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Knut Reiersrud
Tears Of The World (with Mighty Sam McClain)

Knut Reiersrud & Sam McClain - ©ACT / Marianne Lystrup
Knut Reiersrud & Sam McClain - ©ACT / Marianne Lystrup
Knut Reiersrud & Sam McClain - ©ACT / Marianne Lystrup
Knut Reiersrud & Sam McClain - ©ACT / Marianne Lystrup

Produktinformationen

Besetzung

Mighty Sam McClain / vocals
Knut Reiersrud / guitar, harmonica, piano (02 & 08) & vocals (05)
Bjørn Holm / guitar
David Wallumrød / Hammond organ, Wurlitzer, piano & Prophet 5
Nikolai Hængsle Eilertsen / bass
Andreas Bye / drums
Håkon Kornstad / saxes & flute
Martin Horntveth / timpani & tubular bells + strings


Aufnahmedetails

Produced by Knut Reiersrud and Nikolai Hængsle Eilertsen

Music arranged by Reiersrud, Eilertsen, Wallumrød, Holm & Bye
Recorded and mixed by Christian Engfelt at Engfelt Forsgren Studio
Mastered by Greg Calbi at Sterling Sound
Produced by Knut Reiersrud and Nikolai Hængsle Eilertsen

Recorded Sept.1 – 6, 2014
Mixed and mastered in February / March 2015




Auch die Norweger haben den Blues: Auf „Tears Of The World“ trifft Gitarrist Knut Reiersrud mit seiner Band auf den 72-jährigen Südstaaten-Sänger Mighty Sam McClain und widmet sich der ursprünglichen Musik des tiefen Südens der USA. Eindrucksvoll wird hier bewiesen, dass energiegeladener R&B, Soul und Blues keine Frage der Herkunft ist.
 
Stilistisch fällt „Tears Of The World“ aus dem Rahmen der üblichen Veröffentlichungen des ACT-Labels. Zugleich jedoch schließt sich ein Kreis: Denn seit seiner Jugend hat Labelgründer Siggi Loch eine große Leidenschaft für den Blues. Er erlebte während des ersten American Folk Blues Festivals 1962 „die wildeste Nacht“ seines bisherigen Lebens, wie er in seiner Autobiographie andeutet. Loch war damals frischgebackener Produzent und 22 Jahre jung und produzierte die Schallplatten zu der legendären Veranstaltungsreihe in den darauffolgenden Jahren. Aus dieser Zeit stammen auch die Aufnahmen auf der Doppel-CD „Lost Blues Tapes - More American Folk Blues Festival 1963-65“.
 
Knut Reiersrud erschien im Jahre 2014 das erste Mal auf dem ACT-Radar als Mitglied des „Norwegian Woods“-Ensembles, das Siggi Loch für die von ihm kuratierte und produzierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ zusammenstellte. Neben Solveig Slettahjell, Bugge Wesseltoft und In The Country meldete sich mit Reiersrud eine Stimme, die hierzulande bisher nahezu unbekannt ist. Sein Gitarrenspiel verband die tiefen Farben des Blues mit der schlichten Schönheit alter norwegischer Folklore und verstärkte die spirituelle Energie des konzertanten Geschehens um Solveig Slettahjell um multiple Facetten.
 
Knut Reiersrud jammte als Jugendlicher in den heiligen Hallen der Chess Studios in Chicago mit Buddy Guy und Otis Rush, das Team Dr. John / Doc Pomus schrieb Songs für ihn, auf seinen Platten gastierten die Blind Boys of Alabama und manche Stars aus der World Music-Szene. Sein innovatives und weit über den Blueshorizont hinausweisendes Spiel, das zuweilen mit der Kunst von Musikern wie Derek Trucks oder dem indischen Saitenvirtuosen Vishwa Mohan Bhatt vergleichbar ist, hat ihn mit Kultfiguren der Gitarrenzunft wie David Lindley und Avantgardisten vom Schlage eines Henry Kaiser zusammengeführt. Der 54jährige hat die Kombination Kirchenorgel und Gitarre aus der Taufe gehoben und seine Landsleute mit den neuen Arrangements alter Folksongs in Scharen in die Kirchen gelockt. In Afrika, den USA, in Indien oder Nepal und anderen Ländern sucht und findet Reiersrud immer wieder neue Wege des musikalischen Miteinanders der verschiedenen Kulturen.

Vor einigen Jahren produzierte Reiersrud mit der persischen Sängerin Mahsa Vadat und Mighty Sam McClain eine Sammlung von Liebesliedern. Aus der Begegnung entstand eine Freundschaft mit dem 1943 in Louisiana geborenen Blues & Soul-Sänger. 2011 folgte dann mit „One Drop is Plenty“ ihr erstes gemeinsames Album, dem nun „Tears Of The World“ folgt.
 
Mighty Sam McClain singt seit einem halben Jahrhundert den Blues, gefärbt mit einer energiegeladenen Portion Soul. Nach dem Tod von Solomon Burke, Percy Sledge und McClains großem Idol, Bobby „Blue“ Bland, hält der Soulprediger und Bluesmann die Stellung der letzten R&B-Sänger der ersten Generation. Knut Reiersrud hat gemeinsam mit McClain die Songs für „Tears Of The World“ ausgewählt: Klassiker aus dem Repertoire legendärer R&B-Labels wie Hi Records, eine Country-Nummer von Carlene Carter, das eigentlich bluesuntypische „Que Sera, Sera“ (das hier zur prachtvoll rockenden Auferstehung gelangt) und natürlich Songs aus der Schreibstube von Sam McClain und Knut Reiersrud. Eine wild fauchende Hammond B3 und andere Tasteninstrumente, messerscharf funky oder gospeltrunken agierendes Bläserblech, gefühlvolle Streicher und himmlische Backgroundsängerinnen standen neben der erdig-groovenden Rhythmussektion bereit für die Arrangierkunst von Reiersrud und seinen Bandkollegen. Der Gitarrist selbst greift auch mal zur Bluesharp und teilt sich bei „Que Sera, Sera“ den Gesang mit Sam McClain.
 
„Sam ist mit Abstand der beste Sänger, mit dem ich jemals gearbeitet habe. Ich habe mit Sängern aus jeder Ecke des Planeten aufgenommen, aber diese Tiefe und Intensität kann niemand außer ihm erzielen“, sagt Knut Reiersrud. Dafür stellt er sich auf seinem Debüt hinten an. Ganz wie es sich für ein Album gehört, das sich dem Blues und Soul verschrieben hat, findet Reiersrud. „Der Sänger steht hier im Fokus“, predigt der Gitarrenvirtuose. Doch bei dieser scheinbar zurückhaltenden Dienstleistung geht’s zur Sache. Ob der Norweger auf seinen Saiten B.B. King zitiert wie etwa in dem eigenen „Living In The Key Of G“, ob er die schneidende Gangart einer Ikone wie Albert King fährt (etwa bei „Things Ain’t What They Used To Be“), oder bei Sam McClains eigenem „Somebody Help Me“ auf einer indischen Mohan Veena Lap Steel-Gitarre exotische Bendings erforscht – bei diesem Gitarristen klingt der Blues wie runderneuert.

Am Dienstagmorgen, 16. Juni 2015 ist der US-amerikanische Grammy nominierte Blues & Soulsänger Mighty Sam McClain im Alter von 72 Jahren gestorben. Nach dem Tod von Ikonen wie Solomon Burke, Percy Sledge und McClains größtem Idol Bobby „Blue“ Bland verstummt eine der letzten großen R&B-Stimmen der ersten Generation. Die Zusammenarbeit mit dem norwegischen Blues-Gitarristen Knut Reiersrud bestimmte sein kreatives Schaffen in den letzten Jahren. Gemeinsam nahmen sie „Tears Of The World“ auf. Nun ist dieses bei ACT erscheinende Album zu seinem Vermächtnis geworden.

Am 16. Juni 2015 ist Mighty Sam McClain im Alter von 72 Jahren verstorben. „Tears Of The World“ ist seine letzte Aufnahme und damit zu seinem Vermächtnis geworden. Die Blues- und Soulwelt trauert um einen großartigen Künstler.