Michael Wollny - © Joerg Steinmetz
Michael Wollny - © Joerg Steinmetz

MICHAEL WOLLNY
 
„Der vollkommene Klaviermeister: In einem Atemzug mit Keith Jarrett, Chick Corea, Herbie Hancock, Brad Mehldau, Stefano Bollani und Paul Bley kann man mit Fug und Recht auch Wollny nennen. Er bringt alles mit, was man von einem perfekten Jazzpianisten verlangen kann: virtuose Technik, überschäumende Fantasie, Disziplin und die Fähigkeit zum kreativen Chaos, Sinnlichkeit sowie ästhetisches Gespür.“
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
  
„Michael Wollny zählt zu den besten im Jazz. Weil er aus jeder nur erdenklichen Musik
ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt.“
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
   
„Schon jetzt ein Weltstar.“
ARD TAGESTHEMEN
   
„Der vielseitigste und innovativste deutsche Jazzpianist seiner Generation.“
DER TAGESSPIEGEL
   
„The most exciting piano trio in Europe.”
THE LONDON TIMES (GB)
   
„Michael Wollny is making some impressive and artful noise in the realm of the new piano trio tradition.”
DOWNBEAT (US)
   
“They are one of the world’s great jazz-driven piano trios.”
THE GUARDIAN (GB)
   
"Wollny accumulates balances, acrobatics and risk takings like the tightrope walker Philippe Petit."
LIBÉRATION (FR)

 
Die Süddeutsche Zeitung nennt Michael Wollny einen Musiker, der „aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt“. Für die FAZ ist er der „vollkommene Klaviermeister“, für das Hamburger Abendblatt „die stärkste Jazz-Musikerpersönlichkeit, die Deutschland seit Albert Mangelsdorff hervorgebracht hat“. Nicht nur füllt er selbst die großen Konzertsäle, er ist auch bei den namhaftesten europäischen Kollegen als Partner gefragt.
 
Der 1978 in Schweinfurt geborene Pianist gilt zweifellos als einer der wichtigsten europäischen Jazzmusiker seiner Generation. Dabei ist er alles andere als ein typischer Jazzpianist. Wenige bearbeiten den Flügel so körperlich wie Wollny. Geistig wie physisch ist er immer in Bewegung. Oft geht es dem Instrument an die Eingeweide. Seine Inspiration kann dabei von Franz Schubert oder Gustav Mahler kommen, von Björk oder Kraftwerk, von japanischen Gangsterfilmen oder Horrorstories: Sein Spiel ist so grenzenlos, wie seine Suche nach dem bisher Ungehörten. Der Ausdruckskraft, die sich aus dieser Energie, gepaart mit unerschöpflichem Einfallsreichtum und überragender Technik, ergibt, kann man sich nicht entziehen.
  
Mit fünf Jahren hatte Wollny ersten Unterricht an Klavier und Geige, ein wichtiger Einfluss war seine ebenfalls Klavier spielende große Schwester, die ihm vor allem die klassische Romantik nahebrachte. So war für ihn „Klavierspielen immer beides – Improvisation und Bach oder Schumann spielen", wie er erzählt. Als er mit 16 als Gasthörer ans Herrmann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg geht, wird er vom Pianisten und Hochschullehrer Chris Beier entdeckt. Er erkennt Wollnys Talent und nimmt ihn als Jungstudenten an der Würzburger Hochschule für Musik unter seine Fittiche. Die nächsten Stationen heißen BundesJugendJazzorchester (BuJazzO), das erste eigene Trio und ein Duo mit dem Saxophonisten Hubert Winter. Ab 2001 wird Wollny immer wieder als Pianist für das hr-Jazzensemble eingeladen. Hier kann er mit den Granden des deutschen Jazz arbeiten: Albert und Emil Mangelsdorff, Christof Lauer und nicht zuletzt Heinz Sauer. Der Saxophonist ist begeistert von dem jungen Mann am Klavier und lädt ihn ein, mit seinem Sextett beim 32. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt aufzutreten. Es ist der Startschuss für eine bis heute bestehende musikalische Partnerschaft über die Generationen hinweg, die durch vier preisgekrönte Duo-Alben dokumentiert ist.
 
Gemeinsamer musikalischer Austausch auf Augenhöhe – das ist auch das Prinzip beim Trio [em], das der inzwischen nach Berlin übersiedelte Michael Wollny 2002 mit der Bassistin Eva Kruse und dem Schlagzeuger Eric Schaefer gründet. Mehrere Monate lang sucht ACT-Gründer und Produzent Siggi Loch nach dem Namen des Pianisten, dessen unbeschriftetes Trio-Demoband ihm von verschiedenen Seiten zugesteckt wurde und das ihn sofort begeisterte. Michael Wollny wird exklusiver ACT-Künstler, das Trio [em] spielt sein erstes Album „call it [em]“ ein, das zugleich der Start der bis heute erfolgreich bestehenden Reihe „young german jazz“ ist. Und die Kritik reibt sich verwundert die Augen: „„call it [em]“ klingt wie eine Inhaltsangabe dessen, was wache, junge Jazzmusik ausmachen soll. Frisch, voller umherfliegender Einflüsse, nicht populistisch. Etwas Eigenes", konstatiert die Zeitschrift Jazz thing, Die ZEIT erklärt [em] zum „aufregendsten Pianotrio der Welt“ und der britische Observer ist überzeugt: „This is the future sound of jazz“. Nicht weniger hymnisch sind die Reaktionen auf die folgenden vier Alben des Trios.
 
Natürlich gibt es auch immer häufiger Begegnungen mit berühmten Kollegen. Wollny tritt gemeinsam mit so unterschiedlichen Musikern wie Gary Peacock, Michel Portal, Jim McNeely, Peter Erskine, Vince Mendoza, Pat Metheny, Joe Locke oder Donny McCaslin auf. Joachim Kühn - Ikone des Jazzpianos, über den Wollny seine Diplomarbeit schrieb - spielt mit ihm ein Duoalbum auf Schloss Elmau ein. Auch mit dem in den vergangenen Jahren so prägenden skandinavischen Jazz sucht Wollny die Begegnung, er tourt - bis heute immer wieder - mit Posaunist Nils Landgren (im Duo und als Mitglied in dessen Bands) und mit dem Quartett des Bassisten Lars Danielsson. Als passende Überschrift für all die unterschiedlichen Facetten Michael Wollnys, könnte der Titel seines 2009 mit der Cembalistin Tamar Halperin eingespielten Albums stehen: „Wunderkammer“.
 
Bis zum Jahr 2013, als die Ära des Trio [em] endete hatte Wollny – auch dank eines bis an die Grenzen gehenden Pensums und der bedingungslosen Unterstützung durch ACT – fast alles erreicht, was ein junger deutscher Jazzmusiker erreichen kann: Vom Bayerischen Kunstförderpreis 2007, dem Bayerischen Staatspreis für Musik 2013 und dem Binding Kulturpreis 2013 über den SWR Jazzpreis 2008, den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2005 und 2013 und dem Neuen Deutschen Jazzpreis 2011 bis zum BMW Welt Jazz Award 2009 und dem ECHO Jazz 2010 und 2013 alle wichtigen deutschen Preise und bedeutende internationale Auszeichnungen wie den „Choc de l'annee“ des französischen Jazzmagazins „Jazzman / Jazz Magazine“ oder den Ronnie Scott's Jazz Award als „Most Promising International Newcomer Of The Year“ gewonnen, die Kritiker auf seine Seite gebracht und weltweite Beachtung gefunden. Nur ein „Bestseller“ über den Jazzzirkel hinaus war er noch nicht.
 
Das änderte sich 2014 mit dem Album „Weltentraum“, nun vom „Michael Wollny Trio“ mit dem unzertrennlichen Weggefährten Eric Schaefer am Schlagzeug und dem amerikanischen Bassisten Tim Lefebvre eingespielt. Nachdem das „heute Journal“ und die „Tagesthemen“ Beiträge gesendet hatten, schoss die CD kurzzeitig sogar an Pop-Stars wie Beyoncé vorbei auf Platz zwei der Amazon-Charts. Selbst in England wurde sie „Album des Jahres“, gleich drei ECHO Jazz gab es, ein Rekord. Dabei war das Album mit seinen Bearbeitungen von Avantgardisten wie Paul Hindemith, Wolfgang Rihm, Edgar Varèse oder Alban Berg nicht zum Hit prädestiniert erst die auf verblüffende Weise ebenso komplexe, wie eingängige Interpretation Wollnys machte sie dazu. Seither füllt der Name Michael Wollny die großen Konzerthäuser wie die Elbphilharmonie in Hamburg, die Berliner Philharmonie oder den Prinzregentsaal in München
 
Was nichts an seinem künstlerischen Weg ändert. Sich zu wiederholen, hat Wollny bis heute konsequent vermieden. Nachdem er im Trio [em] mit Einflüssen aus Rock- und Pop- bis hin zur Zweiten Wiener Schule experimentierte und in anderen Projekten mit jazzfernen Künstlern wie Konstantin Gropper, Christian Brückner, Leafcutter John, Alex Nowitz, Uwe Dierksen (Ensemble Modern) auf unterschiedlichste Weise zusammenarbeite, ging es 2015 beim nächsten Trio-Album „Nachtfahrten“ – nun mit Christian Weber am Bass – vor allem um Reduktion. „Neon Nocturnes“ breiteten sich da als schwebende, unmittelbar wirkende Klang-Stilleben aus – mit vergleichbarem Erfolg wie „Weltentraum“. So bestritt er damit eine der meist als Doppelkonzert angelegten Karsten Jahnke JazzNights alleine unter seinem Namen – abwechselnd solo, im Duo und im Trio spielend.
 
Und weiterhin sucht Wollny die Herausforderung im Dialog mit gleichberechtigten, ebenfalls herausragenden Partnern. Wie mit dem französischen Akkordeonisten Vincent Peirani, den er schon bei der ersten Begegnung in einer ACT-Jubilee-Night 2012 im Pariser Club New Morning als Geistesverwandten und idealen Komplementärmusiker für seine Art des musikalischen Geschichtenerzählens erkannt hatte. Schon bei Peiranis ACT-Debüt „Thrill Box“ war Wollny mit von der Partie und trotz der hohen Schlagzahl, die beide mit ihren eigenen Projekten gehen, finden sie Zeit für ihr 2016 erschienenes gemeinsames Album „Tandem“. Und bilden 2017 zusammen mit Peiranis Weggefährten, dem Sopransaxofonisten Emile Parisien (beide stürmten sozusagen im Gleichschritt unter anderem mit Siegen bei den „Victoires du Jazz“ den französischen Jazz-Gipfel), vom soeben in die Riege internationaler Stars aufgestiegenen Schweizer Vokalartisten Andreas Schaerer eine europäischen „Supergroup“, deren Schaffen auf dem Album „Out Of Land“ eindrucksvoll festgehalten ist.
 
Dass Wollnys Interpretation des Jazzidioms in der europäischen Musiktradition verwurzelt ist, lässt sich nicht überhören. So buhlen auch verstärkt die klassischen Institutionen um seine Kreativität und Popularität: Das Konzerthaus Dortmund widmet Michael Wollny gleich eine ganze Reihe von Abenden. Das Rheingau Musik Festival ehrt ihn durch eine "Residency", mit verschiedenen Projekten über die gesamte Saison hinweg. Die Alte Oper Frankfurt beauftragt ihn für das Musikfest 2015 erstmals anlässlich des damaligen Bach-Schwerpunkts mit einer Interpretation der Goldberg-Variationen, woraus eine alljährliche Tradition erwächst, die sich erst mit einer Adaption von Claude Debussys "Nachmittag eines Fauns", dann mit einem Beitrag zu Schuberts "Winterreise" und aktuell mit György Ligetis „Atmosphères“ fortsetzt. Dazu passt ein Lieblingsprojekt Wollnys, das seine Leidenschaften fürs Kino, für „Gothic“ und für die klassische Moderne bündelt: Mit Eric Schaefer am Schlagzeug und dem vom norwegischen Bigband-Revolutionär Geir Lysne geleiteten Norwegian Wind Ensemble (Det Norske Blåseensemble) vertont er Friedrich Wilhelm Murnaus Filmklassiker „Nosferatu“ aus dem Jahr 1922 live. Diese fruchtbare und umjubelte Zusammenarbeit vertieft sich, als Wollny und Siggi Loch kurzentschlossen das Orchester zu den Studioaufnahmen für das neue Trio- Album in den berühmten Osloer „Rainbow“-Studios dazu holen. Eine Woche nach den Aufnahmen Anfang September 2017 tritt das Trio dann gemeinsam mit Emile Parisien als Gast beim Festkonzert auf der Eisenacher Wartburg zum 25. Jährigen Jubiläum von ACT auf – eine weitere Aufnahme entsteht. Statt eines ergeben sich nun völlig ungeplant zwei im März 2018 erscheinende Alben des Michael Wollny Trios: „Oslo“ und „Wartburg. Diese Spontanität und Bereitschaft von Geplantem oder Erwartbarem abzuweichen, zeichnet Michael Wollny und sein Künstlertum aus; ohne dabei Entscheidungen willkürlich zu treffen, sondern aus Begeisterung, immer im Dienste der Musik und für das bestmögliche Ergebnis.
 
So werden die Aufgaben des – kürzlich auch mit dem „Kulturpreis Bayern“ dekorierten – bald 40-Jährigen nicht weniger und vor allem nicht weniger vielseitig: Neben der Tour zu den neuen Alben steht im Mai das große Jubiläumskonzert in der Berliner Philharmonie an. Und beim Hamburger Elbjazz-Festival wird Wollny als dessen erster „Artist in Residence“ in wechselnder Begleitung zu sehen sein. Auch die Erkenntnis, wieviel man als Lehrender lernen kann, wird weiter Teil seiner Arbeit sein: Seit 2014 ist Wollny auch Professor an der Hochschule für Musik und Theater an seinem neuen Wohnsitz Leipzig. So wie er bislang für jedes musikalische Theorem eine eigene, stets überraschende Lösung gefunden hat, wird der achtfache ECHO-Jazz-Gewinner – ein einsamer Rekord - auch alle zukünftigen Vorhaben zu einem Erlebnis für jeden Musikliebhaber machen. Als unverwechselbarer Stilist, der sich nicht um Trends kümmert, sondern sie setzt.