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Heinz Sauer
Don't Explain - Live In Concert

Heinz Sauer & Michael Wollny - ©ACT / Anna Meuer
Heinz Sauer & Michael Wollny - ©ACT / Anna Meuer
Heinz Sauer & Michael Wollny - ©ACT / Anna Meuer
Heinz Sauer & Michael Wollny - ©ACT / Anna Meuer

Produktinformationen

Besetzung

Heinz Sauer / tenor saxophone
Michael Wollny / piano


Aufnahmedetails

Produziert von Siggi Loch

Live aufgenommen von Walter Quintus am 2. September 2012 in der Stadtkirche Darmstadt

Gemischt und gemastert von Walter Quintus


Er fühle sich „Weder Ur- noch Gestein“, erwiderte Heinz Sauer, als er zu den fundamentalen Größen des deutschen Jazz gezählt wurde. Dabei wird der Saxofonist, der am 25. Dezember 2012 seinen 80. Geburtstag feiert, ganz zu Recht „ein Gigant“ (FAZ) und „Altmeister des Saxophons“ (DIE ZEIT) genannt, stand er doch seit seinen Anfängen an der Seite Albert Mangelsdorffs im Zentrum der europäischen Jazzgeschichte. Im Grunde aber ist Heinz Sauer bis heute ein Heranwachsender: einer, der weiß, dass der Weg des Meisters nie am Ziel ankommt.

Schon früh gehört Sauers Funken sprühendes Spiel zu den markanten Klangfarben eines selbstbewusst europäischen Jazz, auch wenn er sich immer wieder auch mit der US-Tradition auseinandersetzt, mit George Adams und Archie Shepp, später mit Bennie Wallace, in Aufnahmen mit Dave Holland und Jack DeJohnette – und immer wieder mit dem Pianisten Bob Degen. Als letzterer 1999 für einige Zeit in die USA zurückkehrt und sein Pianohocker im hr-Jazzensemble, dem Sauer seit einem halben Jahrhundert angehört, frei wird, meint es das Schicksal gut mit dem wählerischen Saxofon-Individualisten: Er trifft hier auf den jungen Michael Wollny, der ihn nachhaltig beeindruckt.

Als Duo treten die Beiden erstmals im Literaturhaus Darmstadt auf. Die Bühne dort bietet gerade Platz für zwei. Ohne Zeit für Absprachen sind sie darauf angewiesen, frei zu improvisieren. Der Abend gelingt und zieht Folgen nach sich. „So entwickeln einer der großen Individualisten des Saxofons und das größte deutsche Pianisten-Talent faszinierende Dialoge voll unsentimentaler Wärme, mit oft überraschenden Pointen. Man möchte ihnen endlos zuhören“ schreibt die Münchener TZ, als im Frühjahr 2005 mit „Melancholia“ das erste gemeinsame Album erscheint. DIE ZEIT entdeckt in der unverstellten Ausdruckskraft des Generationen übergreifenden Duos grundlegende Qualitäten und jubelt: "Der Jazz lebt hier wieder" und die WELT am Sonntag zählt es "zum Besten, das deutscher Jazz zu bieten hat".

„Die Kontrolle aus der Hand geben und sehen, was passiert“ nennt Wollny das Credo des gemeinsamen Spiels mit dem Duo-Partner Sauer, das ihren freien, aus der Ruhe geschöpften Improvisationen ebenso zu Grunde liegt wie den Erkundungen der Eigenkompositionen, die sie sich gegenseitig vorstellen - oder jener Wege, die sie durch Klassiker von Monk und Billie Holiday nehmen. Ihren Radius erweitern sie dabei in Sieben-Meilen-Stiefeln, auf „Certain Beauty“ heißen die Basisstationen ihrer Expeditionen unter anderem Gershwin, Gil Evans, Björk und Prince. Das Album schlägt auch außerhalb Deutschlands hohe Wellen. In Frankreich kürt das renommierte Magazin Jazzman das Album mit dem CHOC zur Jazz-CD des Jahres 2006.

Die konzentrierten Zwiegespräche machen dabei nicht viele Worte, die melancholische Grundhaltung entspricht tiefer Lebenserfahrung. „If (Blue) Then (Blue)“ heißt das folgende Album, das Heinz Sauer gleich in zwei Duos zeigt: jeweils abwechselnd mit den Pianisten Michael Wollny und Joachim Kühn. „Schlicht eine Meisterleistung!“ konstatiert das Magazin Stereoplay, und die FAZ fasst zusammen: „Heinz Sauers Spiel ist von unvergleichlicher Dichte, Weisheit, Vitalität, Schönheit, Unberechenbarkeit. Das noch junge Jazzjahr hat sein erstes Meisterwerk.“

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag erscheint jetzt mit “Don´t Explain“ das vierte Album von Heinz Sauer im Duo mit Michael Wollny – live aufgenommen in Darmstadt, wo für die Beiden vor nunmehr 10 Jahren alles begann. Am 2. September eröffneten Sie dort die Reihe „Live! - Jazz in der Stadtkirche“ – und stellten ihr Konzert unter das Motto „Open“: „Offen für den Raum, das Publikum, die Atmosphäre, die Schwingungen, die uns während des Konzerts erreichen. Ein musikalischer Seiltanz ohne Netz und doppelten Boden“, wie Sauer zusammenfasst.

Im spätgotischen Chor-Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert entwickeln die Improvisationen des Duos besondere Intensität „eben weil sich der spontan erfundene Klang hier anders entfaltet als in den üblichen Konzerthäusern“ wie Wollny ergänzt.

Unter diesen besonderen Umständen wagte das Duo das Experiment eines Live-Mitschnitts. Die beiden Partner konnten sich dabei blind vertrauen: „scheinbar aus dem Nichts geboren“ (Darmstädter Echo) entfalten sich ihre Klänge, spannen sich Motive zu großen Bögen, zu Räumen freier Inspiration. Entschlossen weiten sie deren Grenzen aus – und finden in intuitivem Einverständnis zurück zur Stille. Als Wegmarken bei ihren traumwandlerischen Exkursionen dienen ihnen Miles Davis, Billie Holiday, e.s.t., Prince, sogar Bob Dylan, dieser andere große erzählerische Einzelgänger.

So ist mit „Don´t Explain“ das beeindruckende Dokument einer lebendigen musikalischen Partnerschaft entstanden. Für Heinz Sauer das schönste Geburtstagsgeschenk. „Älter werden muss ja nicht negativ sein“ sagt er. „Als Musiker, als Künstler empfinde ich mich schon als ein privilegierter Mensch.“