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Jessica Pilnäs - © ACT / Grosse Geldermann
Jessica Pilnäs - © ACT / Grosse Geldermann

Gesungen hat Jessica Pilnäs schon immer, ist sie doch familiär vorbelastet: Ihr Vater war Keyboarder in Schwedens beliebtester Pop-Band, den „Sven-Ingvars“. So kam sie schon mit 16 Jahren 1995 in die Vorauswahl des Eurovision Song Contest, wurde Dritte und bekam sofort einen Plattenvertrag angeboten. Doch Jessica schwebte etwas anderes vor als eine Karriere als Pop-Sternchen: „Ich war so jung und gerade erst auf die höhere Schule gekommen und wollte diese ordentlich erledigen.“ Statt den Vertrag zu unterschreiben, setzte sie also auf Ausbildung und ging nach dem Gymnasium schließlich auf die renommierte „Fridhem“-Jazzschule, der etliche der heutigen schwedischen Jazzgrößen entstammen.

Mit 20, nunmehr solide ausgebildet, wurde Pilnäs Mitglied der international erfolgreichen R & B-Band „Robyn“. Wieder wurden Pop-Produzenten auf sie aufmerksam, diesmal konnte sie der Versuchung nicht widerstehen. Unter dem Pseudonym „Isa“ spielte sie das Album „Pretender“ ein. Das verkaufte sich zwar vor allem in Japan blendend, doch Pilnäs merkte schnell, dass sie, fremdbestimmt, Promotion gesteuert und Playback singend, weit entfernt von dem war, was sie eigentlich machen wollte: „Das war nicht ich. Ich fühlte mich nicht wohl, wie die anderen Popsängerinnen in Musikvideos herumtanzen. Ich war so enttäuscht von der Musikindustrie und all des Drucks müde, der den Spaß tötete.“

Kurzentschlossen zog sie sich aus dem Musikgeschäft zurück und setzte Plan B in Kraft: ein Medizinstudium an der renommiertesten Universität Schwedens, der Nobelpreis-Institution „Karolinska Institutet“.Vielleicht wäre Jessica Pilnäs heute allein dem Arztberuf verfallen, wenn es nicht zwei Musiker gegeben hätte, die ihren Rückzug für einen schweren Verlust für den Jazz hielten: Der Eine, Starposaunist Nils Landgren, versucht noch während ihres Studiums wiederholt, sie für den Gesang zurückzugewinnen. Im Jahr 2003 nimmt er mit ihr eine Duett-Version von „The Winner Takes It All“ auf, die später auf der ACT Compilation „Magic Nordic Voices“ (ACT 9718-2) veröffentlicht wird. Und am 3. Juni desselben Jahres produziert Nils Landgren mit Jessica Pilnäs und einer hochkarätig besetzen Band, bestehend aus Wolfgang Haffner, Dan Berglund, Jesper Nordenstadt in ABBAs legendären Polar-Studios fünf Songs, die sich später auf „Bitter And Sweet“ wiederfinden. 2008 schließlich holt Landgren sie in sein zweites „Christmas With My Friends“-Projekt (ACT 9476-2) - für die CD und mehrere Tourneen durch Schweden und Deutschland.

Die zweite wichtige Figur in Jessicas musikalischer Laufbahn ist der Gitarrist und Produzent Johan Norberg, hierzulande vor allem als Partner von Jonas Knutsson mit dem Duo „Norrland“ bekannt. Schon 2000 ist er in der Band, die Jessica Pilnäs alias Isa auf Japantournee begleitet. Von ihrem Talent überzeugt, schreibt er ihr sofort nach der Rückkehr einen Song und holt sie in sein Studio. In „The More I See“, das dann zunächst von Rigmor Gustafsson auf „I Will Wait For You“ (ACT 9418-2) vorgestellt wurde, geht es um den Moment des Erwachens der Liebe. Beide stellten fest, dass er ihre Beziehung widerspiegelt. Seither sind sie ein Paar und seit einigen Jahren Mann und Frau.

All diese Stationen Jessica Pilnäs‘ persönlicher, wie musikalischer Entwicklung finden sich auf dem 2010 erschienen Album „Bitter And Sweet“ (EMO 4001-2) wieder. „Ich habe mich bewusst für diese Art Kompilation entschieden. Bevor ich etwas ganz Neues machen konnte, musste ich erst die Vergangenheit zu einem guten Ende bringen und präsentieren, was da gewachsen ist und mit viel Liebe gemacht wurde. "

Im August 2012 erschien Jessica Pilnäs’ zweites Album für ACT: Norma Deloris Egstrom – A Tribute to Peggy Lee (ACT 9724-2) ist eine Hommage an die großartige amerikanische Sängerin Peggy Lee. In Amerika ein großer Star, in Europa so etwas wie eine vergessene musikalische Heldin, kann man diese ohne weiteres als eine der besten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts in einem Atemzug mit Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Sarah Vaughan nennen, Jessica Pilnäs‘ Interpretationen ihrer Songs, in subtilen Arrangements, begleitet vom unverwechselbaren Streichquartett „Flesh Quartet“ und in ungewöhnlicher Instrumentierung mit Vibraphon, Bass und Trompete, ganz ohne Piano und Schlagzeug hauchen den Songs von Peggy Lee neues Leben ein.

Jessica Pilnäs ist auch auf Nils Landgrens Weihnachtsalbum „Christmas with my Friends III“ (ACT 9527-2, Oktober 2012) als Gast zu hören. Im Dezember 2012 war Jessica Pilnäs mit der Band dann auf Tour durch die großen Konzerthallen und Kirchen Deutschlands.