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Heinz Sauer
If (Blue) Then (Blue)

If (Blue) Then (Blue)
If (Blue) Then (Blue)

Produktinformationen

Besetzung

Heinz Sauer / tenor saxophone
Michael Wollny / piano (on 1/7/9/10/11/13/16), fender rhodes (#04)
Joachim Kühn / piano (on 2/3/5/6/8/12/14/15)


Aufnahmedetails

Recorded on 22nd - 24th August and mastered on 01 October by Adrian von Ripka at Bauer Studios Ludwigsburg, 2009
Produced by Siegfried Loch


BLAUE WONNEN: Heinz Sauer macht erstmals Aufnahmen mit Joachim Kühn und lässt mit ihm und Michael Wollny eine aufregende Hommage an Kind Of Blue entstehen:

„Der Jazz lebt hier wieder“, „Zauberhafte Miniaturen für die Ewigkeit“, „Starkes Doppel!“ So feierte die Presse den Saxophonisten Heinz Sauer und den Pianisten Michael Wollny für ihre beiden ACT-CDs, Certain Beauty ACT 9442-2 und Melancholia ACT 9433-2. Ein Gespann, das Furore machte, nicht nur wegen der 46 Jahre Altersunterschied der beiden Musiker (Jahrgang 1932 und 1978), sondern vor allem wegen der großen kreativen Spannung, die dieser Begegnung innewohnte: Hier der altersweise Saxophonist mit dem prägnant schillernden Ton, dort der junge Tasten-Gipfelstürmer mit dem musikalisch in allen Richtungen präsenten Vokabular. Nicht von ungefähr erhielt Melancholia denn auch den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ und Certain Beauty die Auszeichnung „CD des Jahres 2006“ des französischen Jazzman-Magazins.

Für Heinz Sauer waren diese beiden CDs wichtige späte Erfolge in einem reichen, aber selten so gekrönten, langen Musikerleben: seine erfolgreichsten Platten überhaupt. Für eine Fortsetzung der aufregenden und sperrig-schönen Duo-Ästhetik dieser Aufnahmen setzte Producer Siegfried Loch die Idee einer Erweiterung in die Tat um. Er brachte einen weiteren Partner für Heinz Sauer mit ins Spiel, der sich hier mit Wollny abwechselt: den Pianisten Joachim Kühn (Jahrgang 1944), der kurz zuvor im Duo mit Michael Wollny einen großen Erfolg bei ACT landete (Live At Schloss Elmau ACT 9758-2). Kühn ist wie Sauer eine der ganz großen Figuren des deutschen Jazz seit Jahrzehnten. Damit kam eine Premiere zustande: Joachim Kühn und Heinz Sauer, zwei Aushängeschilder des deutschen Jazz, hatten vorher nie gemeinsame Aufnahmen gemacht. Hier also treffen sie aufeinander – und dies in besonders inspirierter Form. Denn im Jahr des 50. Jubiläums eines großen Jazz-Klassikers, der Miles-Davis-Platte Kind Of Blue, regte Siegfried Loch die Musiker an, Aufnahmen zu machen, die auf die spezielle Werkstatt-Atmosphäre und musikalische Dichte des Jahrhundertwerkes reagieren. IF (BLUE) THEN (BLUE) heißt ihr gemeinsamer Wurf, der musikalisch so tiefgründig und spektakulär ist wie die Personenkonstellation: Wenn schon blue, denn schon blue.

Hier spielt nie ein Trio, sondern es sind stets zwei Duos abwechselnd zu hören: immer mit Sauer, der jedoch mal mit Wollny, mal mit Kühn dialogisiert. Im Ping-Pong der Pianisten geht es jedoch nicht um Wettstreit, sondern um ein respektvolles Einander-Ergänzen und Inspirieren. Von einer „Session mit vielen spontanen Momenten“ spricht Heinz Sauer selbst. Die Aufnahmen mit den beiden Partnern entstanden nicht an unterschiedlichen Tagen, sondern stets waren alle drei Musiker anwesend – und so konnten Kühn und Wollny immer auch auf das reagieren, was der jeweils andere vorher gespielt hatte. Sauer: „Die Reihenfolge der Stücke auf der CD entspricht der Reihenfolge, in der wir sie aufgenommen haben.“ Das Abenteuer des Entstehens kann der Zuhörer hier also miterleben. Übrigens mit ganz konkreten Huldigungen an Miles Davis’ Kind Of Blue, denn drei Stücke daraus tauchen auch hier auf: „All Blues“, „Flamenco Sketches“ und „Blue In Green“.

Heinz Sauer in spannenden Gegenüberstellungen. Zwei Partner mit ganz scharfem Profil. Auf der einen Seite Michael Wollny, der subtile Kombinierer universaler Klavierfarben von romantischer Düsternis bis hin zu schroff-klirrendem Neutönertum; auf der anderen Seite Joachim Kühn, der Energetiker, ewige Sturm-und-Drang-Musiker, der Meister explosiver Wirbel und inniger Schönheit des Tons. Beides sind Musiker abseits jeder Stromlinienförmigkeit. Intensität, Ausdruck ohne Kompromisse, ganz eigener Ton: Das zeichnet sie aus. Und dennoch gibt es Unterschiede: „Für Michael ist das Wort Jazz ja viel zu eng; wenn ich mit ihm spiele, ist alles offen. Bei Joachim hingegen ist mehr die alte Jazztradition zu spüren“, sagt Heinz Sauer.

In ihrer Kompromisslosigkeit und Ausdrucks-Intensität treffen sich die beiden Pianisten kongenial mit dem Saxophonisten. Sauer ist ein Musiker, der auf seinem Tenorsaxophon innerhalb von Sekundenbruchteilen die Klangfarben wechseln kann. Wie Lava strömt sein Ton, rotglühend, wieder erkaltend, zerklüftete Formationen bildend. Sein Instrument knurrt und fiept, röhrt und schmirgelt, quengelt und kreischt, lässt sattes Nebelhorn-Volumen und quirlig flötende Zartheit so rasch und selbstverständlich auseinander hervorgehen, dass der Hörer in Wechselbäder der Emotionen gepeitscht wird und es mit intellektuellen und emotionalen Wonnen genießen kann. So wie Sauer spielt kein anderer Saxophonist auf der Welt. Der Zeitgenosse von Musikern wie Albert Mangelsdorff, aber auch Michael Wollny, dieser Langzeit-Aktuelle, der ein halbes Jahrhundert Karriere in wenigen Tönen zu bündeln versteht, ist ein Unikat. Und hier kommt er zur besten Geltung: in einer aufregenden Dreiecksbeziehung deutscher Weltklasse-Musiker beim von einem großen Klassiker inspirierten Generationen-Gipfel. IF (BLUE) THEN (BLUE) - Wenn schon, denn schon.