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Michael Wollny
[em] II

[em] II
[em] II

Produktinformationen

Besetzung

Michael Wollny – piano
Eva Kruse – bass
Eric Schaefer – drums


Aufnahmedetails

Recorded and mixed in September 2005 and February 2006 at Bohus Sound Recording Studios, Göteborg, Sweden, by Ake Linton.
Mastered by Klaus Scheuermann.
Produced by [em].


"Wir haben alle den Eindruck, dass sich derzeit etwas verändert", sagt Michael Wollny, einer von Europas führenden jungen Jazzmusikern. Wollny hat Recht. Es liegt etwas in der Luft. Jeder redet darüber. Ein - die Sinne schärfender - Hauch der Veränderung weht über Europa. Und Musikern, Promotern und Plattenfirmen, der Presse und dem Publikum wird langsam klar, dass Jazz aus Europa immer bedeutsamer wird und dass mittlerweile einige der interessantesten und dynamischsten Entwicklungen im Jazz nicht mehr aus seinem Ursprungsland kommen, sondern aus der Alten Welt.

Dies sind spannende Zeiten, und wenn man sich ansieht, mit welcher Begeisterung die Kritik auf das Trio [em] (Michael Wollny am Piano, Eva Kruse am Bass und Eric Schaefer an den Drums) reagiert, wird klar, dass [em] an der Spitze einer kurz bevorstehenden europäischen Jazz-Explosion stehen.

So wie viele Jazzbands von heute haben auch sie sich für einen Bandnamen entschieden, statt sich förmlich, und heutzutage auch etwas altmodisch wirkend, "Michael Wollny (oder Eva Kruse oder Eric Schaefer) Trio" zu nennen. "Uns gefiel die Idee, einen richtigen Bandnamen zu haben, sagt Wollny. "Wir suchten nach etwas gleichzeitig Einfachem und Markantem. [em] ist die phonetische Schreibweise, der "Klang" des Buchstaben "M". Das "M" ist eine "3" (das Trio), die man gegen den Uhrzeigersinn gedreht hat, d.h. [em] ist mehr oder weniger ein Symbol für den "Klang des Trios" … und [em] enthält unser aller Initialen (Eva Eric Michael)."

Ihr Debüt Call it [em] - 2005 als erstes Album der ACT-Reihe Young German Jazz veröffentlicht - hat sofort breiten Zuspruch gefunden. Sie lieferten damit den Beweis, dass in Deutschland junge Musiker heranwachsen, die durchaus das Zeug dazu haben, selbstbewusst und eigenständig auf dem internationalen Parkett aufzutreten. Mit dem Nachfolger [em] II halten sie nicht nur, was ihr Debüt versprach, sondern überzeugen durch ihre gewachsene künstlerische Reife.

Da das Trio im vergangenen Jahr mehr Konzerte gespielt hat als je zuvor in seiner vierjährigen Geschichte, stimmt die Chemie zwischen den drei Musikern mittlerweile perfekt und sie haben zu einer ausgeprägten, unverwechselbaren Band-Identität gefunden. Sie kennen einander genau, verstehen es intuitiv, die musikalischen Einfälle der anderen vorauszusehen und gehen ganz in dem Ensemble auf, das mittlerweile weit mehr ist als die Summe seiner Einzelteile – der Ehrgeiz jeder Band.

Die Kompositionen auf [em] II sind kürzer, knapper und sitzen auf den Punkt genau. Von den fünfzehn Stücken auf [em] II gibt es eines, welches für mich den speziellen Sound des Trios am besten zusammenfasst: "Dance and Grow". Die kraftvolle Dualität zwischen Geschriebenem und Improvisiertem ist typisch für die Herausforderungen, denen sich diese jungen Musiker stellen; und die Selbstsicherheit, mit der sie diese bewältigen, verschlägt einem fast den Atem.

[em] leben in Berlin und so spiegelt sich das spezifische Umfeld und das Tempo der Stadt - und sei es unbewusst - in ihrer Musik. "Berlin ist im Augenblick ein solch undefinierter, unfertiger Ort", sagt Wollny. "Alles ist im Fluss, verändert sich ständig. Vielleicht beeinflusst das die Musik. Du weißt nicht, wohin sie dich führt. Du erfindest sie aus dem Moment heraus, und versuchst, dem Ganzen einen Sinn zu geben, ohne ein festes Ziel vor Augen zu haben. Vielleicht ist das im Moment etwas typisch Berlin-mäßiges."

In einer Zeit politischer Unruhen und komplexer Auseinandersetzungen über persönliche und kulturelle Identität wird der Jazz - mehr als je zuvor in seiner Geschichte - dazu benutzt, die eigene kulturelle Identität zu behaupten. Quer durch Europa, ja durch die ganze Welt, wird der Jazz neu entworfen - von Musikern, die versuchen, eine Verbindung zwischen ihrer persönlichen Umgebung und der Musik herzustellen und ihr so eine ganz spezifische Vitalität zu verleihen. Darin liegt die Zukunft dieser Musik. Und so wie [em] zum Wesen der Musik vorstoßen und ihr eine durch die eigenen kulturellen und persönlichen Erlebnisse gefärbte Note verleihen, muss man sich um die Zukunft des europäischen Jazz keine Sorgen machen.

Stuart Nicholson