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Lars Danielsson
Mélange Bleu

Mélange Bleu
Mélange Bleu

Produktinformationen

Besetzung

Lars Danielsson – cello, acoustic bass, Fender bass, piano, Fender Rhodes
Bugge Wesseltoft – piano
Nils Petter Molvaer – trumpet
Eivind Aarset – guitar
Jon Christensen – drums, percussion
Anders Engen - drums
Jan Bang – samples, livesampling
Pål ''Strangefruit'' Nyhus – vinyl channeling
Vytas & Mario Basanov – beats & samples
Cæcilie Norby - voices
Gustaf Ljunggren – steel guitar, syntheziser
Xavier Desandre Navarre - percussion
Copenhagen Concert Orchestra directed by [[Henrik Vagn Christensen]]


Aufnahmedetails

Recorded at Rainbow Studio, Oslo, Norway by Jan Erik Kongshaug. Additional recording at: Nilento Studios, Göteborg, Sweden by Lars Nilsspn & Bo Savik / at Danish Radio, Copenhagen , Danmark, by Lars Bruun / at Pantin Plage studio by Suzanne Desandre Navarre / at 7Etage, Oslo, Norway by Reidar Skar
Mixed by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo. Except #4 & #10 mixed by Lars Nilsson at Nilento Studios, Göteborg / #1, #2, #9 mixed by Lars Danielsson at Tia Dia Studios, Mölnlycke.
Mastered by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo
Produced by Lars Danielsson


Der sanfte Sog der Schönheit

"Mélange Bleu" von Bassist, Cellist und Komponist Lars Danielsson – eine hohe Kunst der subtil gemischten Klangfarben

Nach seinem ACT-Debüt "Libera me" (ACTSACD 9800-2) müsste man eigentlich nicht mehr überrascht sein über die kreative Vielseitigkeit dieses Musikers. Und doch verblüfft der schwedische Bassist, Cellist und Komponist Lars Danielsson erneut: Seine jüngste ACT-Produktion "Mélange Bleu" (ACT 9604-2) zeigt wieder ganz unerwartete Facetten eines Musikers von enormem Potenzial. Mit Sampling und Beats umgibt er sich diesmal – und nicht zuletzt mit musikalischen Partnern wie Pianist Bugge Wesseltoft, Trompeter Nils Petter Molvaer und Gitarrist Eivind Aarset, allesamt Spezialisten für Stimmungsbilder, die sich oft vor elektronischen und von Ambient-Sound-inspirierten Backgrounds entwickeln. In diese Richtung geht Lars Danielsson auf der vorliegenden CD in vielen Stücken auch – aber er findet dabei eine unverwechselbare eigene Farbe, nicht zuletzt, indem bei ihm die elektronischen Mittel höchst diskret mit akustischen Instrumenten und Orchester-Parts verschmelzen. Wie alles, sind auch sie bei Lars Danielsson eine feine, leise Zutat zu minuziös durchdachten Gesamtkompositionen. "Mélange Bleu" ist insgesamt wie ein sanfter Sog voller lyrischer Schönheit und Raffinement im Detail.

Eine faszinierende Meisterschaft in der allmählichen Entfaltung feinster Nuancen tut sich hier auf. Lars Danielsson, der 1958 geboren wurde und am Konservatorium in Göteborg erst klassisches Cello lernte, bevor er sich dem Bass und dem Jazz zuwandte, ist einer jener Musiker, die eine neue Qualität des Schönklangs geschaffen haben. Als Bassist und Cellist pflegt er einen unalltäglich plastischen und dabei vollendet weichen Ton, der Fülle und Zartheit vereint. So rund, kraftvoll und zugleich von solchem Fingerspitzengefühl geprägt wie in seinen solistischen Einwürfen (egal ob bei "Mélange Bleu" in Track 5, 7, 8 oder 10, um nur einige besonders hervorstechende zu nennen) kennt man die Töne von Cello und Bass im Jazz so gut wie kaum. Und als Komponist und Arrangeur hat Danielsson ein großes Gespür für hinreißend elegante, getragene Melodien. Seine musikalische Universalität trägt er dabei nicht zu Markte, sondern setzt sie ganz beiläufig ein: Neben Cello und Kontrabass spielt er auf "Mélange Bleu" auch Fender Bass, Klavier und Fender Rhodes Piano – und nirgends drängt sich der Verdacht auf, hier protze jemand mit seinem Können. Alles ist dem Ganzen untergeordnet – und dieses Ganze hat Stil und Understatement-haften Charme.

Zehn Stücke folgen auf dieser CD ungemein organisch aufeinander. Immer bieten einfache und sofort zugängliche Motive einen Halt fürs Ohr – und sind zugleich auf reizvolle Art flüchtig und luftig, besonders etwa auf Track 4, "Ironside". In dem langen, fast zwanzigminütigen Stück "Judas Bolero" mit versonnener Trompete und Bass- und Cello-Melancholie, aus der sich eine zarte orchestrale Farbenpracht und nach und nach eine immer stärkere Verdichtung entwickelt, kann man einen subtilen Querverweis auf den Miles-Davis/Gil-Evans-Klassiker "Sketches Of Spain" vermuten – aber weniger als Anlehnung denn als vielschichtige Fortschreibung. Denn Danielsson formt hier eine Klangwelt, in der sich Spätromantik, Ambient-Echos und ein voll Intensität auf einen Kulminationspunkt zustrebender, harmonisch komplexer, aktueller Jazz aufregend selbstverständlich verbinden.

Durchweg prägnant und fesselnd sind Danielssons Klang-Stimmungsbilder auf dieser CD, mal mit Hang zum Dunkel-Geheimnisvollen (Track 6, "Minor People"), mal mit leichter, rhythmisch gewitzter Beschwingtheit (Track 7, "Sketches Of Twelve"), mal sperrig mit lyrischen Auflösungen (Track 8, "Naive"), mal maschinenhaft-treibend (Track 9, "Bacchanalia"). Zusammengenommen stellt sich jedoch nie der Eindruck eines Patchworks ein: Denn die große lyrische Kraft Danielssons und seine stille, aber prachtvolle Kompetenz als Solist stellen eine Einheit zwischen all den Stücken her. So schafft es Danielsson hier, in jedem Moment stark präsent zu sein – und doch den hochkarätigen Partnern genug Raum zur jeweils eigenen Entfaltung zu geben. Wunderbare Soli steuern Bugge Wesseltoft und Nils Petter Molvaer bei, Drummer Jon Christensen ist mit seiner leisen Filigrankunst immer als wesentlicher Mitgestalter spürbar. Eine CD, die mit vielen spannenden Details zu immer neuen Hör-Entdeckungsreisen einlädt – und dies noch umso mehr, je öfter man sie hört. "Mélange Bleu": die Kunst der vielfältigen Klangfarbenmischung.