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Kadri Voorand
in Duo with Mihkel Mälgand

Produktinformationen

Besetzung

Kadri Voorand / vocals, piano, chromatic kalimba, violin, glockenspiel & electronic effects
Mihkel Mälgand / double bass, bass guitar, bass drum, cello & percussion

Guest: NOËP / vocals on What If I Did Kill You


Aufnahmedetails

Recorded by Kadri Voorand and Kaur Kenk in Kasispea (Estonia), February 14 - April 30, 2019
Mixed by Miikka Huttunen
Mastered by Svante Forsbäck

Lacquer Disc Cutting by Sidney Claire Meyer at
Emil Berliner Studios Berlin

Produced by Kadri Voorand
Co-produced by Mihkel Mälgand


Stimmzauber aus Jazz, Folk und Pop

Estland, das nördlichste und kleinste der drei baltischen Länder, ist für seine Gesangstradition berühmt: Vom Liederfest in Tallinn, der weltweit größten Veranstaltung für Laienchöre über die Aufnahme der estnischen Chormusik als immaterielles Welt-Kulturerbe durch die UNESCO bis zu Vokalisten wie Maarja Nuut. Aus der trotzigen Vergewisserung der eigenen Identität entstanden, war Estland doch jahrhundertelang ein Spielball anderer Nationen, wurde der Gesang zum Spiegelbild eines Landes, das nun befreit und selbstbewusst in die Zukunft blickt. An dieses Selbstverständnis als “singende Nation”, in der Tradition verwurzelt, aber zugleich nach vorne gerichtet, denkt man unwillkürlich, wenn man einen der hellsten Gesangssterne des Landes hört: die charismatische 33-jährige Sängerin, Songwriterin und Pianistin Kadri Voorand.

Auf ihrem ACT-Debüt “In Duo with Mihkel Mälgand” entwirft Voorand voller Leidenschaft ein Klanggemälde im Großformat. Ihr enormes Spektrum reicht dabei von akustischem Folk-Pop über R&B und Elektro bis zu Vokaljazz und lautmalerischer Improvisation. In ihrer Heimat ist Voorand damit bereits ein Star, so gewann sie kürzlich die “Estonian Music Awards” als bester weiblicher Künstler wie für das beste Jazz Album. Auch als Produzentin wurde sie bereits ausgezeichnet, eine Bestätigung ihres besonderen Gespürs für zeitgenössische Gesangsästhetik, verbunden mit dem feinfühligen Umgang mit elektronischen Effekten und Loops. Das neue Album “In Duo with Mihkel Mälgand” versammelt und betont all ihre Qualitäten: als ausdrucksstarke, energische, phantasievolle und geschmeidige Sängerin wie als Songwriterin mit einem eigenen, originellen und humorvollen Stil. 

Schon als kleines Mädchen sang Voorand im Volksmusik-Ensemble ihrer Mutter und lernte klassisches Klavier, später studierte sie Jazz an den Akademien in Tallinn und Stockholm. Ihre Virtuosität und Vielseitigkeit unterstrich sie schnell nicht nur mit eigenen Projekten, sondern auch im A-Capella Vokalsextett “Estonian Voices” sowie mit Kompositionen für Film, Kammerchor und klassisches Orchester. International sorgte sie durch die Zusammenarbeit mit dem estnischen Komponisten Tõnu Kõrvits auf seinem Album “Mirror” für Aufsehen.

Die wahre Kadri Voorand aber bekommt man im Duo mit Mihkel Mälgand, einem gefragten Bassisten, der bereits mit Nils Landgren, Dave Liebman oder Kurt Elling spielte und im vergangenen Jahr den dänischen Jazz Award gewann. Durch ihr lange, schon auf vielen internationalen Festivals vorgestellte und vertiefte Zusammenarbeit – für das neue Album komponierte und arrangierte Mälgand einige Songs mit - sind die beiden perfekt aufeinander eingespielt.

Auf der Basis ihrer beeindruckenden Technik regt Vorrand wie wenige andere Sängerinnen die Phantasie ihrer Zuhörer an. Zwar ist ihr Gesang unvergleichlich, dennoch kann man Einflüsse und Vorbilder heraushören. Die experimentelle nordische Vokalistin Sidsel Endresen zum Beispiel, aber auch Joni Mitchell oder Kate Bush mit ihrem artistischen Art-Pop. Letzteres fällt besonders bei “What If I Did Kill You” auf, das Voorand im Duett mit ihrem Landsmann NOËP zu einem bittersüß mit schwarzem Humor versetzten “Torch Song” ausbaut. Eine spielerisch subversive, ambivalente Betrachtung des Gefühls, verliebt zu sein, ist “I'm Not In Love”, während ein sprudelndes Cover von Michael Jacksons "They Don't Really Care about Us" Vorrands Vorliebe für erdigen gefühlvollen R&B bezeugt.

Auf “Like Yoko And John” umarmt sie die Popkultur, präsentiert aber gleichzeitig ihren phänomenalen Scat-Gesang, während die akustische Reduktion bei “I Drove A 1.000 Miles" an den unvergessenen Jeff Buckley erinnert. “I Must Stop Eating Chocolate” wiederum ist eine witzige Parodie auf die aktuell so angesagten Retro-R&B-Nummern. Die Ballade “I Stopped Time” präsentiert zum Schluss noch einmal den ganzen Klangfarbenreichtum und die komplexe Melodik Voorands, ebenso wie das pointierte, manchmal an Jaco Pastorius erinnernde Bassspiel von Mihkel Mälgand: Ein Duo auf dem Weg zum Vokalsound des 21. Jahrhunderts.