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Iiro Rantala
how long is now?

Rantala_Danielsson_Erskine_bw_By Holger Kretzschmann
Rantala_Danielsson_Erskine_bw_By Holger Kretzschmann
Rantala_Danielsson_Erskine_by Bauer Studios
Rantala_Danielsson_Erskine_by Bauer Studios

Produktinformationen

Besetzung

Iiro Rantala / piano
Lars Danielsson / bass
Peter Erskine / drums, percussion


Aufnahmedetails

Music composed by Iiro Rantala, unless otherwise noted

Recorded, mixed and mastered by Adrian von Ripka at Bauer Studio, Ludwigsburg
June 10 & 11, 2015

Produced by Siggi Loch

Artwork by Siggi Loch


Iiro Rantala zuzuhören, ist schlicht „ein Vergnügen“ (Spiegel Online). Ob solo, im Duo mit Jukka Perko oder im ungewöhnlichen String Trio (mit Adam Bałdych und Asja Valcic), der finnische Pianist ist immer für eine Überraschung gut. Mit „My Working Class Hero“ öffnete er im letzten Jahr „mit Genie, Witz und berührenden Passagen neue Türen zu John Lennons Universum“ (ARD ttt). Nun hat das „Naturereignis an den Tasten“ (Jazz thing) ein neues Trio zusammengestellt: Mit dem schwedischen Bassisten Lars Danielsson und dem amerikanischen Schlagzeuger Peter Erskine spielt Rantala vornehmlich Stücke aus eigener Feder.

„Der Fokus des neuen Albums liegt auf den Kompositionen“, so Rantala. Ihr Kern sind „einfache, aber eingängige Melodien, an die man sich erinnert“. Rantala, Danielsson und Erskine entfernen sich bewusst vom klassischen Pianotrio-Spielkonzept. Direkt und ohne große Schnörkel, vom Groove dominiert, erklingen die Stücke auf „How Long Is Now“. Man kann das ehrliche Musik nennen, ohne Maskerade. Bodenständigkeit als Qualitätsmerkmal. Wirkung entsteht durch Klarheit und Einfachheit.

Exemplarisch für das Spielkonzept des Trios sind zwei Kompositionen, die Rantala seinen beiden Söhnen widmete: Bruno und Topi. Darin versuchte er, ihre verschiedenen Charaktere in Tönen einzufangen: „Bruno mag die einfachen Dinge des Lebens. Schlafen und Essen“, sagt er mit einem Augenzwinkern: „Deshalb ist die Melodie simpel. Nur drei Akkorde: G, Am7 und D7… Sein Bruder ist da ganz anders: Topi ist fordernder, mit ihm gibt es mehr Drama. Deshalb ist die Melodie in Moll und klingt unruhiger.“ „Topi“ könnte sogar in Rock-Arenen gespielt werden, solche Kraft entwickelt die Komposition. Denn es klingt ausschweifend und druckvoll im Stile Little Richards. Und Lars Danielsson steuert ein Bogensolo bei, das an eine klagende Rock-Gitarre erinnert.

Neben drei Stücken der Bandmitglieder hat Rantala auch drei Fremdkompositionen ausgewählt, die sein musikalisches Denken wesentlich beeinflusst haben. Die Autoren könnten unterschiedlicher kaum sein: Jimi Hendrix, Kenny Barron und Johann Sebastian Bach. Die Interpretation von „Little Wing“ zeigt, dass Rantala auch außerhalb der Jazz-Tradition stark verwurzelt ist.

Wenn Rantala seine musikalischen Einflüsse beschreibt, fällt als erstes der Name Richard Tee (vor Egberto Gismonti, Keith Jarrett und Michel Petrucciani), ein durch seinen Gospel-Hintergrund bedeutender ‚pop‘ Piano Einfluss, der in den 1970er Jahren auf zahlreichen R&B-Aufnahmen erschien. In Kenny Barrons „Voyage“ kommt eine weitere musikalische Prägung zum Vorschein, nämlich jene seiner Heimat: Das Original geht bei Rantala mit finnischem Tango eine ungewöhnliche Liaison ein. Und was hat es mit Bach und dem „Kyrie“ aus der h-moll Messe auf sich? Diese Melodie erinnert Rantala an prägende Kindheitsmomente: „Mit sieben Jahren begann mein musikalisches Leben mit dem Singen von Bach in einem Knabenchor.“

Um seine musikalischen Vorstellungen umzusetzen, lud Rantala zwei absolute Könner ihrer Instrumente ins Studio ein: Der US-Amerikaner Peter Erskine ist einer der bedeutendsten Jazz-Schlagzeuger unserer Zeit. „Ich liebe sein Spiel“, schwärmt Rantala. „Ich wuchs mit seiner Musik auf: Steps Ahead, Weather Report und besonders „Word of Mouth“ von Jaco Pastorius. Das beste Beispiel für Erskines Genie ist „A Nut“. Darin reagiert er auf Rantalas herausforderndes Spiel mit einer scheinbar unerschöpflichen kreativen, rhythmischen und klanglichen Vielfalt. Vielleicht ist das beste Kompliment, das man Erskine dafür machen kann, seine eigene Bewunderung für Elvin Jones‘ Spiel zu zitieren: "pure emotional expression and velocity, and being in tune or somehow plugged into a higher awareness of things."

Lars Danielssons Spiel ist beides: subtil und maßgebend. Er brachte zwei Kompositionen mit ins Studio. „Choral“ ist ein kurzes Aufleben eines Wintermorgens. „Taksim By Night“ stellt eine Symbiose orientalischer Musik mit europäischer klassischer Tradition dar, der er in Istanbul begegnete und die bei ihm einen unwiderruflichen Eindruck bei Danielsson hinterließ.

Ein zusätzliches Geschenk des Albums ist Iiro Rantalas einmaliger Sinn für Humor, der immer wieder zwischen den Notenlinien zu Tage tritt. Kürzlich sagte er in einem Interview: „Wir Skandinavier mögen Moll und Traurigkeit… und Pessimismus und Dunkelheit.“ Dabei wich ihm sein charakteristisch, ironisches Lächeln nicht von den Lippen, auch nicht für einen kurzen Moment. Mit "How Long Is Now?“ schufen Rantala, Erskine und Danielsson ein durchweg lebensbejahendes Album.