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Der Soundtrack
zum Cirque-Nouveau-Projekte

Nguyen Le_Overseas © Phuc Hai
Nguyen Le_Overseas © Phuc Hai
Nguyen Le_Overseas © Phuc Hai
Nguyen Le_Overseas © Phuc Hai

Produktinformationen

Besetzung

Nguyên Lê / electric & bass guitars, electronics
Ngô Hồng Quang / vocals dàn nhi fiddle, dàn môi jaws harp, dàn bâu monocorde & dàn tính lute
Illya Amar / vibraphone, MalletKAT, T’rung bamboo xylophone
Trung Bao / beatbox
Alex Tran / percussion & drums
Lê Thi Van Mai / dàn tranh zither
Nguyên Hoàng Anh / bamboo sáo flute
Minh Dàn Môi / dàn do bamboo percussion
Cuong Vu / trumpet
Chris Minh Doky / acoustic bass


Aufnahmedetails

The OVERSEAS band was recorded by Nguyên Lê at Louxor studio, Paris, France. Mai Lê & Hoàng Anh recorded by Truong Anh Quân at Anh Em studio, Hà Nôi, Vietnam. Minh Môi recorded at Tràn Manh Tuân studio, Ho Chi Minh City, Vietnam. Cuong Vu recorded in Seattle, USA. Chris Minh Doky recorded at M-One Productions studio, Copenhagen, Denmark

Music written and produced by Nguyên Lê
“Mother Goddess” is an arrangement of a traditional Chau Van piece

Mastered by Bruno Gruel at Elektra Mastering, except 1, 4, 12 & 13 by Klaus Scheuermann


„Overseas“ - neuer Circus aus Vietnam trifft Jazz und Hip-Hop, der Soundtrack stammt von Gitarrist Nguyên Lê.

„Overseas“ ist ursprünglich eine spartenübergreifende Performance, die Tanz, Akrobatik und Musik vereint. Das Cirque-Nouveau-Projekte unter der Regie von Tuan Le, der bereits für den berühmten Cirque du Soleil arbeitete, reflektiert den aktuellen Zeitgeist Vietnams künstlerisch, einen Mix aus traditionellen Lebensweisen und dem sich insbesondere in den Großstädten rasant modernisierenden Vietnam. Nguyên Lê hat die Musik dazu geschrieben, ein Mix aus Jazz, traditioneller vietnamesischer Musik und Hip-Hop, die nun von ACT auf dem gleichnamigen Album „Overseas“ dokumentiert ist.

Der als Gitarrist Nguyên Lê ist nicht nur wegen seiner unverwechselbaren Technik ein großer des Jazz und Stilist von eigenem Rang. Er war von Anfang an auch ein Mittler zwischen den Kulturen. „Ich bin als Sohn vietnamesischer Eltern in Frankreich geboren. Als Künstler begann ich, meine eigene Identität aufzubauen, mit der Kultur meiner Eltern und der des Landes, in dem ich lebte. Und ich bin nicht allein. Diese Erfahrung haben viele und sie kann geteilt werden, überall auf der Welt, nicht nur von Vietnamesen“, sagt Lê. Und so hat er sich in seinem gesamten Schaffen, ob an der Seite berühmter amerikanischer Kollegen, im E_L_B-Trio mit Peter Erskine und Michel Benita, auf den Alben mit der grandiosen vietnamesischen Sängerin Huong Thanh oder seinen verschiedenen eigenen Projekten, mal direkter, mal indirekter mit der Kultur seiner wiederzugewinnenden Heimat beschäftigt. Der Jazz war sein Medium, die vietnamesische Musiktradition mit den verschieden-sten Stilen zu verschmelzen, vom Flamenco über die Musik des Nahen Ostens und des Orients bis zu asiatischen Formen. Und auch seine Interpretationen von Led Zeppelin, Janis Joplin und vor allem sein bahnbrechendes Jimi-Hendrix-Projekt sind davon ein Zeugnis, beschäftigen sie sich doch mit den herausragenden Künstlern der Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg. 22 Jahre nach seinem programmatischen Album „Tales from Viet-Nam“ ist „Overseas“ nun ein neues, noch vielfältigeres und multimediales Kapitel seiner Suche nach der vietnamesischen Seele mit den Mitteln des Jazz.

Freilich hat sich die Fragestellung geändert: „Heute lautet sie nicht mehr: ‚Bin ich Vietnamese?‘ Denn so wie sich Vietnam geändert hat, so habe ich mich geändert“, erläutert Nguyên Lê. „Ich bin heute Vietnamese und Weltbürger. Meine Musik will das ausdrücken und dieses Projekt will die Kreativität des Landes hervorbringen, wie es heute ist. Deswegen wurde die Show von so vielen Talenten geprägt.“ Man muss nicht sehen, welche unglaublichen Kunststücke die Performer und Artisten bei „Overseas“ vorführen, um von Lê’s davon inspirierter Musik vollständig in den Bann gezogen zu werden. So wie die Artisten je nach ihrem Migrationsland Circus-Kultur aus Paris, Lyon, Kopenhagen, Settle, Montrael, Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt zusammenbringen, so bringt Lê je Jazz, traditionelle Volksmusik, Rock, Hip-Hop, Reggae und Electronica zu einem verblüffend homogenen Amalgam zusammen. Nach der Prägung seiner Mit-Musiker eben, um noch einmal Lê zu zitieren: „Es beginnt mit der Diaspora der vietnamesischen Künstler, die durch die Distanz zu ihren Wurzeln etwas Eigenes kreieren, das aber trotzdem noch mit der Kultur ihrer Vergangenheit in Beziehung steht. Und so entwickeln wir daraus den Traum einer universellen Kommunikation.“

Dafür hat sich eine eindrucksvolle Riege von Musikern zusammengefunden. Lê‘s Basis-Band für dieses Unterfangen bilden einmal zwei bewährte Mitstreiter, die ihn schon lange in seinen Bands begleiten, der Schlagzeuger und Perkussionist Alex Tran und der französische Vibraphonist Illya Amar; sowie zwei junge, neu integrierte Mitglieder: der neotraditionalistischen junge Sänger und Multiinstrumentalisten Ngô Hông Quang, und der in den USA lebende Beatboxer Trung Bao. Dazu kommen illustre Gäste: Neben dem Zither-Spieler LêThi Van Mai, dem Flötisten Nguyên Hoàng Anh und dem Perkussionisten Minh Dàn Môi der (in Saigon geborene) amerikanische Startrompeter Cuong Vu, der vor allem als Grammy-dekoriertes Mitglied der Pat-Metheny-Band bekannt wurde, und der seit 1989 fest zur New Yorker Jazzszene gehörende dänische Bassist Chris Minh Doky. Sie alle liefern hier keine Illustrationsmusik, von der ersten Note des einleitenden „Noon Moon“ über die siebenteilige „Overseas Suite“ bis zur finalen Beschwörung von „Mother Goddess“ geht es in eine alles erfrischendes Tauchbad der musikalischen Stile, stets getragen von klaren Melodien und mitreißender Rhythmik.

Große Kunst wird vom Geist erschaffen, dem Geist, der die Zeit durchdringt und sie in seinem persönlichen Ausdruck widerspiegelt. Diese Forderung erfüllt Nguyên Lê mit „Overseas“ eindrucksvoll, gerade angesichts der Aktualität des Themas Migration.