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Ifrikya
Ifrikya

Produktinformationen

Besetzung

Karim Ziad - vocals, drums, percussion, gembri, guitar, mandola
Abdelkbir Merchane - vocals
Hamid Mestari - vocals, outar
Abdenour Djemaï - banjo, mandola, vocals
Menni Mohamed - percussion, vocals
Khliff Miziallaoua - guitar, vocals
Nguyên Lê - guitar
Bojan Zulfikarpasic - piano
Jean-Philippe Rykiel - synthesizer
David Aubel - flute
Ali Wague - pehl flute
Linley Marthe - bass
Michel Alibo - bass)
Alain Debiossat - saxophones
Vincent Mascart - tenor saxophone
Gaëlle Hervé & Marielle Hervé - background vocals


Aufnahmedetails

Recorded by Jean Loup Morette at Studio Davout, June/July 2000
Recording assistant: Vincent Chevalot
Mastered by Andre Perriat at Studio Topmaster
Produced by Karim Ziad


Eine nordafrikanische Reise durch die Welt von Paris.

Der dumpfe und zugleich klangvolle Ruf der Guimbri ertönt, jenes marokkanische Saiteninstrument, das melodische als auch perkussive Qualitäten vereint und als Symbol für die Musik des Maghreb steht. Doch ehe wir uns so recht orientieren können, setzt ein ganzer Komplex euro-afro-amerikanischer Klänge ein. Willkommen in Paris, willkommen im multikulturellen Ambiente der Musik des Perkussionisten Karim Ziad.

Der 34jährige Karim Ziad blickt auf eine Jugend in Algier zurück, einer Stadt, die im Gegensatz zu ihrem heutigen Ruf vor gar nicht vielen Jahren ein multikulturelles Flair verströmte. Hier sammelte Ziad seine ersten musikalischen Erfahrungen. "Als ich jung war", so Ziad, "hörte ich nicht nur Musik aus Marokko oder Algerien. Algier war immer ein kultureller Schmelztiegel. Wir hatten Radio und Fernsehen, und Europa lag um die Ecke. Anderthalb Stunden im Flugzeug, und du bist da. Ich muss über meine Musik nicht nachdenken, denn in ihr kommen einfach die Elemente all dessen zusammen, was ich selbst immer gehört habe." Als Perkussionist in Hochzeitsbands erhielt Karim Ziad seinen ersten Schliff, denn von ihm wurde verlangt, im maghrebinischen Repertoire genauso zuhause zu sein, wie im französischen Song, im Funk, in der Berber-Musik, in anderen afrikanischen und orientalischen Musiktraditionen.

Als Zwanzigjähriger kam Karim Ziad in Paris an. Hier fand er ein multiethnisches Klima vor, das keine Grenzen oder Barrieren kennt. Schnell erlangte er Kontakt zu anderen Musikern, spielte in der Band von Cheb Mami und bei Joe Zawinul. Er pumpte sich mit musikalischen Erfahrungen voll wie ein Schwamm und suchte nach der optimalen musikalischen Verbindung all der Elemente und Tendenzen, die seinen Alltag ausmachten. Doch nirgendwo stieß er auf das Elexier, das ihn befriedigen konnte. Erst in Nguyên Lê´s Projekt Maghreb & Friends (ACT 9261-2) gelangte er ein entscheidendes Stück weiter. "Von Nguyen habe ich viel über den Umgang mit Sound gelernt. Allerdings nähere ich mich der Musik anders an als er. Er ist sehr intellektuell. Ich hingegen vertraue allein meinem Herzen und meinen Ohren. Meine Musik ist wesentlich traditioneller als die von Nguyen."

Ein weiterer wesentlicher Unterschied: Karim Ziad nutzt das klassische Song-Format. Er singt Lieder. Doch die Geistesverwandtschaft zwischen den Freunden Nguyên Lê und Karim Ziad liegt viel tiefer, als dass sie sich allein über den traditionellen oder modernen Gehalt ihrer Klangkomplexe und die Formate ihrer Stücke definieren ließe. Beiden gelingt es, eine Weltmusik zu schaffen, die Elemente verschiedenster Kulturen mixt, ohne an der Unmittelbarkeit jedes einzelnen musikalischen Ausdrucks zu rütteln. Wie den Alben Nguyên Lê´s, kann man sich auch der Musik Karim Ziads von ganz unterschiedlichen Perspektiven aus nähern. Man kann sie als Musik des Maghreb hören, die sich in Richtung Jazz und Pop öffnet, man kann sie als Spielart des von amerikanischen Mustern emanzipierten Eurojazz betrachten.

"Meine Haupttendenz ist die Musik des Maghreb. Nordafrikanische Musik. Ich habe diese Musik mit okzidentalen Sounds und Harmonien gemischt, mit Gitarre, Piano, Schlagzeug und Bass. Paris ist der geeignete Ort, um diese Melange in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir könnten in Deutschland oder England nicht dieselbe Musik machen, obwohl es dort adäquate Studios gibt. Aber dort hast du eben nicht diese Kultur des Maghreb." Der Sound und die Harmonien der Produktion stehen für Europa. Aber die mannigfachen Rhythmen und der Gesang repräsentieren Afrika. Karim Ziad will sich auf möglichst breiter Ebene mitteilen. "Wenn man Maghreb-Musik für Europäer spielt, muss man sie verändern, um dieses Publikum wirklich zu erreichen. Viele Europäer mögen die Musik des Maghreb, aber sie können nicht nachvollziehen, was darin wirklich passiert. Wenn du diese Musik aber mit europäischen oder amerikanischen Klängen mixt, wird sie sofort viel sanfter und weicher. Schließlich willst du die Menschen erreichen, sie berühren. Musik, die für niemanden bestimmt ist, ist langweilig."

Karim Ziad ist ein Vermittler zwischen Welten. Er thematisiert die Widersprüche zwischen Ost und West und das vielfältige Gefälle in den verschiedenen Regionen Afrikas. So ist auch der Albumtitel "Ifrikya" gemeint. "Darüber spreche ich in dem Song ‘Ya Rijal’. Wenn die afrikanische Flöte startet, sage ich, egal ob wir aus Tunesien, Algerien, Marokko oder Mauretanien kommen - unser Haus ist Afrika. Und Afrika ist unsere Mutter. Und wer es noch nicht weiß, Afrika ist die Mutter aller Menschen. Es gibt ein großes Problem zwischen dem Osten und dem Westen, egal wo du hinschaust auf der Welt. Ich will den Westen und den Osten einander annähern. Afrika ist Afrika. Ich will damit sagen, ich bin zwar weiß, aber ich bin Afrikaner. Ich bin Berber, und meine Weißheit kommt von Afrika, nicht von Europa."

Ziad richtet sich nicht nur an die Nordafrikaner oder die Franzosen, er richtet sich an die ganze Welt. Seine Musik klingt wie ein Marktplatz der Emotionen, Leidenschaften, Erfahrungen, Traditionen und Visionen. Man kann sie nicht nur hören, man kann sie schmecken, riechen, fühlen. Dabei ist es nichts weiter als das exakte Spiegelbild jener einzigen wirklichen Weltstadt Europas, Paris. Er brauchte nicht länger als zehn Tage, um "Ifrikya" aufzunehmen und zu mischen. Die Musik exisitierte bereits in seinem Kopf. Er musste sie nur herauslassen. Und sich nach Partnern umzusehen, die mit ihm gemeinsam an diesem Bild der Liebe, wie er es nennt, malen würden. " Ich habe mich für die besten Musiker entschieden, die es für diese Musik gibt. Abdelkbir Merchane, der Sänger des ersten Stückes, ist der beste Gnawa, den ich kenne. Am Bass ist Linley Marthe aus Mauritius. Der Pianist Boris Zulfikarpasic schrieb mir den Song ‘Joker’. Wüsste man nicht, dass dieser Song aus Bosnien kommt, würde man ihn für algerisch halten. Mit Bassist Michel Aliba aus Martinique habe ich schon auf ‘Maghreb & Friends’ zusammen gespielt. Da ist auch der blinde, jüdische, französische Keyboarder Jean-Philippe Rykiel, der viel mit Musikern wie Youssou N’Dour und Salif Keita arbeitet. Hinzu kommen viele Maghrebiner als Background-Vokalisten. Und natürlich Nguyên Lê. Ich selbst spiele diverse Instrumente von den Keyboards über den Bass bis zur Gitarre."