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© ACT / Steven Haberland
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Produktinformationen

Besetzung

Joachim Kühn / piano
Chris Jennings / bass
Eric Schaefer / drums


Aufnahmedetails

Produced by Joachim Kühn

Recorded by Gérard de Haro at Studios La Buissonne, France. May 15 & 16, 2017
Assisted by Anaëlle Marsollier & Bastien Raute
Mixed by Gérard de Haro. Mastered by Klaus Scheuermann
Steinway D tuned and prepared by Alain Massonneau
Arrangements by Joachim Kühn

Cover art by Mary Heilmann, Mojave Mirage, 2012
by courtesy of the artist, 303 Gallery, New York, Hauser & Wirth


„Altersweisheit trifft Sturm und Drang“ (Spiegel Online). Dies ist nicht nur die treffende Beschreibung für das generationsübergreifende Zusammentreffen von Joachim Kühn mit den über 30 Jahre jüngeren Chris Jennings und Eric Schaefer. Mehr noch, beides vereint der heute 73 jährige Jazzpionier auch in seinem Spiel: Seinen Blick stets nach vorne gerichtet, die Jazzgeschichte im Rücken, kennt Kühn keine Konventionen. Freiheitsliebend und voller Fantasie ist das Pianogenie davon getrieben, immer wieder Neues zu entdecken. Das Joachim Kühn New Trio ist sein jüngstes Abenteuer, „Love & Peace“ das zweite Kapitel daraus:

„Ich habe ein neues Traum-Team gefunden, das mich auf ganz neue Art inspiriert“, sagt Joachim Kühn über seine 2015 gegründete Formation, welche zugleich auch seine Rückkehr zum klassischen Klaviertrio-Format bedeutete, das er dreißig Jahre lang mit Jean-Francois Jenny-Clark und Daniel Humair gepflegt hatte: „Ein neues Trio, ein neuer Joachim Kühn“ jubelte der NDR angesichts des im März 2016 erschienen Debüts „Beauty & Truth“. Die Zeitschrift Jazzthing befand, Kühn habe damit „als der nach wie vor innovativste und freieste Klavierspieler der Republik seiner Bio- und Diskografie ein weiteres spannendes und vor allem unerwartetes Kapitel hinzugefügt.“ Schließlich wurde das Joachim Kühn New Trio auch zum besten Ensemble national mit dem ECHO Jazz 2017 ausgezeichnet.

„In meinem Alter muss man noch mehr spielen als früher, um nicht einzurosten“, sagt Joachim Kühn. Es ist auch dieser Ehrgeiz, der ihn zu Deutschlands bedeutendstem und international erfolgreichstem Jazzpianisten seiner Generation gemacht hat. Auf „Love & Peace“ zeigt sich der Altmeister abermals in Topform: Wieder geht es um „starke Melodien, die man gestalten kann“, wie Kühn sagt, doch mit einem für den Free- und Fusion-Großmeister radikalen Ansatz: „Ich wollte die melodische Einfachheit, ein Album mit kurzen prägnanten Stücken.“

Naheliegend, dass sich die Songs um das Einfachste und doch so Schwere ranken, das unsere Welt derzeit am dringendsten braucht: Liebe und Frieden. „Ich habe das Repertoire nicht auf die Schnelle ausgesucht, sondern sehr bedacht. Dann aber auch mal dem Zufall Raum gelassen.“ So entstand die kurze, fast schwärmerische Melodie von „Barcelona – Wien“ auf dem Flug zwischen den beiden Städten. Und beim sprunghaften, und doch so eleganten Thema von „Mustang“ musste er spontan an die so agile Pferdeart denken.

Erneut greift Kühn mit „The Crystal Ship“ einen Titel der Doors auf, jener Band, die wie kaum eine andere für seine, die 68er-Generation und den Kampf um Frieden in jener vom Vietnam-Krieg geprägten Zeit steht. Auch die Klassik ist mit einer schwelgerischen und groovenden Version von Modest Mussorgskis „Le Vieux Chateau“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ vertreten. Ein Stück („Night Plans“) aus der einmaligen und prägenden Zusammenarbeit mit Ornette Coleman erlebt ebenso eine, fast zärtliche, Neubetrachtung im Trio wie der turbulente Kühn-Klassiker „Phrasen“.

Schließlich bat Kühn auch seine beiden Partner eine Komposition beizusteuern: Chris Jennings sein swingendes, fast volksliedartiges „Casbah Radio“ und Eric Schaefer sein elegisches „Lied ohne Worte No. 2“, das vielleicht sogar am stärksten an den „alten“ Joachim Kühn erinnert. Nicht nur deswegen erweist sich Schaefer mit seiner Dynamik, seiner Spontaneität und seiner Spiritualität als idealer Kühn-Begleiter. „Ich hatte ihn seinerzeit zu mir nach Ibiza eingeladen. Wir spielten drei Tage lang zusammen. Ich wusste aber schon nach zehn Minuten, dass ich mit ihm arbeiten will“, erinnert sich Kühn. „Ähnlich erging es mir mit Chris Jennings, ein fantastischer Bassist mit großem Einfühlungsvermögen.“

„Nur wer frei lebt, kann auch wirklich frei improvisieren“, sagt Kühn, der sich auf seiner Finca in Ibiza seit vielen Jahren alles zu seiner persönlichen und kreativen Freiheit eingerichtet hat. Mit „Love & Peace“ ist seinem New Trio erneut Wegweisendes gelungen, durch Schöpfungswillen, unbändiger Liebe zur Musik und mit inneren Frieden.