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Jazz At Berlin Philharmonic
Jazz at Berlin Philharmonic X: East - West

Photo by ACT / Katja Weber
Photo by ACT / Katja Weber
Photo by ACT / Katja Weber
Photo by ACT / Katja Weber

Produktinformationen

Besetzung

Majid Bekkas / guembri & vocals
Nguyên Lê / e-guitar

NES
Nesrine Belmokh / vocals & cello
Matthieu Saglio / cello & vocals
David Gadea / percussion

Black String
Yoon Jeong Heo / Geomungo
Jean Oh / e-guitar
Aram Lee / daegeum & yanggeum
Min Wang Hwang / ajaeng & janggu


Aufnahmedetails

Recorded live in concert by Klaus Scheuermann at the Berlin Philharmonie (KMS), November 20, 2019
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann

Curated and produced by Siggi Loch

Cover art by Philip Taaffe, Isfahan (2009), by courtesy of Jablonka Galerie Cologne


East meets West – das war das Lebensthema von Nesuhi Ertegün (1917-1989). Wuchs er doch als Sohn des ersten Botschafters der türkischen Republik in Washington auf. Um selbst zu einem Botschafter zu werden, zu einem der bedeutendsten Förderer und und Orient. Von der Renaissance bis heute kann man im Westen Wellen der Begeisterung für die östliche Kultur beobachten. Auch der Jazz hat seit seiner Entstehung vor gut hundert Jahren stets Elemente anderer Kulturen aufgenommen und in sein Stilvokabular übernommen. Andererseits haben KünstlerInnen östlicher Kulturen den Jazz umarmt, mit ihrer Tradition fusioniert und so neue Ausdrucksformen dieser ursprünglich rein afroamerikanischen Musik gefunden.

Mit zwei Ensembles; NES und Black String, sowie zwei herausragenden Stilisten ihrer Instrumente, Nguyên Lê und Majid Bekkas, ging Jazz at Berlin Philharmonic nun auf Spurensuche, nach der fruchtbaren musikalischen Begegnung zwischen Ost und West: NES zeigen auf elegante und filigrane Art, wie aus Begegnungen verschiedener Traditionen neue kreative Ideen entstehen können. Das Trio kombiniert arabisch-andalusische Elemente, Jazz, Pop, Soul und Folk zu einem eigenen, unverwechselbaren Sound. Da ist das am Flamenco geschulte rhythmische Fundament des Perkussionisten David Gadea. Da ist die fantastische klassische Technik von Matthieu Saglio am normalen und Nesrine Belmokh am E-Cello. Und natürlich die extrem wandlungsfähige Stimme Belmokhs. Sie singt in Englisch und Arabisch und weiß ihrer Stimme unglaubliche Farben und Charakterzüge zu entlocken.

Black String um die Geomungo (ein traditionelles koreanisches Zither-ähnliches Saiteninstrument)-Spielerin Yoon Jeong Heo verschmilzt die koreanische Musiktradition mit freier Improvisation und modernem Jazz. Kunstvoll und vielschichtig werden die typischen Melodielinien der klassischen asiatischen Musik und das tonale Spektrum der traditionellen Instrumente mit den Mitteln aktueller westlicher Stile erweitert, ja zu einer völlig neuen, eigenen Musik verschmolzen.

Fehlen noch die Solisten des Abends: Der französische Gitarrist mit vietnamesischen Wurzeln Nguyên Lê gilt als herausragender Musiker, der auf spannende und bahnbrechende Weise den Jazz mit weltmusikalischen, insbesondere asiatischen und afrikanischen, Einflüssen kombiniert. „Ich bin eine personifizierte Fusion der Kulturen”, sagt er selbst über sich und ist damit das perfekte Bindeglied für den Ost-West-Dialog. Ebenso wie Majid Bekkas. Der Marokkaner ist einer der schillerndsten Meister des modernen Gnawa-Universums, und vielleicht der mit den vielfältigsten Aktivitäten in andere Genres hinein. Sei es an der Seite des Pianojazz-Freigeistes Joachim Kühn oder mit seinem Magic Spirit Quartet, stets schlägt er waghalsige Kontinente und Stile überspannende musikalische Brücken und fängt damit den Geist des Jazz im 21. Jahrhundert ein.

Jahrhundertealte Musikkultur, filigrane Klänge und volles Brett, Exotik und Verblüffendes – East meets West auf dem Impro-Terrain: Der Jazz at Berlin Philharmonic-Abend sorgte für einen mitreißenden Clash der Kulturen. Nesui Ertegün wäre von dieser Begegnung von Ost und West sicher begeistert gewesen.