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Moon And Wind
Moon And Wind

Produktinformationen

Besetzung

Huong Thanh - vocals
Nguyên Lê - electric & acoustic guitars, fretless bass, synths & computer programming
Hao Nhiên Pham - bamboo flute, 3-stringed lute (dàn dày)
Duong Tam - 16-strings zither (dàn tranh), moon shaped lute (dàn nguyêt), lotus lute (dàn sen), monocorde (dàn bau), woodblock (song lan), backing vocals
Dominique Borker - acoustic piano, synths
Illya Amar - sanza
Tino di Geraldo - cajón, frame drum, palmas
Karim Ziad - gumbri
Paolo Fresu - trumpet


Aufnahmedetails

Engineered* and mixed by Nguyên Lê at Louxor Studio, Paris Barbès from August 1998 to February 1999
*except #9 recorded live by Hervé Stauch, Le Blanc Mesnil on April 17, 1996
Produced by Nguyên Lê


Neue Klänge aus der Welt

"Laßt uns den Begriff World Music noch einmal definieren: Für mich bedeutet er die neue Identität der Kinder der Diaspora, die sich aus den Strömungen des Hier und Jetzt und der Suche nach den ältesten Traditionen zusammensetzt. Im Westen lebend, haben wir gelernt, die Erscheinungsformen dieser Zivilisation in uns aufzunehmen und eine neue Kultur zu schaffen, eine, die uns entspricht und ohne die wir nicht auskommen können. Von Tales from Viêt-Nam bis zu Moon and Wind habe ich immer wieder versucht, ein Geflecht von Begegnungen entstehen zu lassen, bei denen jeder, auf dem Hintergrund seiner eigenen Kultur, das Beste von sich geben kann. Es gibt noch so viele Dinge zu sagen und miteinander zu teilen! "  

Nguyên Lê

Im Osten etwas Neues...

Huong Thanh ist für die Liebhaber traditioneller vietnamesischer Musik keine Unbekannte. Als Tochter von Huu Phuoc, dem großen Sänger des cai luong (1), sind ihr die fließenden Arpeggios der 16-saitigen Zither, dàn tranh, oder die melancholischen Töne des Monochords, dàn bàu,  bestens vertraut. Aber sie will mehr, als bloß in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten: Sie will nicht nur alle musikalischen Traditionen Viêt-Nams, seien sie aus dem Norden, dem Zentrum oder dem Süden, aufgreifen und interpretieren, sondern sich auch der Welt und dem Zeitgenössischen öffnen. Allen Vorurteilen der Puristen zum Trotz, zögert sie nicht, sich alle Musikrichtungen und Repertoires zu eigen zu machen.

Moon and Wind, ihr erstes Soloalbum, das von ihrem Produzenten und Freund Nguyên Lê realisiert wurde, hält überraschende Begegnungen bereit: In One River, Two Streams, einem Liebeslied, das wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammt, wird Huong Thanh von dem Berber Karim Ziad auf seiner gumbri (2) begleitet (er schuldete ihr diesen Gefallen, denn sie war ihm 1998 für seine Komposition Louanges auf der CD Maghreb & Friends, ACT 9261-2, zur Verfügung gestanden). In The Soaring of the Heron, einem Lied, das alle Vietnamesen früher geträllert haben, begegnen wir einem unerwarteten Gast: dem allgegenwärtigen Flamenco-Musiker Tino di Geraldo aus Madrid, mit seinen palmas (3) und seinem cajón (4). Welch glücklicher Zufall - wenn man das Zufall nennen kann:  hier treffen sich zwei Musiker mit derselben Intensität des Gefühls  - die Sinnlichkeit des Flamenco spiegelt sich in der Stimme von Huong Thanh wieder.

Verbindungen und Begegnungen also, die alle von Nguyên Lê inszeniert wurden, auf dessen Platte Tales From Viêt-Nam (ACT 9225-2) Huong Thanh bereits 1996 zu hören war, und ohne den sie diesen Schritt wohl nicht gewagt hätte... Beide sind sich daran einig, daß die Verschmelzung verschiedener Kulturen alles andere als einen Verlust an Kultur bedeutet - unter der Voraussetzung allerdings, daß ein wirklicher Austausch stattfindet, daß ein wechselseitiges Verständnis für den anderen und die andere Kultur vorhanden ist und es nicht nur um eine oberflächliche Fusion zu kommerziellen Zwecken geht.

Noch einmal: Huong Thanh ist ein Kind der Tradition, aber gleichzeitig kommt sie aus der Gegend des Mekong, wo sich schon immer verschiedenste Kulturen miteinander vermengt haben. So wie den ersten vietnamesischen Siedlern, die aus dem Norden kamen und die Traditionen der dort lebenden Chinesen, Cham, Khmer und Montagnards assimilieren mußten, so geht es heute auch Huong Thanh. Als Vietnamesin im Ausland - sie lebt seit 1977 in Paris - hat sie den Kontakt mit dieser neuen Welt als eine Bereicherung erfahren und hier eine zweite Heimat gefunden.Durch die Schönheit ihres Gesangs erinnert Huong Thanh diejenigen, die es vergessen haben sollten, daran, daß Viêt-Nam trotz seiner regionalen Unterschiede ein Land ist, und daß dieses südostasiatische Land an der universellen Kultur teilhat.

            

(1) cai luong: Erneuertes Theater - eine gesungene und getanzte Theaterform, die 1916 in Südviêt-nam entstanden ist

(2) gumbri: dreisaitige Laute, der Baß der Wüste, typisch für Gnawa-Musik

(3) palmas: bestimmte Kombinationen von rhythmischem Händeklatschen

(4) cajón: Holzschachtel, das wichtigste Schlagzeug beim Flamenco