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Julian & Roman Wasserfuhr
Upgraded In Gothenburg

Julian & Roman Wasserfuhr - ©ACT / Joerg Grosse Geldermann
Julian & Roman Wasserfuhr - ©ACT / Joerg Grosse Geldermann
Julian & Roman Wasserfuhr - ©ACT / Joerg Grosse Geldermann
Julian & Roman Wasserfuhr - ©ACT / Joerg Grosse Geldermann

Produktinformationen

Besetzung

Julian Wasserfuhr – trumpet
Roman Wasserfuhr – piano
Lars Danielsson - bass, cello
Anders Kjellberg - drums

Special Guests:
Magnus Lindgren - tenor sax on track #5 & #13, flute on track #6 & #13
Ida Sand - vocals on track #4 & #8
Nils Landgren - trombone on track #3, #11, #12 & #13


Aufnahmedetails

Recorded, mixed and mastered by Lasse Nilsson at Nilento Studios, Kållered, Gothenburg, March 18 - 21, 2009

Produced by Nils Landgren
Executive Producer: Siegfried Loch


Die Geschichte von Julian und Roman Wasserfuhr gleicht einem Märchen: Wird nach den talentiertesten jungen Musikern im ganzen Land gefragt, dann schallt es oft aus der Provinz Hückeswagen bei Köln zurück: Hinter den Bergen umrahmt von Wald im Niemandsland, da leben zwei Jazz-Brüder, die spielen „verblüffend ungewöhnlich“ (Die Zeit), „vom Feinsten“ (Jazzpodium) und mit einem „magischen Ton“ (Süddeutsche Zeitung). Mit Remember Chet (ACT 9654-2), einer Hommage an Chet Baker, feierten sie 2006 ein „umwerfendes Debüt“ (Süddeutsche Zeitung).
Das Können der jungen Musiker ist auch Nils Landgren im fernen Schweden zu Ohren gekommen. Kurzerhand entschied er sich, die beiden Shooting Stars zu produzieren und lud die Wasserfuhrs in das Göteborger Nilento Studio ein - in jene berühmte Soundküche, wo seine erfolgreichen Alben entstehen. Für Landgren eine Herzensangelegenheit: „Julians Talent ist unglaublich. Und mit seinem Bruder Roman ergänzt er sich nahtlos.“ Da der weltberühmte Posaunist keine halben Sachen macht, bat er noch handverlesene schwedische Musiker zur Session: Lars Danielsson, Anders Kjellberg, Magnus Lindgren und Ida Sand. „Wir haben Julian und Roman aber keine neue Spielweise beigebracht, sondern nur entlockt, was bereits in ihnen steckte“, beschreibt Landgren die schwedische Entwicklungshilfe. Bei einigen Stücken greift er sogar selbst zur Posaune. Sein butterweicher, lyrischer Ton und außerordentlicher Spürsinn für den richtigen musikalischen Moment gibt Upgraded in Gothenburg den letzten Schliff.
Upgrade bezeichnet eine Steigerung der Qualität: Den Brüdern geht es dabei aber nicht um „Höher-Schneller-Weiter“. Weniger ist bei ihnen mehr. Understatement wird zur wahren Größe, wenn der gerade mal 21 jährige Julian mit erstaunlicher Klarheit und Folgerichtigkeit zu seinem luftigen Trompetenton ansetzt. Für sein Solo in „Not strong enough“ bedient er sich lediglich 5 Tönen. Nach Lust und Laune modelliert er die Töne - ob nachdenklich melancholisch im „Song For E“, expressiv im kraftvollen „Trainwalk“ oder unbeschwert swingend in „Geno The Shoeshine“. Roman ist der andere Pol, der das gemeinsame Spiel der Brüder so anziehend macht. Julians 2 Jahre älteres Alter Ego ist einfühlsamer und einfallsreicher Impulsgeber am Klavier. In „Smoke Gets In Your Eyes“ umspielt er geschmackvoll die Bläserstimmen, in „Dalodrum“ ist er lyrisch bedachter Begleiter, etüdenhaftes Klavierspiel blitzt in „Traveller’s Defense“ auf, und die „Toccata“ zeigt Romans Virtuosität. Als unerhört reif erweisen sich auch die Eigenkompositionen der Brüder. Wie die Wasserfuhrs mit besonderer Begabung für starke Melodien wunderbare Jazz-Geschichten erzählen, ist ein Genuss. So trifft die gefühlvolle Ballade „Love“ mitten ins Herz.
Ein Upgrade ist eine neue Version der Basissoftware: Die musikalische Reise von Remember Chet nach Göteborg ist mitnichten ein Richtungswechsel: „Chet wäre heute ein schwedischer Jazzmusiker“ ergänzt Julian süffisant. Das verbindende Element heißt „Reichtum durch Reduktion“. Die Musik zu entschlacken und ihren Kern herauszuarbeiten war die Herausforderung bei Upgraded in Gothenburg. Unisono stimmen die Brüder überein: „So wenig haben wir noch nie gespielt!“ Das Eröffnungsstück „Fade A Little“ wird damit zum programmatischen Eröffnungsstück.
Mit dem Bassisten und Cellisten Lars Danielsson, einer der wichtigsten Stimmen im europäischen Jazz, gesellt sich ein Klang-Fetischist an die Seite der Brüder. Neben dem kontemplativen „Song For E“, in dem der Minimalismus seinen Höhepunkt erreicht, stammt auch „Traveller’s Defense“ mit seinem leichtfüßigen Rondocharakter aus seiner Feder. Das tänzelnde balkan-angehauchte „Dǔsan“ ist übrigens kein Stück des Schweden: „Dabei haben wir aber an seine CD Pasodoble (ACT 9458-2) gedacht, und herumgesponnen, wie cool es wäre, wenn wir die Nummer mit Lars spielen könnten“, meint Roman. Auch Anders Kjellberg passt wunderbar ins musikalische Konzept. Präzise wie ein Uhrwerk, dabei aber nie stupide konzentriert er sich voll auf den Groove. Als Gast stieß der Saxofonist und Flötist Magnus Lindgren hinzu. Mit „Dalodrum“ hatte er schwedische Volksmusik im Gepäck. Ida Sand kam in Göteborg für zwei Gesangsnummern vorbei - für das Grönemeyer-Cover „Airplanes In My Head“ sowie ihre Eigenkomposition „Not Strong Enough“.
Das Zusammentreffen in Göteborg ist geglückt. Das Ergebnis ist mehr als die Summe seiner Teile. Wie im Märchen wurden Julian und Roman Wasserfuhr von ihren schwedischen Weggefährten musikalisch wachgeküsst. Mit Upgraded in Gothenburg haben sich die Brüder hochgestuft. „Wir machen authentische, ehrliche Musik, die uns am Herzen liegt, und denken, das wissen die Leute auch zu schätzen“, und so hoffen die Beiden, dass sich ihr Upgrade als äußerst benutzerfreundlich erweist.