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Temurá
Temurá

Produktinformationen

Besetzung

Javier Paxariño - Soprano Sax, Nay, Flute, Bass Flute, Bass Clarinet, Clarinet, Shakuhachi, Ti-Tze
Glen Vélez - Tar, Riq, Bendir, Shakers, Caxixis, Bodhram, Mizrab
Pablo Guerrero - Latin Locution, Low Voice
Andreas Prittwitz - Recorder, Clarinet
Baldo Martinez - Bass
Tino Di Geraldo - Cajón, Darhuka, Spanish Guitar, Bass Guitar
Suso Saiz - Ti-Bow, Guitar, Hypnotics, Keyboards
J. Carlos De Mulder - Archlute, Vihuela
Eduardo Laguillo - Piano, Keyboards, Voice
Christian Ifrim - Viola, Violin
Chano Dominguez - Piano
Alberto Iglesias - String Arrnagemnet, Sample
Rogerio De Souza - Caxixis, Chimes, Surdo
Pedro Estevan - Redoubling Drum
Dimitri Psonis - Santuri, Baglamá, Tzuraz


Aufnahmedetails

Digital recording and mixing by José Luis Crespo
at Lanave Studio
Produced by Suso Saiz


Javier Paxariño stammt aus Granada (Spanien) und lebt seit 1980 in Madrid. Zunächst arbeitete der Flötist und Saxophonist als Studiomusiker und in diversen Live-Formationen aus den Bereichen des Jazz-Rock, der Brazilian- und Latinmusic. Spätestens seit seinem Debut-Album  "Espacio Interior" im Jahre 1988 ist er durch seine originelle und persönliche Klangsprache ein wichtiger und stilprägender Bestandteil der spanischen Musikszene geworden. 1992 erscheint sein zweites Album "Pangera", das von Kritik und Publikum in Spanien begeistert aufgenommen wurde. Paxariño war auch der prägende Solist der inzwischen international erfolgreichen Gruppe "Radio-Tarifa". Die jetzt vorliegende Produktion  "Temurá" ist  die dritte eigene CD-Veröffentlichung des Künstlers, seine bisher aufwendigste Arbeit; eine Gemeinschaftsproduktion der spanischen Firma NUBA und der ACT MUSIC+VISION.  

El Silencio - die Stille, das ist für Javier Paxariño die Grundlage, der Ausgangspunkt allen musikalischen Schaffens. Der aus der perfekten Stille geborene Sound ist die Empfindung des Klangs der Körper in der Welt, ebenso wie die Worte eines Betenden in der stillen Zwiesprache mit Gott ihren Anfang nahm.

Das Wort Temurá ist ein Begriff aus der hebräischen Mystik, stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet eine Technik des Gebets bei den Kabbalisten, den Vertretern jener jüdischen Geheimlehre, deren allegorische Deutung der heiligen Schrift mit ihrer Buchstaben- und Zahlenmagie auch Umberto Eco zu dem Bestseller "Das Foucaultsche Pendel" inspirierte. Unter der Herrschaft der Mauren (8.-15.Jhdt.) waren die Juden in Spanien als Ärzte, Wissenschaftler und Kaufleute wichtiger und geachteter Bestandteil einer "multikulturellen" Gesellschaft. Auch Christen, Kelten und Zigeuner lebten als Minoritäten weitgehend unbehelligt und friedlich zusammen unter dem Dach des islamischen Regiments. Während die Mächte der Inquisition das übrige Europa ins finstere Mittelalter stürzten, berichten die Historiker übereinstimmend von der Blüte und den Früchten eines einzigartig lebendigen und geistigen Lebens in Andalusien. So ist der enorme Boom, den Spanien gegenwärtig mit ethnisch orientierter Weltmusik erlebt (und mit großem Erfolg in die Welt trägt), alles andere als ein Zufall:

Die Idee vom Zusammenführen gegensätzlicher kultureller Ursprünge zu einem neuen Ganzen, das weit mehr ist, als die Summe seiner Teile, hat auf der iberischen Halbinsel eine lange Geschichte; sie ist dort bis vor 500 Jahren gelebt worden und heute als Modell -weltweit- aktueller denn je.

Das "Nuevas Musicas" (so der spanische Ersatz für das verschlissene "New Age") von Javier Paxariño und seinen engagierten Mitstreitern geht  zurück zu den musikalischen Wurzeln des Mittelmeerraumes und zeigen, daß Traditionspflege und Zukunftsvision, als scheinbare Gegensätze, in der Kunst zuweilen sehr nah beieinander liegen können.

Granada war die letzte Bastion des maurischen Reiches in Aldalusien, das 1492 der Inquisition anheimfiel. Mit einer reichen Auswahl von Flöten, Klarinetten und Saxophonen läßt Paxariño durch seine phantasievollen Klangmalereien die uralten Seufzer der aus ihrem Paradies vertriebenen Mauren immer wieder anders und aufs Neue entstehen.

Bei der Produktion wirkten u.a. mit, der im Flamenco-Jazz äußerst erfolgreiche junge Pianist Chano Dominguez aus Cádiz und Toni Di Geraldo,  der gefragteste Percussionist in der spanischen Metropole; aus den USA kam Glen Vélez, an den "Frame Drums" weltweit ein Begriff durch seine Arbeit mit dem Steve Reich Ensemble, dem Paul Winter Consort, Lyle Mays, Rabih Abou-Khali etc., sowie der Gitarrist und vielbeschäftigte Filmmusikkomponist Suso Saiz, der auch der Produzent des Albums ist.

Zu hören sind auf Temurá u.a. auch die Nay, genuine Bambusflöten aus dem Sahara-Raum, deren hauchender Klang den Wüstensand erlebbar macht ("Canto del viento"). Sie halten Zwiesprache mit dem Bodhram, einer Art überdimensionalen Tambourins, das aus der irischen Folklore stammt, und unter den Händen des texanischen Weltmusikstars Glen Vélez durch enorme Klangvielfalt besticht. Besonders reizvoll ist die Begegnung des ebenso frenetischen wie komplizierten Flamencorhythmus´ der Bulerias (El Compás) mit dem typisch keltisch anmutenden Bodhram-Sound von der "grünen Insel" Irland.

Über einem fulminanten, rhythmisierenden Satz aus Baß-Klarinetten und -Flöten erhebt sich der Sopran einer Bansuri-Flöte wie der melismatische Sing-Sang eines moslemischen Muezzins auf einem Minarett. Die höfische Kultur des 16.Jhts. im Spanien der Katholiken, mit ihrer Vihuela- und Lautenmusik, virtuos dargeboten von J. Carlos de Mulder, wird einfühlsam konfrontiert mit dem staubig - ranzigen Klang uralter maurischer Percussionsinstrumente wie Tar, Riq oder Darbuka, zusammengeführt durch neuzeitliche - moderne Streicherarrangements, für die Alberto  Iglesias und Eduardo Laguillo verantwortlich zeichnen.Dennoch wirkt die abwechslungsreiche, kompakte Produktion alles andere als eklektizistisch, nicht zuletzt durch den alles verbindenden roten Faden, gewebt von der Zauberflöte des Papageno Paxarino. Auf das Master-Tape schrieb er nach Abschluß der Produktion: "Temurá is dedicated to peaceful coexistence between all different people".