermals, neben den einzigartigen Fähigkeiten an der Posaune, mit seiner sanft berührenden Stimme. Dabei vetraut er seinem bewährten Team um Lars Danielsson und Michael Wollny