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Produktinformationen

Besetzung

Jazzrausch Bigband
directed and produced by Roman Sladek

Traditional music arranged by Leonhard Kuhn

Cover art by Lena Maidl (sturmtiefdesign)


Aufnahmedetails

Recorded by Josy Friebel at Mastermixstudio, Unterföhring, August 2022
Mixed by Josy Friebel
Mastered by Umberto Echo


Bekannt geworden ist die Jazzrausch Bigband durch ihre Techno-Jazz-Programme, mit denen sie quasi ein neues Genre erfunden hat. Doch alle Jahre wieder, schon seit der Gründung vor acht Jahren, geht die Truppe am Jahresende mit einem Weihnachtsprogramm auf Tour. „Wie zuletzt beim Album ‚Emergenz‘ geht es bei unseren regulären Projekten darum, Themen zu bearbeiten und uns so immer wieder neu zu erfinden,“ sagt Bandgründer und -leiter Roman Sladek. „Bei unserem Weihnachtsding geht es ausschließlich um Spaß. Zudem war es sogar unser erstes Programm überhaupt, welches wir nach wie vor liebevoll weiterentwickeln. Denn wir brennen darauf, uns einen Monat im Jahr voll und ganz der Bigband-Tradition zu widmen.“

Folgerichtig erschien 2019 als ACT-Debüt – inzwischen sind schon vier Veröffentlichungen dazu gekommen – nicht nur „Dancing Wittgenstein“, sondern auch das Weihnachtsprogramm „Still! Still! Still!“. Weil die Band das Repertoire sukzessive erweitert und erneuert hat, und sich nach der Corona-Pause eine große Weihnachtstour von der Laeiszhalle Hamburg über den Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf und der Isarphilharmonie München bis zum Berliner Dom abzeichnete, „war es an der Zeit, für unser Herzensthema ein neues Album aufzunehmen“, wie Sladek findet. Voilà, hier kommt „Alle Jahre wieder!“.

Freilich wäre die Jazzrausch Bigband nicht so innovativ und erfolgreich, wenn sie sich mit irgendeinem schnell zusammengezimmerten Weihnachtsalbum begnügen würde. Für sie muss es schon überraschend anders und etwas mit „Wumms“ sein. Was schon bei der Vorbereitung begann: Bereits im Frühjahr erteilte Sladek dem Band-Chefkomponisten und -Arrangeur Leonhard Kuhn den Auftrag, 50 Minuten mit komplett neuen Stücken zusammenzustellen. Proben und Aufnahme wurden zwischen die zahlreichen Tournee-Termine im Sommer fest eingeplant. Auch konzeptionell gab man sich nicht mit dem Erreichten zufrieden.

War schon „Still! Still! Still!“ nahezu ein über beliebte Weihnachtsstücke gestülptes Kompendium der Bigband-Stile, so ist das Spektrum auf „Alle Jahre wieder!“ noch einmal deutlich erweitert. Obwohl es formal sogar konzentrierter ist: Im Unterschied zu allen anderen Alben der Jazzrausch Bigband ist dies erstmals ein rein instrumentales; und dann hat Kuhn zehn völlig Jazz-unverdächtige, fast schon bieder anmutende klassische Weihnachtslieder von „Tochter Zion, freue dich“ über „Adeste fideles“ oder „Ihr Kinderlein, kommet“ bis zum Titelstück versammelt und mit seinen Orchestergewändern komplett neu eingekleidet: Mal lächelt einen der typische Glenn-Miller-Swing an, mal Artie Shaws unvergleichliche Bigband-Eleganz. Das bayerische „Es wird scho glei dumpa“ kommt einem im Tijuana-Brass-Sound des legendären Trompeters und Orchesterleiters Herb Alpert entgegen, „In dulci jubilo“ wird zur Count-Basie-Hochdruck-Bläsermaschine. „Maria durch ein’ Dornwald ging“ bekommt nach einem Henry-Mancini-artigen Intro den Touch des Mel Lewis/Thad Jones Orchestra, „Ich steh’ an deiner Krippe hier“ wird zum relaxten Gegenstück diverser Swing-Großmeister.

„Wir hatten eine Fetz’ngaudi“, berichtet Sladek. Diese hört man dem natürlich wieder meisterlich gespielten Album samt manchem Augenzwinkern an. Zu viel Besinnlichkeit wird wegblasen und die Hörerinnen und Hörer werden mitreißend in einen weihnachtlichen Jazzrausch versetzt. Zugleich ist „Alle Jahre wieder!“ eine weihnachtliche Hommage an die Großen der Bigband-Geschichte. „Es ist fast schon kitschig, wenn man bei solchen zwischen allerlei Auftritten geschobenen Aufnahmen merkt, dass man Teil von etwas ist, das vielleicht einmal eine Anekdote der Jazzgeschichte wird. Wir sind eben eine Bigband, die richtig viel spielt, was man eigentlich nur von früher kennt. Das ist schon etwas Besonderes.“ Und es geht um noch mehr: „Diese Musik hat einfach eine unheimliche Power und Lebensfreunde. Sie muss nicht im Anzug gespielt werden. Wir wollen sie gerechter, moderner, humorvoller und attraktiver präsentieren. So, dass jede und jeder in der eigenen Lebensrealität daran anknüpfen kann. Bei einem Weihnachtsprogramm können sich alle auf einem gemeinsamen Nenner treffen. Und dann gehen wir gemeinsam los.“ So gelingt der Jazzrausch Bigband wieder einmal, was trotz aller Genre-Erweiterungen nur wenige im Jazzbereich schaffen: Jung und Alt zusammenzubringen, Tradition und Revolution, Bekanntes und Neues. Alle Jahre wieder.