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[em] Live
[em] Live

Produktinformationen

Besetzung

Michael Wollny / piano
Eva Kruse / bass
Eric Schaefer / drums


Aufnahmedetails

Recorded by the NDR live at JazzBaltica, Salzau, July 4th, 2010
Audio engineer: Katja Zeidler, recording supervisor Felix Behrendt
Producer for NDR: Axel Dürr and Stefan Gerdes
Mixed by Ake Linton at Bohus Sound Studio, Gothenburg, July 27 – 29, 2010
Mastered by Klaus Scheuermann


„Bands sind wie Beziehungen“, sagt die Bassistin Eva Kruse. „Man muss durch die eine oder andere Krise. Aber wenn man es schafft, zusammen zu bleiben, reift man dadurch.“ Und bei Bands wie bei Beziehungen spielen Orte oft eine wichtige Rolle: der Ort des Kennenlernens, der Versöhnung oder der Entwicklung. Für Kruses 2002 unter ihrem Namen gegründeten, bald wegen der gleichberechtigten Rolle von Eric Schaefer am Schlagzeug und Michael Wollny am Klavier in [em] umbenannten Trios ist das JazzBaltica Festival in Salzau ein solcher entscheidender Ort. Markiert er doch den Beginn ebenso wie den Kulminationspunkt: „[em] live“, aufgenommen im Rahmen des 20. Festivaljubiläums, ist Dokument der größten Erfolgsgeschichte im deutschen Jazz der vergangenen Jahre.

Im Jahr 2004 bekam ACT-Chef Siggi Loch beim JazzBaltica Festival eine Demo-CD „zugesteckt“, wie er sich erinnert. Es ist heute nicht mehr ganz klar, ob es Kruse oder der e.s.t.-Tontechniker Ake Linton war, Loch hatte jedenfalls eine schlicht mit „Trio [em]“ beschriftete CD unbekannter Herkunft in den Händen - die größtes Interesse bei ihm weckte. Erst auf eine Radiosendung hin bekam er von Michael Wollny just die gleiche CD, und Loch wusste, um wen es sich handelte. Sofort nahm er Kruse, Wollny und Schaefer unter Vertrag. Die ihm zugesteckte Aufnahme erschien in unveränderter Form unter dem Namen „Call it [em]“ (ACT 9650-2) und war dann 2005 Ausgangspunkt einer so hierzulande noch nicht erlebten Blitzkarriere. Die Kritiker überschlugen sich: „Wollny, Kruse und Schaefer retten den deutschen Jazz“ schrieb die Süddeutsche Zeitung, die „Zeit“ gar vom „aufregendsten Piano-Trio der Welt“. Mit den Nachfolgealben [em] II (ACT 9655-2) und [em] 3 (ACT 9660-2) avancierte das Trio wie seine einzelnen Musiker zum Inbegriff des jungen deutschen Jazz. Den Ehrungen der verschiedensten Zeitschriften (unter anderem der „Choc“ des französischen Jazzman) folgten Preise wie der Ronnie Scott‘s Jazz Award oder der BMW Welt Jazz Award. Michael Wollnys Reputation als Pianist stieg parallel dazu auf Weltstar-Niveau, zuletzt bestätigt mit dem ECHO Jazz. Und wieder einmal bewahrheitete sich Siggi Lochs untrügliches Gespür, hatte er doch mit [em] die wegweisende ACT-Reihe „Young German Jazz“ aus der Taufe gehoben.

Was also ist das Geheimnis dieses Trios? Zum einen natürlich die herausragenden individuellen Fähigkeiten seiner Mitglieder: Die einzigartige Kombination von herausragender Technik, unerschöpfliche Kreativität und traumwandlerischer Interaktion, wie sie Michael Wollny verkörpert und neben [em] vor allem in Duetten mit Heinz Sauer, Joachim Kühn, Nils Landgren und Tamar Halperin unter Beweis stellt. Der inzwischen von Schweden bis Deutschland begehrte, von der Klassik bis in die Neue Musik ausschwärmende, stets sonore und rhythmisch treibende Bass Eva Kruses. Und das hoch präzise, dabei konkurrenzlos wandlungsfähige und extrem perkussive Schlagzeugspiel von Eric Schäfer, mit dem er auch aus Bands wie Johnny La Marama, Ununumium oder dem Arne Jansen Trio nicht mehr wegzudenken ist.

Doch das Trio [em] ist mehr als nur die Summe seiner Teile. „Egal wer es komponiert hat, keines unserer Stücke würde klingen, wie es klingt, wenn es nicht durch die Hände der Band gegangen wäre“, bestätigt Michael Wollny den kollektiven Ansatz. Für alle drei ist [em] ein musikalischer Schmelztiegel, eine Art kreative Tankstelle, ein Katalysator, der ungeahnte Kräfte freisetzt. Und doch war das Projekt zuletzt in einer schwierigen Phase: Babypausen und Abnutzungseffekte nagten ebenso an [em] wie die Synchronisation mit den wachsenden anderen Verpflichtungen seiner Mitglieder. Der Auftritt in Salzau bei JazzBaltica 2010 - im Rahmen von Michael Wollnys Berufung als „Artist in Residence“ – wurde zum „Befreiungsschlag“, wie es Eva Kruse formuliert. Alles auf eine Karte, sei die Devise gewesen. Michael Wollny berichtet, warum: „Wir hatten lange nicht zusammen gespielt und standen mächtig unter Druck, da wir wussten, dass das Konzert mitgeschnitten wird. Und es war für alle etwas Besonderes, auf der Hauptbühne bei JazzBaltica zu stehen. All das ist dann in der Energie dieses Abends kulminiert.“

Hört man „[em] live“, kann man das auf faszinierende Weise nachvollziehen. Zum einen bei vier alten Hits: Eric Schaefers energiegeladenem „Phlegma Phighter“, seiner Hommage an die Rockband „Gorilla Biscuits“ und das schillernde „Arsène Somnambule“ sowie Michael Wollnys mitreißendes Tribut „Kiyoshi“ an den japanischen Horrorfilmregisseur Kiyoshi Kurosawa, die so auf den Punkt gespielt klingen wie nie zuvor. Vor allem aber bei den sechs neuen Stücken, die man im Herbst 2009 bei einem durch den Publikumspreis des BMW Welt Jazz Awards ermöglichten Probenaufenthalt auf Schloss Elmau – auch so ein magischer Ort für viele ACT-Künstler – gemeinsam erarbeiten und spielen konnte. Ein neues Vertrauen, eine neue rhythmische Qualität ist da zu erleben, zum Beispiel bei Kruses ihrer kleinen Tochter gewidmetem „Sov Lilla Alma“, das von seiner Dynamik und seinem Drive an Esbjörn Svensson erinnert. „Wir wollten es Groove-betonter haben“, bestätigt Schaefer den - bei allen sprühenden Ideen und filigranen Elementen - fast schon rockigen Ansatz, den besonders auch seine Stücke wie die „Etude No. 1“ oder das abschließende „Shelley“ verdeutlichen.

So rundet sich der Kreis, was die Beziehung von [em] zu Jazz Baltica angeht, aber auch ihre eigene Geschichte. Kruse weiß auch das anschaulich zu beschreiben: „Unsere Entwicklung hat etwas von den Jahreszeiten: „Das erste Album war wie der Frühling, wir haben alles zusammengeschmissen und wachsen lassen; das zweite war dann sommerlich hitziger; das dritte wie der Herbst ruhiger, abgeklärter; und jetzt mit dem vierten schließlich haben wir den Winter überwunden. Da ist so viel passiert, wir haben alles aufgeräumt und wissen jetzt, dass es weitergeht.“ Bands sind eben wirklich wie Beziehungen.

Ulrich Olshausen (FAZ): „Die krachend vitale, interaktive Musik dieser Gruppe ist in der Weltspitze der im Moment übervölkertsten Jazz-Besetzung angekommen.“