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Celtic Roots Ensemble by Siggi Loch
Celtic Roots Ensemble by Siggi Loch

Produktinformationen

Besetzung

Knut Reiersrud / guitars, Weissenborn lap steel & harmonica
Ale Möller / mandola, trumpet, shawm (“skalmeja”), overtone flutes, hammered dulcimer & harmonium
Fraser Fifield / soprano sax, low whistle & Scottish border pipes
Tuva Syvertsen / vocals, Hardanger fiddle & harmonium
Aly Bain / fiddle
Eric Bibb / vocals & guitar
Olle Linder / percussion & double bass


Aufnahmedetails

Curated, produced & desinged by Siggi Loch

Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie, March 8, 2016
Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann
Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker


Von Anfang an hat sich die von ACT-Inhaber Siggi Loch erfundene und kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ zum Ziel gesetzt, die Entwicklung vor allem des europäischen Jazz in den vergangenen Jahren zu spiegeln. Jedes Konzert führt dabei Musiker in neuen Konstellationen zusammen, die sich einem Motto widmen – was immer einen besonderen, einmaligen Abend ergibt. Dass aus dem Wagnis inzwischen „ein Erfolgsformat geworden ist, das einem Sternstunden beschert“, wie der RBB befand, bezeugen nicht nur viele ähnlich euphorische Pressestimmen, sondern auch die stets ausverkauften Konzerte. Und ein weiterer Beleg ist die sechste CD, die diese Reihe dokumentiert: „Celtic Roots“.

Die Suche nach den Spuren, die die keltische Musik auf ihrem Weg über die europäische Musik in den Jazz hinterlassen hat, ist das Thema des Abends. Hat sich doch nicht erst mit dem Aufkommen der Ethno- und Weltmusik ein enormes Spektrum moderner keltischer Musik ergeben. Schon lange vor dem „folkloristic turn“ wurde der Jazz von keltischer Musik beeinflusst: Nach den Auswanderungswellen aus Irland und Schottland im 19. Jahrhundert fanden ihre Elemente Eingang in die Entstehungsgeschichte des amerikanischen Country und Blues, vor allem in den amerikanischen Südstaaten, später aber auch in New York.

Auf diese Fährten begaben sich bei „Jazz at Berlin Philharmonic“ mehrheitlich Musiker, die sich eher nicht dem Jazz zurechnen. Dass „Celtic Roots“ unter der Federführung skandinavischer Musiker das Licht der Welt erblickte, ist kein Zufall. Gehört doch die (Wieder-)Entdeckung und Verarbeitung erst der eigenen, dann anderer Volksmusik zur DNA ihrer jüngeren Musikgeschichte. So auch beim norwegischen Gitarristen Knut Reiersrud, dem die künstlerische Leitung oblag. Seit ihn seine Helden Buddy Guy und Muddy Waters mit 18 persönlich nach Chicago einluden, reist er als Bluesgitarrist von Weltrang, aber mit offenem Blick für alle Arten der Musik, durch die Welt. Dabei hat er nicht nur zehn Saiteninstrumente von der Mandoline bis zur Oud erlernt, er hat auch die Musik seiner Stationen von Indien, Nepal oder dem Iran bis nach Afrika in seinen eigenen Mix aus norwegischer Volksmusik und klassischem Delta Blues importiert. Seine Neugier und stilistische Offenheit wurde nun zum Leitpfad für seine Begleiter bei „Celtic Roots“.

Da ist zunächst der schwedische Multiinstrumentalist Ale Möller, der nach Ausflügen in die griechische und andere Weltmusik heute als einer der besten Interpreten schwedischer Volksmusik gilt. Seit Jahren in einem Trio mit Ale Möller und schon deswegen eine logische Besetzung für „Celtic Roots“ ist der schottische Fiddle-Spieler Aly Bain.

Als Saxofonist nahezu zwangsläufig der einzige „richtige“ Jazzer des Abends ist der Schotte Fraser Fifield. Er ist aber nicht nur Holzbläser, sondern auch ein Piper, wie in Schottland nicht nur Flötisten oder Sackpfeifenspieler, sondern vor allem Dudelsack-Bläser heißen. Diese Kombination aus nationaler Spezialität und universeller Klangsprache hat Fifield zu einem Solitär gemacht, der in der Folkwelt ebenso zu Hause ist wie bei Jazzfestivals und in den Clubs und Konzertsälen von New York über Buenos Aires bis Mumbai. Solche Reiseziele kennt auch der Singer/Songwriter und Bluesgitarrist Eric Bibb, der vielleicht bekannteste Name dieses „Jazz at Berlin Philharmonic“-Abends. Der Neffe des weltberühmten Jazzpianisten John Lewis ist ein Grammy-nominierter Vertreter des klassischen akustischen, von Gospel, Rhythm & Blues und Soul gespeisten und mit einem eigenen Fingerpicking-Style interpretierten US-Blues - zugleich aber auch Teil des Aufbruchs der schwedischen Weltmusikszene, lebt er doch schon seit vielen Jahren in Stockholm. Eine tragende Rolle bei „Celtic Roots“ kommt auch dem Schweden Olle Linder zu. Ebenfalls ein Multiinstrumentalist ist er hier als Schlagzeuger und Perkussionist der Taktgeber des Abends. Last, but not least darf auch eine weibliche Stimme nicht fehlen. Trotz ihrer erst 33 Jahren ist die Sängerin und Multiinstrumentalistin Tuva Syvertsen bereits ein etabliertes Mitglied der norwegischen Folkszene, wohl am bekanntesten als Frontfrau der „Valkyrian Allstars“.

Hört man, wie diese illustre Schar von Ausnahmemusikern, die von Fraser Fifields „Psalm“ am Dudelsack hymnisch eingeführte Tradition Stück für Stück mit Innovation verbinden, wie „Willie Murray’s Reel“ vor allem durch verschiedenste Gitarrensounds eine völlig neue Gestalt gewinnt, wie ein „Lament For The Children“ zu einem vielschichtigen und wechselvollen Improvisationsstück wird, oder wie sich der alte Standard „St. James Infirmary“ durch einen echt keltischen Schlussteil mit völlig neuer Kraft auflädt, dann überträgt sich die Begeisterung des Berliner Publikums sofort auf den Hörer der CD. Und man spürt augenblicklich, dass das Kalkül bei diesem „Jazz at Berlin Philharmonic“ wieder aufgegangen ist: Dass auch die „Celtic Roots“ vom Jazz Spirit der musikalischen Freiheit und des Miteinander-Musizierens durchdrungen sind.