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Mangustao
Mangustao

Produktinformationen

Besetzung

Huong Thanh – vocals
Nguyên Lê - electric & acoustic guitars, synthesizers, sampler & computer
Duong Tam - dan tranh (16-strings zither), dan kim (lute), danbau (monocorde)
Hao Nhiên - sao (transverse) & tiêu (straight bamboo flutes), dan tam (3-strings fretless lute), dan tranh (16-strings zither), dan nguyêt (moon shaped lute), danbau (monocorde)
Karim Ziad - vocals, gumbri (north african bass lute), tablas, hand cymbals
Paul McCandless - oboe, english horn
Paolo Fresu – trumpet
Dhafer Youssef – oud
Dominique Borker -acoustic & electric piano
Illya Amar - vibraphone & marimba
Michel Benita - pizz & arco acoustic bass
Michel Alibo - fretless electric bass
Bijan Chemirani - zarb (iran hand drum), udu & gatam (earthenware), daf (frame drum), rek (oriental tambourine), cajon (spanish wood box)
Bago - west indies percussion (ti bwa, tambu ka, chacha)
François Verly - percussions (tibetan bowls, tuned bells, gongs, chimes)
The Barbès Deluxe Strings
The [[Barbès Faith Choir]]


Aufnahmedetails

Produced, Arranged, Engineered and Mixed by Nguyên Lê at Studio Louxor, Paris Barbès, from October 2002 to July 2003
Mastered by Klaus Scheuermann


Diejenigen, die schon einmal von ihr gekostet haben, nennen sie die "Frucht der Götter". Die Mangostane verbirgt unter ihrer rauen, dunkelroten Schale ein Fruchtfleisch, so köstlich und zart wie der Duft einer Blume, so weiß und rein wie frisch gefallener Schnee. Die Kunst besteht darin, sie mit bloßen Händen zu öffnen, mit dieser typisch asiatischen Mischung aus Feingefühl und Entschlossenheit. Wie die Schönheit, ist auch die Mangostane eine Frucht, die im Verborgenen gedeiht.

Mangustao ist das dritte Album von Huong Thanh, nach Moon and Wind (1999) und Dragonfly (2001). Es zeigt die Entwicklung der gemeinsamen Arbeit mit Nguyên Lê seit Tales from Viêt-Nam (1995). Im Zentrum dieser Arbeit stand schon immer die Idee, Begegnungen zwischen der traditionellen Musik Vietnams und der Vielfalt heutiger Sprachen und Techniken zu inszenieren. Und natürlich der Wunsch, diese Liebe für Vietnam an die ganze Welt weiterzugeben.

Wer könnte diese Suche nach einem "New Sound from Viêt-Nam" wohl besser verkörpern als Huong Thanh, die in Saigon als Tochter eines der berühmtesten Sänger des Erneuerten Vietnamesischen Theaters (Cai Luong) geboren wurde und mit 17 Jahren nach Paris kam? Obwohl sie in der Tradition des Cai Luong und des klassischen Gesangs aufgewachsen ist, ist sie erfahrungshungrig und dynamisch genug, um die Grenzsetzungen der Vergangenheit zu durchbrechen und sich für neue Begegnungen zu öffnen. So gehört sie heute zu den wenigen vietnamesischen Sängerinnen, die sich nicht nur, wie die Tradition es fordert, auf die Musik des heimatlichen Südvietnams beschränken, sondern die auch die Lieder des Nordens, Zentralvietnams und der ethnischen Minderheiten beherrschen und zur Aufführung bringen. Den Puristen zum Trotz ist der Gesang Huong Thanhs von makelloser Reinheit. Denn es geht nicht darum, ihn dem westlichen Geschmack anzupassen, zu ‚verjazzen’ oder die für Sinn und Klang der vietnamesischen Sprache so wichtigen Silbentöne außer Acht zu lassen. Wenn traditionelle Stücke vorliegen, wird ihnen mit allem Respekt begegnet; und wenn es sich um Kompositionen von Nguyên Lê handelt, bringt der Dichter Hong Nguyên die vietnamesischen Silbenbetonungen mit denen der melodischen Linie in Einklang. Was sich allerdings ändert, ist die Art, wie diese Melodien wiedergegeben werden – genau an diesem Punkt öffnet sich ein neuer Kosmos und neue Welten treffen aufeinander.

"The Mountain and the Source" wird vom Nebeneinander zweier Melodien bestimmt, die zunächst rein gar nichts miteinander zu tun haben. Die eine stammt von dem Algerier Karim Ziad, die andere aus dem traditionellen vietnamesischen Repertoire. Doch zwischen den beiden Sprachen und Welten entspinnt sich ein ganz außergewöhnlicher Dialog. "The Blue Dome of the Sky" ist eine Komposition von Nguyên Lê, mit der er sich in die Rolle eines türkischen Musikers versetzt, der eine traditionelle Weise schreibt. Die Inspiration dazu entstand durch seine Arbeit mit dem türkischen Ney-Spieler Kudsi Erguner. Es grüßt der Iran in der Person des Perkussionisten Bijan Chemirani, dessen Zarb, subtil und virtuos gespielt, den Mittleren Osten dem Fernen Osten näher bringt. Und hier trifft man auch Paul McCandless, diesen sehr europäischen Amerikaner, der schon seit langem klassische Musik mit Jazz verbindet, und den man jetzt in der Begegnung mit asiatischen Klangwelten erleben kann.

Für "Cold Winter, Faraway Land" wurde dasselbe Kompositionsprinzip angewendet, nur träumt Nguyên Lê diesmal von traditioneller vietnamesischer Musik. Die Art und Weise, in der Huong Thanh dieses ursprünglich instrumentale Musikstück mit ihrem Gesang zum Leben erweckt, lässt den Traum Nguyên Lê’s in Erfüllung gehen. In "Heave Ho !" zeigen die Freunde von den Antillen (Bago, Roland Chammongom) und von der Elfenbeinküste (Paul Nemlin) welch starke Verbindung von jeher zwischen Arbeit und Gesang bestanden hat.

Die Arbeiter auf den Zuckerrohr- und Reisfeldern finden sich in einem traditionellen westindischen Rhythmus von Gwoka-Trommeln vereint, zwischen dem strahlenden Gesang von Huong Thanh und dem kreolischen Gospelchor. "South Delta Song"  ist ein weiterer Worksong, diesmal aus Südvietnam. Huong Thanhs Gesang, unterstützt von Streichern und dem melancholischen Englischhorn von Paul McCandless, ist wie eine herzzerreißende Anrufung des weltumspannenden Geistes des Blues.

Wie auf allen Alben von Huong Thanh, trägt auch hier so mancher langjährige Freund das Seine zum Entstehen des neuen Klanggebildes bei. Der Trompeter Paolo Fresu ist mal der flatternde Schmetterling aus "Perfumed Flower", mal das Mondlicht, das in "Moon Boat" scheint. Der zarte Anschlag der Pianistin Dominique Borker, mit der zusammen Nguyên Lê "In the Pagoda" geschrieben hat, passt perfekt  zu der Stimme von Huong Thanh. In "The Courting" bringt die Marimba von Illya Amar eine afrikanische Note hinein und ergänzt wunderbar das typisch vietnamesische Monochord von Duong Tam, einem traditionellen Musiker, der in Los Angeles lebt. Ausgehend von dem südvietnamesischen Schlaflied "Like a guitar with no strings" – ‚Ohne deine Eltern bist du wie eine Gitarre ohne Saiten’ -  entwickelt der tunesische Oud-Spieler Dhafer Youssef  einen betörenden ‚All South Blues’.All diese Begegnungen, die von Nguyên Lê inszeniert und orchestriert wurden, haben gemeinsam die sanfte "Mangustao" entstehen lassen. Möge ein glücklicher Regen diese Frucht nähren und uns von fernen Tropen in künftige Himmelsregionen entführen!