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Jan Lundgren
Magnum Mysterium

The Gustaf Sjökvist Chamber Choir - ©ACT / Moa Karlberg
The Gustaf Sjökvist Chamber Choir - ©ACT / Moa Karlberg
Jan Lundgren, Lars Danielsson, The Gustaf Sjökvist Chamber Choir - ©ACT / Moa Karlberg
Jan Lundgren, Lars Danielsson, The Gustaf Sjökvist Chamber Choir - ©ACT / Moa Karlberg

Produktinformationen

Besetzung

Jan Lundgren – grand piano, keyboards
Lars Danielsson – bass, cello


Aufnahmedetails

Recorded May 19 - 22, 2007 at Storkyrkan, Stockholm (The Cathedral of Stockholm)
Engineered by Gert Palmcrantz (assisted by Carl Andersson)
Mixed by Gert Palmcrantz (assisted by Frederik Moller)
Mastered by Stefano Amerio, Artesuono Recording Studios, Cavalicco (Udine), Italy
Produced by René Hess / HR Music


Stets Neuland zu erkunden und nicht in irgendeiner Konvention zu erstarren war von Anfang an ein Markenzeichen des schwedischen Pianisten Jan Lundgren. Wenige europäische Jazzer haben das « Great American Songbook » wohl so intensiv auf eigene Bezüge abgeklopft wie Lundgren Anfang der Neunziger Jahre, noch während seines Studiums am Malmö College of Music und auf den ersten Stationen seiner Karriere. Bald darauf tauchte er in die Wurzeln der reichen skandinavischen Folktradition ein, was ihn 1997 mit der CD „Swedish Standards“ in seiner Heimat zum Star machte.

Statt diesen Erfolg einfach auszuschlachten, erkundete Lundgren erst das Universum von Duke Ellington und Billy Strayhorn, bevor er sich – ohne die Rolle des Sideman zu scheuen – Lektionen in kammermusikalischem Jazz verordnete. Als Gipfelpunkt dieser Wanderung kann man Lundgrens kürzlich bei ACT erschienenes Debütalbum Mare Nostrum (ACT 9466-2) ansehen, bei dem sich sein natürlich gewachsener, melodischer Personalstil mit den mediterran geprägten Klangwelten eines Paolo Fresu und eines Richard Galliano kongenial ergänzt.

Rastlos wie er ist, hat sich Lundgren indes schon wieder neuen Aufgaben gestellt. Mit Magnum Mysterium, seinem vielleicht ambitioniertesten Projekt, wendet sich der 41-Jährige nun auf seine Weise der Klassik zu. Die europäische Sakralmusik der Renaissance von Orlando di Lasso und Claudio Monteverdi bis zu Christobal de Morales und William Byrd liefert ihm die Vorlage für eine glanzvolle Zusammenarbeit mit Gustaf Sjökvist und seinem Chamber Choir – standesgemäß aufgenommen in der „Storkyrkan“, der Kathedrale von Stockholm, während ihrer einzigartigen Abendstimmung.

Sjökvist, einer der angesehendsten Chorleiter Schwedens und unter anderem langjähriger Gastdirigent des Chores des Bayerischen Rundfunks, war sozusagen die natürliche Wahl für dieses Projekt, nicht nur, weil man sich seit langem kannte: Wie Lundgren im Jazz, so ragt Sjökvist in der Klassik durch eine ungewöhnliche Bandbreite heraus. Sie reicht vom Barock bis zur Gegenwart, bis hin zu Uraufführungen moderner Komponisten wie dem Landsmann Jennefelt. Nicht minder bemerkenswert ist Sjökvists Erfahrung mit ungewöhnlichen Kombinationen, etwa Chor und Gitarre.

Bei Magnum Mysterium liefern Sjökvists großartige Sängerinnen und Sänger mit ihren feierlich versammelten originalen Vokalpassagen die Projektionsfläche für Lundgrens Klavierinterpretationen, die den würdevollen Madrigalen meist mit ganz minimalistischen Mitteln neue Wege eröffnen. Ein paar blue notes hier, eine Weltmusik-Girlande oder ein Harmoniewechsel dort, das genügt. Lundgren erweist sich als Meister der Ökonomie - im Spiel wie bei den überwiegend von ihm selbst geschriebenen Arrangements. Sie sind der Schlüssel zu dieser faszinierenden Kombination von Formenstrenge und improvisatorischer Freiheit: Unbestechlich klar und minimalistisch, aber dennoch alle Färbungen der Vorlagen spielerisch aufnehmend ergeben sie eine verblüffend aktuelle Version dieser weltoffenen, im Kern fröhlich-feierlichen Alten Musik.

Diese Leichtigkeit, Eloquenz und Variabilität ist auch einer der Unterschiede zu dem nicht weniger eindrucksvollen, aber monolithischen „Officium“ von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble, an das man wegen der Themenstellung und der Besetzung wohl unweigerlich denkt. Den ganz anderen Zugang verdeutlicht aber nicht zuletzt der special guest und Dritter im magischen Bunde vom Magnum Mysterium: ACT-Künstler und Bassist Lars Danielsson steuert mit Loops und subtilen elektronischen Effekten die Musiksprache des 21. Jahrhunderts bei - und erweist sich seinerseits wieder einmal als einer der innovativsten und intelligentesten Bassisten der Gegenwart. Und bei Jan Lundgren freut man sich schon jetzt auf die nächste Überraschung.