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Kirchenlied trifft Nordic Jazz

Produktinformationen

Besetzung

Janne Mark / vocals
Arve Henriksen / trumpets, spoken word & electronics
Nils Økland / hardanger fiddle, viola d’amore & violin
Henrik Gunde / piano, harmonium, mellotron & vibraphone
Esben Eyermann / double bass
Bjørn Heebøll / drums


Aufnahmedetails

Recorded by Thomas Vang in The Village, Copenhagen, May 24-26, 2020
Additional recordings by Boe Larsen in Millfactory Studio, Copenhagen, June 2020
Nils Økland recorded in ABC Studio, Etne (NO) June 2020

Mixed by August Wanngren in Virkeligheden, Copenhagen, June & August 2020
Mastered at Stockholm Mastering by Thomas Eberger, August 2020

Produced by Arve Henriksen

English lyrics translations by John L. Bell: 01, 04, 08, 10 & 11

Cover art by Uwe Kowski „Selber“ (2015), ACT Art Collection


Die “vise”, also die „Weise“, spielt in der skandinavischen Volksmusik noch eine ungleich größere Rolle als in unserer. Der Erfolg so vieler nordeuropäischer Pop- und Rockgruppen wie die gerne als “nordic sound” bezeichnete Eigenart des skandinavischen Jazz hat direkt damit zu tun. Kommt doch aus dieser Tradition die Verwurzelung in ätherischen, oft hymnischen Melodien. Wie essentiell dies auch für sie ist, beschreibt die dänische Sängerin Janne Mark so: “Ich bin fasziniert von der Grenzenlosigkeit, die die Melodie darstellt. Melodien lassen, vor allem wenn sie im gemeinsamen Singen unter den Menschen geteilt werden, Grenzen und Gräben verschwinden und haben die Macht, einen eigenen Weg zu finden.”

Wie wahr dies ist, hat Mark vor zwei Jahren mit ihrem ACT-Debüt “Pilgrim” eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Album holte die außerhalb Dänemarks weitgehend unbekannte Janne Mark ins internationale Rampenlicht und präsentierte sie nicht nur als unverwechselbare, genreüberschreitende Stimme in der europäischen Vokalszene, sondern auch als begnadete Hymnen-Komponistin in der großen Tradition des dänischen Kirchenlieds. . „Eine stimmige Fusion von Jazz, Folk und Kirchenliedern und ein Ruhepol in der heutigen Zeit“, schrieb die Musikwoche begeistert über “Pilgrim”. „Bewegend aber ohne Kitsch“ urteilte Deutschlandfunk Kultur und das Jazzpodium hörte „zauberhafte Musik“. “Kontinent”, ihr neues Album, ist nun ein weiterer Schritt nach vorne. Nach der Reise zu den spirituellen Wurzeln mit ausschließlich selbst geschriebenen Stücken geht es nun hinaus, ganz buchstäblich auf den Kontinent. Eigene Kompositionen und Dichtungen korrespondieren mit Volksliedern anderer europäischer Regionen.

Das typisch englische “Kingsfold” etwa mit seinem getragenen Marsch-Rhythmus. Das gälische Schlaflied “Taladh Christiosa” aus Schottland, das sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Oder das hinreißend melancholische “O du min Immanuel” aus Norwegen. Eine neue lyrische Farbe kommt auch bei der berührenden Vertonung des Gedichts “When Death Takes Something From You Give It Back” der dänischen Dichterin Naja Marie Aidt zum Vorschein. Und schließlich steuert der norwegische Trompeter Arve Henriksen die zweiteilige Komposition “Psalm For A Tree” bei.

Ohnehin ist “Kontinent” Ausdruck der enorm vertieften Zusammenarbeit zwischen Janne Mark und Arve Henriksen, die auf “Pilgrim” begann. Nicht nur ist Henriksen –  bislang aus der Zusammenarbeit mit Landsleuten wie Jan Bang, Terje Isungset oder Jon Balke und vor allem als Mitglied der Band Supersilent bekannt – mit seinem markant hohem, von der japanischen Shakuhachi-Flöte inspiriertem Spiel wieder die perfekte Ergänzung zu Marks klarer, schwebender Stimme. Er hat „Kontinent“ auch produziert und viele Arrangements beigesteuert, die dem Album mehr Abwechslungsreichtum und eine neue Verspieltheit verleihen, die Marks charakteristische Ruhe und Klarheit aber nicht stören, sondern sogar unterstreichen. Etwa mit dem spontan im Studio entstandenen siebenteiligen Bläsersatz und dem symphonischen Zusammenklang von Harmonium, Mellotron, Flügel und Trommel auf „Kingsfold“. Oder mit der starken Klavier-Grundierung des einleitenden Titeltracks.

Nicht nur an den Klaviertasten ist wieder Henrik Gunde zu hören, er darf auf „Kontinent“ auch Mellotron, Harmonium und Vibrapohon spielen. Neben Marks langjährigen Bassisten Esben Eyermann vervollständigt nun am Schlagzeug der Klangschamane Bjørn Heebøll am Schlagzeug die Rhythmusgruppe. Und ganz neue Farben steuert Nils Økland mit Geige, Viola und Hardanger – einer norwegischen Fiddle – bei. Mit großem Instrumentarium wird hier also die pure Schönheit des Melodischen gefeiert. Entstanden während des weltweiten Ausnahmezustands und Lockdowns im sicheren Hafen eines Kopenhagener Studios ist „Kontinent“ so Ausdruck der unbezwingbaren Kraft der Musik.