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Jens Thomas
You Can’t Keep A Good Cowboy Down - Jens Thomas Plays Ennio Morricone

You Can’t Keep A Good Cowboy Down - Jens Thomas Plays Ennio Morricone
You Can’t Keep A Good Cowboy Down - Jens Thomas Plays Ennio Morricone

Produktinformationen

Besetzung

Jens Thomas - piano
Paolo Fresu - trumpet, flugelhorn
Antonello Salis - accordion


Aufnahmedetails

Recorded by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studios, Oslo, Norway, on July 26, 1999 and by Spike Streefkerk at Park Studios, Tutzing, Germany on October 18, 1999
Mixed and mastered by Jan Erik Kongshaug
Produced by Siegfried Loch


Es gibt eine direkte Verbindung zwischen Hannover und Cinécitta, der berühmten römischen Filmstadt. Die zeigt der aus der niedersächsischen Landeshauptstadt stammende Pianist Jens Thomas auf, der auf seinem ersten, "You Can´t Keep A Good Cowboy Down" betitelten ACT-Album Soundtrack-Klas-siker aus dem großen Repertoire des italienischen Meisterkomponisten Ennio Morricone interpretiert.

Jens Thomas, den der Kölner Stadtanzeiger kürzlich zum "Jimi Hendrix des Flügels" erkor,  wurde 1970 in Braunschweig geboren. Erst mit 19 erschloss sich der zunächst mit klassischem Klavierunterricht und später mit Rockmusik aufgewachsene Pianist langsam die Welt des Jazz. Mit 21 ging er nach Hamburg, um fünf Jahre unter Dieter Glawischnig zu studieren. Zuvor hatte er bereits das mittlerweile mehrfach preisgekrönte "Triocolor" gegründet, das auf bislang zwei Alben dokumentiert wurde. Derzeit pendelt Jens Thomas regelmäßig zwischen seiner Heimatstadt Hannover und dem erheblich mehr Spielmöglichkeiten bietenden Berlin. In der Hauptstadt kann man ihn nicht nur mit Triocolor, sondern auch in zwei Formationen des portugiesischen Bassisten Carlos Bica hören. Darüber hinaus spielt er seit Januar 1999 häufiger Duette mit dem Frankfurter Saxofonisten Christof Lauer. Er hat außerdem mit Albert Mangelsdorff, Ed Schuller, Carla Bley, Gebhard Ullmann, Wolfgang Schlüter, der NDR Big Band und dem Jazzensemble des Hessischen Rundfunks musiziert.

Interessant am zwischen Zartheit und Härte, zwischen Disziplin und freien Ausbrüchen vermittelnden, rhythmisch imposanten, Sound-orientierten Spiel des Jens Thomas ist, dass er musikalisch von einem ganz anderen Ausgangspunkt startete als die meisten Jazzpianisten, von denen nicht wenige behaupten, ihren Monk, Bud Powell und Herbie Hancock quasi mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Seine Einflüsse hießen Police, AC/CD und BAP (!), Schönberg, Ligeti und Wolfgang Rihm. Dass Jazz ihm erst im "fortgeschrittenen Alter" bewusst wurde, hat Jens Thomas zwar einige peinliche Momente beschert, aber heute findet es der Pianist wichtig, damals mit einer gewissen Grundnaivität und Unschuld an den Jazz herangegangen zu sein.

So hat er sich auch an das verantwortungsvolle Thema Morricone herangemacht. Er sei kein scharfer Analytiker, sagt Thomas, sondern jemand, der sich emotional mit musikalischen Vorgaben und Einflüssen auseinander setzt. Die Morricone-Themen hat er solange im Kopf kreisen lassen, bis er das Gefühl hatte, es sei seine eigene Musik, die da zirkuliere. Jens Thomas hatte als Jugendlicher Sergio Leones monumentalen Film "Es war einmal in Amerika" gesehen und war wie erschlagen von der Wucht der Bilder. Erst später ist ihm aufgegangen, wie sehr ihn die Musik getroffen und wie "unfassbar sentimental" sie ihn gemacht habe. Später hat der Einfluss der Morricone-Musik sich bei ihm fast immer dann bemerkbar gemacht, wenn er Balladen spielte oder schrieb. Besonders aufgefallen sei ihm das, als er im Auftrag des Goethe-Instituts in Lissabon ein Streichquartett komponierte. Im langsamen Satz wurde deutlich, wie sehr Morricone auf ihn abgefärbt hat.

Nun liegt das vom Maestro selbst hochgelobte "You Can`t Keep A Good Cowboy Down" vor, ein Werk, das die wichtigsten Themen des Tonsetzers, der weiß Gott nicht nur Italo-Western untermalte, enthält. Mit unglaublichem Gespür für Stimmungsbilder, mit liebevoller Neugestaltung der rhythmischen, harmonischen und melodischen Ursprünge demonstriert Thomas, wie frei und gleichzeitig respektvoll man mit Vorbildern umgehen kann. Acht Stücke hat er solo eingespielt, sich bestenfalls mal ein Metronom zur Hilfe genommen, dessen laut klickendes Pendel in die Musik integriert wurde. Und auf vier Stücken hören wir neben Jens Thomas zwei wichtige Exponenten der italienischen Jazz-Szene, zwei äußerst raffinierte Klangmaler: den sardischen Trompeter Paolo Fresu und den Akkordeon-Virtuosen Antonello Salis.

Gute Film-Musik muss auch ohne bewegte Bilder für die Netzhaut auskommen. Jens Thomas kreiert Musik, die einen Film in Gang setzt, der nur für das innere Auge bestimmt ist. Seine Bilder entstehen im Kopf der Zuhörer.