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Julian & Roman Wasserfuhr
Remember Chet

Remember Chet
Remember Chet

Produktinformationen

Besetzung

Julian Wasserfuhr – trumpet + fluegelhorn
Roman Wasserfuhr – piano
Sava Medan – bass
Andi Haberl – drums

Special Guest:
Torsten Goods – vocals + guitar


Aufnahmedetails

Recorded and Mixed by Florian Oestreicher at Realistic Sound Studios, Munich, Germany, on October 31 & November 1, 2005
Mastered by Klaus Scheuermann
Produced by Siegfried Loch


"Young German Jazz" geht in die nächste Runde und beweist aufs Neue, dass es in Deutschland eine große Zahl an hochtalentierten und viel versprechenden Nachwuchsmusikern gibt, die sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken brauchen. Die ACT-Serie "Young German Jazz" möchte dies nicht nur dokumentieren, sondern die junge Szene aktiv unterstützen und ihr Ansehen im In-und Ausland fördern. Die Reaktionen in Deutschland waren bisher überwältigend und hervorragende Kritiken aus dem Ausland bestätigen, dass junger deutscher Jazz die Grenzen durchaus sehr erfolgreich überschreiten kann. Das beste Beispiel dafür ist wohl das Trio [em] um den jungen Shootingstar Michael Wollny, ein Pianist, vom dem nicht allein die Süddeutsche Zeitung meint, er spiele "bereits in der ersten Liga der bundesdeutschen, wenn nicht sogar der europäischen Jazzmusiker". Auch in Frankreich (Jazzman) und England (Jazzwise) platzierte sich das Album "Call it [em]" (ACT 9650-2) unter den besten Neuerscheinungen des Jahres 2005.

Die Geschichte der neuesten CD in dieser Reihe, "Remember Chet", begann mit einer Verkettung von Zufällen: Vor einigen Jahren bekam Julian Wasserfuhr von seinem Bruder Roman und seinem Vater eine Platte von Chet Baker geschenkt. Die beiden hatten bei der Auswahl keinen bestimmten Musiker im Auge, es war vielmehr das Cover, das sie zum Kauf animierte. Doch ihre Wahl sollte Folgen haben, der erste Höreindruck nicht trügen, und Julian beschloss auf der Stelle: "So möchte ich auch klingen". Diesem Klangideal eines timbrereichen Tones, dessen Facetten von kristallklar bis brüchig reichen, ist Julian mittlerweile ein großes Stück näher gekommen.

Man könnte ihn nun des puren Nachahmens bezichtigen, würde dem Nachwuchstalent damit aber Unrecht tun. Denn jeder junge Jazzmusiker braucht seine Vorbilder (Julian Wasserfuhr nennt neben Chet Baker auch noch Till Brönner), um durch Hörerfahrungen zu lernen und dadurch seinen eigenen Weg zu finden. Diesen Weg beschreitet Julian, seitdem er mit sieben Jahren seine erste Trompete in der Hand hielt. Weite Strecken dieses Weges ist er bisher gemeinsam mit seinem Bruder Roman Wasserfuhr, der als Pianist, Schlagzeuger und Komponist den Blechbläser ideal ergänzt, gegangen.

ACT veröffentlicht mit "Remember Chet" das Debütalbum der beiden Brüder aus dem Bergischen Land und liefert damit bereits die fünfte CD der Serie "Young German Jazz". Der Name ist Programm. Die Jungmusiker machen dem Namen der Serie alle Ehre, wenn man bedenkt, dass Julian zur Zeit der Aufnahmen gerade mal 17 und sein Bruder Roman 20 Jahre alt war.

Aufgewachsen sind die Brüder in Hückeswagen, rund 50 Kilometer nordöstlich von Köln. Dank der Förderung ihrer Eltern (der Vater ist Klarinettist und Musiklehrer, die Mutter Sängerin) kamen die beiden Jungs schon sehr früh mit ihren Instrumenten in Berührung. Sie teilten nicht nur Sandkasten und Fußballplatz, sondern auch das gemeinsame Interesse für Musik. Diese (Seelen-) Verwandtschaft kommt dem gemeinsamen Spiel zugute, die Kommunikation findet häufig wortlos und intuitiv statt. Vor allem bei den Balladen erzeugen die beiden Nachwuchsmusiker ein Gefühl der jahrelangen Vertrautheit. Mittlerweile sind die lyrischen, in Teamarbeit entstandenen Kompositionen zur Paradedisziplin von Julian geworden. Gerade bei diesen langsamen Stücken kann er seinen warmen und strahlenden Ton voll ausspielen.

Noch jung an Jahren kann der Trompeter Julian schon auf eine ganze Reihe an renommierten Auszeichnungen zurückblicken. Im Kindesalter von 11 Jahren gewann er als jüngster Teilnehmer den Wettbewerb "Jugend jazzt" in Nordrhein-Westfalen. Auch den Nachwuchswettbewerb "Kleiner Jazzlöwe" unter der Schirmherrschaft von Peter Herbolzheimer konnte er für sich verbuchen. Schließlich zeichnete ihn im Jahr 2003 nicht nur der Landesmusikrat NRW mit dem Sonderpreis für solistische Leistungen aus, der Youngster erhielt im Duo mit seinem Bruder außerdem mehrere Preise bei der Bundesbegegnung "Jugend jazzt" und die beiden Nachwuchstalente wurden mit einem Stipendium am Berklee College of Music in Boston belohnt. Außerdem ging Julian auch beim "Yamaha Trumpet Contest 2004" als Sieger hervor.

Schon seit Oktober 2004 war Julian als (damals jüngster) "Jungstudent" an der Musikhochschule in Köln eingeschrieben, mittlerweile ist er ordentlicher Student, Unterricht erhält er von dem Lead-Trompeter der WDR Big Band, Prof. Andreas Haderer, sowie seit bereits 4 Jahren bei Klaus Osterloh.

Ob mit Trompete oder Flügelhorn, Julian ist kein Vertreter der Höher-Schneller-Weiter-Fraktion, ihm geht es vielmehr darum, atmosphärische Klangräume zu schaffen. Sein Bruder Roman ist mit seinem akzentuiert-strahlenden Klavierspiel an diesem frischen, aber dennoch ausgereiften Sound nicht ganz unbeteiligt. Zur klanglichen Veredelung tragen außerdem der Bassist Sava Medan und Andy Haberl am Schlagzeug sowie als Special Guest der Sänger und Gitarrist Torsten Goods bei.

Der in Belgrad geborene Musiker Sava Medan ist einer der gefragtesten Bassisten Münchens, er war bei zahlreichen CD-Produktionen beteiligt und spielte u.a. mit Chet Baker und Dusko Goykovich. Auch Andi Haberl ist ein äußerst viel beschäftigter Musiker; der Drummer gilt als großes neues deutsches Schlagzeugtalent. Er spielt u.a. bei Johannes Enders und glänzte auf der JazzBaltica 2005 mit seinem eigenen Ensemble "Andy Haberls Jazzkatapult". Die Runde komplettiert schließlich der in Nürnberg lebende Sänger und Gitarrist Torsten Goods, der in New York studiert hat und mit seinen 25 Jahren bereits auf zwei eigene CDs verweisen kann.

Beim Hören dieser Aufnahmen entsteht der Eindruck, als ob vor allem bei dem jungen Trompeter Julian Wasserfuhr die Uhren etwas anders ticken, da er die üblichen zeitlichen Abläufe einer Musikerkarriere über den Haufen wirft. Auf "Remember Chet" verbeugt er sich noch vor seinem Vorbild und der Tradition – doch die Art, in der es dies tut, lässt einiges für die Zukunft erwarten...