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© ACT / Kristoffer Juel
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Produktinformationen

Besetzung

Janne Mark / vocals
Arve Henriksen / trumpet
Henrik Gunde Pedersen / piano & celeste
Esben Eyermann / bass
Jesper Uno Kofoed / drums
Gustaf Ljunggren / lap steel


Aufnahmedetails

Recorded by Lars Nilsson at Nilento Studios, Kållered (SE), May 4 & 5, 2017
and by Boe Larsen at MillFactory Studios, Copenhagen, May - June 2017
Mixed and mastered by Lars Nilsson
Produced by Esben Eyermann and Janne Mark
Vocals produced by Boe Larsen

Cover art by Neo Rauch (detail), “Kleine Unterbrechung” 2017
by kind permission of the artist, courtesy Eigen&Art Leipzig / Berlin

Arve Henriksen appears courtesy of ECM Records and Rune Grammofon


Dänische Erneuerin der Kirchenlieder in the Spirit of Jazz

Janne Mark schreibt Kirchenmusik, aber nicht auf jene oft verstaubte, streng in der Tradition verankerte Art, sondern eine, die im Hier und Jetzt, mitten in der Gesellschaft spielt, und sich dabei der Freiheit des Jazz und der Weite der skandinavischen Volksmusiktradition bedient. So haben ihre Lieder ihren Platz auch außerhalb des Sakralen gefunden, im weltlichen Raum: „Pilgrim“ ist eine „Musik, die für Kirchenfremde als auch für Kirchennahe geschrieben wurde“, erzählt sie selbst.

Christliche Musik und Jazz führten schon immer eine enge Beziehung. Spirituals und später Gospel dienten als Nährboden und Inspirationsquelle. Für „Pilgrim“ hat sich Janne Mark den norwegischen Trompeter Arve Henriksen an ihre Seite geholt, wichtiger Protagonist des Nordic Jazz und vielen bekannt durch die Zusammenarbeit mit Lars Danielsson („Liberetto“-Alben). Die Emotionalität und Expressivität seines einzigartigen „flötenartigen“ Trompetensounds ist genau jener Ausdruck, den Mark für ihre Musik lange gesucht hatte: „Es ist, als ob Arves Klang die tiefsten Schichten der menschlichen Existenz trifft. Der Klang Arves traf mich voll und ganz auf eine Art, wo ich der Spur dieses Klanges folgen musste“, sagt Janne Mark.

Dänische Kirchenlieder sind etwas Besonderes. Die Werke des größten dänischen Kirchenlieddichter N.F.S. Grundtvig (1783-1872) wirken weit über Dänemark hinaus und sind lebendiger Bestandteil des skandinavischen Liedguts. Wie auch Grundtvig hat Janne Mark als Kind in Jütland gelebt, aber nun ist ihr Hauptschaffensort Kopenhagen. Viele traditionelle Kirchenlieder wurden auf dem Land geschrieben, aber wie keine andere, moderne Kirchenlieddichterin bezieht Mark den städtischen Raum in ihre Musik ein. Damit hat sie die dänische Kirchenliedtradition erneuert wie niemand sonst in ihrer Generation: Janne Mark ist eine musikalische Feldblume mitten in der Stadt.

Seit 2000 singt Janne Mark in der Brorsonskirche mitten in Kopenhagen und mitten in einem Viertel, das sich in den Medien mit Bandenkonflikten und einem Nebeneinander vieler Kulturen bemerkbar macht. Aber die Kirche ist eine Friedenszone mitten in dem Ganzen. Sie liegt übrigens in unmittelbarer Nähe des Friedhofes, wo die zwei größten Schriftsteller Dänemarks, der Philosoph Søren Kierkegaard und der Märchendichter H.C. Andersen, begraben sind. Dies ist der Ort, aus dem Janne Mark ihre Schaffenskraft zieht.

Traditionelle Kirchenlieder trennen meist Dichter und Komponisten. Die intensive Einfachheit der Musik dient dem Ausdruck des Textes. Als Liedtexterin, Komponistin und Sängerin verfolgt Janne Mark aber einen anderen Ansatz: „In meinem Fall ist es fast immer die Melodie, die sich zuerst zu erkennen gibt, oft mit einer ersten Strophenzeile, einer Titel- oder anderen Text-Idee, die etwas Melodisches und Rhythmisches in Bewegung setzt“, erklärt sie. Inspirationen kommen aus vielen Quellen, sowohl aus dem Nahbereich in Kopenhagen, der Literatur und anderer Musik. Man hört, dass die Musik von jemandem kommt, der zuhört, sowohl sich selbst, anderen und Gott. Und vielleicht versteht man Janne Marks Kirchenlieder am besten als ein langes Gebet um mehr Licht in der Dunkelheit. So schreibt sie davon, Licht anzuzünden für die, die weg sind, und dass das Licht dringen möge in die schattenreichen Räume der Seele. Und es ist, als ob Janne Mark mit ihren Worten und langen Tönen Licht aus dem ruhigen Raum der Kirche in alle Ritzen des Daseins sendet.

„Die Kirche ist das Haus der Langsamkeit. Mich beschäftigt Langsamkeit, Stille, das Geräusch von Langsamkeit und Stille. Das Geräusch der Welt als Kirchenlied. Das Geräusch der Welt als Kirche“, sagt Janne Mark selbst. In diesem Sinne geben ihre Lieder auch meditative Ruhe.

„Pilgrim“ ist ein einnehmendes wie geistvolles Album, das es zu entdecken lohnt. Ein Ruhepol in der heutigen Zeit, die von Unruhe und Ungewissheit geprägt ist. Und es ist das Portrait einer hierzulande noch unbekannten, aber faszinierenden Künstlerin, die erfolgreich einen Weg zwischen Kirchenlied, Folk, Song und Jazz eingeschlagen hat.